Flückiger-Seiler Roland. Hotelträume zwischen Gletschern und Palmen

Schweizer Tourismus und Hotelbau 1830–1920, Verlag hier+jetzt, Baden 2001; ISBN 3-906419-24-X. Fr. 88.–

Wer im 19. Jahrhundert die Schweiz bereiste, suchte vor allem grandiose Aussichten auf Berge, Gletscher und Seen. Und da damals Reisen vorwiegend eine Angelegenheit der Reichen war, wurden diesem Stand entsprechende Unterkünfte gebaut, wie der Band Hotelträume zwischen Gletschern und Palmen auf eindrückliche Art und Weise zeigt. Verbunden mit diesem Stück Schweizer ( Sozial- ) Geschichte sind die Namen von « Hotel-königen », Pionieren in verschiedener Hinsicht. Sie errichteten nicht nur Hotelbauten, sondern gaben auch Anstoss für den Bau von Transportanlagen wie die Jungfraubahn, die Standseilbahn auf den San Salvatore oder den Hammet-schwandlift auf dem Bürgenstock. Die Szenerien in den Grands Hotels der Belle Epoque an Genfer-, Thuner-und Vierwaldstättersee und in den Walliser Bergen hatten je ihr eigenes prunk-volles Gepräge. Dass die Hotels ihren Gästen jeden damals denkbaren Luxus boten, belegen die zahlreichen schwarzweissen Abbildungen in Roland Flückiger-Seilers Werk: prunkvolle Hotelfassaden, Speise-säle, Aufenthaltshallen, Terrassen, Parkanlagen – immer eingebettet in eine zauberhafte Landschaft mit grandioser Aussicht, eben « Hotelträume ». Flückiger erwähnt aber auch die damals herrschenden Gegensätze zwischen dieser schier unglaublichen Märchenwelt für die Reichsten Europas und der Welt der Einheimischen, die Bewohnern eines « Dritt-weltlandes ohne eigene Rohstoffe » gleichzusetzen waren. Hotelträume, flüssig geschrieben, ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich für die Geschichte dieser Epoche interessieren.

Margrit Sieber

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