Erfolge in Fels und Eis

Die Schweizer Kletterer sind so aktiv, dass im Januarheft längst nicht alle Exploits Platz hatten. Hier darum der zweite Teil des Herbstrückblicks.

Einige grosse Unternehmungen haben im Herbst einen erfolgreichen Ausgang gefunden: Ende September gelang den Schweizern Stephan Siegrist und Denis Burdet gemeinsam mit dem Österreicher David Lama1 am Cerro Kishtwar (6155 m) in Indien eine Neutour «in lupenreinem Alpinstil», wie sie selber schreiben. Sie führt durch die Nordwestwand auf den Nordgipfel und von da auf den um fünf Meter höheren Hauptgipfel. Sie tauften ihre Route Yoniverse (1200 m, WI5, 6a). Danach kletterten sie am White Sapphire (6040 m) im Aufstieg eine neue Route – La virée des contemporains (850 m, WI5/Crux 2 SL WI6, M6, A2) – über die Nord-Nordwestwand, abgestiegen sind sie über den Südgrat. Die drei hatten als Erste seit Langem die Region besuchen können, faktisch war das Gebiet über 18 Jahre für Bergsteiger gesperrt. Zum ersten Mal auf dem Cerro Kishtwar standen übrigens 1993 Mike Fowler und Steve Sustad.

Ebenfalls an einem «Cerro» erfolgreich war Michael Lerjen-Demjen2 aus Zermatt: Am 7. November wiederholte er mit dem Italiener Korra Pesce die Ragni-Route (1500 m, AI5+ M4 MI6) in der Westwand des Cerro Torre. Damit ist Michi der sechste Mensch, der auf allen vier Gipfeln der Torre-Gruppe gestanden hat, und der zweite, der das ohne Zuhilfenahme von Maestris Bohrhaken schaffte

Einen weiteren Erfolg hatte auch das Expeditionsteam des SAC zu melden: David Hefti war noch im August zusammen mit Sven Schärer3 auf den Walker-Pfeiler an den Grandes Jorasses geklettert; damit hat er seine Nordwandtrilogie vollendet.

Trockener Herbst

Kletterferien machen nicht nur Alpinisten stark: Nach zehn Tagen in Nordspaniens Überhängen legte Barbara Büschlen4 am 21. November, nach einigen gescheiterten Versuchen, ihre bislang schwerste Begehung hin: Mit Le Paradox in den Gastlosen kletterte sie ihre erste 8b.

Christina Schmid5 aus Bern hat diesen Grad erfolgreich ausgelassen und mit Hexenküche in Gimmelwald gleich ihre erste 8b+ geklettert.

Eine ziemlich schwere Route gelang im September mit Gioco di Squadra (8c) in Caslano auch dem Tessiner ­Nicola Vonarburg6.

Anfang November knackte Cédric Lachat7 am Voralpsee eine neue Kombination. Er verband Speed (8c+) von Beat Kammerlander mit Lucys Fortschritte (8a+). Das Ergebnis: Speed intégrale (9a).

Kurz darauf gelang Ronny Birchler8Ende November mit Dulcifer sit down (Fb 8b) ein eindrucksvoller Boulder am Sustenpass. Nach Le Rêve de Faire von Fred Nicole ist dies sein zweiter Boulder in diesem Grad. Freund und Boulder-Enthusiast Martin Keller bleibt derweil statt einer grossen und erhofften Begehung derselben Route nur eine Erkenntnis. Eine, die allerdings nicht weniger wichtig scheint: «Das Scheitern ist konstanter als Erfolg und lehrt dich eine Menge. So läuft es halt – sonst war es nicht dein Limit, oder?!»

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