Ein Bergerlebnis im Küstengebiet Korsikas

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VON OSKAR HUBER, MEGGEN

Mit 3 Bildern ( 50-52 ) Wir fuhren - unser zwei Ehepaare - von Ajaccio aus der Westküste Korsikas entlang nordwärts mit dem Ziel, eine romantische Zeltgelegenheit am Meer zu finden. Nach Piana, im Felsgarten « Les Calanches », beeindruckten uns die eigenartig verschnörkelten Granitklötze inmitten hoher, löchri-ger Wände. Noch nie hatten wir bisher Fels gesehen, der auf diese eigenartige Weise verwittert ist. Die sonderbaren Formen scheinen dadurch entstanden zu sein, dass die Felsoberfläche dem Angriff besser widerstanden hat als der Kern. « Die Alpen»* hatten früher einmal über diese Naturplastiken berichtet, und ich erinnerte mich an den Namen « Taffoni » und an verschiedene Entstehungstheo-rien. Korrosion oder Erosion? Die Frage berührte uns kaum, denn wir widmeten uns ganz dem Schauen: Hier erblickten wir das steinerne Monument einer Blumengruppe, dort einen riesenhaften Dackelkopf, und überall glotzten Hohlschädel. « Ist der Fels in Korsika überall so? » fragte Doris, Georges'Frau, und beklopfte vielsagend eine hauchdünne Schwarte. Natürlich wussten wir Männer eine beruhigende Antwort. Wir hatten Kletterberichte gelesen, die den eisenfesten Fels rühmten, hatten auch Karten und Führer bei uns und eine solide Bergausrüstung; denn es stand fest, dass zu unsern Korsika-Badeferien eine handfeste Bergtour gehören sollte, deren Ziel wir dem Zufall überlassen wollten - wie uns auch ein glücklicher Zufall die malerische Bucht von Porto hatte entdecken lassen.

Um die Mittagszeit hatte unsere Zeltgruppe knapp hinter der Sandfläche Portos, unter Eukalyptusbäumen, Gestalt angenommen. Während die beiden Frauen noch die Küche einrichteten, bewunderten wir Männer eine vielgipflige Felskulisse über den macchiabestandenen Hängen, die wir eben auf kurvenreicher Strasse gequert hatten. Sogleich nannten wir den schlanken Turm ganz links « Litzner », weil er dem Gross-Litzner, von Nordwesten betrachtet, auffallend gleicht; die markanteste Gestalt aber ist nicht der « Litzner », sondern der « Grosse », ein mächtiges Felshorn, das etwas im Vordergrund steht.

Während der ersten Ferientage genossen wir aber in erster Linie das Meer; gelegentlich sassen wir nahe beim zerfallenen Festungsturm im buntfarbigen Rundschotter oder badeten etwas buchtaus- wärts inmitten herrlicher Felsklippen. Wenn wir abends braungebrannt und salzverkrustet Zeitwärts zogen, liess sich der « Grosse » im rötlichen Abendlicht besonders gut betrachten. Über Namen, Höhe oder gar Besteigungsmöglichkeiten konnte uns vorerst niemand Auskunft geben; eine Autokarte nannte im Gebiet einen Gipfel, den « Capo d' Orto » ( 1306 m ). Von einem erhöhten Punkt etliche Kilometer ausserhalb Portos, an der Strasse nach Calvi, konnten wir sehen, dass der « Litzner », der « Grosse » und ein dazwischenstehender Gipfel dem etwas höheren Capo d' Orto nördlich vorgelagert sind. Die gut tausend Höhenmeter verteilen sich etwa zu gleichen Teilen auf bewachsene Vorberge und das eigentliche Felsmassiv. Das grosse Felshorn, dessen Besteigung wir eingehend zu planen begannen, hat gewaltig steile Wände; die westliche Seite ist durch einen terrassierten Sporn gestützt. Er erhebt sich aus einem felsumschlossenen Talkessel, der sich zur Brücke ob Porto hin öffnet.

Schliesslich fanden wir in Herrn Lannoy, dem Besitzer eines Coiffeursalons und eines Sportgeschäftes, einen einheimischen Bergsachverständigen, dem wir mit Hilfe einer Ansichtskarte unser Vorhaben erklärten. Mit heller Begeisterung erzählte er uns, dass er vor Jahren mit vier Schweizern die Erstbesteigung durchgeführt habe. Er beschrieb uns den Anstieg genauer und erklärte, dieser sei derart anstrengend, dass wir mit einem Biwak rechnen müssten. Der Abstieg sei dann auf der Ostseite des Berges vorzunehmen, benötige aber viel Seil. Er sei eben mit seinen Kameraden daran, nach dem Foce d' Orto einen Weg zu bauen, den wir weiter unten benützen könnten, ergänzte der eifrige Bergsteiger.

Am andern Morgen packten wir unsere Rucksäcke. Sie wurden ordentlich schwer, denn wir konnten nicht erwarten, unterwegs Wasser zu finden, und meine Lisbeth meinte, als ich die Taschenlampe in der Seitentasche verstaute: « Blinkt ihr uns damit heute abend ein Lebenszeichen zu? » - « Vielleicht um 8 Uhr! » gaben wir zur Antwort, stellten den Höhenmesser auf Null und zogen los. Anfänglich stiegen wir von der Brücke ob Porto aus taleinwärts, auf einem Weglein entlang einer ausgetrockneten Bewässerungsrinne, die aber nach einer Viertelstunde an der Fassungsstelle endete. Der steile Hang hinauf auf die westliche Krete trug fast nur dornige Pflanzen. Dort, wo uns das Dickicht auf alle viere zwang, stellten wir schmerzlich fest, dass auch der Boden über und über mit Stacheln bewehrt war, weshalb wir uns später im dichten Buschwerk mit Vorliebe an die Lorbeerstauden hielten. Diese gediehen zwar sehr üppig; über dem Boden waren aber die Seitentriebe bis auf einige Dezimeter Höhe abgestorben. Das gab, wenn wir uns ganz flach hinstreckten, feuchtdunkle, verhältnismässig angenehme Durchschlupfe. Oft sahen wir uns schon bei wenigen Metern Abstand nicht mehr. Als Nahziele wählten wir deshalb wenn möglich Felsen, die da und dort eine willkommene Abwechslung bildeten. Auf einem geräumigen Granitbuckel mit guter Aussicht erlaubten wir uns die erste Rast. Das Meer lag ruhig und silbern da, in Porto rauchte ein Hang, eine Yacht ankerte in der Bucht, während uns betäubend starker Duft umgab.

Bald knackten wieder die Zweige. Weiter oben benutzten wir zeitweise Wildwechsel und strebten dann entlang einer Felsmauer unserem zweiten Rastplatz zu, genau dem auserwählten Westsporn gegenüber. Wir hatten bis dahin 580 Meter an Höhe gewonnen und konnten bereits auf den busch-umsäumten Wandfuss hinunterblicken. Eben bestaunte ich am oberen Teil des Sporns eine wuchtige Wandflucht, die einen hausgrossen, geradlinig begrenzten hellroten Felsüberhang trägt, als Georges vorschlug: « Bis zu den zwei Türmen unter dem ziegelroten Trapez sollte es heute noch reichen! » Da aus der Rinne rechts neben der Wandkante ein kleiner Geröllkegel in den Talkessel mündet, hofften wir, dort einen mühelosen Aufstieg zu finden. Wir verfolgten den Weg weiter. Zahlreiche tiefe Höhlen, ganze Galerien von Taffonifelsen, aber auch völlig glatte Wandstufen beeindruckten uns. Bös sah es gegen den Gipfel zu aus: Über einem letzten Band mit einem Nadelbaum und einer gros- sen Höhle schien es keinen Halt mehr zu geben. Und wie die rechte Kante dreinschaute! Wie an einem gotischen Münsterturm hoben sich Schnörkel vom blauen Himmel ab und schienen die Kante in Nadelbaumhöhe abzuriegeln. Es blieb immerhin die Hoffnung, dass das Band vom Baum aus an der Höhle vorbei noch weiter nach links bis zu einem günstigen Ausstieg führe. Wir waren jedenfalls frohgemut, hatten eine Riesenfreude an unserer Unternehmung und räkelten uns noch eine Weile faul auf der sonnigen Warte.

Schliesslich stiegen wir an steiler Flanke in den sattgrünen Talkessel ein. Dort wurde unsere Stimmung beim Durchqueren von einigen Dutzend Metern Brombeerdickicht leicht gedämpft. Diese dornenreiche Strecke kostete uns viel Zeit, und als wir jenseits in der grobblockigen Geröllhalde aufwärts eilten, gewahrten wir, dass der Abend hereingebrochen war. Wir gelangten in eine düstere Schlucht, wo dicke Moospolster die Steintrümmer überzogen. Oft behinderten uns gewaltige Baumleichen, und eichenähnliche Baumriesen und furchteinflössende Felsfratzen, die hoch über uns im Abendrot glühten, vollendeten die wilde Romantik. Die letzten Meter zur Turmscharte waren der moosigen Felsen wegen etwas heikel. Damit wir unsern Frauen die vereinbarten Signale zublinken konnten, mussten wir über ein glattes Wändchen auf den meerseitigen Turm steigen.

7 Uhr war vorbei. Wir ebneten unsere Lagerstelle, assen und tranken gemütlich, soviel eben unsere Vorräte es erlaubten. Schon fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit bemerkte Georges erfreut: a Schau, dort unten blinkt es an der Strasse gegen Ota - weit weg von den andern Lichtern! » Jetzt griffen wir ebenfalls zu den Lampen. Von drunten kam die Antwort augenblicklich.

Kaum hatten wir uns gute Nacht gewünscht, schlief mein Freund auch schon wie ein Murmeltier; mir genügte es, vorerst die vom vielen Kriechen bleischweren Glieder wohlig zu entspannen. Wenn ich den Kopf leicht hob, konnte ich 880 Meter unter uns die Lichter Portos erblicken. Ich fand unser einsames Bergabenteuer einfach herrlich und musste es noch eine Weile mit vollem Bewusstsein gemessen.

Anderntags verliessen wir unsern Wohnturm durch einen unterirdischen Schacht, querten am Nachbarturm vorbei und eilten mit grosser Spannung der Trapezwand zu. Vorerst sperrte ein niedriges, senkrechtes Wändchen den Zugang zu einem Band. Wir konnten es lange nicht glauben, dass uns schon diese kleine Vorstufe so schroff abwies. Nach mehreren vergeblichen Versuchen wichen wir nach rechts in die Schlucht aus, um vorläufig darin höher zu steigen. Es lag uns aber daran, so bald als möglich wieder auf den Sporn zu gelangen. Schon die Querung war ein einzigartiger Genuss. Bei jeder Seillänge in der Führung abwechselnd, turnten wir danach über fugenloses Urgestein empor. Einzig bei einer Querung nach links half uns ein feiner Hakenriss; aber kurz darauf hielt uns wieder eine giftige Wandstelle auf. Die Schwierigkeit lag darin, bis zur Öffnung einer breiten Höhle zu gelangen. Der Höhlenboden neigt stark nach vorn; im Innern stehen zwei mannsdicke Felshörnchen mit sauber ausgerundeten Sockeln. Ein Seilwurf über einen der Zapfen war die einzige Lösung. Der rechtsseitige Höhlenausgang führte zur Wandkante. Hier verlangte der quälende Durst gebieterisch eine Rast. Uns gegenüber stand die ungeheure Schattenwand des Capo d' Orto; weitunten senkte sich die dunkelgrüne Wildnis zur Küste. Den Horizont konnten wir nicht wahrnehmen, denn Meer und Himmel verloren sich im feinen Silberdunst. Wir träumten aber nicht lange in die Landschaft, da uns die Ungewissheit des Weiterweges vorwärts drängte. Wie oft war unser Anstieg bis jetzt nur dank einer ausgefallenen Felsform möglich gewesen! Jetzt erwarteten uns aber erst die Stellen, die schon von unten bedrohlich ausgesehen hatten. Die Kante ist in dieser Höhe in mehrere Streben aufgeteilt, von denen jede einzelne kühne Auswüchse trägt. Das Gestein ist teils sehr geschlossen, teils zu Fratzen zerfressen; die Taffonischalen sind jedoch meist dezimeterdick und die Felsen allgemein abgerundet und risslos, so dass wir beim Klettern keine Festigkeitssorgen hatten.

Georges erreichte als erster das Band mit dem Nadelbaum. Wir verfolgten es zusammen weiter bis zur grossen Höhle. Ich tastete mich noch eine Seillänge auf feinen Leisten in die Wand hinaus, gab das Unternehmen dann aber auf, als ich hinter einer Wandbiegung senkrechte Abstürze wahrnahm. Wir versuchten es wieder rechts, an der hitzeflimmernden Kante. Über bizarre Kletterstellen an dünnen, verkrümmten Platten und durch glotzende Felslöcher erreichten wir einen Standplatz unter einer grossen Halbkuppel, die von einer Wand getragen wird und mit ihren Kratern wie eine konkave Mondlandschaft aussieht. Aus einem dieser Krater grinsen zwei meterlange Zahnreihen trübgelber Quarzkristalle; die rechte Begrenzung dieser eigenartigen Balme besteht aus einem überhängenden Pfeiler, welcher über einer spitz aufwärts stechenden Nase eine kleine Plattform trägt. Georges schaute sich die Sache auch an, stieg wieder etwas ab und konnte dort den Pfeiler äusserst ausgesetzt nach rechts traversieren. Ein faustbreiter Riss zieht sich hier zwischen Pfeiler und griffloser Wand senkrecht zum Anfang eines bewachsenen Kamins hinauf. Alle Arten des Stemmens schienen mir bei dieser Mauerglätte zu riskant; vergebens tastete ich im Innern des Risses nach Griffen. Aus lauter Verlegenheit klemmte ich ein paar Steinbrocken in den Riss; aber es half nicht weit, und ich begann mir an dieser Stelle eindringlich die Probleme eines Rückzuges zu überlegen. Links oben, in Reichweite des Kaminanfangs, zeigte die Felsnase, die wir schon auf der andern Pfeilerseite erblickt hatten, ihr spitzes Profil. « Wir müssen es nochmals auf der andern Seite versuchen! » entschied ich, allerdings ohne grosse Hoffnung auf Erfolg. « Und was meinst du zu der Obsinase dort? » erhielt ich zur Antwort. Ich verstand; gemeint war der nicht mehr ungewöhnliche Weg des Seilwurfes. Der dritte Versuch gelang. Die Seilschlaufen pendelten, vom Fels entfernt, über dem bodenlosen Abgrund. Georges erreichte sie und schwang sie mir zu. Ich hangelte möglichst geschwind unter die steinerne Nase, damit mir für den Klimmzug auf den Nasenrücken noch genug Kraft blieb. Georges klomm am Riss hoch und stieg sofort weiter. Dichtes Geäst und ein unsolider Überhang am Kaminende machten ihm Mühe.

Gleich darauf war der Fels wieder von monolithischer Art; er legte sich zurück. Hübsche kleine Kletterstellen bot uns der Aufstieg zum Ausklang, forderte überraschend noch einen Schulterstand und führte uns schliesslich auf eine ausgedehnte, plattige Gipfelfläche.

Der grosse Wunsch unserer schönen Ferientage war in Erfüllung gegangen! Voller Freude drückten wir uns die Hand.

Der Durst war mittlerweile so unerträglich geworden, dass uns sogar das Sprechen Mühe bereitete. Trotzdem verharrten wir lange Zeit am äussersten Eck bei dem kaum angedeuteten Steinmann und schauten unablässig auf die Bucht von Porto hinunter. Die von einer Kiesbank gestauten Fluten des Portoflusses spielten in einem violetten Farbton, der sich ein gutes Stück ausserhalb des Ufers inmitten des hellen, grünblauen Salzwassers in ein paar Schwaden wiederfand. Gegen Norden beschrieb die Küste eine Zickzacklinie zwischen felsigen Halbinseln und einsamen Buchten und verlor sich nach und nach im glasigen Dunst. Links sandte der Capo d' Orto seine Ausläufer gegen « Les Calanches »; darüber glitzerte das Meer zu uns herauf.

Neugierde auf den Abstieg liess uns die Gipfelrast beenden. Wir hatten schon mehrere Tage zuvor von Ota aus die mächtige östliche Gipfelabdachung wahrgenommen Diese misst in jeder Richtung etwa 50 Meter, ist sozusagen glatt, und die Neigung liegt etwas über der Adhäsionsgrenze. Wir richteten in der Fallirne über einigen Buschwipfeln, die über den Tafelrand hervorschauten, eine Abseilstelle ein. Bis zum untern Tafelrand konnten wir dann noch eine Strecke an kleinen Rauhigkeiten frei klettern. Ein Blockgrat leitete hinunter zum Sattel zwischen « unserm Gipfel » und dem « Mittleren ». Wir turnten etwas rechterhand des Firstes abwärts, bis uns eine Steilstufe vom Sattel trennte.Von diesem aus führt eine Schutthalde hinunter zum tiefen Gebirgseinschnitt zwischen unserer Gipfel- gruppe und dem Capo d' Orto. Wir stiegen in der jähen Wand, die direkt zu diesem Einschnitt abfällt, weiter ab und befanden uns bald inmitten gewaltiger Abstürze. Einen ersten konnten wir durch Abseilen vom Wurzelhals eines dicken Baumes gut überwinden, wagten aber nicht, das Seil einzuziehen, bis ich von einer ein gutes Stück tiefer gelegenen Kanzel aus den Wandfuss erblicken konnte. Eine letzte freie Abseilstelle endete beim Fuss eines tiefen Kamins geradewegs in einem Brombeerbusch.

Wir ordneten die Seile und stiegen dann über Blöcke abwärts der Enge zwischen den Steilwänden des Capo d' Orto und des « Mittleren » zu, wo wir gut durchkamen. Nun wurde der Blick frei, und wir konnten auf einer grossen Trümmerhalde bis tief ins Macchiagebiet hinuntersteigen. Dabei wählten wir jene Stelle des Buschsaumes als Ziel, die sich durch anders geartete Pflanzen hervorhob. Es waren Kastanienbäume dabei. Eine Zeitlang glaubten wir auf moosigen, nicht nur zufällig gefügten Steinplatten zu gehen, steckten jedoch bald ebenso kläglich im Geäst wie tags zuvor. Entmutigend langsam mühten wir uns abwärts. Die Sonne war untergegangen, und wir hofften bald Lannoys Weg zu finden, um nicht ein zweites Mal draussen übernachten zu müssen. Und als ich eben einem besonders üppigen Dickicht seitwärts entfliehen musste, erblickte ich ein Bäumchen mit einem weissen Farb- fleck. Ein Jubelschrei! Noch bevor ich mich fertig aus dem Astgewirr gezerrt hatte, stand Georges auf dem nagelneuen Weglein. Fast im Laufe folgten wir den zahlreichen Steinmännchen und weissen Farbmarken und gelangten gerade bei Einbruch der Nacht auf die Fahrstrasse Porto—Evisa. Am Brunnen aus Bollensteinen bei der Brücke ob Porto tranken wir becherweise frisches Zitronenwasser. Auf dem kurzen Wegstück zum Zeltplatz mussten wir allerdings feststellen, dass unsere Kleider etwas mitgenommen aussahen, was uns aber die Frauen ob der Wiedersehensfreude grossmütig verziehen.

Tags darauf planschten wir wieder im Meer. Herr Lannoy sagte uns später, dass die Gipfelgruppe « Tre Signori » heisse und dass wir als zweite die Westwand der « Cima occidentale » bestiegen hätten. Von den Erstbegehern ist mir lediglich der Name des Berners Willy Uttendoppler in Erinnerung geblieben.

Den letzten der beglückenden Korsikatage benutzten wir zu einem Bade im wilden Gebirgsfluss, in der Spelunca. Unterwegs schauten wir nochmals hinauf zu den stolzen Tre Signori, und in unsern Abschiedsgruss schlich sich die leise Hoffnung auf ein Wiedersehen...

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