Eiskletter-Weltcup Saas Fee. Wettkampf auf höchstem Niveau

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Eiskletter-Weltcup Saas Fee

Wettkampf auf höchstem Niveau

Vom 24.–26. Januar 2002 fanden im Gletscherdorf Saas Fee bereits zum dritten Mal Wettkämpfe im Rahmen des Eiskletter-Weltcups statt. Damit bot sich die Gelegenheit, die besten Spezialisten dieser zurzeit boomenden Disziplin des Kletterns aus nächster Nähe zu beobachten. Weitere Wettkämpfe des diesjährigen Weltcups werden in Russland, Italien und Kanada ausgetragen.

Als einziger internationaler Anlass dieser Art findet der Eiskletter-Weltcup von Saas Fee indoor in einem Parkhaus statt. Hinter der mehrstöckigen Auffahrt befindet sich eine ca. 30 Meter hohe und ebenso breite überdachte Felswand, die das Gebäude gegen den Berg hin begrenzt. Damit ist dieser Durchführungsort – abgesehen von den Temperaturen – wetterunabhängig. Welchen Einfluss die Temperaturen auf den Routencharakter jedoch haben können, wurde dieses Jahr deutlich, da sich im Gegensatz zu den Vorjahren aussergewöhnlich viel Eis gebildet hatte. So konnten jeweils grosse Teile der Routen über eindrückliche Eispassagen geführt werden.

Für den Zuschauer ist der Wett-kampfverlauf von den einzelnen Ebenen der Auffahrtsrampe aus verschiedenen Perspektiven gut zu verfolgen, und die Akteure können aus kurzer Distanz beobachtet werden. Dies trifft aber bei grösserem Publikumsandrang nicht mehr zu.

Rasante Entwicklung Das Eisklettern hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt und wird während der kalten Wintermonate von immer mehr Kletterern mit Begeisterung praktiziert. Das steigende Interesse für diese Spezialdisziplin des Kletterns ist in erster Linie auf die Entwicklung im Materialbereich zurückzuführen. Mit modernster Ausrüstung kann heute praktisch wie im Fels geklettert werden, abgesehen davon, dass man die « Griffe » – die so genannten Hook-Positionen – weniger fein fühlen kann. Die Eispickel, die dieses Wort kaum noch verdienen, haben sich zu High-Tech-Geräten entwickelt, an denen man sich dank der speziellen Griffformen am Pickelstiel praktisch beliebig lang auch im steilsten Gelände festhalten kann. Und auch die schweren, steigeisenfesten Bergschuhe wurden mittlerweile von Inline-Schuhen oder ähnlich festen Sportschuhen verdrängt. Dank der direkt auf diese Schuhe

Resultate Eiskletter-Weltcup Saas Fee

Damen: 1. Ines Papert, Deutschland 2. Petra Müller, Schweiz 3. Kirsten Buchmann, Deutschland Herren: 1. Dimitri Bytchkov, Russland 2. Harald Berger, Österreich 3. Stephane Husson, Frankreich Petra Müller ( SUI ), die den ausgezeichneten zweiten Schlussrang erreichte, nach Überwindung des Eisüberhangs in der Damenhalbfinalroute Dank der lang andauernden kalten Witterung hatten sich mächtige Eisformationen ausbilden können, die spektakuläre Wettkampfverhältnisse boten. Aljaz Anderle ( SLO ) im Halbfinal der Herren ( 4. Schlussrang Herren ) DIE ALPEN 3/2002

geschraubten superleichten Steigeisen, die sogar über Zacken an den Fersen verfügen, können die vielfältigsten Klettertechniken angewendet und für den Gebrauch im Eis weiterentwickelt werden.

Erfahrung aus Kletterwettkämpfen nutzen Ein weiterer Grund für die enorme Entwicklung und auch die Leistungssteigerung sowohl bei den Damen als auch bei den Herren liegt darin, dass sich zahlreiche Spitzenkletterer aus den verschiedensten Ländern in den Wettkämpfen versuchen. Sie verfügen über die notwendigen klettertechnischen Grundvoraussetzungen, sind konditionell sehr stark und haben – was entscheidend ist – viel Wettkampferfahrung.. " " .Wenn sie auch noch mit den Besonderheiten des Eises und den verschiedenen Tricks im Umgang mit den Eisgeräten etwas vertraut sind, vermögen sie sich rasch einmal auf den vordersten Rängen zu etablieren.

Buntes Teilnehmerfeld Das Teilnehmerfeld an einem Eiskletter-Weltcup setzt sich heute aus drei Gruppen zusammen: Da sind einmal die Ice-Cracks, die die Entwicklung des Eiskletterns in den letzten Jahren mit vorangetrieben haben und nun ebenfalls im Wettkampf ihr Leistungsvermögen unter Beweis stellen wollen. Dann die Athletinnen und Athleten der Sportkletterwettkämpfe, die in der Disziplin Eisklettern den Winter über trainieren oder in dieser Sparte ihre Stärken vielleicht auch besser zum Ausdruck bringen können. Und schliesslich eine « Schnuppergrup-pe », die sich erst einmal ein Bild machen möchte. Gegenüber der schmalen Spitze von bereits in Firmenteams integrierten Topkletterinnen und -kletterern sind die Vertreter der « Schnuppergruppe » aber vor allem materialmässig hoffnungslos unterlegen. Damen – kreativ und kämpferisch Was auf höchstem Niveau geboten wird, vermag auch den Nicht-Fachmann schnell zu faszinieren. Vor allem die Damen haben in Saas Fee durch ein grosses Bewegungsrepertoire und viel Kampfgeist beeindruckt. Sie zeigten wenig Respekt vor den kühn angelegten Routen des Halbfinals und des Finals und kämpften, bis die Lage wirklich aussichtslos war. Der Wettkampf wurde schliesslich von Ines Papert, der letztjährigen Weltcupsiegerin aus Deutschland, souverän gewonnen. Den zweiten Rang belegte die Schweizerin Petra Müller, die ebenfalls einen sehr routinierten Eindruck hinterliess und vor allem mit einer sichern Top-Begehung im Halbfinal beeindruckte.

Ines Papert ( GER ), die Siegerin bei den Damen, in einer nur dank modernstem Eismaterial überhaupt möglichen Position in der Finalroute Stephane Husson ( FRA ) im Eisüberhang und in der ( künstlichen ) Dry-Tooling-Strecke der Herrenhalbfinal-route. Stephane Husson wurde Dritter im Schlussklassement.

Fo to s:

Ha ns pe te r S ig rist DIE ALPEN 3/2002

Herren – schwierige Bedingungen In der Herrenkonkurrenz fiel auf, dass sich die Sportart noch nicht endgültig gefunden hat und dass die Wettkampfregeln nicht mit der Entwicklung mithalten können. Wie vor zehn Jahren im Sportklettern dürfen auf einer vorgegebenen Routenlinie markierte Zonen nicht berührt werden. Diese Zonen werden von den Routenbauern mit Farben abgegrenzt, um die Routen auch entsprechend schwierig zu gestalten. Damit sind aber zahlreiche Übertretungen vorprogrammiert, die dann manchen Favoriten gleich am Einstieg oder an einer anderen unübersichtlichen Stelle scheitern lassen. Schliesslich gewann aber mit dem Russen Dimitri Bytchkov ein bekannter Athlet, der auch in den Sport-kletterwettkämpfen bereits sehr gute Resultate erzielt hat.

Ein Dorf hinter dem Eisklettern In Saas Fee steht das gesamte Dorf mit viel Engagement und grossem Aufwand hinter diesem Anlass. Die Bergführer der Sektion Saastal zeichnen im OK für den Weltcup verantwortlich, und die SAC-Sektion Saas führte am Samstag zusätzlich die ersten Oberwalliser Ice-Clim-bing-Meisterschaften durch, womit auch die Nachwuchsförderung bereits begonnen hat.

Besonders gespannt war man deshalb auf das Abschneiden des Zermatters Simon Anthamatten, des grossen Vorbilds der Walliser Eiskletterkids. Der Junior, erfolgreiches Mitglied der Nationalmannschaft im Sportklettern, hatte zwei Wochen zuvor an den ersten Weltmeisterschaften im Eisklettern im Pitztal mit einem unerwarteten 5. Rang für Schlagzeilen gesorgt. In Saas Fee scheiterte er aber leider im Halbfinal wegen eines ärgerlichen Übertretungsfehlers, bevor er überhaupt sein Leistungsvermögen zeigen konnte. So bleibt zu hoffen, dass sich die Spitzenresultate bei den Herren im nächsten Jahr einstellen werden, wenn in Saas Fee wiederum zum Eis-wettkampf und zur anschliessenden Party im Kreise der Ice-Climbing-Szene geladen wird. Wer sich weiter über den Eis-Weltcup informieren möchte, findet unter www.ice-time.com die entsprechenden Angaben und Bilder. a

Hanspeter Sigrist, Bern

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