Die neuen LVS im Test

Mit welchem LVS kommen Ungeübte nach kurzer Instruktionszeit am schnellsten zu einem Verschütteten? Diese simple Frage versuchte das Konsumentenmagazin Kassensturz zu beantworten. «Sieger» im Kas-sensturz-Test waren das Tracker DTS und das Mammut Barryvox. Die kurzen Suchzeiten von rund 2 Minuten dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine erfolgreiche Rettung mit Organisation und Ausgraben schnell einmal 10 bis 15 Minuten dauert.

Die Vorgabe war, den Test mit vier verschiedenen Produkten (Mammut Barryvox, Ortovox M2, Tracker DTS und VS 2000 = «altes» Barryvox) an einem Tag mit möglichst vielen Versuchen (Such-zeitmessungen) durchzuführen. Wichtig war dabei, dass alle Geräte und Probanden in einer zufälligen Reihenfolge gleich häufig einfachere und schwierigere Situationen antrafen, um schliesslich möglichst statistisch relevante Resultate zu erhalten.

Insgesamt 32 Freiwillige – Schüler und Studenten – nahmen am Test teil. 16 im LVS-Suchen ungeübte Jugendliche suchten gleichzeitig auf 16 Versuchsfeldern, die rund 100 m auseinander lagen, und zwar je viermal mit jedem der vier getesteten Geräte. Vor jedem der vier Durchgänge erfolgte eine 10- bis 15-minütige Instruktion. Die übrigen 16 Jugendlichen massen die Zeit vom Startpunkt (Umschalten auf Suchen) bis zum Auffinden des Senders (Treffer beim Sondieren). Die Sender waren unterhalb eines 40ϫ80 cm grossen Brettes vergraben. Die Antenne aller Sender war um 45° geneigt und schaute in eine zufällige Richtung. Als Sender wurden ausschliesslich VS 2000 verwendet. Um die 16 Versuchsfelder mit genügendem Abstand anzuordnen, wurde eine rund 700ϫ700 m grosse Fläche – mit genügend Schneebenötigt. Die grosse Ebene auf der Engstligenalp (Adelboden) war die Lösung. Alle Jugendlichen waren mit grossem Eifer bei der Sache, nur in zwei Fällen gaben die Probanden nach längerem Suchen auf. Schliesslich lagen für jedes Gerät 64 Messwerte vor.

Eines vorweg: Alle Geräte bestanden den Test in dem Sinn, dass in den meisten Fällen (88%) der vergrabene Sender in weniger als 5 Minuten gefunden wurde. Zweifellos ist eine Verschüttetensuche ein Wettlauf mit dem Tod, aber bei weitem am meisten Zeit wird in der Regel beim Ausgraben benötigt. Ein kleiner Wettbewerb zeigte, dass vier Jugendliche rund 12 Minuten brauchten, um eine 1,20 m tief vergrabene Puppe so freizulegen, dass mit den lebensrettenden So-fortmassnahmen hätte begonnen werden können.

Am besten kamen die Jugendlichen mit den beiden digitalen Geräten Tracker DTS und Mammut Barryvox zurecht, wurden doch die vergrabenen Sender in knapp 2 Minuten gefunden (vgl. Tab.). Der Unterschied von 3 1/2 Sekunden ist statistisch nicht signifikant. Mit den beiden anderen LVS-Geräten (VS 2000 und Ortovox M2) dauerte die Suche im Mittel (Medianwert) klar länger, nämlich rund 3 bzw. 3 1 / 2 Minuten. Der über die Engstligenalp fegende Föhnsturm erschwerte die Suche vor allem mit dem VS 2000, da seine Emp-fangssignale nur akustisch wahrgenommen werden können.

Die neuen Lawinenverschütteten-Such-geräte scheinen ihre Kinderkrankheiten mehrheitlich überwunden zu haben. Am schnellsten suchten die Jugendlichen mit dem Tracker DTS und dem Mammut Barryvox, die über zwei Antennen und damit über eine echte Richtungs- und Distanzangabe verfügen. Die LVS mit bewährter analoger Technik – im Fall des Ortovox M2 unterstützt mit optischer, digitaler Suchhilfe – haben etwas schlechter abgeschnitten. Eher überraschend waren die guten Resultate, die die Jugendlichen mit dem VS 2000 erreichten. Wie bereits erwähnt sind natürlich auch andere Kriterien wie Reichweite, Benutzerfreundlichkeit und das Verhalten bei Mehrfachverschüttungen wichtig. So haben Geräte mit einer direkten Umwandlung des analogen Signals in ein akustisches eine klar grössere Reichweite. Erfahrungsgemäss kommt diese Eigenschaft aber erst bei sehr grossen Lawinenablagerungen oder bei der Suche aus dem Helikopter wesentlich zum Tragen.

Abschliessend gilt zu betonen, dass mit jedem LVS regelmässig geübt werden muss, um ein rasches Auffinden zu gewährleisten, insbesondere im Fall von Mehrfachverschüttungen. Das Wichtigste aber bleibt, sich so zu verhalten, dass eine Lawinenverschüttung sehr unwahrscheinlich wird. Die Überlebenschance von Ganzverschütteten liegt nämlich bei nur rund 50%. 

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