Ein Ausflug in's Tyrol

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" Am 14. August 1873 hatte ich in Gesellschaft eines

Landsmannes einen Spaziergang aufs Schwarzhorn ( 3151 m ) am Fluela gemacht. Wir hatten im Hospiz der Passhöhe am 13. ausgezeichnet übernachtet und waren bei herrlichem Wetter auf dem prächtig gelegenen Gipfel angelangt, wo wir wirklich eine überraschende Eundsicht hatten. Wenn ich zwar gerade diese Gegend schon kannte und sehr ähnliche Kund-sichten in der Silvrettakette schon mehrfach gesehen fand ich hier doch etwas ganz Neues, nämlich einen herrlichen Blick auf die ausgedehnten besonders schön beleuchteten Oetzthaler-Ferner.

Diese weit ausgebreiteten glänzenden Flächen übten eine ganz besondere Anziehung auf mich aus und ich fasste den Plan, sie bald möglichst zu besuchen.

Nach Klosters im Prättigau zurückgekehrt theilte ich denselben meinem sehr verehrten Freunde, Herrn Landammann Brosi mit, der, seit 5 Wochen mein steter Begleiter auf grösseren und kleineren Ausflügen und ganz besonders mein trefflicher Lehrer im Bergsteigen, mich noch kräftig in meinem Vorhaben unterstützte, ja sogar mir seine Begleitung zusagte. Das Wetter war nach wie vor hell, der Barometer nur wenig von seiner beruhigenden Höhe herabgestiegen, und so wurde eiligst Alles zur Reise vorbereitet.

Montag den 18. nahm ich Abschied von der gastlichen « Pension Silvretta », um noch am selben Abend in der Silvrettaclubhütte, unserem Nachtquartier, einzutreffen in Gesellschaft zweier Bekannten, die mir unter Führung des tüchtigen Führers Chr. Jegen bis hieher das Geleite gaben.

Aus dem ersten festen Schlafe störte mich ein recht herzhafter Regen, der sehr unerwartet und darum doppelt entmuthigend, mitleidslos auf das Dach der Clubhütte plätscherte. Lange habe ich ihm jedoch — so viel weiss ich mich noch zu entsinnen — nicht zugehört, ich bin kein Freund von Nachtwachen, und so schlief ich bald wieder fest in den jungen Tag hinein. Die Andern hatten unsere Weiterreise aufgegeben und fanden es darum gar nicht nötig, bei guter Zeit mich zu wecken. Bei meiner Morgentoilette am Gletscherbach gefiel mir das Wetter aber doch weit besser, als heut Nacht und so drang ich energisch zum Aufbruch. Der Himmel hellte sich sogar gegen 8 Uhr recht schön auf, so dass wir noch den Abschied von meinen Bekannten um diese Zeit auf der Höhe des Fermont- passes, der nach einstündigem Marsche von der Clubhütte bequem erreicht war, recht gemächlich feiern konnten.

Bald trennte uns nach herzhaftem Händedruck ein breiter Gletscherspalt, 2u dessen Ueberschreitung uns Jegen noch behülflich gewesen, von den Zurückkehrenden; nun noch ein letzter Gruss — dann eine tüchtige Rutschpartie den steilen Klosterthalgletscher hinab — und wir hatten der schönen Schweiz « Valet » gesagt und betraten das Tyrol.

Nun zogen wir uns 2 Stunden lang über Moränen, Trümmer und hübsche Grashalden dem Ochsenthalbach entlang der seinen Ursprung unter dem Piz Buin ( 3327 m ) findet, bis zur Brücke bei der Fermont-Alphütte. Hätte der Regen den Bach nicht angeschwellt, so hätten wir denselben schon eine Stunde früher überschreiten können, da wo er sich mit dem Klosterthal-bach vereinigt; man würde dann eine Stunde früher Pilterhöhe erreichen, die als Wasserscheide zwischen Montafon und Patznaunerthal überschritten werden muss. Sie gehört, wie auch die beiden Fermontalpen, nach Ardetz und ist an die Gemeinde Galthür verpachtet, die hier 600 Stück Grossvieh von ausgezeichnetem Schlage und einige tausend Schafe sommert. Von hier brauchten wir noch 2^2 Stunde bis Galthür, dem ersten, sehr freundlich gelegenen Ort im Patznaunerthal am Eingang in 's Jamthal; von hohen, nackten Bergen eingeschlossen scheint es viel von Lawinen und Schlammströmen zu leiden. Weitere 2 Stunden brachten uns nach Ischgl, einem schön gebauten Dörfchen mit schlankem Kirchthurm, von schönem dichtem Fichten- eingerahmt.

Hier mündet das wilde Fimberthal, das wie das oben erwähnte Jamthal einen Hochpass in 's Unterengadin bildet. Um b Uhr brachen wir hier wieder auf und langten nach 7 Uhr bei einbrechender Dämmerung in Kappel an, sehr abgespannt durch den bald ansteigenden, bald abfallenden, steinigen Weg. Sehr zu empfehlen ist hier das bescheiden aussehende namenlose Gasthaus am Eingang rechts schräg-über der Postablage. Bald nach unserer Einkehr begann es wieder stark zu regnen, und auch noch den andern Morgen mussten wir einen zweistündigen Marsch in gelindem Regen machen.

Prächtig wird das Thal bei seiner Mündung in das vom Arlberg kommende Stanzerthal. Der Via Mala ähnlich läuft der sehr enge Weg mehrere hundert Fuss -über dem schäumenden Bach an den fast überhängen* den Felswänden hin, in naiver Sorglosigkeit gar nicht durch ein Geländer gesichert, obgleich er den hochtrabenden Namen « Poststrasse » führt. Hoch oben gegenüber ragt die in grossen Dimensionen erbaute Burg Wiesberg herein, die ihre zerrissenen. Mauern nicht allein dem Zahn der Zeit zu verdanken haben mag. Sie wird vom Arlberg her von der Rosanna,von der Silvretta aus von der Trisanna tief unten umspült; beide vereinigen sich hier um als Rosanna bei Landeck dem Inn zuzufliessen. Jenseits derselben vereinigt sich der Weg mit der breiten gut erhaltenen Arlbergstrasse, die sich in hübschen Windungen durch fruchtbare Felder und Obstplantagen über Plans in llji Stunden nach Landeck zieht, um sich mit der

grossen Nauders-Innsbrucker-Heerstrasse zu verbinden,

16 die jedoch an Breite ersterer nachsteht.

Landeck führt seinen Namen gewiss mit Recht; es liegt in dem hier sehr engen Jamthal fast eingepfercht, überragt von der gleichnamigen grossen Burg, deren Front zu kolossal ist, um schön genannt zu werden. Der lnn, der sich wahrscheinlich noch seiner herrlichen Freiheit in der Schweiz erinnert, wie er sie bei Samaden und Bevers gen©ss, schäumt hier und stürmt wuthentbrannt und trotz des grossen Kraftaufwandes dennoch ohnmächtig gegen die ihn hier einengenden und fesselnden Mauern, und Dämme. Freilich erlangt er bald schon seine-volle Freiheit wieder, denn nachdem er sich bis Zams. umsonst darum bemüht, findet er gleich darauf reichlichen Ersatz in dem weiten Thale bis Imst, wo er sich täglich, wenn es ihm beliebt ein anderes weiches. Kiesbett wählen kann, ohne von den Menschen desshalb belästigt zu werden. Die alte, imposant auf sehr hohem Felsen erbaute Kronburg dient auf der langen, gleichförmigen Strasse dem Auge als anziehender Ruhepunkt bis nach Imst und noch- weiter. Die Strasse läuft 2 Stunden lang auf der linken Seite des-Flusses dicht an den sehr steilen, nackten und ausgewaschenen Kalkbergen hin, einzelne grosse Schuttkegel durchschneidend und darum nach grossen Gewittern oft in ihrem Yerkehr gestört. Imst liegt schön in dem sehr breiten Gurglthal, eine halbe Stunde-von dessen Mündung in 's Imstthal entfernt, durch den waldigen Tschürgant und gegenüber den Muttekogl und die Reiterwand beschirmt. So einladend uns das-saubere Imst ( Zur Einkehr ) auch schien, so sollte unsere Einkehr daselbst doch nur von kurzer Dauer seinr denn, da wir von Landeck bis hieher ein bequemes Fuhrwerk erhalten hatten, waren wir schon vor 5 Uhr hier angelangt, hatten also noch vollkommen Zeit und Kraft, einen kleinen Marsch zu machen, und was man bei schönem Wetter und gesundem Leib auf einer solchen Reise an Zeit gewinnt, das wird einem als schätzbares Kapital vielleicht schon am nächsten Tage nützlich.

Nach gutem Kaffee und guten Erkundigungen — denn Bädecker ist leider in Bezug auf das Pitzthal wenig mittheilsam — zogen wir unsere Strasse für bass, überschritten nochmals den Inn und langten in drei Viertelstunden in Arzel und in 2 Stunden in Wenns an, welches, ein Hauptort des Pitzthales, uns als Nachtquartier empfohlen war. Der Weg gereute uns ganz und gar nicht; er bietet scharf ansteigend fortwährend herrliche Aussichten auf den Tschürgant links, den Wildgrethkogl rechts und zwischen beiden Bergen, wie eingerahmt, zeigten sich bei der prachtvoll röthlich violetten Abend beleuchtung die Karwendel-und Wettersteingebirge, also seit langem wieder ein Stückchen des heimatlichen Deutschlands und gewiss nicht das schlechteste! Auf mehrfaches Anrathen kehrten wir in Wenns im « Bierkrügl » ein, das ich gleich jetzt bestens empfehlen möchte. Neu gestärkt verliessen wir früh 5 Uhr Wenns, vom freundlichen Wirthe glücklicherweise bis hinter das Dorf begleitet; ich sage glücklicherweise, denn wir hätten uns ohne seine Führung bitter verlaufen. Hier möchte ich meine etwaigen Nachfolger besser berathen wissen, als wir ohne den Wirth gewesen wären; die Karten sind hier nicht gerade allzu deutlich und am meisten ver- wirrt das Thal selbst, welches, hier nur wie eine Felsschlucht aussehend, ganz unpassirbar scheint.

Man schlage vom « Bierkrug » oder der « Post » ausgehend den unscheinbaren Weg links ein, der sich nach kurzem Aufsteigen hinter dem Dorfe mit dem eigentlichen Dorfweg vereinigt; diesen verfolge man scharf links bis zu einem vereinzelt stehenden Heuschuppen, wo sich der WTeg theilt; der ganz unscheinbare scharf hinabgehende Fusspfad links führt in 's Pitzthal, während der grössere erst geradeaus, dann rechts führend einen Passübergang über Piller nach Landeck bildet. Bald schliesst sich nun das lange Thal eng zusammen und der Weg führt hoch über dem wildbrausenden Flusse, fortwährend von prächtigem Walde beschattet hin; 3 Stunden lang behält es den Charakter eines engen, wilden, waldreichen Alpenthals, und erst in der Gegend von St. Leonhardt, nachdem man eine enge, in die steilen Felsen gebrochene Klamm durchschritten hat, erweitert es sich, verliert aber zusehends die frühere üppige Vegetation. Man hat während dieser Wanderung oft angenehme Abwechslungen durch zerstreut liegende saubere Häuser, Mühlen, Sägen etc., die in dem dunkeln Waldlande dem Thale viel Freundliches verleihen. Das weisse Vieh ist klein, soll jedoch sehr milchergiebig sein; mit den Glöckchen scheinen die Tyroler zu sparen; bei den grössten Herden finden sich oft nur 5 — 6 derselben an den ältesten Kühen. Aus der engen Thalschlucht hervortretend, wurden wir durch die glänzenden Gletscher und Firnfelder der hohen Geige und des Puikogl's ( der beiden Vorposten der Oetzthalgruppe nach Norden hinj angenehm überrascht, zeigten sie uns doch unser Ziel schon in bedeutender Nähe.

In einer Stunde war St. Leonhardt erreicht, wo wir in der Post vortrefflich assen und auf dem nahen Heustall die heissen Mittagsstunden angenehm verträumten. Den weiteren Weg legten wir gemüthlich in 3 Stunden zurück, hatten also — Dank dem gestern gemachten Plus — heut nur 7 Stunden gemächlichen Gehens als Tagmarsch. Der Tag war, wie der gestrige, warm und sonnig und musste die Gletscher stark angreifen, denn der von ihnen kommende Bach führte, wie aus dem dumpfen Rollen erhellte, grosse Steine mit sich und war, wie wir weiter oben bei Planggeros bemerkten, stark aus dem gewöhnlichen Bette ausgetreten. Die hier das Thal einschliessenden steilen Kalkberge sind furchtbar nackt, zerklüftet und vollkommen ausgewaschen; unten dagegen hat sich auf der heruntergewaschenen Bodenschicht ein recht hübscher Lärchenwald gebildet. Zwischen St. Leonhardt und Mittelberg zählte ich 7-8 schöne Wasserfälle, die von Gletschern gespeist sich heute besonders glänzend zeigten.

Mittelberg besteht eigentlich nur aus zwei Häusern und deren Zubehör; es liegt in der unmittelbaren Nähe des gleichnamigen Ferners, der mit seinem prachtvollen Absturz den Hauptanziehungspunkt für das Pitz- thal bildet. Zu bewundern ist der Muth der swei Familien, die hier sogar über Winter aushalten. Von dem benachbarten Manndorf — auch ein ärmliches Dorf — nur etwa eine halbe Stunde entfernt, haben sie mit den Bewohnern desselben im Winter eine Art Zeichensprache abgemacht, welche die fast Eingeschneiten vor dem Hungertode schützt;

es wird nämlich im Falle der Noth ein schwarzes Tuch an einem Alpenstocke auf dem Schnee ausgehängt und auf dies Zeichen hin arbeiten sich die braven Maimdorfer mit grösster Anstrengung zu den Isolirten durch und helfen. Der Gletscher — Bädecker und Amthor nennen ihn den schönsten von T3T0I — ist nun in der That ganz wundervoll; er fällt sehr steil in stark zerklüftetem Absturz 600—900 m bis in die Thalsohle hinab, wo er dann noch in fast ebenem Ausfluss sich bis in die Nähe der Häuser fortsetzt. Den noch ganz weichen, weit vorgeschobenen Moränen nach, scheint auch er in den letzten Jahren stark zurückgegangen zu sein, wie die meisten Gletscher, die ich besuchte. Was uns sehr überraschte war, dass er eigentlich bis in die Vegetation der Cerealien hinabreicht, denn 500 Schritt von ihm fast in gleicher Höhe, wuchs und reifte noch eine ganz ausserordentlich schöne Gerste in verhältnissmässig grossem Felde.

Schon vom Eintritt in 's Pitzthal an wurden uns, wenn wir uns nach Führern erkundigten, vor Allen die Brüder Dobler empfohlen und schätzten wir uns eigentlich glücklich^ als uns die Führung des Isaak Dobler zugesagt wurde. Wir hatten die Absicht gehabt über 's Mittelberger Jöchi nach Fend zu gehen, um von da über das Niederjoch und den Similaun nach Unsrer lieben Frauen im Sclmalserthal zu gelangen. Im Fremdenbuche blätternd traf ich auf den Namenszug des um 's Bergsteigen so hochverdienten wohlbekannten Dr. Petersen vom deutschösterreichischen Alpenclub und dieser schrieb, ich glaube unter'm 14. Juli, dass er die Wildspitze vom Mittelberg aus zum ersten Male bestiegen habe und diese Besteigung als sehr lohnend, wenn auch anstrengend, sehr empfehle.

Einige Tage weiter stand wiederum diese Besteigung von zwei anderen Herren ausgeführt aufgezeichnet und kann man sich meine Freude vorstellen, als sogleich mein lieber Begleiter, Landammann Brosi, mir vorschlug, auf diesem Wege nach Fend zu gehen. Ich muss gestehen, dass ich auch schon diesen Wunsch .gehegt, es aber meinem bejahrten Begleiter ( 6572 Jahr ) nicht zumuthen wollte, sich solchen Strapazen auszusetzen; nun er selbst es mir anbot, willigte ich natürlich ungesäumt in diese Abänderung unseres Plans und Alles wurde zwischen uns und Dobler besprochen, der Proviant und Wein gepackt und der Aufbruch auf 2 Uhr bestellt. Unser Wirth, ein sehr gefälliger Mann, ist ebenfalls Führer, macht aber nur kleinere Touren mit; er zeigte sich sehr verständig und unterstützte uns mit Fusseisen, Schneebrille etc. Er hat uns recht gefallen und möchte ich Jedem anrathen,* lieber hier als in Planggeros zu übernachten, ganz abgesehen davon, dass man in Mittelberg schon um eine Stunde seinen verschiedenen Zielen näher ist, die alle hier ihren Ausgangspunkt haben.

Ich schlief die Nacht wenig; die bei einer ersten grösseren Besteigung leicht erklärliche Aufregung, liess mich nicht zur Ruhe kommen. Wie froh war ich, als endlich die schweren Schritte des Führers erklangen, .als ein herzhaftes Pochen mir gestattete, Licht zu machen; meine Toilette war schnell gemacht und um l3/i Uhr war ich zum Abmarsch bereit.

Gerade im Clubbuch habe ich schon eine so grosse Menge von Beschreibungen schwieriger Bergbesteigungen gelesen, dass ich es für überflüssig halte, durch genaues-Aufzählen all' der spitzen Steine, all' der tiefen Spalten,, der ausgedehnten Firnfelder zu langweilen; der Zweck dieser Zeilen ist nur, meine verehrten Genossen vom Alpenclub auf eine schöne Tour in der Nachbarschaft aufmerksam zu machen und ihnen gerade diese lohnende Partie recht an 's Herz zu legen; es genüge, wenn ick nur folgende Data niederschreibe:

Der Aufstieg erforderte incl. einer einzigen Rast von einer halben Stunde und einigen nur fast zu spärlich zugemessenen Minuten zum Verschnaufen 8l/2 Stunden,, wovon 2 Stunden, bei Laternenlicht, bis zum Taschachgletscher nöthig waren; alle übrigen schlössen aber strenges Gletscher- und Schneesteigen in sich. Die-Fusseisen passten, wie vorauszusehen meinem modisch constatirten Stiefel nicht, wesshalb ich sie, da sie mir im Gegentheil nur lästig wurden, bald verabschiedete ;: so. musste ich die steilen, sehr glatten Gletscherpassagen so gut es gehen wollte, mit Hilfe des Seiles-durchmachen. Weiter oben lag Firn, über den zu gehen nach dem glatten Gletschereis mir ordentlich Vergnügen machte. Noch möchte ich hinzufügen, dass wir uns von dem Punkte aus, wo man zum ersten mal die Wildspitze erblickt, nicht rechts, wie der Führer wollte, sondern scharf links hielten und erst nachdem wir schon die mittlere Höhe gewonnen, rechts hinüber-bogen, welcher W^eg, allerdings mitunter recht steilr bei dem trefflichen Firn über eine Stunde abkürzte. Bei unserer Rast am herrlichen Taschachgletscher, der dem Mittelberggletscher nur darin nachsteht, dass sein Sturz weniger steil, dafür aber länger und prachtvoll zerklüftet ist, freuten wir uns über fünf Gemsen, die in graziösen Sprüngen auf den steilen Felsen ihre Morgenpromenade machten.

Um 10 Uhr 20 Min. zeigten wir der unter uns liegenden Welt durch Hüteschwenken an, dass wir auf jenem herrlichen Fleckchen Eise,nicht Erde, denn diese liegt 12 Fuss unter dem sie bedeckenden Eis und Firn — wohlbehalten, wenn auch sehr erschöpft angelangt seien, welches als « Wildspitze » ( 3776 m ) die mächtige Oetzthaler-Alpengruppe beherrscht. Nachdem wir uns erst ein Viertelstündchen vor dem oben scharf wehenden Winde tiefer hinabgeflüchtet und dort auf dem Schnee kauernd abgekühlt hatten, fingen wir an, uns an der schönen Aussicht zu erfreuen. Diese ist nun auch wirklich ausserordentlich und bei so klarem, hellem Tage, wie der heutige war, hätte man gern 3 — 4 Stunden da oben gerastet, um sich nach allen Richtungen gehörig umzuschauen. Besonders schön ist der Blick in unmittelbarer Nähe auf die Oetzthalgruppe selbst; dieses ausgedehnte Gebiet von Gletschern und Firnfeldern so im Morgenglanze strahlend ist fast zu blendend für 's Auge und gern verweilt es daher auf den zahllosen daraus hervor- sehenden Bergspitzen, wie Similaun, Kreuzspitze, Mittagskogl, Urkundspitze etc., die gewöhnlich selbst als Ziele einer Oetzthalreise gerühmt, doch noch tief unter uns lagen; ja selbst der mächtige Weisskogl, der von der Schweiz aus gesehen der Hauptpunkt der ganzen Gruppe zu sein scheint, weil er seine glän- zenden Flächen weithin zeigt, steht wie ein jüngerer Bruder bedeutend unter unserem Berge;

lächerlich fast schien es uns, als uns der Führer ganz da unten nach Süden hin die beiden schwierigen Saumpässe Hoch- ( 2900 m ) und Niederjoch ( 2700 m ) zeigte; das sollten schwierige Uebergänge sein, die in solcher Tiefe unter uns lagen?

Von entfernteren Berggruppen bewunderten wir die Silvretta, Karwendel, Wetterstein, Hohentauern, Ortler, Bernina, Adula, Tödi und zwischen letzteren in weiter Ferne und doch wunderbar klar erkannten wir die Finsteraarhorngruppe mit der Jungfrau, dem Eiger und Mönch, während von einzelnen Bergen in dem näheren Rayon die Cima di Colombane, Piz Ot, Piz Kesch, Piz Linard, Piz Buin und die Zugspitze unsere Blicke öfters auf sich zogen.

Der Rückweg über die südliche Seite der Wildspitze ist wegen der äusserst lockeren Grlimmerschièfer-«felsen nicht gefahrlos. Wenn man auf demselben Wege, den man gekommen, anfangs hinabstiege und dann die Firnkante immer nach rechts hin verfolgte, und erst nach der steilen Senkung die Felsen beträte, würde man jedenfalls besser thun; man hätte dann eine bedeutend kürzere Felsenstrecke und was die Hauptsache ist, keine so steile Eiswand unter denselben, wie dies bei unserem Wege sich bald zeigte. Ich muss hier einschalten, dass man sich über die Vorsicht und Umsicht der Mittelberger Führer keineswegs eine zu günstige Vorstellung machen darf, denn obgleich wir nach Aussage Aller einen der allertüchtigsten Führer bei uns hatten, waren wir hier nur sehr wenig mit dessen Leitung zufrieden.

Als wir jetzt glücklich die Felsen hinter uns hatten, zeigte sich zu unserem grossen, durchaus nicht angenehmen Erstaunen eine 190—200 Fuss lange glatte Eiswand von nahezu 60 °/o Steigung und Isaak Dobler wunderte sich sehr, hier nicht wie sonst harten Firn zu finden, auf dem er am Alpstock bequem hinunterrutschen könnte. Hier musste ich im Stillen meinen trefflichen Lehrmeister Herrn Brosi, bewundern, der mit grösster Seelenruhe dem verblüfften Dobler das Seil von der Schulter nahm und hin- und hersuchend, die Festigkeit der äussersten überhängenden Felsen erprobte und nun dem Dobler ganz kategorisch befahl, sich nieder zu setzen und das eine Ende des Seiles sich umzubinden, während er sich selbst das andere Ende umknüpfte. Darauf nahm er den mit einem Beil versehenen Stock Dobler's und begann nun, sich an dem von letzterem gehaltenen Seil herunter zu lassen so weit dessen Länge, neun Klafter, es erlaubte.

Dort angelangt hackte er sich eine breite Stufe in 's Eis, die auch mir noch dort zu stehen erlaubte, und ich lasse mich nun, während die Gefährten das Seil straff anspannen, an demselben mit meinem Alpstock herunter, indem ich es einmal um letzteren schlage. Dobler zog sich nun seinen scharfen Alpenstock an dem Seil herauf, von dem sich Brosi losgeknüpft hatte und schickte uns auf gleiche Weise den des Landammannes herunter; darauf begann er sich Stufen zu hacken, auf denen er mittelst seiner scharfen Fusseisen nun langsam zu uns herunterkam.

Von unserer Stufe aus wiederholte sich nun diese Procedur, bis wir endlich auf dem von den Felsen heruntergebröckelten Schutt und Firn festen Fuss fassen konnten; doch auch das musste mit äusserster Vorsicht geschehen, denn ein voreiliger Schritt, bei dem ich tief einsank lehrte uns, dass hier eine Spalte nur leicht überdeckt das Vordringen verhinderte; wir mussten, da wir bei dem dünnen Firn nicht viel hin- und herlaufen durften, den Führer voran am Seile, liegend über die Spalte hinrutschen. Nachdem dies Alles glücklich überstanden war, lohnte uns ein prächtiger, langer Kutsch auf dem hier sehr guten Firn das vorher langsame und mühevolle Vordringen. Wären obige Stellen auch mit Firn bedeckt gewesen, wie das sonst gewöhnlich sein soll, so wären sowohl die steile Wand, als auch die Spalte ohne Schwierigkeit und gefahrlos zu passiren gewesen.

Nun rechts über eine weite Schneehalde und schon glaubten wir eine zuverlässige Felsgruppe erreicht, als wir bei einer Biegung nach rechts wahrnahmen, dass uns hier leider nochmals eine böse Eiswand von jener trennte. Aehnlich wie oben nahmen wir wieder bei der allerdings schwächeren Neigung das Seil zur Hand und in zwei Abstufungen kamen wir unten auf den Felsen an.

Hier machten wir nun den ersten namhaften Aufenthalt und erfrischten uns an dem mitgebrachten Proviant, Wein und dem ausgezeichneten Grletscher-wasser.

Nachher bedurfte es bei dem Herabsteigen in den sehr steilen und zerbröckelten Felsen nur einiger Vorsicht und bald waren wir auf dem hier ganz flachen Gletscher angelangt, den die Wildspitze bis in 's Oetzthal sendet.

Hier entliessen wir den Führer und gingen dem von oben aus gesehenen Hochjochhause zu; über Gletscher, Moränen und Felstrümmer und zuletzt über die durch riesige Lawinen überbrückte Oetz erreichten wir gegen 51/2 Uhr den von Vend kommenden Saumpfad und auf diesem in \xji Stunde das ersehnte Ziel, wo wir uns durch eine kräftige Suppe und ziemlich guten Wein wieder stärkten. Das Hochjochhaus, eigentlich ein riskirtes Unternehmen, da es nur auf den zweimonatlichen Touristenverkehr über das Hochjoch angewiesen ist, bleibt immerhin für den müden Touristen trotz seiner primitiven Ausstattung eine segensreiche Einrichtung und gern zahlt er hier, mitten in der viele Stunden weiten Gletscherwelt, und in Anbetracht der schwierigen Anschaffung alles Rohmateriales die höheren Preise für kräftige Kost und ein reinliches Bett. Den anderen Morgen 572 Uhr betraten wir den vollkommen ungefährlichen, aber auch wenig bemerkenswerthen, sehr flachen Hoch jochferner, hatten ihn um 8 Uhr glücklich passirt und stiegen, nun immer dem trefflich angelegten Saumpfad folgend in 's Schnalserthal hinab, welches bis zu seiner Mündung in 's sonnige Etschthal stets steil abfällt; der durch dasselbe führende Wege wird schon bei Unsrer Frauen seines groben Pflasters wegen unausstehlich und man wünscht sich wirklich Glück, wenn man nach vier Stunden ihn endlich in Stäben verlassen kann. Leider ent- hält aber auch die letzte Stunde gerade so viele fatale Abwechslungen — sowohl in der Grosse der Pflastersteine als auch in steiler Steigung und Senkung etc., dass man alle Qualen der ersten drei Stunden einzeln nochmals durchfühlt.

Vor seiner Mündung wird das Thal ganz schroff felsig und sehr eng, so dass der Fussweg dasselbe verlassend, sich zu. der hoch über Stäben liegenden Burg erst hinaufzieht und dann steil gegen dieses abfällt. Die beiden, zu einer */2 Stunde langen ganz engen Klamm zusammentretenden Thalseiten sind hier nackt, ausgebrannt, zerklüftet und unten reihen sich mächtige Schuttkegel an einander.

Von Stäben gelangt man bequem in drei Stunden zu Fuss und l1/* zu Wagen auf der trefflichen nur zu heissen Chaussee nach Meran.

Das Etschthal bietet bis kurz vor Meran wenig Ausserordentliches — an anderem Ort, in anderer Gegend allerdings würde seine « ausserordentliche Schönheit » von Tausenden bewundert werden, hier aber, wo sich das Auge unterwegs in dem Anblick der mächtigen, imposanten Naturscenerien so verwöhnt hat, entlockt ihm dieses herrliche, breite, von hohen Bergen eingeschlossene, durch viele alte Burgen und Ruinen gezierte Thal mit seiner den Süden schon stark bekundenden Vegetation nur selten ein Zeichen der Bewunderung; dazu kommt wohl auch noch die durch eine achtstündige beschwerliche Fusstour notwendigerweise eingetretene geistige und körperliche Abspannung, die sich nun im Zustand der Ruhe unserer doppelt stark bemächtigtekurz, wir freuten uns sehr als wir in Meran angelangt waren.

Interessant ist nun der grelle Wechsel der Vegetation während weniger Stunden, vom Hochjoch bis hieher: dort starre endlose Eisflächen und nackter Fels, hier ganze Felder von Wein auf niedrigen dachartigen Gerüsten, eingerahmt durch saftgrüne schattige Nussbäume, Kastanien und Platanen, mit kräftigen Obstbäumen abwechselnd.

Schon im Schnalserthal freuten wir uns über die — im scharfen Gegensatz zu den Bewohmern des Pitz- thales, die nur selten die Mittelgrösse erreichen, breitsehultigen, grossen, kräftigen Leute, welche wir hie und da schon bei ihrer dritten Heumahd beschäftigt fanden; jede ihrer Bewegungen war elastisch und kraftvoll. In Meran nun sahen wir erstere noch weit übertroffen: die blassen bartlosen Gesichter, die breiten Rücken, strammen Fusse mit dem leichten geräuschlosen Tritt, dazu das eigenthümlich bunte, sehr kleidsame Costüm geben den hiesigen Männern ein so fremdartiges Aussehen, dass man bei der üppigen Vegetation und der drückenden Hitze sich weit hinab in den Süden versetzt glaubt. Besonders am folgenden Tage — einem Sonntage, wo sie sich massenhaft in den Laubengängen der Strassen in grossem Feiertagsstaate herumtrieben, bald knieend mit abgezogenem Hute dem Glöckchen der Messe zuhörend, die in der wunderschönen Marienkirche den ganzen Vormittag hindurch gelesen wurde, bald in irgend ein Cigarren- und Tabak- gewolbe eintretend und über Geschäfte aller Art sich unterhaltend, wobei die Hände nur dann aus dem breiten schöngestickten Ledergurt sich herauswagen, \i||n eine neue Pfeife Tabak angezündet werden soll, hatten wir Gelegenheit sie zu betrachten.

Frauen und Mädchen, verhältnissmässig nur wenig sichtbar, haben ihren Nationalanzug fast ganz abgelegt, die meisten tragen wie die Engadinerinnen den schwarzen in unzählige Falten gelegten Rock und helle Bänder im. Haar.

Den Gasthof zur « Sonne » möchte ich jedem Touristen sehr empfehlen, er verbindet bei vorzüglicher Tafel und guten Zimmern so niedrige Preise, wie selten ein Gasthof ersten Ranges; dabei ist er äusserst bequem gelegen.

Nachdem wir noch Schloss Tyrol mit seiner herrlichen Aussicht und die von riesigen Feigenbäumen beschattete Forstburg bewundert, verliessen wir das herrliche Meran und fuhren das Etschthal hinauf bis Eyrs, von einem tüchtigen Gewitter begünstigt, welches uns die sonst glühend heisse Fahrt recht angenehm machte.Von da erreichten wir zu Fuss bei einbrechender Dunkelheit das Dorf Gomagoi, welches am Eingange zum Suldenthal malerisch zerstreut an der Stelviostrasse liegt. Das ärmliche Dorf mit dem kaiserlich-österreichen Fort gleichen Namens zum Schütze gegen Italien bietet ein spärliches Nachquartier, wie man es hier in diesen bevölkerten Orten eigentlich kaum erwartet. Wer, wie wir, die Absicht hat, das Suldenthal zu besuchen, thut besser in dem eine Stunde vorher passirten grossen Dorfe Prad zu übernachten.

Der " Weg in 's Suldenthal war, wie wir den andern Morgen fanden, durch den vom Ortler kommenden reissenden Suldenbaeh sehr beschädigt worden und desshalb noch schlechter und mühsamer, als er es sonst sein mag.

Das ganze Thal bis nach St. Gertrud ( oder Suhlen ) bietet durchaus nichts Sehenswerthes; es ist eng und von Schuttkegeln angefüllt; allerdings zieht nach einstündiger Wanderung die majestätische Ortlerspitze mit ihren glänzenden Schneeflächen den Blick an; doch verliert sich der Anblick bald wieder, sobald man auf das linke Ufer des Flusses übergeht.

Dagegen erhält man hinter. St. Gertrud — dieses hat man in zwei Stunden bequem erreicht — bei den Lampenhöfen auf einmal ein so überraschendes Bild, dass man ein etwa voreilig gefälltes, wenig günstiges Urtheil über die ganze Excursion schnell zurücknimmt. Eine plötzliche Biegung des Thales eröffnet im Augenblick einen imposanten Anblick auf die ganze Ortlergruppe; man ist thatsächlich im Herzen dieser ganzen Eis- und Gletscherwelt und sieht alle Berge, zum Greifen nahe, in prächtiger Gruppirung; ich habe auf allen meinen Touren wohl keinen schöneren Anblick gehabt, ja selbst das herrliche weltberühmte-bei Trafoi sich entrollende Bild steht, meiner Ansicht nach, noch gegen obiges zurück. Wer einen Umweg von vier Stunden, zwei hin und zwei zurück nicht scheut, wird reichlich durch diese Aussicht belohnt. Bei dem Curat Eller wird man trefflich verpflegt und gewiss Mancher hat da noch ein Stündchen zugegeben um mit diesem gemüthlichen Herrn zu plaudern. Wir trafen dort fröhliche Gesellschaft, drei lustige Studenten aus Leipzig in deren Begleitung uns der Rückweg

17 angenehm verkürzt wurde.

Auf der Stelviostrasse wieder angelangt erreichten wir in ll/2 Stunde Trafoi, welchesr das letzte österreichische Dorf an derselben, ebenfalls reizende Aussicht bietet; hier sahen wir bei dem selten schönen Abend ein wundervolles Alpenglühen, wie man es schon lange nicht wahrgenommen. Von. hier erreichten wir am andern Morgen, die vielen Windungen der Strasse abschneidend, in drei Stunden die Passhöhe ( 2757 m ), nachdem wir noch öfters uns verweilt, um die herrlichen Rückblicke, welche die Strasse auf den Ortler, das ganze Etschthal und die Oetzthalgruppe so vielfach bietet, recht zu geniessen..

Die Passhöhe des Stilfserjochs ( italienisch Stelvio ) » ist die höchste fahrbare Strasse in ganz Europa und zugleich die Grenze von Oesterreich, Italien und der Schweiz; der 72 Stunde weiter rechts erbaute Markstein kehrt mit seinen drei Flächen jedem der Länder sein Gesicht zu. Rechts ab öffnet sich ein steil abfallendes Thal, Umbrailthal, welches der Schweiz gehörend in 's Münsterthal mündet; geradeaus dagegen gelangt man in 21/2 Stunden in die Bäder von Bormio..

Von der IV. Cantoniera aus, dem ersten, früher militärischen Zwecken dienenden Hause auf italienischem Boden, bestiegen wir in drei Viertelstunden bequem den furchtbar schroff aussehenden Piz Umbrail, dessen Aussicht bei der verhältnissmässig leichten Besteigung ihm mit Recht grosse Berühmtheit verschafft hat; sie-ist der des Piz Languard sehr ähnlich, und ebenso wie-diese nach Süden hin durch die grossen Schneeflächen dort des Bernina, hier des Ortler — beschränkt.

In der Cantoniera fanden wir, wie uns schon vorausgesagt war, recht schlechte Verpflegung und waren froh nach kurzer Rast wieder die Schweiz betreten zu können, ins Münsterthal hinabsteigend, dessen Hauptort St. Maria wir nach zwei Stunden erreichten.

Das Münsterthal, am Ofenpass beginnend und bei Glurns in 's Etschthal mündend, ist in seinem grössten Theil äusserst lieblich durch die weiten, saftgrünen Matten, die dunkeln Wälder und ganz besonders durch den freien Ausblick in 's weite Etschthal, als dessen Verlängerung es auch zu betrachten ist. Dagegen wird es unwirthlich in der Gegend des Ofenpasses; die Wiesen verschwinden, die Wälder — hier meist aus Knieholz ( Legföhre ) bestehend — werden wilder und sind von nackten verbrannten Kalkfelsen eingeschlossen, Hier beginnt recht eigentlich das Gebiet der Zernetzer Bären, die hier wie in der ganzen Umgegend fleissig den zahlreichen Herden ihren Besuch machen. Auf der Höhe des Passes — von St. Maria 3 Stunden — wurden wir am andern Tage noch durch einen prächtigen Blick auf den Ortler und die Oetzthaleralpen überrascht, von welchen letzteren gerade die Wildspitze trefflich beleuchtet uns grüsste, um uns das letzte « Lebewohl » zu sagen. Obgleich schon über 1800 m hoch ist doch die Passhöhe noch über und über mit kräftigem Knieholz bedeckt. Die neue Strasse über dieselbe ist sehr hübsch angelegt und wird selbst bei dem, der eben durch die Via Mala, Schyn- oder Landwasserstrasse wanderte, volle Anerkennung finden. In 41/2 Stunden gelangten wir über Zernetz nach Süs, wo wir noch gerade Zeit fanden, die Post zu benützen, die uns gegeil Abend über Flüelen nach Davos brachte.

In vollster Zufriedenheit über die wohlgelungene zehntägige Tour marschirten wir vergnügt noch am gleichen Abend nach Klosters hinab und kann ich jedem Naturfreunde nur rathen, bei einer etwaigen Reise in 's Tyrol die gleiche Route einzuschlagen; er findet herrliche Scenerien!

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