Fasziniert von Schneekristallen, Tieren und Kletterrouten Fabienne Riche (29), SAC Prättigau

Die Wissenschaftlerin war zuerst Mitglied der Sektion Diablerets und ist heute bei der Sektion Prättigau.

Morgens, wenn ich ins Büro komme, schnappe ich mir zuerst einen der Schoggikäfer am Eingang, bevor ich mich auf den Weg ins Kältelabor mache. So quasi als Aufwärmung. Die Temperatur dort beträgt nämlich etwa 20 Grad minus. Hier kontrolliere ich meine Experimente und analysiere die Eigenschaften der Schneemikrostruktur, vor allem mit dem Computertomografen. Momentan untersuche ich die Veränderung von Schneekristallen und die Leitfähigkeit des Schnees bei Wärmeeinfluss. Die Ergebnisse publiziere ich in wissenschaftlichen Artikeln in Fachzeitschriften. Seit viereinhalb Jahren arbeite ich nun im Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) in Davos.

An der Ecole politechnique fédéral de Lausanne (EPFL) habe ich Biotechnologie und Bioingenieurwesen studiert. Mich interessiert alles, was mit Technologie, Biologie und Menschen zu tun hat. Irgendwann, ich war gerade dabei, meine Masterarbeit fertigzustellen, hatte ich das Bedürfnis Deutsch zu lernen. Auf der Suche nach einer Praktikumsstelle stiess ich auf das SLF. Ich bewarb mich für ein sechsmonatiges Praktikum und bekam die Stelle. Es gefiel mir so gut, dass ich da anschliessend gleich noch meine Dissertation schrieb.

Am Feierabend klettere ich regelmässig in der Davoser Kletterhalle mit Kollegen und Kolleginnen vom Institut. Ich hab auch schon Routen geschraubt. Hier im Institut gibt es zum Glück viele, die gerne klettern. Was mir am Klettern gefällt? Die Ruhe, die Konzentration, ich vergesse dann alles um mich herum.

Aufgewachsen bin ich in der Waadt, auf einem Bauernhof, den meine Grosseltern bewirtschafteten. Schon in meiner Kindheit verbrachte ich viel Zeit in der Natur. Die schroffe Bergwelt des Wallis hat es mir besonders angetan. Es ist ähnlich wie das Bergell, ein unglaublich schönes Tal. Jetzt bin ich oft unterwegs am Rätikon im Prättigau. Wichtig ist mir beim SAC auch seine Informationsfunktion in Sachen Umweltschutz.

Kennengelernt hab ich den SAC durch das Klettern. Ich besuchte das Gymnasium, als wir an einem Sportnachmittag verschiedene Disziplinen ausprobieren durften. Das Klettern gefiel mir auf Anhieb am besten. Im SAC, so erfuhr ich, gebe es eine Kletter-JO, in der man die Grundlagen und Techniken des Kletterns erlernt. Also wurde ich Mitglied. Mit 18 stand ich auf meinem ersten Viertausender, dem Gran Paradiso in Italien. Das war auch mit der JO. Ich benutzte zum ersten Mal Steigeisen und Pickel. Es war sensationell. In Lausanne absolvierte ich dann mehrere Jugend+Sport-Kurse und übernahm Leitungsaufgaben im Kinderbergsteigen. Das mache ich bis heute, in meiner Heimsektion, Diablerets Lausanne.

Nie fehlt meine Kamera auf meinen Wanderungen oder Skitouren. Am liebsten fotografiere ich Tiere. Letztes Jahr waren wir an den Churfirsten, ziemlich spät im Herbst. Plötzlich standen wir vor einer Herde Gämsen. Noch nie war ich diesen Tieren so nah. Ein andermal kletterten wir im Wallis und entdeckten auf einem Felsvorsprung eine Steinbockfamilie mit zwei Jungtieren. Sie zeigten keinerlei Scheu, waren ganz neugierig. Sie standen mir richtig Modell, und ich konnte sie auf zwei Meter Abstand fotografieren.

Ohne den SAC wäre ich wohl viel weniger in den Bergen, einfach weil mir die Kenntnisse dazu fehlen. Im Schweizer Alpenraum kenne ich mich inzwischen recht gut aus. Als ein nächstes, weiter entferntes Reiseziel könnte ich mir Asien vorstellen. Mein Traum? Ein Trekking in Nord­indien oder Nepal.

SAC-Mitglieder im Porträt

35 SAC-Mitglieder wurden für Helvetia Club, das Jubiläumsbuch zum 150-Jahr-Jubiläum des SAC, fotografiert. «Die Alpen» haben sieben davon ausgewählt, um sie auch in Worten zu porträtieren.

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