Feiern, aber wie lange noch?

Feste soll man feiern, wie sie fallen. In diesem Jahr zum Beispiel können wir auf folgende Erstbesteigungen in der Schweiz anstossen: 200 Jahre Jungfrau (erster Viertausender); 175 Jahre Gross Gstellihorn (höchster Gipfel der Engelhörner); 150 Jahre Nordend (zweithöchster Gipfel des Monte Rosa – und der Schweiz), Lyskamm (sechsthöchster Gipfel), Weisshorn (schönster Gipfel), Fluchthorn (nach «tagelanger Belagerung und Durchmusterung von allen Seiten», wie es im SAC-Führer von 1934 heisst); 125 Jahre Pointe Sud de Moming (einer der höchsten Dreitausender), Tieralplistock (am Rande des Rhonegletschers, des für den SAC wichtigsten Gletschers). Vor 100 Jahren aber wurde es langsam schwierig, Erstbesteigungen in den Schweizer Alpen zu machen, wenigstens von grossen Gipfeln. In den Gastlosen beispielsweise gelang die erste Besteigung der Pointe à l' Echelle ohne échelle, also ohne Leiter. Wir können auch nächstes Jahr feiern: 200 Jahre Erstbesteigung Finsteraarhorn, 150 Jahre Täschhorn, Dent Blanche und Weisse Frau. Bei Letzterer waren Edmund von Fellenberg und Abraham Roth dabei, zwei der 35 Gründer des Schweizer Alpen Clubs; die Gründung fand am Morgen des 19. Aprils 1863 im Verwaltungsratssaale der Schweizerischen Centralbahn des Bahnhofs Olten statt. Das werden wir sicher auch feiern!

Allein: Wie lange können wir die Flaschen noch im Gletschereis kühlen? Im Zeitraum 2009/10 setzte sich, wie wir ab Seite 10 in diesem Heft lesen müssen, der «massive Gletscherrückgang» fort: Der Gauligletscher wurde um 196 Meter kürzer, der Steingletscher um 122 Meter, der Grosse Aletschgletscher um 21 Meter, der Rhonegletscher um drei Meter. Das sind Zahlen, die nicht zum Feiern anregen. Anders gesagt: Stolpern unsere Nachfolger anno 2111 über Geröll auf die eisfreie Jungfrau?