Ein Jahr « Alpine Rettung Schweiz » Hilfe im Gebirge: neue Struktur bewährt sich

Eine ausgeglichene Jahresrechnung bei gleichbleibend vielen Rettungseinsätzen prägte das Jahr eins der Stiftung Alpine Rettung Schweiz, kurz ARS. Nächstes Ziel ist laut Geschäftsführer Andres Bardill eine verstärkte Aus- und Weiterbildung der ARS-Retter.

Die Zusammenarbeit zwischen SAC und Rega geht auf die Gründungszeit der Rettungsflugwacht in den 1950er-Jahren zurück. Damals ergänzte der Helikopter die SAC-Rettungskolonnen am Boden. « Aus der anfänglich improvisierten gegenseitigen Hilfeleistung ist eine effiziente, gut organisierte und zielgerichtete Zusammenarbeit von zahlreichen motivierten Spezialisten geworden », bilanziert Bardill die Geschichte der Schweizer Bergrettung. Geblieben seien der ausgeprägte Teamgedanke aller eingebun - denen Bergretter und die Tatsache, dass die professionellen Helikopterbesatzun-gen der Rettungsflugwacht häufig nur im Verbund mit den freiwilligen Rettungsspezialisten des SAC Erfolg haben.

Die erste Jahresrechnung konnte bei einem Aufwand von rund 3 Mio. Franken ausgeglichen gestaltet werden. Dabei wird das Betriebsdefizit der ARS von den beiden Partnern Rega ( 90% ) und SAC ( 10% ) getragen. Nach wie vor sehr wichtig sind aber auch die Beiträge der öffentlichen Hand und die Erträge aus den Einsätzen. So unterstützen alle Kantone die ARS mit einem kleineren, einwohnerabhängigen Pauschalbetrag. Eine Ausnahme bildet der Kanton Wallis. Zudem bestehen mit den meisten Gebirgskantonen zusätzliche Leistungsvereinbarungen. 2006 kamen hier neu die Kantone Graubünden, Luzern und Glarus hinzu. Laut Bardill ist es das Ziel, mit allen Bergkantonen diese Leistungsvereinbarungen zu treffen; entsprechende Verhandlungen sind am Laufen. Eine Änderung wird es bei der Geschäftsleitung geben: Im Frühling 2007 hat der Stiftungsrat Floh Müller, die langjährige Bereichsleiterin « Alpinismus » des SAC, zur neuen Stellvertreterin des Geschäftsführers und als Mitglied der ARS-Geschäftsleitung gewählt. Sie ersetzt Hans Jaggi, der die ARS Ende Juli verlassen und sich beruflich neu orientieren wird.

Die Zahl der Rettungen blieb 2006 mit 477 Einsätzen auf hohem Niveau konstant. Bei 175 Rettungen waren Helikopter im Einsatz. Insgesamt waren 695 Personen auf die Hilfe der Alpinen Rettung angewiesen, davon waren zwölf Prozent SAC-Mitglieder. 624 Personen wurden lebend geborgen, für 71 Verunfallte kam die Hilfe zu spät.

Auch die bei Suchaktionen geleistete Einsatzzeit blieb mit 4600 Stunden auf Vorjahresniveau. Zugenommen haben dagegen die durchschnittliche Dauer von Rettungsaktionen mit Helikoptern und die Dauer vorsorglicher Evakuationen. Überdurchschnittlich viele Rettungsaktionen wurden im vergangenen Jahr in den Monaten Januar, April und November gezählt. Der stellvertretende Geschäftsführer Hans Jaggi führt diese Entwicklung auf besondere Wetter- und Schneeverhältnisse zurück.

Die neue Statistik zeigt zudem, dass immer mehr Rettungen in den Bereichen Wintersport und Hochtouren nötig werden. 151 Personen oder rund 22 Prozent verunfallten bei Sportarten wie Base Jumping, Canyoning, Eisklettern, Freeriding, K jak, Kanu und Gleitschirmfliegen.

« Eine verantwortungsvolle Organisation unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren ist nicht nur für die Vorbereitung von Touren und Sportaktivitäten, sondern ebenso für die effiziente Organisation der Rettungstätigkeit nötig », erklärt Andres Bardill. Mit der Gründung der Stiftung Alpine Rettung Schweiz sei es dem SAC und der Rega gelungen, klare Verhältnisse für alle Retter zu schaffen und einer Verzettelung der Rettungsorganisation entgegenzuwirken. Neu verfügen die engagierten Retter zudem über einen rechtlich abgesicherten Status. Denn die Rettungskräfte sind für ihre Einsätze jetzt angestellt und auch entsprechend versichert. Im Gegezug haben die SAC-Sektionen diese Verantwortung abgeben können.

Für Bardill ist dies die beste Voraussetzung, sich im laufenden Jahr verstärkt der Aus- und Weiterbildung der Schweizer Bergretter zu widmen: « Wir müssen auf jeder Stufe, vom Hilfspersonal bis zum Spezialisten, entsprechende Quali-tätsanforderungen erfüllen und allfällige Ausbildungsunterschiede unter den Rettern weiter ausgleichen. » Dabei will Bardill auch auf die regional verschiedenen Bedürfnisse der einzelnen Rettungsstationen und die topografischen Besonderheiten in ihrem Einsatzgebiet Rücksicht nehmen.

Trotz der neuen, übergeordneten Organisationsstruktur würden die regionalen Spezialitäten und die Bedürfnisse der einzelnen SAC-Rettungsstationen nicht unter den Teppich gekehrt, verspricht Bardill.

Die Alpine Rettung (ARS) umfasst

94 Rettungsstationen, aufgeteilt in 9 Rettungszonen im Alpenraum und Jurabogen.

3000 ortskundige und gut ausgebildete (freiwillige) Bergretter

80 für Helikopterrettungen ausgebildete Spezialisten

120 Lawinenhunde-Teams

50 Geländesuchhunde-Teams

Das Jahr 2006 in Zahlen: Rettungseinsätze total 477, Einsätze Rettungsspezialisten Helikopter 175, Suchaktionen 107, Einsatzstunden total 8250, gerettete Personen 695, tot geborgene Unfallopfer 71

Weniger bekannte Rettungstätigkeiten

SAC-Retter und Rega werden auch bei Unfällen auf der Jagd, in der Landwirtschaft oder bei Flugunfällen aufgeboten. Bei Katastrophen und Grossereignissen stehen die erfahrenen SAC-Retter den Krisenstäben und den Polizeikorps beratend und ausführend zur Seite. Dabei arbeiten die gut ausgebildeten und modern ausgerüsteten SAC-Retter freiwillig und ehrenamtlich, ebenso wie wenn sie in ihrem Kerngebiet, der Bergrettung, tätig sind.

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