Erinnerungen des Drittbesteigers. 50-Jahr-Jubiläum Schweizer Everest-Lhotse-Expedition

Erinnerungen des Drittbesteigers

Am 23. Mai 1956 stand Hans Rudolf von Gunten zusammen mit Dölf Reist auf dem Everest. Wie stark sich allein schon die Wahrnehmung in der Welt seither verändert hat, zeigen ein paar seiner Erinnerungen aus dem Expeditionsalltag.

« Die Schweizer Everest-Expedition fuhr mit dem Schiff von Genua nach Bombay, wo die Expedition an Land ging. Beim Zollprozedere wurden alle Kisten geöffnet, und die Zöllner machten Stichproben. Das Bergsteigermaterial war ihnen fremd, sie wollten sich aber keine Blösse geben und winkten grosszügig durch. Einzig die mitgeführten Kisten mit dem Sprengstoff, den wir dabeihatten, um später im Khumbu-Eisfall Sprengungen vornehmen zu können, konnte nicht ausgelöst werden. Da nahm Fritz Luchsinger Kontakt mit einem indischen Obersten auf. Er schenkte ihm ein Kilogramm des damals in Indien noch unbekannten Plastits. Das wirkte: Kurz darauf wurden auch die Kisten mit Sprengstoff freigegeben.

Dieser Sprengstoff leistete dann gute Dienste. Die gefährlichsten Eistürme konnten eliminiert und die Aufstiegsspur sicherer gemacht werden. Die Sherpas liebten die Sprengungen. Jeden Morgen fragten sie: ‹Sah'b, today, bum?› Die Aluminium-Sauerstoffbehälter waren zur Verbesserung der Druckfestigkeit mit Stahldraht umwickelt. Da die Sherpas Draht gut weiterverwenden konnten, entfernten sie ihn bei den leeren Behältern. Der Schreck fuhr uns dann allerdings in die Knochen, als sie ihn auch bei den vollen Behältern entfernten. Als Norbu Sherpa ziemlich erschöpft auf dem Südsattel eintraf, boten wir ihm zur Erholung Sauerstoff an. Er lehnte aber vehement ab: ‹No Oxy, SigaryZigarette –please!› » a Hans Rudolf von Gunten, Nussbaumen Zwischen den Abstürzen von Nuptse und Everest zwängt sich der Khumbu-Gletscher über eine Steilstufe hinunter. Dadurch beginnt hier ein wild zerrissener Eisbruch, der sich in ständiger Bewegung befindet. Blick auf den unteren Teil des Khumbu-Eisfalls ( l. )

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