Falknis Bergnamen

Weil früher nur selten jemand auf die Idee kam, Berggipfel zu besteigen – zu anstrengend, zu gefährlich, nutzlos –, herrscht verbreitet die Meinung, die Gipfelnamen seien jung. Das trifft schon deshalb nicht zu, weil manche Gipfel eine wichtige geografische Orientierungsfunktion erfüllen. Darum gibt es in Gegenden, wo seit Jahrhunderten kein Rätoromanisch mehr gesprochen wird, viele Bergnamen aus dieser Sprache. Zum Beispiel den Falknis auf der Grenze von Liechtenstein und Graubünden. Den Namen versteht niemand mehr, und so glauben die einen, der Berg sei als Aufenthaltsort des Falken benannt. Andere beziehen sich auf einen angeblichen schriftlichen Beleg Val Canins im 9. Jahrhundert, der wohl als gelehrte lateinische Form in der Bedeutung «Hundetal» zu verstehen wäre. Der Falknis ist aber weder Hund noch Vogel. Eher steckt im Namen das alträtoromanische Wort «Falclas», «Sicheln», das wohl die heutigen Falknistürme unterhalb des Gipfels bezeichnete.

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