Fehlprognose

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Peter Rauh, Schweizerische Meteorologische Anstalt, Zürich

Es war Mitte März; eine Dreierseilschaft wollte die guten Schneeverhältnisse ausnützen und jetzt schon eine Besteigung des Schinhorns ( 3797 m ) wagen. Das Wetter spielte ihnen aber einen Streich: Draussen vor der Oberaletschhütte herrschte Schneetreiben, und Nebel versperrte jede Sicht. Das wäre ja noch nicht so schlimm, denn der Weg zurück zur Seilbahn nach Blatten war nicht schwierig. Nur eben - zu spät hatte man bemerkt, dass der Kompass zu Hause vergessen wurde.

Es galt also zu warten, bis der Nebel sich lichtete. Nach dem Wetterbericht konnte man allerdings nichts Gutes erwarten, hiess es doch, dass in der stürmischen Nordwestströmung eine Reihe von Störungen auf die Alpen zugesteuert wurden.

Vor dem Schlafengehen hörte man noch die letzte Wetterprognose: « Alpen und Alpennordseite: meist bedeckt und weitere Niederschläge. Schnee bis 800 Meter. Am frühen Morgen kurze Aufhellungen möglich, besonders im Flachland. Temperaturen... » Man kroch in die Wolldecken und freute sich eigentlich ein wenig auf eine lange, erholsame Nacht. Draussen peitschte der Wind den Schnee gegen die Hütte.

Am Morgen war es seltsam still. Nur selten ratterte ein Fensterladen. Wie der Blitz sprangen unsere drei Skifahrer aus den warmen Decken. Draussen lag der Oberaletschgletscher neu überzuckert, aber gut sichtbar vor ihnen. Nichts wie los! Hastiger Aufbruch - hätte man doch nur schon am Abend gepackt. Endlich marschbereit. Aber schon segelten wieder drohende Wolkenschiffchen vom Schinhorn über den Gletscher. Kaum war die Mannschaft am Fuss der Felsen unterhalb der Hütte angelangt, wurde sie auch schon von Nebelschwaden eingehüllt. Umkehren! In der Hütte ging das Geschimpfe los: « Auf diese Wetterprognosen kann man sich ja doch nie ver-lassenFehlprognose! » Drei Tage später kam ein Helikopter und nahm unsere drei Touristen mit. In der Zwischenzeit war der Weg zur Belalp wegen Lawinengefahr unpassierbar geworden.

War es nun wirklich eine Fehlprognose? » Was heisst denn eigentlich « meist bedeckt »? Hätte nicht der Zusatz « am frühen Morgen kurze Aufhellungen möglich, besonders im Flachland » mindestens so weit berücksichtigt werden müssen, dass der Wecker auf 5 Uhr gestellt worden wäre? Dann hätte es wahrscheinlich zum Überqueren des Gletschers gereicht, und der restliche Weg wäre nicht mehr schwer gewesen. Doch was bedeuten die Ausdrücke in der Prognose genau, was müssen wir uns darunter vorstellen? Täglich begegnen wir diesen Fragen am Telefon oder im Gespräch mit irgendwelchen Leuten.

Der Meteorologe stellt sich auf Grund der Unterlagen vor, wie das Wetter in den kommenden ein bis drei Tagen aussehen wird, und formuliert den Text der Prognose. Jedes Wort hat eine recht genau umschriebene Bedeutung. « Stark bewölkt » heisst beispielsweise weniger schönes Wetter als « teilweise sonnig ». Spitzfindigkeiten? Nun, das Wetter zeigt so viele Nuancen, dass man mit Schwarzweissmalerei nicht weit kommt. Es ist nicht nur schön oder schlecht. Darum müssen wir wissen, welches Wetter wir mit welchem Ausdruck beschreiben und charakterisieren wollen. Der Meteorologe muss es wissen, aber auch das Publikum, also gerade Sie!

An dieser Stelle soll nicht die Gilde der Meteorologen verteidigt und in den Himmel gehoben werden. Es wird auch in Zukunft echte Fehlprognosen geben; da besteht kein Zweifel. Wir wollen hier anfangen, uns auf eine gemeinsame Spra- che zu einigen, so dass wir uns gegenseitig verstehen, wenn wir über das Wetter plaudern. Und wer spricht nicht über das Wetter! Wir Meteorologen tun kaum etwas anderes!

WIE ENTSTEHT EINE WETTERPROGNOSE?

Die Schweizerische Meteorologische Anstalt erstellt jeden Tag fünf Wetterberichte für die Öffentlichkeit, und zwar um 5.00, 8.30, 11.00 Uhr, 17.00 Uhr und um 22.00 Uhr. Sie sind für den laufenden Tag ( erster und zweiter Wetterbericht ), den Folgetag ( dritter bis fünfter Wetterbericht ) gültig und werden ergänzt durch die weiteren Aussichten für die folgenden zwei Tage. Alle diese Berichte werden vom Radio ausgestrahlt und können über Telefon Nummer 162 abgehört werden. Für das Schweizer Fernsehen wird am Nachmittag eine spezielle Prognose erarbeitet. Tageszeitungen verwenden die Wetterberichte, zusammen mit der Wetterkarte, welche ebenfalls in der Meteorologischen Anstalt gezeichnet wird. Dies ist nur ein Teil der Aufgaben des Prognosendienstes; Spezialhin-weise für Privat-, Segel- und Ballonpiloten, Sturmwarnungen und - besonders wichtig -genaue Prognosen für die Flugplätze gehören auch dazu.

Ein Meteorologe kann nicht einfach durch das Fenster das Wetter anschauen, sich hinsetzen und eine Prognose für die nächsten Tage schreiben. Dies mag zwar möglich sein für eine Vorhersage von wenigen Stunden an einem bestimmten Ort, aber unsere Prognosen sollen für ein grosses Gebiet und eine möglichst lange Zeitspanne gültig sein.

Der Meteorologe muss also über das Wetter in einem grossen Gebiet informiert sein. Dazu benötigt er hunderte, ja tausende von Beobachtungen verschiedener Orte in ganz Europa, auf den umliegenden Meeren und Kontinenten. Alle drei Stunden, um i, q, 7 Uhr usw., werden die Beobachtungen durchgeführt, aufgeschrieben, in einen Zahlencode verschlüsselt und über ein kom- pliziertes Fernmeldenetz an die Prognosenzen-tren übermittelt. Auch Angaben über die Windströmungen und Temperaturverteilung in der Höhe sind notwendig, um die Entwicklung des Wetters abschätzen zu können. Zweimal täglich steigen an bestimmten Orten Sonden, die Temperatur, Feuchtigkeit und Druck messen, an einem Ballon auf Höhen bis zu 30 Kilometer oder mehr. Die Messwerte werden per Funk übermittelt, die Windrichtung und -stärke aus der Zugrichtung des Ballons errechnet.

In der Landeswetterzentrale am Zürichberg treffen nun zum Beispiel die vom Computer fertig auf eine Karte gezeichneten Beobachtungen der Schweizer Stationen rund siebzig Minuten nach dem Beobachtungstermin ein, diejenigen vom übrigen Europa und vom Ostatlantik etwa dreissig Minuten später. Der Meteorologe kann also um 8.10 Uhr damit anfangen, die 7-Uhr-Schweizer-karte auszuwerten, um 8.40 Uhr kommt die Europakarte an die Reihe. Höhenwetterkarten folgen, natürlich auch Satellitenbilder, dazu Karten, welche die Strömungsverhältnisse für die folgenden drei Tage angeben. Um io Uhr steht das Konzept der Wetterentwicklung für die nächsten drei Tage im Kopf des Meteorologen fest. Um 10.15 Uhr bespricht er sich am Telefon mit den Kollegen in Genf-Cointrin und Locarno-Monti. Nach dieser Diskussion wird der dritte Wetterbericht geschrieben, auf einen Lochstreifen gestanzt und per Telex von unserem Übermittlungszen-trum ins Radiostudio, an die Depeschenagentur, die Telefondirektion usw. gesandt. In der Zwischenzeit ist es gut 1 I Uhr geworden; das Wetter mag sich geändert haben - hoffen wir so, wie es der Meteorologe sich vorgestellt und in der Prognose angegeben hat. Der Wetterbericht, der um 12.30 Uhr am Radio verlesen wird, hat also Meldungen, die fünfeinhalb Stunden alt sind, als Grundlage. Wohl treffen bis zum Aufsetzen der Prognose um etwa 10.30 Uhr laufend neue Meldungen ein und werden berücksichtigt; aber das ganze Konzept kann nicht jede Stunde über den Haufen geworfen werden.

GEOGRAPHISCHE AUSDRUCKE Zuerst wollen wir uns einmal einigen, von welchem Gebiet wir eigentlich sprechen. Für die Beschreibung der Druckverteilung, Höhenströmung und Störungszonen werden europäische Gebietsnamen verwendet. Neben den Ländernamen, welche in jedem Atlas nachgeschlagen werden können, tauchen oft Ausdrücke auf, die sich auf ein geographisch bestimmtes Gebiet beziehen, aber unabhängig von politischen Grenzen sind. Es kann sich um Gebirge, Meere oder Teile des europäischen Kontinentes handeln, wie zum Beispiel Balkan, Biskaya, Balearen, Westeuropa, Baltikum usw. Obwohl diese Namen in den Schulen aller Stufen gepaukt werden, fragt man uns oft, wo denn die Biskaya liege - oder die Iberische Halbinsel. Besonders Mühe macht der Löwengolf, also die Bucht des westlichen Mittelmeeres um Marseille. Als Biskaya bezeichnet man den Golf, den die Küstenlinien von Westfrankreich und Nordspanien einschliessen. Sehr oft stösst der Name Nordmeer auf Unverständnis, vielleicht, weil er im Schweizer Mittelschulatlas nicht aufgeführt ist. Es handelt sich dabei um denjenigen Teil des Ostatlantiks, der sich im Dreieck zwischen Island, Schottland und Norwegen befindet, zwischen der Nordsee und dem Nördlichen Eismeer. Karte 1 gibt weitere Auskunft über die häufig verwendeten geographischen Begriffe.

Wir wissen alle, dass das Wetter auf kurze Distanz sehr unterschiedlich sein kann. Diese trifft für die Schweiz in besonderem Masse zu, weil unsere Berge grossen Einfluss auf die Wetterentwicklung ausüben. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wird unser Land in drei Regionen aufgeteilt, wobei in jeder Region ein Meteorologe mit der Wetterprognose beschäftigt ist. In Genf-Coin-trin sitzt der für den Westen, in Locarno-Monti der für den Süden und in Zürich der für den Osten Verantwortliche. Die Grenzen zwischen den Regionen und die Bezeichnungen sind aus Karte 2 ersichtlich. Hier beginnen aber unsere Schwierigkeiten. Wo wollen wir die Grenzen ziehen? Wir greifen auf unsere Erfahrung mit dem Wetter zurück und fassen möglichst gleichartige Gebiete zusammen. Die Westschweiz und das Wallis bilden eine solche Einheit und lassen sich auch recht gut von der übrigen Schweiz abtrennen. Einzig die Südseite des Simplons wird zur Alpensüdseite gezählt, also das Tal des Krümmbachs, das Laggin-und das Zwischenbergtal.

Die Alpensüdseite enthält nicht nur den Kanton Tessin. Neben dem erwähnten Südabhang des Simplons zählen wir auch die nach Süden entwässerten Bündner Täler dazu: Valle Mesolcina, Val Calanca, Val Bregaglia ( Bergell ), Val Poschiavo ( Puschlav ) und Val Müstair ( Münstertal ).

Das restliche Gebiet der Schweiz wird von der Regionalzentrale Zürich betreut. Um den schwerfälligen Bandwurm « Nordwest-, Zentral-und Ostschweiz, Nord- und Mittelbünden » zu ersetzen, führte man den Ausdruck: Deutschschweiz und Graubünden ein, wobei die Grenzen dem neuen Namen angepasst wurden. Im Westen folgen sie im wesentlichen der Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch, im Osten wurde das Engadin miteinbezogen. Natürlich kann diese einfache Namengebung einen Wissenschafter der Geographie nicht ganz befriedigen, denn im Goms oder in den Tessiner Walser Siedlungen spricht man auch Deutsch. Die südlichen Bündner Täler gehören politisch auch zu Graubünden, und trotzdem fassen wir sie mit anderen Regionen zusammen. Wir suchen aber einfache, prägnante Bezeichnungen und glauben, sie gefunden zu haben. Vergleiche dazu Karte 2 ( Regionaleinteilung ).

Nun hält sich das Wetter aber nicht an Grenzen, weder an sprachliche noch an politische oder geographische. Oft müssen die Gebiete der Schweiz anders zusammengefasst werden, als auf Karte 2 vorgesehen ist. Wir können die Alpennordseite, das Wallis und Graubünden der Alpensüdseite gegenüberstellen ( Karte 3, klassische Einteilung ) oder dann das Engadin abtrennen und zur Südseite schlagen. Innerhalb der Alpennordseite unterscheiden wir gelegentlich zwischen Juranordfuss, Jura, Mittelland und Alpennordhang ( Karte 4, Längsgliederung ). Bei Störungen aus nordwestlicher oder nördlicher Richtung, begleitet von starken Höhenwinden, herrscht im ganzen Alpenraum ähnlich unfreundliches Wetter wie auf der Nordseite. Nur das Mittel- und Südtessin ( inklusive Ausgang des Valle Mesolcina und Val Calanca ) erfreut sich sonnigen Wetters. Siehe dazu Karte 5, Nord-Süd-Einteilung.

Für den Radiohörer ist es wichtig zu wissen, mit welcher Bezeichnung der Ort, an welchem er sich aufhält, versehen werden kann. Zürich liegt zum Beispiel auf der Alpennordseite ( Karte 3 ), im Mittelland ( Karte 4 ) und gehört zur Deutschschweiz ( Karte 2 ). Sion liegt im Wallis ( Karten 2,3,4 ) und wird auch zur Region Alpen ( Karte 5 ) gezählt. Locarno gehört zum Mitteltessin ( Karte 5 ) und somit auf die Alpensüdseite ( Karten 2, 3,4 ). Wozu zählen Sie sich?

BESCHREIBUNG DES WETTERS IM WETTERBERICHT Der Wetterbericht, wie er am Radio verlesen wird, setzt sich aus vier Teilen zusammen:

Kurztext: zur knappen Charakterisierung des Wetters zu Beginn der Nachrichten oder für Kurznachrichten; gültig für den laufenden Tag, ab Mittag auch für den Folgetag.

Allgemeine Lage: Unter diesem Titel verbreiten wir eine möglichst einfache Beschreibung der Wetterlage durch die Angabe der Druckverteilung, Höhenströmung oder Luftmassen, Strömungen und deren Entwicklung. Es folgen die Konsequenzen auf das Wetter in der Schweiz und vielleicht ein Hinweis auf den Wettercharakter.

Der Prognosentext: Er beschreibt im Detail das Wetter in den verschiedenen Regionen und gibt Aufschluss über Bewölkung, Sonnenschein, Niederschläge, Temperaturen und Windverhältnisse. Hier werden die zeitliche Entwicklung und örtliche Unterschiede innerhalb der eigenen Region festgehalten, gelegentlich wird auf Unsicherheiten aufmerksam gemacht oder vor Gefahren gewarnt. Das Wetter in den übrigen Gebieten wird kurz erwähnt, meist ohne Temperaturangabe.

Die weiteren Aussichten: sie beziehen sich auf die Wettertendenzen während der nächsten zwei Tage, die auf die Zeitspanne der detaillierten Prognose folgen, maximal also für drei Tage im voraus. Die Unterlagen, die uns zur Verfügung stehen, sind weniger konkret und genau als diejenigen, die wir für den Folgetag verwenden. Darum wird das Wetter nur grob beschrieben. Auf feine Details verzichten wir.

BESCHREIBUNG DER « ALLGEMEINEN LAGE » Als Hoch bezeichnen wir ein Gebiet mit hohem Luftdruck, verglichen mit den umgebenden Regionen. Im Zentrum des Hochs herrscht trockenes, meistens schönes Wetter. Am Rand, also auf einer Flanke des Hochs aber befinden sich oft Störungszonen. Die Form eines Hochs ist sehr unterschiedlich, selten ein schöner Kreis; Ovale sind häufiger. Als Keil oder Rücken schiebt es sich zwischen zwei Tiefdruckzonen, wie ein Bergrücken zwischen zwei Tälern, bildet Ausläufer, nimmt Birnenform an. Wenn zwischen zwei Störungen sich vorübergehend ein Hoch aufbaut, sprechen wir von einem — meist kurzlebigen - Zwischenhoch. Der Name verrät, dass es ein Gebilde ist, das sich rasch bildet, aber ebenso rasch wieder verschwindet. Es bringt uns nicht selten unverhofft einen halben oder ganzen Tag prächtiges Wetter.

Das wohl berühmteste Hoch ist das Azorenhoch, das fast während des ganzen Jahres - mit Unterbrüchen - über der Inselgruppe der Azoren hockt. Wenn es sich weit genug nach Osten ausdehnt, also einen Ausläufer bildet, und kräftig genug ist, bedeutet das meist schönes Wetter für die Schweiz. Reicht es aber nur nach Frankreich, liegt die Schweiz in der Zugbahn der Schlechtwetterzonen.

Ein Hoch kann sich bilden oder aufbauen, verstärken; es kann flach sein wie ein unscheinbarer Hügel, das heisst schwach, oder kräftig und stabil. An- derseits schwächt sich das Hoch auf einer Flanke ab, oder zerfällt und verschwindet.

Das Gegenteil des Hochdruckgebietes ist das Tief, ein Gebiet relativ niedrigen Druckes. Es bildet sich im Ursprungsraum einer Störung und wird darum mit schlechtem Wetter in Verbindung gebracht. Es hat häufig einen kreisförmigen Umriss, kann aber auch länglich sein, eine Rinne bilden oder verschiedene Kerne zusammenfassen: ein komplexes Tief. Vertieft sich ein anfänglich schwaches Tief sehr rasch und kräftig, so kann es sich zum Sturmtief entwickeln, das sich anfangs sehr schnell bewegt und stürmische Winde verursacht. Später füllt sich ein kräftiges Tief wieder auf, bewegt sich nur noch wenig; es wird schwach und verschwindet ganz.

Die Druckverteilung ist manchmal flach. Wir haben dann keine grossen Luftdruckgegensätze über einem ziemlich grossen Gebiet, wie zum Beispiel über ganz Mitteleuropa. Im Sommerhalbjahr bedeutet das eine hohe Gewittertendenz.

Unter einer Störung verstehen wir eine Zone schlechten Wetters, daher gelegentlich auch Schlechtwetterzone genannt. Störungen entstehen durch Temperaturunterschiede. Sie gehören zu einem Tiefdruckgebiet, das als Steuerzentrum wirkt, und sie verlagern sich mehr oder weniger rasch in der Höhenströmung. Die Winde der nordwestlichen Höhenströmung wehen aus Nordwesten, die Störung zieht von Nordwesten nach Südosten. Schwache Störungen machen sich vor allem durch Bewölkung bemerkbar, oft ohne Regen oder Schnee. Im Normalfall müssen wir aber mit Niederschlag rechnen, besonders bei aktiven Störungen, daher auch der Name Niederschlagszone. Eine Störung, welche hauptsächlich Gewitter verursacht, nennen wir Gewitterstörung. Sie tritt vor allem im Sommerhalbjahr häufig auf und kommt meistens aus Südwesten, Westen oder Nordwesten. Verlagert sich eine Störung nicht mehr, bleibt sie also stehen, wird sie als stationär bezeichnet. Sie kann sich einerseits abschwächen und auflösen, anderseits sehr viel Regen oder Schnee bringen.

Auf der Rückseite einer Störung finden wir eine andere Luftmasse als vor der Störung. Es fliesst Luft mit einem bestimmten Wettercharakter nach. Meeresluft ist feucht, im Sommerhalbjahr kühl, im Winter mild. Umgekehrt ist die Festlandluft eher trocken, im Sommer heiss, im Winter kalt. Wir sehen schon, die Bezeichnung der Luftmasse hängt vom Ursprungsgebiet ab. Polarluft kommt aus den kalten Gegenden nördlich des Polarkreises, ist immer kalt, je nach dem Weg aber feucht ( via Meer ) oder trocken ( via Festland ). Tropische Luft ist warm und stammt aus Afrika oder dem Südostat-lantik; auch sie kann trocken oder feucht sein. Offensichtlich entstehen in feuchter Luft mehr Bewölkung, Niederschläge oder Gewitter als in trockener.

Den Wettercharakter können wir sehr nuancen-reich beschreiben. Schönes Wetter bereitet uns kein Problem; jedermann weiss, was das ist. Aber schon beim Gegenteil beginnen die Schwierigkeiten. Schlecht nennen wir das Wetter nicht, denn auch Dauerregen zum Beispiel hat gute Seiten: er füllt die Stauseen, hilft der Rheinschiffahrt, sichert die Trinkwasserversorgung usw. Erwarten wir Regen, Schnee, viel Bewölkung, keine Sonne Tabelle i. Verschiedene Stufen des Bewölkungsgrads Bezeichnung Erläuterung heiterpraktisch wolkenlos0-2 leicht bewölktwenig, dünne oder vor allem kleine Wolken, ohne wesentliche Beeinträchtigung der2—3 Sonnenstrahlung bewölkt odergrössere, ziemlich viele Wolken, dazwischen aber grössere Lücken, durch die die3-6 massig bewölktSonne längere Zeit scheint stark bewölktsehr viele Wolken, die nur kleine Lücken offenlassen, wenig Sonnenschein6-7 bedecktgeschlossene Wolkendecke, keine Sonne8 wechselnd bewölkt rascher Wechsel zwischen leichter und starker Bewölkung; ergibt im Durchschnitt2-7 etwa massig bewölkt und tiefe Temperaturen, sprechen wir von unfreundlichem oder regnerischem Wetter. Fehlt der Niederschlag, dann ist es trüb. Unfreundliches Wetter kann sich nur bessern; schönes Wetter verschlechtert sich oder wird veränderlich, unbeständig. Unter veränderlichem Wetter verstehen wir die zeitlich rasche Folge von unfreundlichem und schönem ( oder freundlichem ) Wetter. Es kann sich in beide Richtungen entwickeln: es beruhigt sich, geht also in freundliches Wetter über. Auf der andern Seite steht der Übergang zu regnerischem, unfreundlichem Wetter. Beständiges, stabiles Wetter ändert sich kaum.

Temperaturtendenzen werden mit kühl, mild, warm oder heiss umschrieben. Die Gewittertendenz wurde vorhin schon erwähnt. Höhere Gewittertendenz und veränderliches Wetter gehören zusammen, denn auch ein Tag, der mit Gewittern endet, beginnt oft mit schönem Sonnenschein.

AUSDRÜCKE DER DET AI L PRO GNOSE Hier müssen wir nach den Elementen unterteilen, die zur Beschreibung des Wetters notwendig sind. Sie lassen sich nicht immer voneinander trennen, da häufig das eine ohne das andere nicht existiert. Regen fällt beispielsweise nur aus Wolken, Bewölkung ist demnach Voraussetzung für Niederschlag.

Bewölkungsgrad in Achteln 12 Gemswurz-Kreuzkraut ( Senecio Doronicum ) 13 Clusius'Gemswurz ( Doronicum Clusii ) 14 Graues Kreuzkraut ( Senecio incanus ).

Photos: Ruben Sutler, Bern 15 Noch weniger beeinträchtigt als bei « leicht bewölkt » wird der Sonnenschein durch hohe Wolkenfelder ( Bild: Abendstimmung vom Säntis gegen Westen ). Aber Vorsicht, wenn diese hohen Eiswolken immer dichter werden und vom Westen heraufziehen. Dann kündigen sie häufig eine Störung an 16 Wie eine Wolke von innen aussieht, weiss wohl jeder Alpinist. Aber auch geübte Berggänger können im Nebel die Orientierung verlieren 17 Leicht bewölkt bedeutet immer noch schönes oder meist sonniges Wetter. Dabei können kleinere Haufenwolken ( Bild: S-charltal gegen Norden ) oder mittelhohe Wolken gemeint sein 18 Bewölkt ist es, wenn etwa die Hälfte des Himmelsgewölbes durch Wolken verdeckt ist. Es entspricht dem Ausdruck: ziemlich sonnig ( Bild: Grosser Aletschgletscher von der Beialp ) Photos: Peter Rauh, Illnau ZH 19 Aufnahme vom 2g. Mai igj8 um 12.52 Uhr GMT vom HC"MM-Satelliten der NASA. Man erkennt das Relief und die Gewässer ausgezeichnet, wobei die Alpen noch unter einer Schneedecke liegen, der Jura jedoch kaum mehr. Über den Ostalpen sind die Reste einer Störung sichtbar, die sich gegen den Balkan entfernt, und über Frankreich kommen die kleinen Haufenwolkenformationen sehr schön zur Geltung. Dort dürfte der Ausdruck « leicht bewölkt » zutreffen. Bilder dieses amerikanischen Satelliten werden in der SMA nicht täglich empfangen, sondern ab Negativen für Forschungszwecke verwendet. Die Auflösung beträgt 500 Meter 20 Bei starker Bewölkung ist nur noch wenig Sonne zu erwarten. Je nach der Höhe der Untergrenze sind die Berge zum Teil oder auch ganz in den Wolken, also im Nebel ( Bild: vom Nesthorn gegen Süden ins Wallis ) Photo: Peter Rauh, Illnau ZH 21Bedeckt bedeutet, dass der Himmel vollständig von Wolken bedeckt ist ( Bild: gegen den Piz Sesvenna bei S-charl ) Photo: Peter Rauh, Illnau ZH 22 Schon kleine Aufhellungen oder Löcher in der kompakten Wolkenschicht sind zur Orientierung willkommen ( Bild: S-charl vom Piz d' Imez ). Sie können rasch vorübergehen oder auch immer grosser werden. Dann bilden sie den Anfang der 23 Bewölkungsauflockerung, die nach einer Störung den Übergang zu schönem Wetter markiert ( Bild: S-charl von Süden her, Pisoc-Gruppe ) Beide Photos: Peter Rauh, Illnau ZH 24 Satellitenbild aus etwa 36000 Kilometer Höhe, aufgenommen am 22. April igj8 durch den europäischen Wettersatelliten Meteosat. Dieser Satellit lieferte bis Ende igjg stündlich Bilder, auf denen nicht nur die Kontinente und Meere, sondern vor allem auch die Wolkenformationen erkennbar sind. Für die Zwecke des Prognosendienstes wurden vor allem Vergrösserungen des obersten Viertels des Bildes verwendet. Aber auch auf diesem Bild erkennt man Spanien mit den verschneiten Pyrenäen und auch die noch tiefverschneiten Alpen. Das geübte Auge erkennt sogar die grossen Alpentäler ( z-B. Wallis ). Besonders schön kommen die Wolken einer Störung über dem Atlantik westlich von Grossbritannien zur Geltung mit der aufgelockerten Bewölkung in der Kaltluft, die im Mittelatlantik bis fast zum Äquator vorgestossen ist. Im Laufe des Jahres ig8i wird der Nachfolger von Meteosat auf eine geosynchrone Umlaufbahn gebracht. Er wird von seinem scheinbar festen Standort über dem Äquator aus vergleichbare Bilder liefern 25 Die Westflanke des Kande Hiunchuli ( 6625 m ), vom Chaudhabise Khola-Tal aus gesehen.

26 Vom Zßsammenfluss Chaudhabise—Kande Khola ( etwa 3850 m ), Blick auf namenlose Berge. ( Der Gipfel links ist sicherlich der Bijora Hiunchuli, 6386 m, welcher igj4 von einer japanischen Expedition erstiegen wurde ) 27 Eine Gruppe Träger ( coolies ) im letzten Lager des Anmarschweges 16 Bewölkung Bei der Bewölkung berücksichtigen wir vor allem die dichten Arten, welche das Sonnenlicht abschirmen. Auch wenn der ganze Himmel durch dünne, hohe Schleierwolken bedeckt ist, empfindet man das Wetter noch als sonnig. Den Bewölkungsgrad und die zur Beschreibung verwendeten Ausdrücke fassen wir am besten in einer Tabelle zusammen. Wir klären ab, welcher Bruchteil des Himmels von Wolken abgedeckt wird. Dazu teilen wir das Himmelsgewölbe in Achtel ein.

Natürlich gibt es auch Übergänge zwischen den in der Tabelle i aufgeführten Kategorien. Bei hohen, vorüberziehenden Wolkenfeldern ist der Himmel wohl nicht mehr ganz wolkenlos, die Beeinträchtigung der Sonnenstrahlung ist aber minim und stört niemand beim Sonnenbad. Dichte vorüberziehende Wolkenfelder decken kurzfristig die Sonne ab, sind jedoch, im ganzen Tageslauf gesehen, eher selten. Gefühlsmässig liegt die Wirkung zwischen den Kategorien leicht und massig bewölkt.

Der Himmelszustand kann sich allmählich ändern. Bewölkungszunahme oder Bewölkungsaufzug heisst, dass der Himmel aus einer bestimmten Richtung immer mehr durch Wolken bedeckt wird. Es folgt der Reihe nach: leicht - massig -stark bewölkt - bedeckt. Umgekehrt bedeutet das Wort Bewölkungsauflockerung, dass der Bewöl- Tabelle 2: Beziehung Sonnenschein—Bewölkung Ausdruck Sonnenschein Relative Dauer Entsprechender Ausdruck für Bewölkung in Prozenten sonnig 90-100 schön 80-100 vorwiegend sonnig 60-80 ziemlich, recht sonnig 40-70 nur wenig sonnig 10-30 massig bewölkt stark bewölkt kungsgrad von bedeckt oder stark bewölkt in die Kategorien massig oder leicht bewölkt übergeht. Findet diese Auflockerung ( Abnahme ) der Bewölkung nur zögernd statt oder ist sie nur kurzfristig, dann sprechen wir von Aufhellungen.

Von der Form der Wolken her unterscheiden wir zwischen Haufen- oder Quellwolken und Schichtwolken. Gewitterwolken sind sehr stark entwickelte Haufenwolken. Hochnebel ist eine typische Schichtwolke. Ihre Obergrenze liegt recht tief, vielleicht 800 bis 1500 Meter über Meer. Über dem Hochnebel findet man klare Luft und viel Sonnenschein. Im Spätherbst und Winter löst sich der Hochnebcl selten auf, im Frühling und Frühherbst im Laufe des Vormittags oder am Mittag. Durch die grossen Täler kann er sich auch bis in die Alpen vorschieben; meistens liegt er aber über dem Mitteilarid. Nebel oder Nebelfelder sind auch Wolken; sie liegen jedoch am Boden auf.

Wir haben schon gesehen, dass die Sonnenscheindauer von der Bewölkung abhängt. Wir wollen darum die für die Beschreibung des Sonnenscheins verwendeten Ausdrücke erläutern und gleichzeitig die Beziehung zur Bewölkung herstellen.

Als Mass für die Beurteilung der Ausdrücke verwenden wir die Angabe des zu erwartenden Sonnenscheins in Prozenten der je nach Jahreszeit Bewölkungsgrad in Achteln heiter0-2 heiter bis leicht bewölkt, hohe, vorüberziehende Wolkenfelder 0-3 leicht bis massig bewölkt, dichte, vorüberziehende Wolkenfelder 2-4 3-6 6-7 möglichen Dauer. Ein Tag ohne Sonne ergibt o%, ein Tag ununterbrochenen Sonnenscheins ioo%. Dazwischen liegen natürlich viele Nuancen.

Sonnenschein und Bewölkung ergeben zusammen ein Ganzes: viel Sonne - wenig Bewölkung und viel Bewölkung - wenig Sonne. Es kann vorkommen, dass der Meteorologe beide Angaben macht. Oft hört man: « bei wechselnder Bewölkung zum Teil sonniges Wetter ». Bewölkung und Sonnenschein halten sich hier etwa die Waage. Beurteilt man die Lage eher vorsichtig, beschreibt man die Bewölkung. Schaut der Meteorologe zuversichtlich in die Zukunft, legt er mehr Gewicht auf die « sonnigen » Ausdrücke, es sei denn, der Zeitabschnitt fällt auf die Nacht. In der Nacht kann es natürlich nicht sonnig sein. Nur wenn wir eindeutig das gleiche Wetter bis am Abend des folgenden Tages erwarten, heisst es lakonisch: sonnig oder vorwiegend sonniges Wetter.

Tabelle 3: Zeitliche Verteilung Ausdruck Erläuterung gelegentlichkurze, seltene Niederschläge einigeziemlich kurz, mehrere Male am Tag zeitweise, zeitweilig länger andauernd, längere Unterbrechung häufig anhaltend nicht sehr lange dauernd, oft kurze Unterbrechungen, zusammen aber viel Niederschlag ohne Unterbruch, Dauerregen Tabelle 4: Räumliche Verteilung Ausdruck Erläuterung vereinzelt stellenweise, örtlich gebietsweise verbreitet an wenigen Orten, eng begrenzt, kurze Niederschläge über kleinem Gebiet in einigen, mehrere hundert Quadratkilometer grossen Gebieten oder 30—70 Regionen fast in der ganzen Region7°~9° Niederschlag Unter dem Wort Niederschlag fassen wir Regen, Schnee, Nieseln und Hagel zusammen, kurz alles Wasser oder Eis, das sich aus den Wolken am Boden niederschlägt. Nieseln ist sehr feiner, kaum spürbarer Regen aus tiefen Wolken. In die Kategorie des Hagels gehören auch die Graupeln, kleine weisse Kügelchen, die im Winterhalbjahr auftreten. Hagel selbst ist eher durchsichtig oder trübe ( wie Milchglas ) und fällt während der warmen Jahreszeit. Jenach Grosse und Wucht kann er beträchtlichen Schaden anrichten.

Nach der Wolkenart unterscheiden wir zwischen anhaltendem, kontinuierlichem Regen oder Schnee ( aus Schichtwolken ) und Schauern ( aus Haufenwolken ). Im Gegensatz zum Landregen dauert ein Regen-, Schnee- oder Graupclschauer nur kurze Zeit ( wenige Minuten bis zu etwa zwei Stunden ). Der Niederschlag ist viel intensiver, Graphische Darstellung Flächenanteil in Prozenten des Ganzen bis 20 20-30 aber kürzer. Hagel fällt nur in Schauerform. Auch Gewitter sind fast nie von Landregen begleitet.

Der einzige Ausdruck, der in der Wetterprognose eine Aussage über die Menge des Niederschlags macht, ist ausgiebig oder ergiebig. Es ist eine Warnung, dass viel Regen oder Schnee zu erwarten ist.

Die Prognose, ob Regen fällt oder nicht, ist oft schwierig zu stellen. Da aber der Niederschlag dasjenige Element ist, das den Menschen am meisten in seiner Tätigkeit beeinflusst und behindert, drückt der Meteorologe die Unsicherheit in der Prognose besonders aus. Heisst es, dass Niederschläge nicht ganz ausgeschlossen sind, dann nehmen wir nicht an, dass es regnen wird, wir warnen aber vor einer kleinen Möglichkeit. Ist die Möglichkeit grosser, Regen aber immer noch unwahrscheinlich, verwenden wir: Niederschläge möglich. Umgekehrt, wenn wir mit Schnee rechnen, aber die Möglichkeit einer andern Wetterentwicklung auch sehen, lautet die Prognose: Schneefälle wahrscheinlich.

Durch die starke Gliederung unseres Landes müssen wir örtliche und zeitliche Unterschiede berücksichtigen.

Nicht nur im April, sondern während des ganzen Jahres können wir « Aprilwetter » beobachten. Das ist ein rascher Wechsel zwischen schönstem Sonnenschein einerseits und starker Bewölkung ( Quellwolken ) mit Regen- oder Schneeschauern anderseits. Wir nennen es « Aufhellungen abwechselnd mit ( starker Bewölkung und ) Schauern ». Dieser Wettertyp ist nicht an eine Jahreszeit gebunden; er tritt auf der Rückseite einer Störung auf.

Wind Wind ist bewegte Luft. Wir geben die Richtung an, aus welcher der Wind weht. Nordwestwind bringt Luftmassen oder Störungen von Nordwesten her. Nordostwind nennen wir auch Bise, also Wind aus Nordosten. Wechselt schwacher Wind die Richtung häufig, nennen wir ihn veränderlich. Allmähliche Richtungsänderungen, beispielsweise von Südwesten auf Nordwesten, können wir genauer beschreiben: der Wind dreht auf Nordwesten.

Nicht nur die Richtung, aus der der Wind weht, sondern auch die Stärke interessiert uns. Die folgende Tabelle gibt Auskunft über die Geschwindigkeiten, die sich hinter den Worten verstecken.

Tabelle5: Windstärken schwach bis 20 km/h massig 20-45 km/h stark 45-70 km/h stürmisch 70-110 km/h durchschnittlicher Wind Auffrischender, zunehmender Wind wird immer stärker, abflauender Wind lässt in der Stärke nach. Eine Windböe ist ein kurzer, kräftiger Windstoss. Seine Stärke übersteigt die durchschnittliche Windgeschwindigkeit um mindestens 20 km/h. In der Nähe von Gewittern und Schauern sind böige Winde besonders häufig. Zu sagen, wo und wann diese Gewitter und Böen auftreten, ist aber wegen des unterschiedlichen Reliefs ( also wegen der vielen Berge ) kaum möglich. Wir wissen jedoch, dass es über den Bergen und Hügeln besonders gerne Gewitterwolken gibt.

Der Föhn ist ein sehr eigenwilliger, berüchtigter Geselle. Wir verstehen darunter einen trockenen, relativ warmen Wind, der von einem Gebirge her gegen die Niederungen weht. In der Schweiz nennt der Laie nur den von Süden her wehenden Fallwind Föhn. Wir müssen aber zwischen Südföhn und Nordföhn unterscheiden. Nordföhn bringt der Alpensüdseite trockenes, sonniges Wetter; er weht vom Gotthard her durch die Leventina gegen den Lago Maggiore. Südföhn hingegen hält im Norden die Störungen von der Schweiz fern, während sich die Bewölkung auf der Südseite der Alpen anstaut und bedeutende Niederschläge verursacht. Die wichtigsten Föhntäler der Schweiz nördlich des Alpenkamms sind das Wallis, das Aaretal bis Thun, das Reusstal bis Luzern, das Linthtal und das Rheintal bis zum Bodensee. Obwohl wissenschaftliche Untersuchungen über den Föhn angestellt werden und zum Teil schon abgeschlossen sind, ist es immer noch äusserst schwierig abzuschätzen, wann der Föhn einsetzt oder zusammenbricht und vor allem, welche Wirkung er auf das Wettergeschehen hat. In diesem Zusammenhang entstehen recht viele echte Fehlprognosen.

Temperatur Unsere Temperaturangaben beziehen sich immer auf die Niederungen; auf der Nordseite des Alpenkamms also auf die Täler des Mittellandes, das Rheintal von Basel bis etwa Thusis, das Linthtal, das Aare-, Reuss- und Rhonetal bis auf eine Höhe von etwa 650 Meter über Meer. Für Berge, Hügel und Hänge werden keine Angaben gemacht, da die Unterschiede ja nach Höhe sehr gross sind. Auch im Süden wird nur die Ebene der Täler berücksichtigt. Für das Engadin gibt es keine Temperaturprognose.

Die für die Frostwarnung verwendete Bezeichnung »exponierte Lage » muss man sich als Mulde, Tal oder als eine auf beiden Seiten abgeschlossene Rinne ohne Gefälle vorstellen. Kalte Luft ist schwer. Sie fliesst wie Wasser immer zur tiefsten Stelle im Gelände und sammelt sich dort an. Frostwarnungen werden nur im Frühling verbreitet, wenn die Vegetation besonders empfindlich ist. Je nach dem Entwicklungsstadium wird die Pflanze schon bei wenig Grad unter dem Gefrierpunkt beschädigt.

Die tiefste Temperatur während des Tages misst man in der Regel kurz nach Sonnenaufgang, das Temperaturmaximum etwa zwischen 14 und 16 Uhr. Da es örtlich Unterschiede zu berücksichtigen gilt, wird eine Spanne von 5 Grad angegeben.

Für die Temperaturabschätzung in den Bergen geben wir die Höhe der Nullgradgrenze an. Das ist diejenige Höhe im freien Luftraum, auf welcher unsere Temperatursonde am Ballon null Grad misst. Nun leben aber ausser den Flugzeugpiloten keine Menschen im freien Luftraum. Es sind die Täler, Hänge und Kuppen, die in den Bergen bewohnt sind. Die Luft aber, die mit dem Boden in Kontakt kommt, kühlt sich in der Nacht viel mehr als die freie Atmosphäre ab und erwärmt sich am Tag dank der Sonneneinstrahlung auch bedeutend mehr. Obwohl die Nullgradgrenze beispielsweise auf 2000 Meter Höhe liegt, herrscht in einem Tal 1000 Meter über Meer am frühen Morgen klirrender Frost, am Nachmittag aber eine Temperatur von io Grad oder mehr. Die nächtliche Abkühlung und Erwärmung tagsüber hängen von der Ausgangstemperatur ab, von der Bewölkung und vom Wind.

Steigt man in die Höhe, so nimmt die Temperatur wohl im Durchschnitt etwa o,6—o,7 Grad pro oo Meter Höhendifferenz ab. Nach einer wolkenlosen Nacht aber, wenn sich alle kalte, schwere Luft im Tal angesammelt hat, findet man beim Aufstieg plötzlich, dass es mit zunehmender Höhe wärmer wird. Der Temperaturverlauf ist gerade umgekehrt zum erwarteten; wir nennen das eine Inversion.

Bedeckt im Herbst eine Hochnebeldecke das Mittelland, so kann sich die Luft, die schon vorher recht kalt war, kaum mehr erwärmen; es können keine energiereichen Sonnenstrahlen auf den Bo- Europakarte Klassische Einteilung Regionaleinteilung den treffen und so heizen. In der Höhe aber wird viel Wärme von den Berghängen aufgenommen. Es ist also in den Bergen tagsüber mild.

Der Zusammenhang zwischen Nullgradgrenze und Schneefallgrenze ist eindeutig, da ja die Wettervorgänge gerade in der freien Atmosphäre stattfinden. Gewöhnlich liegt die Schneefallgrenze 200-300 Meter unterhalb der Nullgradgrenze. Dort geht der Schnee in Regen über. Ist die Schneefallgrenze tiefer als 500 Meter ü. M. anzusetzen, prophezeien wir Schnee bis in die Miederungen.

Geländebezeichnungen Wir haben schon gehört, dass Temperaturen nur für die Niederungen vorhergesagt werden. Bei Windangaben unterscheiden wir oft zwischen 2 1 Nord-Süd-Einteilung Längsgliederung dem Flachland und den Bergen, wobei die Grenze etwa auf 1000-1500 Meter anzusetzen ist.

Wir heben spezielle Gebiete der Schweiz hervor, indem wir ein Wetterelement auf diese Region beschränken. Dazu verwenden wir allgemein bekannte Namen, wie Alpen, Jura, Voralpen, die jedermann von der Schule her kennen sollte. Alpennordhang oder .Nordabdachung der Alpen fasst die Voralpen und die Alpen nördlich der Linie Dents du Midi-Gotthard-Piz Kesch zusammen, die Südabdachung entsprechend die südlich davon abfallenden Hänge.

Ausdrücke zur Beschreibung der weiteren Aussichten Die Unterlagen, auf die sich der Prognostiker zur Hauptsache stützt, bestehen aus Strömungs-karten, welche vom Computer für einen, zwei und drei Tage im voraus berechnet werden. Die verschiedenen Modelle, die dazu verwendet werden, können nicht alle physikalischen Vorgänge in der Atmosphäre im Detail berücksichtigen, da sonst die Rechenzeit hinter dem aktuellen Ablauf des Wettergeschehens nachhinken würde. Aber mit jeder neuen Computergeneration lassen sich die Modelle verfeinern. Auch wenn den numerisch vorausberechneten Karten geglaubt werden kann, bleibt immer die Schwierigkeit der Interpretation. Sich vorzustellen, wie sich das Wetter konkret in der Schweiz entwickelt, wird auch in Zukunft das Problem des Meteorologen bleiben. Darum verzichten wir auf die Angaben von Details und deuten in den weiteren Aussichten nur Tendenzen an.

Entsprechend der Unsicherheit der Prognose ist es verständlich, dass auch die Gebietseinteilung grob ist. Wir unterteilen die Schweiz in den Norden und Süden, Westen und Osten. Zum Norden zählen die zwei Regionen nördlich der Alpen von Karte 2 inklusive Wallis und Graubünden. Es ist auch nur dieses Gebiet, das wir in Westen und Osten unterteilen. Der Süden umfasst im wesentlichen die Alpensüdseite.

Hier sind aber die Grenzen nicht als Linien zu sehen, sondern eher als mehrere Kilometer breite Zonen. Der Osten zum Beispiel beginnt sicher östlich der Linie Luzern—Brugg, der Westen westlich des Aaretals. Dazwischen liegt aber ein grosses, recht dicht bevölkertes Gebiet, das eine Zwischenstellung einnimmt. Ebenso verläuft die Grenze in den Alpen diffus, wo in der Regel der schlechtere Wettercharakter der beiden Regionen vorherrscht.

Zur Beschreibung des Wettercharakters, der Bewölkung, Sonne, Niederschläge usw. werden die Ausdrücke verwendet, wie sie schon in den vorstehenden Abschnitten erläutert wurden. Hinweise auf die Temperaturänderungen ( fallend oder steigend ), beziehungsweise auf ein subjektives Temperaturempfinden ( heiss, warm, mild, kühl, kalt ), lassen sich kaum mit Zahlen ausdrücken. Einzig die Reihenfolge der Abstufung lässt sich U'J festlegen; der Eindruck richtet sich sonst nach der Jahreszeit, aber auch nach dem vorausgegangenen Wetter, mit dem verglichen wird.

Wir haben uns nun vor allem mit der Sprache befasst, die wir benützen, das Wetter zu schreiben. Es sind fast ausnahmslos keine Fachausdrük-ke oder Fremdwörter, sondern Wörter des täglichen Sprachgebrauchs. Vielleicht ist es gerade darum wichtig, dass wir uns auf ihre Bedeutung besinnen.

Auf die Frage nach dem Grund und der Theorie des Wetters können die unten aufgeführten Taschenbücher eher Auskunft geben, wobei die Liste keineswegs vollständig ist.

G. Forsdyke: Das Wetter, Delphin Verlag, 1973.

M. Frick: Wetterkunde, Hallwag Taschenbuch, 1974.

H.J. Tanck: Meteorologie, rororo, tele, 1969.

Und etwas anspruchsvoller: Fischer Taschenbuch, 1974, oder:

H. Flohn: Vom Regenmacher zum Wettersatelliten, Kind-lers Universitätsbibliothek, ig68.

H. Schulze: Und die Meteorologen haben doch recht, Gold-manns Taschenbuch, Wetterkunde für jedermann, 1972.

Neuenburger Expedition in den Sisne Himal ( 6470 m

Im letzten Frühjahr ist der Sektion Neuenburg des SAC die Erstbesteigung des Nordgipfels des Mount Sisne ( 6470 m ) in West-Nepal gelungen. Die Expedition, unter dem Patronat der Schweizerischen Stiftung für alpine Forschungen und unterstützt durch die Stiftung Louis und Marcel Kurz, war aus guttrainierten Bergsteigern zusammengesetzt und geleitet von Ruedi Meier. Sie war fest entschlossen, den Fuss auf einen noch jungfräulichen Gipfel eines wenig bekannten Massivs des Himalayas zu setzen.

Eine Vorhut von drei Bergsteigern fliegt am i. März ig8o nach Kathmandu, von wo aus unsere Neuenburger Kameraden mit einem Lastwagen und 2300 kg Material Pokhara und, nach einem weiten Umweg über indisches Gebiet, Nepalganj erreichen. Sie werden in Surkhet durch die restlichen vier Mitglieder der Expedition eingeholt. Hier beginnt der lange Anmarsch, der über zwei Wochen in Anspruch nimmt und mehr als nur eine Überraschung bietet! Das Basislager ist am n.April auf 4050 Meter eingerichtet, und am 3. Mai erreichen Daniel Chevallier ( Yeti ) und Pierre Galland den Nordgipfel des Sisne ( 6470 m ). Man kann sich die Freude der zwei Kletterer ausmalen, die i'U Stunden auf dem Gipfel verweilen, bevor sie in raschem Abstieg ins Lager V ( 6110 m ) zurückkehren.

Ausser den bereits erwähnten Alpinisten gehörten der Expedition an: der Arzt Gilbert Villard, André Meillard, der « Vater », André Egger, « Le Long » und Jean-Claude Chautems, « Joko ».

Wir danken unserm Freund Ruedi Meier für sein Einverständnis zum Abdruck der folgenden Seiten, eines Auszugs aus der Broschüre « Sisne Himal ig8o », durch die erfolgreiche Expedition veröffentlicht.

Am I I i.April ist die Gruppe zum ersten- und letztenmal vor der Gipfelbesteigung vollständig im Basislager beisammen. Ein schmackhaftes Mittagessen unter freiem Himmel ist der geeignete Moment für einen umfassenden Meinungsaustausch über die Eindrücke der letzten Tage. Die Mehrzahl der Ungewissheiten haben eine Antwort gefunden, doch sind an ihre Stelle die zu lösenden Probleme getreten. Ruedi ist darum besorgt, keinen wertvollen Tag zu verlieren, und erstellt einen ersten Plan, der, fortlaufend den Verhältnissen angepasst, die Grundlage unseres Unternehmens bildet. Schon am nächsten Tag wird sich eine erste Equipe, zusammengesetzt aus dem « Vater », « Yeti », Pemba und Unghele1, frühmorgens auf den Weg machen. « Yeti » erzählt von seiner Aufklärungstour:

EINRICHTEN VON LAGER II, DER PASS « Immer noch von unserem westlichen Zeit-denken beherrscht, hat die erste Seilschaft nur eine Nacht im Basislager verbracht, und ohne die! Pemba und Unghele sind zwei Sherpas.

den Sherpas so wichtige feierliche Einweihung abzuwarten, ersteigen wir die Hänge, die zum Lager I führen. Es ist eine hügelige Winterlandschaft, welche zum Skifahren einlädt, die uns der schweren Lasten wegen zum Schwitzen bringt.

Wind und Schnee fallen in das Tal ein und erwecken in uns das Gefühl der Abgeschiedenheit. Lange suchen wir das von der Aufklärungs-equipe aufgestellte Zelt. Das erste Hochlager wird auf 4760 Meter errichtet: ein Zelt für Pemba, den Sirdar, und Unghele, den Hochträger, ein anderes für André und mich. Zusammengekauert in unserm Unterschlupf, die Knie unter dem Kinn, trinken wir grosse Mengen Tee, essen ( nepalesisches Fladenbrot ) und erholen uns langsam von den Strapazen des Aufstiegs. Aber die Ungewissheit lässt mir keine Ruhe.

Vom Nachtessen und Zusammenleben in der engen Unterkunft bleiben dem nicht wohlbeleibten Alpinisten die steifen Glieder in Erinnerung. Aber auch daran gewöhnt man sich...

Ein strahlender Morgen erwartet uns; es ist kalt, klar, wolkenlos. Wir brechen früh auf; der Schnee knirscht unter unseren Füssen. Langsam entdecken wir Berg. Meine Augen bewundern seine Silhouette, tasten die Flanken ab, folgen den wellenförmigen Wächten in die Höhe.

Der Abstieg nach ist beschwerlich. Welch gottverlassenes Hochtal! Anfang der Schöpfung oder Ende der Welt? Ein Lichtblick in dieser Trostlosigkeit: Unter einem Felsen entdecke ich Überreste einer früheren Jägerunter-kunft. Mehrere Jahrtausende trennen uns...

Hier hatten wir vorgesehen, das Basislager aufzustellen. Der Ort wäre in der Tat sehr günstig: etwas Gras, Holz, Wasser, zeitweise Sonne, aber zu diesem Zeitpunkt ist er unerreichbar für eine Trägerkolonne. Es wird unser Lager II sein, und wir werden es als vorgeschobenes Basislager einrichten. Trotz der düsteren Umgebung fühlen wir uns bald wohl. Haben wir nicht Feuer, Tee, zwei Sherpas, die sich als wahrhafte Künstler entpuppen im Kochen mit allen möglichen Sorten von Holz und bei jedem Wetter, denn... es schneit!

Langsam gewöhnen wir uns an den Rhythmus der Tage und des Wetters; strahlender Himmel am Morgen, Schnee wie im November am Nachmittag.

Am folgenden Tag, auf dem Rückweg zum Lager I, kreuzen wir die zweite Gruppe nicht. Wir kundschaften einen andern Übergang aus, etwas tiefer liegend, auf 4960 Meter, der in der Folge regelmässig benützt wird. » Ein Tag später bricht die zweite Gruppe auf. « Joko », Pierre, « Le Long » und Dordji folgen den Spuren der Vorgänger. Sie sind schwer beladen, denn ein erstes Ziel ist, möglichst viel Material zu den Hochlagern zu bringen. Dadurch hat jedermann das Gefühl, seinen persönlichen Beitrag an der Besteigung zu leisten, obwohl der Gipfel noch in weiter Ferne liegt. Mit « Le Long » erleben wir das Errichten von Lager III am Fuss des Sisne-NW-Grates:

EINRICHTEN DES LAGERS III « Nach einer im Lager I verbrachten Nacht, der Überschreitung des Passes auf 5100 Meter und einer weitern Nacht im Lager II gehen wir am frühen Morgen des 15. April los ins Unbekannte. Die Bergerfahrung und der Spürsinn helfen uns bei der Routenwahl. Zuerst folgen wir der unteren Gletschermoräne, dann geht es durch eine Schlucht, gefolgt von einem steilen Couloir, auf die Höhe des Gletscherabbruchs. Wir sind nun auf einem vereisten Hochplateau; der Neuschnee ist nicht zu tief, wir kommen ohne allzu grosse Mühe vorwärts. Beim Rasten bestaunen wir die gewaltige, eisgepanzerte Nordwand des Kande Hiunchuli. Während unseres ganzen Höhenaufenthaltes zieht sie uns in ihren Bann: ein unvergesslicher Anblick!

Da löst sich plötzlich eine Wächte am Grat, die Schneemasse stürzt in die Wand, wird grosser und grosser und verwandelt sich in eine riesige Lawine, deren Windstoss uns einhüllt. Trotz der sicheren Distanz sind wir beeindruckt, aber es ist vor allem der Sisne-Grat, der uns beschäftigt; einmal erscheint er uns leicht und kurz, dann wieder lang und ausgesetzt. Gegen Mittag sind wir am Gratfuss, wo ein Felsblock den Standort unseres Lagers bestimmt. Ein kleiner Gletschersee wird uns mit Wasser versorgen. Wir stellen die Zelte auf und ruhen uns darin aus, bevor wir essen, eine Tätigkeit, die immer viel Zeit braucht. Ab Mitte Nachmittag bis 21 Uhr schneit es unaufhörlich. Dann fällt die Temperatur, diese Nacht auf-210.

Wohnlich eingerichtet verbringen wir eine angenehme Nacht. Beim Erwachen entdecken wir einen wolkenlosen Himmel; ohne Zögern brechen wir auf. Wir umgehen den Fuss des Sisne auf der Suche nach dem besten Einstieg. Eine Eisrinne, die anscheinend zum Grat führt, scheint der geeignete Weg zu sein. Wir steigen noch ein Stück hoch und beginnen dann den Abstieg ins Basislager, um uns dort wieder zu erholen. » Auf dem Rückweg kreuzen sie eine andere Equipe im Aufstieg zu Lager III, um es mit Material und Lebensmittel zu versorgen. Dordji zeigt ein breites Lachen und trägt einen Pullover mit der Aufschrift « No problem » zur Schau. Das ist es genau, was unsere Kameraden zur Aufmunterung brauchen!

Wir kommen erfreulich rasch vorwärts, doch Ruedi hat Nachschubprobleme zu lösen, welche sich durch das Aufteilen der Expedition den Flanken des Sisne entlang stellen. Die Radioverbin-dungen sind äusserst nützlich, doch nichts taugt besser als ein Aufstieg zur Sonne auf 5000 Meter, um sich dort ein genaues Bild über die Lage machen zu können.

LAGER IV UND DIE FELSTURME Das Lager III ist nun mit Verpflegung und Material versorgt, so dass an das Ausrüsten des Grates mit Fixseilen gegangen werden kann. Die Route für das weitere Vorankommen wurde erkundet, die verschiedenen Gruppen sind sich gefolgt, so dass alle Sahibs wenigstens eine Nacht im Lager III auf 5100 Meter verbracht haben. Am 21. April verlassen « Le Long », « Joko », Pierre, Pemba und Dordji das Lager II. « Joko » erzählt von ihrem Vormarsch:

« Nach einer guten Nacht geht 's los zu Lager III. Pemba und Dordji sind glücklich, beieinander sein zu können, und trotz ihrer schweren Lasten plaudern sie während des ganzen Aufstieges. Mittags, als wir bei den Zelten ankommen, beginnt es zu schneien; das Programm des Nachmittags beschränkt sich deshalb auf Essen, Trinken und Schlafen.

Am 22.April um 8 Uhr befindet sich die Gruppe in einer kleinen Scharte, oberhalb eines breiten Schneecouloirs. Hier rüsten wir uns aus und bereiten das Material für das Auslegen der Fixseile vor. Der Hang, welcher zum Hauptgrat führt, ist mit einer tiefen Neuschneedecke versehen. Die Seile werden an grossen Felsköpfen verankert, aber das Hakenschlagen ist äusserst problematisch. Endlich, nach mehreren Stunden Anstrengung, erreichen wir den Grat, wo die eigentlichen Schwierigkeiten beginnen. Der felsige Teil besteht aus aneinandergereihten, mehr oder weniger steilen Felstürmen, die, wenn sie nicht umgangen werden können, überklettert werden müssen. Wir besteigen den ersten und weichen den nächsten beiden aus; schon ist es Zeit, nach einem Lagerplatz zu suchen. Eine kleine Terrasse scheint sich dafür zu eignen. Wir legen unsere Lasten hin und kehren ohne Verzug zu Lager III zurück, denn der Wind ist aufgekommen, und es hat zu schneien begonnen. Am nächsten Tag steigen wir wieder auf und vergrössern die Plattform, stellen ein Zelt auf und versehen den Gendarm über dem Lager mit Sei- len. Von oben sieht das Zelt wie ein sich an die Wand klammernder Marienkäfer aus. » Das Paar « Yeti»/«Vater » kommt nach. Im Lager IV, wo sie die ersten Gäste sind, kreuzen sie « Joko » und « Le Long », die absteigen, um sich auszuruhen. Es ist « Yeti », der uns seine Erlebnisse weitergibt:

«

Das Wetter ist schön. Mit André klettern wir den Fixseilen entlang hoch. Fast sehen wir uns am gleichen Abend noch aufdem Gipfel. Der Abgrund unter uns wird immer tiefer. Es ist keine einfache Sache, hier durchzukommen. Wir sind am Ende der Spuren, vor mir erhebt sich ein kombinierter, sehr steiler Grat. Mit grösster Vorsicht steige ich weiter, denn die lockeren Felsplatten sind von Schnee bedeckt. Als Sicherung dient mir ein too Meter langes 8-Millimeter-Seil, das nachher als Fixseil verwendet wird. Die Aufschwünge folgen sich, und ich komme nur mühsam vorwärts im tiefen Schnee, der mir zeitweise bis zum Gürtel reicht. Wie ein Gleichgewichtskünstler taste ich mich auf den getarnten Felsplatten weiter. Der Grat ist weiterhin schmal und steil; nur keinen Fehltritt, die Steine nicht aus dem Gleichgewicht bringen, ansonst das ganze Gebilde zusammenbricht! Vergessen mein Seilkamerad, der am andern Ende auf schlechtem Standplatz wartet; vergessen die Zeit, vergessen mein Körper... nur der Geist arbeitet, bis zum äussersten gespannt. Als ich endlich einen Haken schlagen kann, wird es mir bewusst: wir sind auf über 5000 Meter, die Luft ist dünn, das Atmen macht mir Mühe, ich bin ausgepumpt !» LAGER V Die Seilschaft « Yeti»/«Vater » ist nach zwei Tagen zähen Ringens um die Türme ins Lager III abgestiegen, ohne die für Lager V vorgesehene Stelle erreicht zu haben. Ihre Bemühungen haben sich jedoch gelohnt, der Grat ist bis auf 5800 Meter mit Seilen versehen. Pierre und Ruedi lösen sie ab. Ruedi erzählt:

« Mit etwelcher Mühe — wir haben vollgestopfte Rucksäcke — kommen wir am 26. April gegen Mittag im Lager IV an. Ich bewundere die Arbeit unserer Kameraden, die es fertiggebracht haben, ein Zelt an einem solch kritischen Ort aufzustellen, ein wahrer Adlerhorst! Ein Seil taucht aus der Tiefe auf, ein anderes zeigt den Weg nach oben. Wir verbringen den Nachmittag im Zelt und versuchen, die Nahrungsmittel zu ordnen, um etwas Raum für die Nacht zu schaffen.

Der Morgen des 27. April ist schön, aber kalt. Wir rüsten uns im Zeltinnern aus, was keine einfache Sache ist. Dann klettern wir mit Hilfe der Fixseile hoch. Nach zwei Stunden finden wir an ihrem Ende Material und Esswaren. Pierre übernimmt die Führung für die nächste Länge. Die loo Meter sind zu kurz, um den Gipfel des Turms zu erreichen; er kommt wieder zurück, um seinen Sack zu holen, und befestigt beim Abstieg das Seil. Ich steige meinerseits auf, damit ich den Weiterweg besser übersehen kann. Nach diesem Steilaufschwung wäre es möglich, ein Zelt aufzustellen, aber wir sind noch immer nicht am Ende der Felspartie. Der Grat wird weniger steil, doch ist eine Sicherung weiterhin nötig. Ich rüste noch eine Länge aus und erkenne von hier, jenseits eines Felssporns, den Anfang des Firns. Für heute ist es jedoch zu spät. Ich kehre zum einzig möglichen Biwakplatz zurück und beginne, eine Plattform herzurichten. Pierre ist unterdessen zum Materiallager abgestiegen und hat eine zweite Last geholt. Mit Hilfe von platten Steinen vollenden wir gemeinsam die Terrasse, eine qualvolle Arbeit auf 5930 Meter. Im Schneegestöber stellen wir endlich das Zelt so gut als möglich auf; für eine oder zwei Nächte wird es halten. Es ist uns klar, dass es ungefähr 150 Meter höher in den Schnee versetzt werden muss.

28. April. Um 5.45 Uhr begrüsst uns die Sonne beim Frühstück. Da wir nur noch ein Seil besitzen, kann die letzte Felspartie nicht mehr mit Fixseilen ausgerüstet werden. Für das Überklettern sichern wir uns gegenseitig. Endlich sind wir im Schnee! Doch die Freude dauert nicht lange: es ist äusserst hartes Blankeis. Mit dem Hammer schlagen wir Stufen und benützen die ersten Schrauben; nur mit grosser Mühe lassen sie sich in das kalte Eis treiben. Es ist eine beschwerliche Arbeit, die uns viel Zeit kostet. Nach jeder Länge wechseln wir in der Führung ab und erreichen gegen 13 Uhr einen Standplatz am Fuss einer hohen Eismauer, auf 6110 Meter: der ideale Ort für Lager V. Der Weiteranstieg scheint noch schwierig, aber möglich zu sein. » Das Wetter verschlechtert sich zusehends. Ruedi und Pierre geben einen kurzen Lagebericht durch und beginnen alsdann den Abstieg. Es ist Aufgabe der Seilschaft « Joko»/«Le Long », das provisorische Lager V zum höchsten erreichten Punkt zu verlegen. Nach einem kurzen Halt beim Zelt, wo sie ihren Freunden die letzten Eindrücke übermitteln, steigen Ruedi und Pierre bei Sturmwetter weiter ab. « Joko » erzählt von seiner Nacht im provisorischen Lager V:

« Wir schlafen kaum in dieser Nacht; ein heftiger Wind peitscht den Schnee gegen die Zeltwände, so dass unser Lebensraum immer kleiner wird. Um sich ausstrecken zu können, muss das Zelttuch ständig zurückgestossen werden, nach aussen, gegen den Abgrund. Obwohl wir volles Vertrauen in die Standfestigkeit unseres Obdachs haben, schaudert uns der Gedanke, es fluchtartig verlassen zu müssen.

Am nächsten Morgen, bevor wir unter einem wolkenlosen Himmel losziehen können, muss das ganze Material aus dem Schnee ausgegraben werden. Es ist sehr kalt, und wir kommen nur langsam vorwärts. Trotzdem erreichen wir bald einmal die 6oooer-Grenze, doch brauchen wir alles übriggebliebene Material - Seile, Seilschlingen, Karabiner -, um die letzten Längen unterhalb von Lager V auszurüsten. Um 16 Uhr ist das Zelt unter der überhängenden Eiswand aufgestellt. Nur einige hundert Meter trennen uns vom Gipfel, doch die Lage ist klar: Wir haben kein Material mehr, um weiterzugehen! Mit leichtem Bedauern melden wir mittels Radio, dass wir am nächsten Tag zum Lager III zurückkehren werden. » DER GIPFEL Es wird beschlossen, dass der nächste Versuch durch Pierre und « Yeti » unternommen werde. Pierre ruht sich zwei Tage im Lager III aus und verfolgt mit dem Feldstecher das Verlegen des fünften Hochlagers vom provisorischen zum endgültigen Standort. In Begleitung des « Vaters » steigt « Yeti » am 30. April zu Lager III auf; « Joko » und « Le Long » steigen am gleichen Tag ab, während Pemba und Dordji die Lager IV und V mit Nachschub versorgen. Am 1. Mai klettern Pierre und « Yeti » unter einem wolkenlosen Himmel den Fixseilen entlang hoch und erreichen noch am gleichen Abend das Lager V. Dort bereiten sie sich für den Gipfelangriff vor. Hier « Yetis » Bericht:

« Mit Pierre sind wir gestern in einem Zug vom Lager III, auf 5150 Meter, entlang dem Grat mit seinen 1000 Meter festen Seilen, zum Lager V auf 6110 Meter gestiegen. Das Wetter war sehr günstig, und wir hatten es eilig, dem letzten unbekannten Wegstück näherzukommen. Wir wussten ebenfalls, dass die Zeit drängt; unserer Verantwortung bewusst, doch voll Vertrauen, schlafen wir ein. Der grosse Sérac wacht über uns!

Wir stehen nicht zu früh auf und warten auf die Sonne, bis uns bewusst wird, dass ihre Strahlen unsere Unterkunft nicht vor nachmittags 4 Uhr erreichen werden. Wir vergeben unseren Kameraden, das Zelt unter einem Eisblock aufgestellt zu haben, denn für die Sicherheit haben wir ja ; sich dagegen beim Aufstehen nicht von der Sonne erwärmen lassen zu können, ist ein unverständlicher Fehlentscheid, der sich schädlich auf die Entwicklung des Tourismus in dieser Gegend auswirken wird!

Die letzten grossen Schwierigkeiten dieses Tages sind die überaus harten und steilen Eiswände, brüchige Felsen, pulvriger Schnee, Gleichgewichtsübungen über 1000 Meter Abgrund. Nach grossen Anstrengungen erreichen wir den Gipfelgrat und verlegen bis zum Abend die letzten 150 Meter Seil, welche den Zugang zu den Firnhängen gestatten. Damit haben wir alles aufgebraucht, von den Seilschlingen bis zu den 11-Millimeter-Seilen.

Am Morgen des 3. Mai verlassen wir das Zelt auf Lager V zu früher Stunde und steigen vorsichtig den am Vortag befestigten Seilen entlang hoch. Es ist kalt, und man hört den Aufschlag der in die Tiefe fallenden Eisstücke. Wir sind zuversichtlich, denn wir wissen, dass der Gipfel heute unser sein wird. Pierre folgt behutsam dem verwächteten, gebrechlichen Firngrat, die Sonne auf der einen, den Schatten auf der andern Seite, und überwindet die letzte Steilwand.

Nur noch Firnhänge sind vor uns, doch ist der Weg lang und das Spuren im unregelmässigen Schnee mühsam. Die Höhe und die drückende Hitze machen das Atmen beschwerlich. Langsam, aber regelmässig geht 's voran. Wir sind unter einer riesigen Wächte, und dort, genau vor uns, kommen die Grate zusammen und formen nur noch einen Punkt: Es ist der Gipfel!

Die Freude übermannt mich, überbordet... ich bin glücklich, hier oben zu sein, glücklich, das Ziel erreicht zu haben, glücklich, die Anstrengungen der Kameraden zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht zu haben! Ich bin auch erleichtert und fühle mich wohl; der ganzen Welt — bis hinab ins Lager IV und über die andern Hochlager in die Basis, nach Kathmandu, über die Berge bis zu mir daheim - möchte ich meine Freude kundtun.

Der erste Blick gilt dem Südgipfel, kaum 150 Meter höher, doch ausser Reichweite. Der Grat erscheint extrem schwierig und ausgesetzt; wir realisieren rasch, wie anspruchsvoll seine Bezwingung wäre. Man glaubt, einen Anden-Gipfel vor sich zu haben; eine weitere Expedition wird nötig sein, um ihn zu erklimmen. » DER ABSTIEG Der 3. Mai 1980 ist somit der grosse Tag für die ganze Gruppe. Dank Feldstechern, Fernrohr und Radioverbindung erleben alle diesen schönen Morgen mit. Nach einem einstündigen Aufenthalt auf dem Gipfel gehen Pierre und « Yeti » den Firngrat zurück, nur die Fahne mit dem weissen Kreuz im roten Feld flattert weiter auf 6470 Meter. Der Abstieg ins Lager V wird so gut als möglich beschleunigt, denn das schlechte Wetter ist wie jeden Tag im Anzug. Pierre erzählt:

« Wir steigen rasch den Gipfelgrat zurück, eine heikle Passage wartet noch auf uns, bevor wir die Fixseile erreichen, doch verläuft alles planmässig, trotz dem Knistern in der Antenne unseres Funkgerätes, Zeichen des herannahenden Gewitters. Wir finden das Zelt unter dem Eisblock und kriechen ermüdet hinein, während es draussen wieder einmal schneit. Wir melden Ruedi unsere m.ü. M, 6000 _ Aufstiegsprofil ( Nach der Karte ) SISNE S 6620 N 6470Lager V M 6110 CO

Î

./Lager IV ...// 566° 5000 Khola Pass 4960 u Jläget IIIil'iii 4000!

T Chaudhabise

Lagerl^S. " Basislager 4050

Lager 1 4210

^Vorgeschobene Basis 10 Ankunft im Lager V und vereinbaren mit ihm noch den Rückzug, bevor der Akku unseres Radiotelefons vollständig entladen ist. Nun sind wir allein in unserer am Hang verankerten Nylon-schachtel. Es braucht keine Worte; wir benützen diese Minuten der Entspannung, um die Erlebnisse der letzten Wochen im Geist an uns vorbeiziehen zu lassen. Etwas von uns ist noch dort oben, auf dem Gipfel des Sisne. Morgen müssen wir absteigen, doch an diesem unvergesslichen Abend wollen wir noch nicht an die Rückkehr denken.

Am nächsten Tag geht die Sonne über einer Nebellandschaft auf. Von unserm Horst aus überblicken wir ein Meer von Bergen. Mit Wehmut brechen wir das Lager ab, das uns während drei Nächten Schutz geboten hat. Dann beginnt wieder das Lastentragen entlang den festen Seilen, doch diesmal in der andern Richtung. » « Yeti » und Pierre, kräftig unterstützt durch « Joko » und den « Vater », beginnen mit dem Abräumen der Hochlager und Fixseile. Ein Tag nach der Ankunft auf dem Gipfel kommen sie bereits mit allem brauchbaren Material im Lager III an. Die Sherpas tragen ein Maximum an Last, so dass 15 km dieses in einem einzigen Transport evakuiert werden kann. So sind wir alle am Abend des 5. Mai glücklich am Fusse unseres Berges vereint, im Lager II, das mehrere von uns seit zehn Tagen nicht mehr gesehen haben. Ein feines Nachtessen, von Jetta auf dem Holzfeuer zubereitet, gibt uns den nötigen Mut für den letzten Aufstieg zum Pass, den wir am nächsten Tag gegen to Uhr erreichen. Hier verweilen wir eine kurze Zeit, um uns nochmals den Sisne, dem während Wochen unser ganzes Denken galt, in uns einzuprägen. Ohne Bedauern verlassen wir das Changda-Khola-Tal, denn wir haben es eilig, das Basislager an der Chaudhabise und die ersten Frühlingsblumen zu finden.

In drei Tagen wurde die ganze Route abgeräumt. Nur das nicht mehr gebrauchsfähige Material blieb zurück. Auf den Abend des B. Mai erwarten wir 30 Träger für den Rückweg nach Jumla. Werden sie wohl kommen? Es ist immer dieselbe Frage, die uns während den zwei Tagen Wartens beschäftigt. Das Wetter verschlechtert sich leider jeden Tag etwas früher, und der Schnee lässt uns nicht mehr los. Wie vereinbart kommen die Träger in kleinen Gruppen am vorgesehenen Tag an; diesmal steht es fest: wir können losziehen! Die Stimmung steigt. Nach einem köstlichen Nachtessen erwärmt der « Rakshi » unsere Herzen, und bis spät in die Nacht sind unsere Lieder in der Einsamkeit des Chaudhabise-Tals zu hören. Es schneit, und alle sitzen im Küchenzelt im Kreis um das Feuer. Wir tragen unsere Daunenjacken, während, daneben, unsere einzige Trägerin mit aufgeknöpftem Rock ihr Kind stillt.

Aus dem Französischen übertragen von Hermann Milz 1 August 1980.

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