Eine Veranstaltung im Umbruch Bergfilmfestival in Les Diablerets

Vom 16. bis 23. September 2006 fand in Les Diablerets die 37. Ausgabe des Bergfilmfestivals statt. Von den 21 dem Publikum und der Jury vorgestellten Filmen wurden acht ausgezeichnet. 2007 wird die Veranstaltung neu durch den Genfer Jean-Philippe Rapp geführt. Sie findet nicht mehr im September, sondern in der Hauptsaison vom 11. bis 18. August statt.

Von den 21 selektionierten aus 140 vorliegenden Filmen wurden acht ausgezeichnet. Der grosse Sieger ist Harvest Moon des Schweizers Stephan Siegrist ( CH/USA ), der den Grossen Preis des Festivals und zugleich den vom SAC verliehenen Diable d' Or in der Kategorie « Exploits/Abenteuer » erhielt. Siegrist, der 34 Jahre alte, ursprünglich aus Meikirch stammende Berner, entdeckte die Alpen erst im Alter von elf Jahren bei einem Skiausflug. Dann holte er aber rasch auf: Heute gehört er weltweit zur Elite der Bergsteiger. In der Geschichte des Films Harvest Moon versuchen vier Kletterer eine neue Route über den Nordwestpfeiler des Thalay Sagar ( 6904 m ) hoch über den Quellen des Ganges im indischen Garhwal-Himalaya zu legen. Nach 28 Tagen Warten und Mühen, elf davon am Berg, erreichen sie endlich den Gipfel. Die Route ist äusserst schwierig: 6a, WI5, M5+, A3 mit dabei insgesamt Sie sind die Garanten für das Filmfestival von Les Diablerets: Philippe Nicollier, Gemeindepräsident von Ormont-Dessus und Vizepräsident des Filmfestivals, Jean-Philipp Rapp, neuer Festivaldirektor, Charles-Pascal Ghiringhelli, Festivalpräsident, Jean Bovon, scheidender Festivaldirektor, und Jean-Claude Mermod, Waadtländer Staatsrat ( v. l. ) Les Diablerets von Les Torneys aus gesehen Fotos: Corinne Feuz 200 m künstlicher Kletterei am Pfeiler. Der Film beschert sowohl den Kennern als auch den Laien grosse Emotionen, vor allem dank der Bildqualität und des Schnitts.

Der Diable d' Or in der Kategorie « Dokumentarfilm Berge » – ebenfalls ein SAC-Preis – sowie der Publikumspreis wurden dem Franzosen Philippe Lespinasse für Nyima et les porteurs verliehen. Nyima ist eine Trägerin unter Tausenden von Trägern. Mit ihren Berufskollegen geht sie von Dorf zu Dorf und verkauft die Waren, die sie in ihrem Korb mitträgt. Sie hat den Everest nie gesehen, auch wenn sie den gleichen Weg geht wie die Expedition von 1953. Aus der Perspektive dieser Frau zeichnet der Film den Weg dieser Nepalesen nach, die, ohne es zu wissen, Helden sind und die den Alpinisten überhaupt erst Ruhm und Ehre ermöglichen.

Der Diable d'Or in der Kategorie « Dokumentarfilm Umwelt » ging an Un été silencieux des Franzosen Stéphane Breton: ein Ausflug in die faszinierende Welt der kirgisischen Hirten, dargestellt anhand der Transhumanz(1) einer Familie.

Den Spezialpreis der Jury konnte Sara Rastegar ( Frankreich/Iran ) für Doust entgegennehmen. Der Film zeigt die Begegnung zwischen einem alten, singenden Hirten, der allein in den Bergen des Zentralirans lebt, und einer jungen Iranerin – der Filmemacherin –, die in Frankreich lebt. Mit dem Freeride-Preis wurde White Out des Engländers Oliver Gray ausgezeichnet. Weiter gingen zwei Preise für Filme über Extremsportarten an Pororoca des Deutschen Bill Heath und Fatima's Hand von Jens Hofmann, ebenfalls aus Deutschland.

Neben der Vergabe der Preise sind zwei wichtige Änderungen zu verzeichnen: Jean Bovon, der die Direktion des Festivals vor fünf Jahren übernahm, gibt sein schon bei Amtsantritt als « fünfjährige Übergangszeit » bezeichnetes Mandat ab. Zu seinem Nachfolger wurde der Genfer Medienmann Jean-Philippe Rapp gewählt. Bekannt als Direktor und Mitbegründer des Genfer « Festival médias Nord-Sud » steht er für Sensibilität, menschlichen Zugang und ein hervorragendes Beziehungsnetz. Bei der Amtsübergabe fasste Jean Bovon zusammen: « Als ich die Führung des Festivals übernahm, lag es sozusagen am Grund einer Gletscherspalte. In fünf Jahren konnte es dank der Arbeit des ganzen Teams ins Basislager hochgeführt werden. Mein Nachfolger kann es nun zum Gipfel geleiten. » Der sichtlich gerührte Jean-Philippe Rapp erklärte: « Ich habe lange gezögert mit der Zusage, aus Angst, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Ich hoffe, dem Festival mit meiner Begeisterung, die immer mein Antrieb war, sowie meiner Erfahrung dienen zu können. » Und seinem Vorgänger Ehre zu erweisen, mit dem er früher bei Télévision de la Suisse Romande gearbeitet hatte. Von der nächsten Ausgabe an wird die Veranstaltung zudem mitten in der Sommersaison stattfinden, das heisst im August und nicht mehr im September. Damit hofft man, die Zahl der Eintritte zu verdoppeln und die Ausstrahlung des Anlasses zu vergrössern. Man reserviere sich also bereits die Zeit vom 11. bis 18. August 2007!

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