FaBe in der Maighels-Hütte

Über die FaBe-Lagererlebnisse in der Maighelshütte haben in den Bodan-Sektionsnachrichten zwei Teilnehmer, ein Sohn (Silvan) und ein Vater (Ernst Thalmann), berichtet. Auszüge daraus zeigen, dass FaBe eine Aktivität für Klein und Gross ist, die auch die unterschiedlichen Ansprüche zu erfüllen vermag

Am Sonntag fahren wir mit dem Zug bis zum Oberalppass. Bis zur Maighelshütte (2310 m) müssen wir etwa zwei Stunden laufen. Am Nachmittag gehen wir Einklettern. Unser Bergführer Peter Manale sagt: «Versucht, immer auf den grossen Steinen zu klettern. » Wir üben noch die verschiedenen Knoten. Zum Schluss seilen wir an einem kleinen Felsen ab.

Bereits der Aufstieg zur Hütte lässt erahnen, was auf uns zukommen wird, denn ein pralles Bündel Energie scheint sich das Tal hinaufzuwälzen. Getrieben von dieser Energie erfährt die Gruppe die erste Selbstorganisa-tion, es selektionieren sich die kräftigen Gipfelstürmer, die tapferen Nachahmer, die zaghaften sich noch an die Eltern klammernden Mädchen und Knaben und die diskutierende Elternschar. Einen Sonderstatus innerhalb der Gruppe nimmt Benjamin ein, weil er getragen wird! Auf Grund seiner kurzen Beine kann er nicht mit uns Schritt halten und das überrascht nicht, wenn man berücksichtigt, dass er als Zweijähriger der jüngste Teilnehmer der Gruppe ist.

Heute ist Montag und Regentag. Reiner und Peter haben für uns verschiedene Aufgaben vorbereitet. Ich muss auf einer selber gemachten Schweizer Karte den Rhein von der Quelle bis nach Basel einzeichnen. Am Nachmittag gehen wir wandern. Dabei entdecken wir einen Blindgänger, zeichnen ihn auf der Karte ein und melden ihn am Abend. Am nächsten Tag sind sie mit dem Helikopter gekommen und haben den Blindgänger in die Luft gesprengt. Auf dem Heimweg machen wir noch einen Umweg. Dabei müssen wir in den Unterhosen einen reissenden Bach überqueren.

Viele herausfordernde Abenteuer, aufregende Kletterpartien und anspruchsvolle Routen sowohl für Kinder als auch für die Eltern, aber auch viele gemütliche, entspannende und verspielte Erlebnisse haben uns in Windeseile durch die Woche getrieben, deren Zeit nach neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und in Einklang mit Einsteins Theorie beim Familienbergsteigen viel schneller abläuft.

Heute Mittwoch wollen wir über den Maighelsgletscher bis auf den Piz Borei (2952 m) steigen. Der Aufstieg dauert ca. 5 Stunden. Kurz vor dem Gletscher habe ich schöne Kristalle entdeckt. Vor dem Gipfel müssen wir über den Gletscherschrund und eine steile Schnee- und Eiswand klettern. Natürlich schreiben wir uns auf dem Gipfel ins Gipfelbuch ein. Beim Abstieg können wir auf dem Gletscherschnee hinunterrutschen. Die Schuhe sind unterdessen pflotschnass geworden.

Das Gehen auf Eis üben wir auf dem Maighelsgletscher. Aufgeteilt in drei Seilschaften steigen wir gemeinsam bis auf etwa 2500 m, wo ein Gletschertisch das Tagesziel derjün-geren Teilnehmer/innen ist. Uns Eltern und natürlich auch unserem Jung-Bergführeraspiranten Luca wurde jedoch noch ein höheres Ziel angeboten. Peter führt uns auf den Piz Borei!

Was von oben ausschaut wie eine Perlenkette, die von unsichtbarer Hand über den Gletscher gezogen wird, entpuppt sich durchs Fernglas als unsere Kinderschar, die diszipliniert dem Tal entgegengeht. Abschluss und gleichzeitig Krönung dieser ereignisreichen Tour ist die am Fixseil gesicherte Rutschpartie, die noch den letzten trockenen Faden der Hosenböden zu nässen vermochte.

Der Donnerstag ist eigentlich unser Ruhetag. Trotzdem stehen wir schon um 5 Uhr auf. Wir wollen den Piz Cavradi (2612 m) hinter der Hütte besteigen und von oben den Sonnenaufgang beobachten. Pepe kocht auf dem Gipfel Kaffee und Tee. Das ist super. Zum Mittagessen braten wir im kleineren Klettergarten Würste. Am Nachmittag gehen wir in den grossen Klettergarten hinüber. Bruno, der Hüttenwart, hat dort eine Seilbahn aufgebaut. Das ist lässig.

Ein unbestrittener Höhepunkt der Woche bahnte sich an, als wir frühmorgens noch schlaftrunken im Lichtkegel der Stirnlampen über die steile Flanke den Piz Cavradi bestiegen, um der Sonne beim Aufstehen zuzuschauen. Wenn sich nicht das Wolkenband zwischen Horizont und aufgehender Sonne gezwängt hätte, wäre Reiners Zeitrechnung wohl aufgegangen, so jedoch übten wir uns im Bau eines soliden Steinmannes, bis uns die ersten Sonnenstrahlen verspätet ob dem Wolkenband wärmend begrüssten. Unverkennbar war der Stolz, als die tapferen Frühaufsteher nach dem Abstieg den in der Hütte zurückgebliebenen Schlafmützen vom Erlebnis erzählten.

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