FIFAD 2002. Frischer Wind, durchschnittlicher Jahrgang

FIFAD 2002

Einmal mehr pilgerten die Freunde des Bergfilms Ende September 2002 nach Les Diablerets. Der Anlass, der unter der neuen Leitung neuen Horizonten zuzustreben scheint, hat nichts von seinem sympathischen Rahmen eingebüsst. Erfreulich war der Zuschauerandrang.

Das Festival International du Film Alpin Les Diablerets, FIFAD, leider immer noch ein regionales Ereignis, stand in diesem Jahr zum ersten Mal unter der Direktion von Jean Bovon. Die Stimmung im Organisationsteam schien freier zu sein und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motiviert durch die Möglichkeit, neue Ideen umzusetzen. Dieser frische Wind schlug sich besonders in den Zuschauerzahlen nieder: Die Vorführungen am Freitagabend mussten sogar wegen Warteschlangen vor den Eingangsportalen der Salle des Congrès unterbrochen werden, um in aller Eile zusätzliche Sitzreihen aufzubauen. Während des Wettbewerbs herrschten eher winterliche Wetterverhältnisse, die kollegiale Runde bei der Raclette der Bergführer fand dann aber bei goldenem Herbstwetter statt.

Unbestrittene Auswahl Der Wettbewerb des FIFAD litt in der Vergangenheit darunter, dass es auf Grund der Fülle der Preise beinahe ein Kunststück war, keinen zu erhalten. Die Anzahl der Pokale wurde nun beschränkt. Überlebt haben vier « Diables d' Or » und der « Grosse Preis ». Die zusätzlichen Preise, so zum Beispiel auch der SAC-Filmpreis, vergab die Jury an Filme, die bereits in den vier Kategorien ausgewählt wurden. Daneben wurde der Publikumspreis verliehen. Die Jury, in der dieses Jahr Ida Bänziger den SAC vertrat, arbeitete in grösster Harmonie und sehr effizient. Aus den vorselektionierten Filmen kristallisierten sich schnell einmal die Preisträger heraus. Der Jahrgang muss leider als « durchschnittlich » bezeichnet werden. Oft scheiterten die Realisatoren an der Umsetzung des Themas, die Filme kamen in allzu konstruierter Art und Weise über die Leinwand, oder es mangelte einfach an einer gewissen Kreativität oder sogar schlicht an Leidenschaft. Bei der Liste der Hauptpreisträger fällt auf, dass französische Filme sich nicht wie üblich durchsetzen konnten. In der folgenden Besprechung begnügen wir uns mit einigen wirklichen Höhepunkten des FIFAD 2002.

Preis des SAC und Diable d' Or III Der kreative Altmeister des kirgisischen Filmschaffens, Evgeny Kotlov, war persönlich anwesend und freute sich sehr über die Verleihung von zwei Preisen an seinen unvergesslichen Film « Rozjdestvensky Syndrom » ( Le Syndrome de Noël ). Mit eindrücklichen Bildern aus der misanthropischen Nordwand des Free Korea Peaks im Tien Shan gelingt es ihm, die Leidenschaft von Bergsteigern zu vermitteln, die jedes Jahr um die Weihnachtszeit bei den widerlichsten Bedingungen eine schwierige Kletterei unternehmen. Die Herzlichkeit der Beteiligten steht ebenso im Kontrast zu den Furcht erregenden Szenen in der Wand wie das gedämpfte Licht des warmen Zeltes und der dampfende Tee. Dazwischen sinnieren die Kletterer über die Stadt unter ihnen, über die politischen und ökonomischen Probleme, die aber im harschen Szenario der Natur zermalmt zu werden scheinen. Die Verleihung dieser Preise an diesen Film könnte auch als Hommage an Kirgistan, den Initianten des internationalen Jahrs der Berge 2002, verstanden werden. Der Film hätte aber auch ohne diesen lobenswerten Vorstoss des sympathischen Landes den Preis errungen, darüber bestanden keine Zweifel.

Die Diable-d'Or-Auszeich-nungen ( im Hintergrund ) und der SAC-Preis Fo to s:

Die te r S pinnle r DIE ALPEN 11/2002

Diable d' Or II Vor 50 Jahren wurden die ersten Achttausender bestiegen. Im Jahr 1952 gelangten die unvergesslichen Raymond Lambert und Tenzing Sherpa mit einer Schweizer Expedition bis knapp unter den Gipfel des Everest, mussten aber schliesslich den Triumph den Engländern überlassen, die ein Jahr später reüs-sierten. Der Film « Le Rêve Achevé » von Bernard Robert-Charrue und Stéphane Schaffter, Schweiz, erzählt die Geschichte des Sohnes von Lambert, Yves, und des Enkels von Tenzing, Tashi Tenzing, die das Vermächtnis ihrer Vorfahren einlösen. Es gelingt ihnen, den Berg fünfzig Jahre nach dem Exploit der Pioniere zu bezwingen. Ein emotionaler, eindrücklicher Film mit Sequenzen aus dem Film von André Roch von 1952. Der tragende, vorwärts treibende Streifen wurde leider allzu hurtig für das FIFAD zusammen-geschnitten. Die Mängel lassen sich jedoch noch beheben. Diable d' Or IV und Grand Prix Der Regisseur Renato Morelli, Italien, hat in seinem Film « Il Guardiano dei Segni » jenen Personentyp gefunden, der bei gutem Handwerk und guter Choreo-grafie schon beinahe für eine Auszeichnung Garantie ist, aber eben nur « beinahe ». Renato Morelli war der Aufgabe wirklich gewachsen und konnte die aussergewöhnliche Persönlichkeit von Gianluigi Rocca – Künstler, Berghirt, Poet und Ethnologe zugleich – auf eindrückliche Art filmisch einfangen. Der Protagonist wird durch Zigeunermusik an eine beinahe vergessene Liebschaft erinnert und sinniert in der Folge in einer sehr poetischen Sprache und in der eindrücklichen Landschaft über sein Leben, die Kunst, die Schafe und die Menschen. Ein wirklich starkes, gut gelungenes Dokument. a

Bernhard Rudolf Banzhaf, Saas Fee

FIFAD-Preisträger 2002

Preis des SAC Rozjdestvensky Syndrom Evgeny Kotlov, Kirghizstan ( Das Weihnachtssyndrom ) Diable d' Or I Borderline: Base Jump Pascal Magnin, Schweiz ( Extremsportarten ) Diable d' Or II ( Geschichte ) Le Rêve Achevé Bernard Robert-Charrue, Stéphane Schaffter, Schweiz Diable d' Or III ( Dokumentarfilm ) Rozjdestvensky Syndrom Evgeny Kotlov, Kirghizstan Diable d' Or IV ( Umwelt ) Il Guardiano dei Segni Renato Morelli, Italien Publikumspreis Zeit der Titanen Edgar Hagen, Schweiz Grosser Festivalpreis FIFAD Il Guardiano dei Segni Renato Morelli, Italien Im Rahmen des FIFAD wurde die Bergführerin Nicole Niquille, seit 1994 wegen eines Unfalls gelähmt, mit dem « Mérite alpin 2002 » ausgezeichnet.

Les Diablerets bildete den würdigen Rahmen für das alpine Filmfestival FIFAD. Jean Bovon, der neue Direktor des FIFAD bei der Preisverleihung Der Kirgise Evgeny Kotlov wurde für seinen Film « Rozjdestvensky Syndrom – Das Weihnachtssyndrom » nicht nur mit dem Diable d' Or III ausgezeichnet, sondern auch mit dem SAC-Preis. Preisträger Evgeny Kotlov ( Mitte ), Ida Bänziger, Jury-Mitglied SAC ( l. ), und Bernhard Rudolf Banzhaf, Präsident Kulturkommission SAC DIE ALPEN 11/2002

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