Ein Abstecher ins unbekannte Nepal (Schweizerische Himalaya-Expedition 1936)

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Schweizerische Himalaya-Expedition 1936.

Von August Gansser.

Auf einem Grenzgrat zwischen dem nordwestlichen Nepal und Tibet stand Ende Mai 1936 unser kleines Zelt bei 5300 m. Die ganze Nacht hatte es geschneit, die ersten Vorläufer des Monsuns. Oft fauchten so heftige Windstösse um unser Lager, dass wir glaubten, samt dem Zelt über den Grat zu fliegen. Beim ersten Morgengrauen kriechen wir aus unseren Schlafsäcken. Die Zeltwände sind innen vereist, sogar auf dem Schlafsack ist eine dünne Schicht Rauhreif. Mit steifen Fingern bastelt man an der doppelten Verschnürung und streckt dann den Kopf ins Freie. Anstatt Morgen-waschung bekommt man eine Ladung feinen verblasenen Pulverschnee ins Gesicht. Ein eisiger Wind pfeift durch die verzuckerte Landschaft. Windfahnen zieren die Gräte und Gipfel. Auf 5000 m Höhe breitet sich ein weites Nebelmeer aus. Wir lagern 300 m höher und sehen, wie sich der 7100 m hohe Nampa in dem ersten Sonnenlicht badet. Weiter im Osten tauchen immer neue Gipfel in den Bereich der ersten Sonnenstrahlen. Ein ganzes, noch nie gesehenes Gebirge glänzt in der goldenen Morgensonne. Kein Weisser hat je diese Berge gesehen, niemand kennt ihre Namen.

Auch diesmal trennen wir uns, um unser grosses Programm, die geologische Erforschung des zentralen Himalaya, auf grösster Basis durchführen zu können. Prof. Arnold Heim zieht gegen den Lipu-Lek, einen der bedeutendsten Grenzpässe zwischen Indien und Tibet. « Salam Sahib, Salam Bara Sahib! » Mit zwei Kulis wandre ich, alle sind wir schwer bepackt, dem unbekannten Nepalgebirge entgegen.

« Sahib, es ist heiss heute, und Nr. 1 ist noch nicht da. » Paldin, ein Sherpakuli aus Darjeeling, ein « Tiger », bleibt stehen, stellt den Pickel als Stütze unter seinen schweren Rucksack und rückt das Tragband über seiner Stirne zurecht. Nr. 1 war unser bester Dotialkuli, ein Nepalese aus dem Südwesten von Nepal. Immer war er der Erste, und seine Eigenschaft als Nr. 1 hatte sich allen so eingeprägt, dass er nur durch diese Nummer erreicht wurde. Trotz seinem lieblichen, immer freundlichen, etwas indifferenten Grinsen konnte man seinen Stolz, einen solch aristokratischen Namen zu führen, doch etwas herausfühlen. Aber heute ist Nr. l nicht der Erste, sondern wir müssen lange auf ihn warten. « Bald schlagen wir unser Lager auf, Nr. 1. » « Yes », lautet seine prompte Antwort im Tone der vollsten Überzeugung. Er wischt mit dem Handrücken den Schweiss von der Stirne und putzt mit der gleichen Bewegung auch die Nase. « Etwas Holz für ein Depot muss noch mit. » « Yes », aber er rührt sich nicht. « Du bist ein Mondkalb », könnte man ihm auch sagen. « Yes » lautete die Antwort mit tödlicher Sicherheit, obschon er kein Wort Englisch versteht.

Bei 4000 m lagern wir unter blühenden Rhododendronbüschen, unter den letzten krummen Birken. Wir sind am Rande eines 15 km langen, ganz moräne- Die Alpen — 1937 — Les Alpes.17 bedeckten Gletschers angelangt. Zwischen den Moräneblöcken wachsen die schönsten wilden Rhabarber, Riesenblätter mit rotleuchtenden Stengeln. Paldin kommt von der Moräne zurück mit einem ganzen Bündel dieser roten Stiele unter dem Arm. Unterdessen ist Nr. 1 um das Feuer bemüht. Ich schreibe am geologischen Tagebuch. Schon brodeln die roten Rhabarber-stengel in unserer Pfanne. Mit vollen Backen bläst Nr. 1 in die Glut, dass die Funken stieben. Tsampa ( geröstetes Gerstemehl ) mit Rhabarber ist heute « plat de résistance ». Unterdessen ist es dunkel geworden. Das grosse Lagerfeuer verglimmt allmählich. Wir lagern ohne Zelt. Ich liege in meinem Schlafsack unter einem hohen Rhododendronbusch, träume mit offenen Augen und schaue durch die grossen, gespenstisch leuchtenden weissen Blüten in den funkelnden Sternenhimmel.

Wir sind eine Tagereise weiter. Unten auf dem moränenbedeckten Gletscher steht unser Proviantdepot, ein Steinmann mit einer flatternden Schweizerfahne. Im Hintergrund erhebt sich der 7100 m hohe Nampa. Wir sehen seine steilen Ostwände, links davon eine kleine Scharte. Über ihre fast senkrechten Wände stürzen wilde Gletscherbrüche. Hier sollen früher die Einwohner des Nepaldorfes Chagru nach dem südlicheren Marma gewandert sein. Die Männer von Marma kamen über diesen Pass, um sich mit den Frauen von Chagru zu verbinden. Daraus soll das Geschlecht der Boro entstanden sein.

Vor einigen Tagen erhielt ich von der letzten Überlebenden der Boro-sippe in Chagru einen Tee. Das ganze Dorf war versammelt, und während ich den übersüssen Tee schlürfte, erfuhr ich von einer hochinteressanten Sage. An hohen Stangen flatterten die Gebetsfahnen im Wind, und durch die kleinen weissen Wimpel sah ich hinauf zum vergletscherten Pass. « Hier waren früher blumige Alpen », so berichtet die Sage. « Eine Frau kam einst mit ihrem kleinen Kinde aus Marma. In Chagru liess sie sich ein Haus bauen. Das Kind spielte mit den Steinen und verletzte sich am Finger. Und als der Finger blutete, da wuchsen die Mauern von selber weiter. Die Einwohner staunten vor dem Wunder. Sie glaubten im Blute des Kindes eine grosse Kraft und töteten es, um mehr Wunder zu erleben. Aber die erhoffte Wirkung blieb aus, die verzweifelte Mutter verfluchte das Dorf und wünschte ihm die schwarzen Pocken. Und bei dem Fluch der Mutter verwandelte sich der blumige Pass in einen wilden Gletschersattel, und niemand konnte mehr von Chagru nach Marma wandern. » Himeti Padani, die alte Borofrau mit ihren überaus feinen, intelligenten Gesichtszügen, füllt meine Holzschale wieder mit Tee, und ich erfahre weiter: « Eine Zeit nach dieser Episode gingen zwei Einwohner von Chagru in die Mühle, um ihre Gerste zu mahlen. Die Mühle funktionierte nicht recht, und da stieg der eine zum Wasserrad hinunter. Durch das rotierende Rad flogen ihm die Dreckspritzer in das vom Mehlstaub weisse Gesicht. Er kam zu seinem Kameraden zurück. Dieser erkannte ihn nicht mehr und glaubte das Pockengespenst vor sich zu haben. Er flüchtete mit der Schauerbotschaft ins Dorf zurück, und da geschah es, dass überall die schwarzen Pocken aus- EIN ABSTECHER INS UNBEKANNTE NEPAL.

brachen. Der Fluch der Marmafrau hatte sich erfüllt. In aller Eile rafften die Borofamilien ihr Hab und Gut zusammen, flüchteten die steilen Felswände hinauf und verschwanden in einer Höhle. Seitdem hat man nichts mehr von ihnen vernommen. » Über steile Felsbänder, durch stacheliges Ginstergestrüpp klettere ich mit ein paar Eingeborenen zu der besagten Höhle hinauf. Der kleine Eingang liegt 500 m über dem Dorfe, etwa 3700 m hoch. Ein Urwald von dichtem Juniperusgestrüpp, wilden Rosen, Kotoneastern und stacheligen Ginstern Schädel und Holzzylinder zur Teebereitung in der Totenhöhle von Chagru, 3700 m, Nordwest-Nepal.

lässt uns fast nicht vorwärtskommen Die Hände schmerzen von den kleinen Stacheln des Ginsters, die sich hier ähnlich den Stacheln gewisser Kaktus-arten gleich loslösen und in der Haut stecken bleiben. Grosse bunte Eidechsen verschwinden in den Felsspalten. Trotz der 3700 m muss hier auch vor den Schlangen etwas aufgepasst werden.

Die kleine Eingangsspalte der Höhle wird sichtbar. Ängstlich blicken meine Begleiter hinauf, scheinen aber nichts Verdächtiges zu sehen und beruhigen sich wieder. In den letzten Felsen muss noch gehörig geklettert werden. Unheimlich sticht die Sonne heute, senkrecht fallen die Strahlen der tropisch-heissen Maisonne. Nur wenige Meter trennen uns noch von dem Höhleneingang. Wir klettern um eine Felsnase herum und — stehen plötzlich im Eingang einem hockenden Skelett gegenüber. Daneben liegt der Kopf am Boden und grinst uns aus seinen dunklen Augenhöhlen an. An den Schädelknochen kleben noch einige fein gezöpfelte Haarreste.

Wir dringen in die Höhle ein. Meine Begleiter pressen Lumpen vor ihr Gesicht, auf dass die bösen Geister keinen Eingang finden. Innen liegt alles voll menschlicher Knochen. Halbe Skelette mit pergamentener Haut überzogen, teilweise noch mit einigen Fetzen bunten Stoffes behangen. Holzzylinder, wie sie von den Tibetanern zur Bereitung des Buttertees benützt werden, liegen neben Schädeln und Felstrümmern. Im hinteren Teil der Höhle stehen einige halbverfallene Kisten, ganz mit Kinderknochen gefüllt. Der Hintergrund der Höhle ist zusammengestürzt. Grosse Felsblöcke verhindern ein weiteres Eindringen. Nach den Aussagen meiner Begleiter soll die ganze Gegend vor etwa zehn Jahren von einem Erdbeben heimgesucht und so auch der innere Teil der Höhle verschüttet worden sein. Dort hätten Waffen, Schmuck und weitere Skelette herumgelegen. Einer meiner Chagru-leute ist einmal drinnen gewesen. Sie hätten vom Goldschmuck mitnehmen wollen, aber kaum beim Eingang der Höhle angelangt, habe eine Stimme aus dem Innern ihr Eigentum zurückverlangt. Auch mir war es nicht möglich, etwas mitzunehmen. Die Leute hätten es nicht zugelassen aus lauter Angst vor den Geistern der Toten. Ich habe die letzten Überreste des Stammes der Boro gesehen. Über den steilen Eissattel rechts vom Nampa schiesst eine elegante Staublawine herunter, löst sich in ballige Schneewolken auf, die ganz langsam in den Gletscherbrüchen verlaufen — ein Gruss an die Toten von Chagru.

« Sahb, Sahb! » Paldin hält seine Arme wie Hörner an den Kopf und deutet zur rechten Moräne des schmutzigen Gletschers. Eine Herde Wildschafe jagt den Hang hinauf. Zwei Lämmergeier segeln den steilen Felsabstürzen entlang. Immer streichen sie ihren gleichen Weg, verschwinden um die markante Felsnase, kommen weiter oben wieder zurück. Nie tun sie den geringsten Flügelschlag, nur einmal lässt sich der eine mit zusammengefalteten Flügeln fallen und fängt seinen Sturzflug wieder auf. Falscher Alarm! Orange leuchtet die Brust des einen in der Abendsonne, er scheint das Männchen zu sein, deutlich kann ich den kleinen schwarzen Bart unter dem Schnabel erkennen.

Paldin und Nr. 1 sind am Hacken. Ich beende noch schnell eine Skizze eines Seitengletschers, der hier dem Hauptgletscher aufgeschoben ist. Durch die sehr verschiedenartige Vergletscherung, das ungleiche Gefälle zwischen Haupt- und Nebengletscher, die sehr verschiedene Moränenbedeckung ist hier das Phänomen der sich übereinanderschiebenden Gletscher besonders deutlich. Sämtliche Seitengletscher, welche in den trägen Hauptgletscher ein- münden, legen sich über denselben, um dann den eigentlichen Hauptgletscher zu bilden, bis weiter talabwärts sich ein neuer Seitengletscher darüber legt.

Trotz einsetzendem Sturme muss die Arbeit noch so gut wie möglich beendet werden. Die Zeit ist zu knapp bemessen, als dass man sich die Schönwetterperioden für solche Untersuchungen auswählen kann. Scharf beissen die kleinen Eisnadeln. Monsunvorboten. Und dies schon anfangs Juni!

Paldin und Nr. 1 hacken tüchtig weiter. Besorgt schaue ich hin und wieder ihrer Arbeit zu. Sie hacken an den Fundamenten eines riesigen Gletschertisches. Darunter soll unser Lager entstehen, gut geschützt vor dem Monsunsturm. Wieviel darf jedoch am Stiele dieses Riesenpilzes abgenommen werden, ohne dass der Block unser kleines Zelt zusammendrückt? Dies ist das wichtige bautechnische Problem. « Baut atscha, Sahb », meint Paldin, « sehr gut, Sahb », und wir kriechen alle drei in das kleine Zelt.

Heute werden wir wohl unser Lager zuhinterst im Tale aufstellen können, ganz umgeben von den neuen unbekannten Bergen. Langsam erscheinen die weissen Gräte hinter den nahen Felskulissen. Eis sitzt in den steilsten Flanken, von feinen Rillen durchzogen. « Och, Sahb, dieser hier, nein dieser, och, jener ist noch schöner! » Paldin ist ganz begeistert. Nr. 1 hat seine Schuhe über die Schulter gehängt. Barfuss kommt er langsam über den scharfen Moränenkamm. « Sie sind zu schwer, Sahb, und ohne geht es besser »... Es wird wohl so sein. Die spitzen, wackligen Moränensteine machen seiner Elefantenhaut nichts.

Es war überhaupt typisch für alle unsere Dotialträger: alle waren begeistert von unseren Bergschuhen und trugen sie auch in der grössten Hitze, wenn auf den einfachen Wegen das Barfusslaufen ein Genuss gewesen wäre. So es aber im Fels etwas zu klettern gab oder ganz steile, vereiste Schneehalden zu queren waren, dann zogen sie die Schuhe lieber aus.

Zuhinterst im Tal, neben dem grossen Gletscherbruch des Nampa-gletschers Nr. 4 ( die namenlosen Gletscher wurden alle mit Nummern bezeichnet ) schlagen wir unser schönstes Lager auf. Wir sind rings umgeben von steilen Rillengipfeln, alle zwischen 6500 und 7000 m hoch. Keiner dieser Gipfel hat einen Namen. Auch Eingeborene sind noch nie in diese abgelegene, aber um so schönere Gegend gekommen. Paldin kocht an unserer gemeinsamen Reissuppe. Sie muss noch mit Tsampa gemischt werden, um die richtige Konsistenz zu bekommen. Etwas unrentabel ist der Reis hier oben, über 5000 m geht es lange, bis die Körner etwas weich werden. Nr. 1 hat eine Verletzung an der Ferse. Die Sache sieht nicht gerade gut aus, und ich muss ihm den Fuss verbinden. Er kann sich nun im Lager eine Zeitlang ausruhen. Für die ziemlich schwierigen Erkundungsfahrten in der Umgebung kann man ihn ohnehin nicht gebrauchen.

Paldin klettert ganz gut, aber der Fels ist äusserst schlecht. Wir turnen beide einen Felsgrat entlang. Langsam beginnen sich die gefürchteten Nebelchen an den höchsten Spitzen zu bilden, in kurzer Zeit werden auch wir drin stecken. Immer wieder kommt man zu spät, wenn man auch noch so früh aufbricht. Aber ich muss unbedingt die neuen Gipfel im Bilde festhalten. Hastig klettern wir über unsern Grat, schnaufen bei den fast 6000 m Höhe wie Rennpferde und müssen einen guten Standpunkt für Aufnahmen und Skizze erreichen.

Während ich die Apparate bereitstelle, die umliegenden Gipfel anpeile und eine Kartenskizze entwerfe, baut Paldin einen Steinmann. Auf eine grosse Steinplatte kratzt er mit dem Pickel in tibetanischer Schrift sein « Om Mani Padme Hum ». Zuoberst wird dieses steinerne Gebet aufgestellt. Als er daneben steht und betet, da sehe ich wieder vor mir den tibetischen Lama aus dem kleinen Nepaldorf Tinkar, das wir vor einigen Tagen besucht hatten. Sehe, wie er in der strahlenden Sonne seine Messe hält, wie der alte 80jährige Nepalese die grosse Gebetstrommel stützt, auf der der Lama seine Zeremonie mit dumpfen Schlägen begleitet. Der Alte richtet sein run-zeliges Gesicht gegen den Himmel, gegen die strahlende Sonne, gegen die vergletscherten Berge, auf denen seine Götter hausen. Und während Paldin dasteht und betet, muss auch ich meine Arbeit unterbrechen, schaue auch ich zu den vereisten Gipfeln hinauf, folge den feinen Eisrillen bis auf die schneeweissen Gräte. Mein Blick verliert sich über diesen Gräten und Gipfeln in einem schwarzblauen Himmel, und in tibetanischer Schrift ist der ganze Himmel übersät mit dem heiligen Gebet: « Om Mani Padme Hum »...

Ein heftiger Schneesturm pfeift um unser Lager. Fast reisst er unser Zelt in Fetzen. Auf dem Zeltboden singt unser kleiner Primus seine eintönige Melodie, und draussen donnern Neuschneelawinen. Zu dritt sitzen wir eng zusammengedrückt auf unseren Schlafsäcken. Normalerweise hat nur ein Mann bequem in dem Zelte Platz. Und während unser Teewasser warm wird, tauen meine beiden Begleiter etwas auf, und ich erfahre aus ihrer Heimat. Mit meinen wenigen Hindustanibrocken entsteht eine ganz interessante Unterhaltung: Nr. 1 hat im südlichen Nepal eine Frau und neuerdings einen Säugling. Er streift seinen Ärmel hoch, zeigt seinen nackten Unterarm und erklärt, dass sein Sprössling genau so lang sei. Ich finde, dass der Unterarm ziemlich dreckig ist. Paldin hat es schon weitergebracht. Zwei Nachkommen erwarten ihn in seiner Heimat, den wilden Tälern des östlichen Nepal, am Südfuss des Everest. Einer kann schon laufen. Paldin trippelt mit seinen beiden Fingern über seine zerrissene Hose und schaut seiner wandernden Hand liebevoll nach. Der andere Sohn könne diese Kunst nicht, der sei noch in einem tieferen Entwicklungsstadium, und Paldin saugt an seinem Zeigefinger. Dann streckt er ihn in das Teewasser, um die Temperatur zu messen.

Unser Zelt steht im Neuschnee, unser Proviant ist auf der Neige. Wir müssen an unsern Rückmarsch denken. Noch einmal turnen wir über Moränen, dann durch grosse Gletscherbrüche einen unbekannten Seitengletscher hinauf. Aber auch der endigt in fast senkrechten Fels- und Eiswänden. Auch hier ist kein Übergang möglich, um wenigstens einen Blick in das südlichere Gebiet zu werfen.

Immer noch schwer beladen ziehen wir das Nampatal hinunter. Der Proviant hat sich in Gesteinproben umgewandelt, und die Illusionen von leichten Rucksäcken am Ende einer Reise sind wie immer bei solchen geologischen Erkursionen dahin. Unterdessen ist eine grosse Schafherde ins untere Nampatal eingedrungen. Ein stolzer Tibetaner auf seinem struppigen Pferd schaut uns erstaunt an. Er kann es gar nicht begreifen, dass da Menschen aus diesen wilden Gletscherregionen herunterkommen.

Feedback