Durch die Nordwand zum Gipfel der Gipfel

Am 14. Juli 1965 durchstieg die Genferin Yvette Vaucher als erste Frau die Nordwand des Matterhorns.

Mit ihren 1000 ungastlichen Metern gehörte die Wand lange zu den drei ungelösten «Problemen der Alpen». Erstmals durchstiegen wurde die Matterhornnordwand dann 1931. Aber erst am 14. Juli 1965, also auf den Tag genau 100 Jahre nach der Erstbesteigung des Gipfels durch Whymper über den Hörnligrat, kletterte die erste Frau durch die Wand.

Yvette Vaucher träumte schon lange vom «Gipfel aller Gipfel», wie sie im selben Jahr in der Zeitschrift «Die Alpen» sagte. Aber war sie bereit für die Nordwand? «Das wäre ein Projekt für später», schrieb sie. Doch es kam anders: Schon am 12. Juli ruft ihr Mann, der Bergführer Michel Vaucher, aus der Hörnli­hütte an: Sie solle ebenfalls hochkommen. Das Duo verlässt die Hütte um 2.30 Uhr am nächsten Morgen. Begleitet vom Bergführer Othmar Kronig trotzen sie auf der Schmid-Route den schlechten Bedingungen in der Wand. Sie erreichen den Gipfel am Morgen des 100-Jahr-Jubiläums nach einer mühsamen Nacht in der Wand auf über 4000 Metern. Yvette Vaucher war damals 35 Jahre alt, heute ist sie 85.

50 Jahre Bonatti-Route

Einige Monate zuvor hatte Walter Bonatti Alpinismusgeschichte geschrieben, indem er im Winter jene Route in dieser Wand solo eröffnete, die seinen Namen trägt. Dieser Exploit, realisiert in vier Tagen, war der letzte seiner Bergsteigerkarriere.

Heute muss man die Nordwand unter zwei Stunden bewältigen, wenn man noch Aufmerksamkeit auf sich lenken will. Der Urner Dani Arnold brauchte vergangenen April genau 1 Stunde und 46 Minuten, zehn Minuten weniger als Ueli Steck im Jahre 2009.

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