Fernseh-Live-Sendung aus der Eiger-Nordwand

Anlässlich einer Medienorientierung vom 3. September 1997 in Grindelwald gaben die Verantwortlichen von « SF Speziai » des DRS-Fernsehens die Absicht bekannt, 1998 in einer Live-Gross-reportage die Besteigung der Eiger-Nordwand durch zwei Seilschaften zu übertragen. Die Anfang September 1997 durchgeführte Rekognoszierungswoche ergab, dass dieses Projekt grundsätzlich realisierbar ist, wobei für die anderthalb Tage dauernde Tour bzw. deren Live-Übertragung ein Zeitfenster von ca. gut 2 Wochen ( von Ende August bis Mitte September ) eingeplant wird.1 « SF Speziai » hat sich auf Grossrepor-tagen spezialisiert, die auf Grund ihrer seriösen Vorbereitung und ihrer objektiven und gleichwohl packenden Berichterstattung bisher stets auf ein ebenso grosses wie generell positives Echo gestossen sind. In die Reihe von « SF-Spezial » gehören u.a. die Übertragung eines 15stündigen Arbeitstages im Berner Inselspital, aber auch Bergsendungen wie jene über die Besteigung des Matterhorns.

Ein Personentransport mit Longline-Technik ins Bügeleisen ( Todesbiwak ) gibt einen Eindruck von den Proportionen der Eiger-Nord-wand.

Das Konzept Respekt vor dem Berg Laut Kurt Schaad, Redaktionsleiter « SF Speziai » und Produzent der Eiger-Sendung, die als Koproduktion zu 3 A vom Schweizer Fernsehen und zu Va vom Südwestfunk finanziert wird, steht die Realisierung dieses Gross-projekts unter dem Motto « So einfach wie möglich ». Das bedeutet u.a., dass Heliflüge auf ein Minimum beschränkt, Material und technische 1 Vorgesehenes Durchsteigungsdatum ist Fr/Sa, der 28. und 29. August 1998.

JDer Umstand, dass sich vom 21.7. bis 24.7.1998 die Eiger-Nordwandbesteigung durch A.Heckmair/L Vörg ( Deutschland ) und H. Harrer/F. Kasparek zum 6O. Mal jährt, gibt den Kommentaren einen zusätzlichen alpin-historischen Hintergrund, hat aber nicht den Zeitpunkt der Sendung bestimmt.

Neben diesen « mobilen » gibt es noch 12 fixe Aufnahmestandorte. Davon befinden sich acht auf den ganzen Routenverlauf verteilt in der Wand, eine auf dem Eigergipfel, eine auf dem Eiger-Westgrat, eine im Gebiet Kleine Scheidegg-Wandfuss und eine auf dem Männlichen. Bei der Auswahl der fixen Kamerastand-orte wurde primär auf Sicherheit vor Steinschlag geachtet, wobei für vier Standorte an besonders abschüssigen Stellen leicht montierbare und wieder demontierbare Metallplattformen errichtet werden. Jeder Kameramann wird von zwei Bergführern begleitet und betreut.

Sicherheitsaspekte Verantwortlich für die Sicherheit ist Godi Egger, der sich seitens der Grindelwaldner Bergführer speziell mit diesem Aspekt des Projekts auseinandersetzt. Entsprechend liegt die Entscheidung über die Durchführung der Tour bei den mit den Verhältnissen in der Eigerwand besonders vertrauten Grindelwaldner Bergführern, den beiden für die Besteigung vorgesehenen Seilschaften und den zum Einsatz kommenden Helipiloten. Es gilt somit, optimale Wetterbedingungen abzuwarten, was bedeutet, dass mindesten für drei Tage stabile Witterungsbedingungen angesagt sein müssen. Wenn es soweit ist, soll am Nachmittag eingestiegen, im Schwalbennest biwakiert und am frühen Nachmittag des folgenden Tages der Gipfel erreicht werden, womit die Sendung abgeschlossen ist.

Inhaltliche Schwerpunkte Zum Ausdruck kommen soll primär das unmittelbare Erleben der vier an der Besteigung der Wand beteiligten Alpinistinnen und Alpinisten. Sie sollen « live » dem Zuschauer nahebringen, wie sie sich im Moment fühlen und wie sie sich mit der von ihnen geforderten bergsteigerischen Leistung auseinandersetzen. Ihre mentale Verfassung, ihre Gedanken und Gefühle nicht nur beim Klettern, sondern auch im Biwak sollen « hautnah » erlebt werden können.

Bekannte Bergsteigerinnen und Bergsteiger mit Eiger-Nordwand-Erfahrung werden das Vorankommen der Seilschaften kommentieren und teils direkt, teils in Form von Interviews zusätzliche Hintergrundinformationen vermitteln.2 Bergsteigen als Medienereignis Pro und Kontra -Versuch einer Abwägung Jede als Medienereignis aufgezogene und damit weit über den engeren Bergsteigerkreis hinaus verbreitete alpinistische Leistung enthält Hansruedi Gertsch mit der kleinen Helmkamera mit Schutzbügel Die Eiger-Nordwand, Schauplatz der Live-Sendung « SF Speziai » im Sommer 1998 - wenn das Wetter und die Verhältnisse mitspielen zum einen problematische Aspekte, zum andern bietet sie auch interessante Möglichkeiten und Chancen. Entscheidend, welche der beiden Komponenten schliesslich überwiegt, ist letztlich die Art und Weise, wie die Sache aufgezogen und organisiert wird, wie die Berichterstattung angelegt ist und wo die Schwerpunkte gesetzt werden. Nur wenn mit einem Minimum an Mitteln vorgegangen wird ( keine « Materialschlacht » ), wenn die Gelegenheit genutzt wird, um auch auf den naturgerechten Umgang mit der Bergwelt und die dort herrschenden Gefahren hinzuweisen, und insgesamt einem die Sicherheit an erste Stelle setzenden verantwortungsbewussten Alpinismus das Wort geredet wird, kann wohl eine positive Bilanz gezogen werden. Die Verantwortlichen von « SF Speziai » haben sich an ihrer Presseorien-tierung in Grindelwald ganz in diesem Sinn geäussert. Seitens des SAC wird nun erwartet, dass in der Folge auch entsprechend gehandelt wird.

Grundsätzliche Anliegen Eine solche Sendung - die allein schon durch ihre technische Dimension umstrittene Elemente aufweist -sollte zumindest eine starke unfall-präventive Ausrichtung im Sinn einer Vorbildfunktion, wie man sich als verantwortungsbewusster Bergsteiger im Gebirge verhält, haben. Dazu gehört u.a., dass der Sicherheitsaspekt während des ganzen Verlaufs der Besteigung sichtbar gemacht wird, dass die ausbildungsmässigen und psychologischen Voraussetzungen sowohl für eine solche Besteigung als auch für jede Berg- und Wandertour dargelegt werden, dass auf die Bedeutung der Verhältnisse, des Wetters ebenso wie auf die Gefahren der Selbstüberschätzung und des Leistungsdrucks hingewiesen wird und schliesslich, dass auch der Gedanke eines « sauberen », umweltgerechten - eben in allen Belangen verantwortungsbewussten -Alpinismus den gesamten Verlauf der Sendung prägt. Nicht zu vergessen ist der gesamte Fragenkomplex des Rettungswesens, durch dessen ständigen Ausbau sich einzelne unverantwortliche Bergsteiger veranlasst zu fühlen scheinen, sich leichtfertig in Risikosituationen zu begeben. Es wird interessant sein zu verfolgen, wie man in der « SF Spezial»-Live-Sendung all diese Fragen anpacken und lösen wird.

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