Faszination Berg. Die Geschichte des Alpinismus

«Gewiss liegen Geschichten des Alpinismus seit Jahrzehnten und in unterschiedlichen Sprachen in grösserer Anzahl vor [...] All diese Autoren sind gelernte, teilweise herausragende Bergsteiger, nicht aber Historiker. [...] In dieses weite, wenig bestellte Feld möchte die vorliegende Arbeit eine Schneise schlagen.» So umschreibt Peter Grupp die Absicht hinter seinem Werk zur Geschichte des Alpinismus.

Der Autor, mehr Historiker denn Bergsteiger, macht sich darin auf die Suche nach grossen Leitlinien. Dies gelingt ihm vor allem im ersten Teil, der die Entwicklung der Bergsteigerei von der Antike bis heute mit vielen Fakten belegt und übersichtlich nachzeichnet. Etwas weniger überzeugend fällt der zweite Teil aus, der die Begleitumstände und Rahmenbedingungen des Bergsteigens unter die Lupe nimmt: Wissenschaft, Sport, alpine Vereine, Bergführerwesen, Gesellschaft und Politik, Kunst und Philosophie werden dabei primär aus deutscher und österreichischer Warte beleuchtet und ab und zu mit dem Sonderfall England verglichen; andere Kul-tur- und Sprachräume kommen hingegen nur episodenhaft oder sehr summarisch vor. Der Historiker, der im Kapitel über Psychologie und Motivation ein wenig aufs Glatteis gerät und gerne zu Verallgemeinerungen und Werturteilen neigt, zeigt seine Stärken vor allem dann, wenn es um die Einbettung des Alpinismus und seiner Akteure in den gesamtgeschichtlichen Kontext geht. Die «erste umfassende Geschichte des Bergsteigens», wie es der Umschlag anpreist, ist das Buch natürlich nicht. Das flüssig geschriebene und stellenweise unterhaltsame Werk bietet aber eine interessante Annäherung an ein Thema, das hoffentlich noch weitere Historiker und Bergsteiger beschäftigen wird. Damit die Schneisen dereinst zu richtigen Lichtungen werden.

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