Eigerjagd. Paul Townend

AS Verlag, Zürich 2001; ISBN 3-905111-66-7. Fr. 29.80

Paddy Chipperfield, der bekannte Star-reporter und News-Jäger einer grossen englischen Zeitung, meint, durch die Milchglasscheibe in einem unbekannten Restaurant in Interlaken das Profil des « falschen Barons » Wendelin Mandoza erkannt zu haben. Jenen Wendelin Mandoza, der in der Jet-Set-Welt vor allem durch seine Liebesaffäre mit einer Königin bekannt geworden ist. Die Recherchen Chipperfields führen ihn ins Gletscherdorf Grindelwald, zu einem Bergführer, der mit der lokalen Organisation im Clinch liegt, und vor allem zur berüchtigten Eigernordwand, der « Mör-derwand ». Die Neuigkeit, dass Baron Mandoza die Wand durchsteige, löst eine Medienlawine sondergleichen aus. Alle Mittel sind recht, um herauszufinden, ob der unbekannte Bergsteiger wirklich Mandoza ist oder nicht. Und während sich die Reporter um die besten Plätze an den aufgestellten Fernrohren auf der Terrasse des Grand Hotel Nordwand prügeln, kämpfen zwei Bergsteiger in dieser Wand mit dem Tod. Die Frage, wer dort wirklich ist und wer sich – wort-wörtlich genommen – in Rettungsversuche stürzt, hält den Leser in Spannung. Geschrieben wurde Eigerjagd 1960 1

vom in der Schweiz lebenden Engländer Paul Townend im Nachgang des « Corti-Longhi-Dramas » von 1957, das die Welt in Atem hielt. 40 Jahre später spielen sich bei mediengerechten Ereignissen die genau gleichen Vorgänge ab, auch wenn sich die eingesetzten Hilfsmittel verändert haben. Und die Frage, was bei Berichterstattungen menschenwürdig sei, stellte sich offensichtlich vor 40 Jahren nicht anders als heute! Faszinierend für Alpinisten sind auch all die Passagen, die die Möglichkeiten und Anstrengungen der eingesetzten Rettungskolonne beleuchten – eine spezielle Form der Ret-tungsgeschichte im Jubiläumsjahr der SAC-Rettung. Und nicht zuletzt hat mich dieser Krimi gepackt, weil ich für einmal den « Tatort » – Grindelwald, Alpiglen, Kleine Scheidegg – gut kenne. Immer überragt von der Eigernordwand. a

Margrit Sieber 1 Die Übersetzung von 2001 stammt von ALPEN-Mitarbeiter Emanuel Balsiger, Hettiswil

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