Forschungsbericht des DAV-Sicherheitskreises über Sicherungsmittel in Kletterrouten und von Klettersteigen

Der unter der Leitung von Pit Schubert arbeitende Sicherheitskreis ist eine Institution des DAV, die sich zum europaweit bekannten und anerkannten Prüf labor für alle Fragen und Materialien entwickelt hat, die mit der Sicherheit im Bergsport in Zusammenhang stehen. Dabei erhält der Sicherheitskreis in zunehmendem Masse Forschungs- und Abklä-rungsaufträge von staatlichen Stellen. So besteht bereits eine zehnjährige intensive Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Frauen, Familie und Gesundheit.2 In seinem Auftrag konnte der Sicherheitskreis auch eine umfassende und den aktuellsten Stand repräsentie-rende Untersuchung durchführen, deren Ergebnisse nun in Form eines 167seitigen Forschungsberichtes vor-liegen.3 Dieser befasst sich eingehend mit der Haltekraft von Felshaken ( Normalhaken und Bohrhaken ) in Kletterrouten sowie von Drahtseilen und anderen Sicherungsmitteln in Klettersteigen. Der Bericht bestätigt erneut in höchst eindrücklicher Weise die grossen Schwachpunkte der konventionellen ( d.h. in Felsritzen geschlagenen ) Haken. Die Untersuchung und deren Ergebnisse reichen aber noch wesentlich weiter, indem darin alle fixen Sicherungsmittel in Kletterrouten und auf Klettersteigen miteinbezogen werden. Inhalte und Schlussfolgerungen des Forschungsberichtes haben allgemeine Gültigkeit. Für die schweizerischen Verhältnisse von besonderem Interesse sind jedoch die Ergebnisse im Bereich der Kletterrouten, weshalb dieser Problemkreis auch in ausführlicher Form vorgestellt wird.4 Die Linie zeigt, wie tief die Haken im Fels steckten; schon das blosse Festhalten hätte gefährlich sein können - geschweige denn eine Sturzbelastung.

Da es in der Schweiz nur einige wenige Klettersteige gibt, wird auf die ebenso umfassend untersuchten Fragen ihrer Ausrüstung und ihres Unterhalts nicht eingegangen. Entsprechende Informationen sind somit dem Forschungsbericht direkt zu entnehmen.

Teil 1 - Sicherungsmittel in Kletterrouten Höhere Hakenbelastung als vermutet Nicht alle in Kletterrouten steckenden Haken werden in der Praxis gleich stark belastet, Abseil- und Topropehaken beispielsweise weniger als Zwischenhaken. Wie stark wird ein Zwischenhaken beim kleinstmögli-chen Sturz belastet, also dann, wenn das Seil « gerade eingehängt » ist? Die Belastung ist weit höher, als man bisher vermutet hat. Bei einem Körpergewicht ( Körpermasse ) von 80 kg um 3,2 kN, ca. 320 kp. Auch die Belastung der Verankerungspunkte beim heute im Bereich der sogenannten Erlebnispädagogik angewendeten Seilrut-schen wird genannt ( Messungen ).

Schätzwerte zur Haltekraft sind reine Spekulation Dabei wird auf die Schwierigkeit hingewiesen, die Festigkeit eines Sicherungspunkts bzw. eines Siche-rungsmittels, also eines Hakens, sei es ein Normal- oder ein Bohrhaken, abzuschätzen. Es sei gleich verraten: Eine auch nur halbwegs sichere Abschätzung ist nicht möglich. Jeder Schätzwert basiert nur auf Spekulation.

Prüfung der Haltekraft von Haken und Bohrhaken Hier wird auf den Unterschied der Praxisbelastung ( Fangstoss, kurzzeitig ) und der Prüfbelastung ( quasi statisch ) eingegangen. Welche Belastung ist kritischer? Ein längeres Kapitel berichtet über die Untersuchung von Normalhaken und von Bohrhaken Der Bericht Inhaltlicher ÜberblickTeil 1 befasst sich mit den Sicherungsmitteln in und für Kletterrouten ( Normalhaken und Bohrhaken ) undTeil 2 mit den Sicherungsmitteln von und für Klettersteige ( Drahtseile, Verankerungen, künstliche Tritte ).

Zunächst werden in Kletterrouten und auf Klettersteigen angetroffene Sicherungsmittel gezeigt, um auf den Sicherheitsgefährdenden Zustand derselben hinzuweisen ( Korrosion, Erosion ). Weiter werden ausführliche Angaben zu Unfällen durch unzureichende Sicherungshaken in Kletterrouten gemacht ( allein fünf Seiten im Telegrammstil ). Ebenso werden Angaben zu entsprechenden Unfällen auf Klettersteigen gemacht, die aber erstaunlicherweise nur in sehr geringem Umfang auftreten ( die meisten Unfälle auf Klettersteigen ereignen sich durch Gleichgewichtsverlust ohne Selbstsicherung ).

Alles, was auch nur annähernd eine Ähnlichkeit mit einer Öse und einem Schaft hatte, wurde früher als Hakenersatz in Felsrisse gedroschen - und steckt meist heute noch drin. Hier eine ehemalige Türangel Ein ehemaliger Standhaken in einer Viererroute in der Nähe von Arco ( Trentino ) sowohl im Labor wie auch im Fels. Untersucht wurden auch Haken, die sich bereits viele Jahre im Fels befanden und an Ort und Stelle belastet wurden. Die Ergebnisse wirken ernüchternd.

1 Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit - StMAS - Abteilung II: Arbeitsschutz, Sicherheitstechnik und technische Überwachung. Verfasser: Dipl.. " " .Ing. Pit Schubert unter Mitarbeit von Dipl.. " " .Ing. Manfred Thieme. Sachbearbeitung, Projektbeglei-tung: Dipl.. " " .Ing. ( FH ) Wolfdieter Hofstetter -StMAS -: Ausführung: DAV. Titel: Mehr Sicherheit beim Bergsport. Teil 10: Festigkeit von Sicherungsmitteln in Kletterrouten und auf Klettersteigen.

Die Teile 1 ( Eisgeräte ) und 2 ( Verankerungen im Eis ) sowie Teil 3 ( Steigeisen ) wurden bereits 1988 bzw. 1989 veröffentlicht [alle vergriffen]. Teil 4 ( Notrufsysteme für Bergsteiger ), Teil 5 und 6 ( Personenschutzmittel und Bergsteigerschutzhelme ) sowie Teil 7 und 8 ( Kletterzubehör und Karabinerhaken ) wurden 1990 veröffentlicht [teilweise vergriffen]. Teil 9 ( Erprobung eines Notrufsystems für Bergsteiger ) wurde 1994 veröffentlicht.

? Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Frauen, Familie und Gesundheit ist im Rahmen dieser Aufgabenbereiche auch für die Sicherheit bei der Arbeit und in Heim und Freizeit zuständig, woraus sich das Interesse dieser staatlichen Steile ableitet, die Zahl der Unfälle in den Bergen zu senken. Aufgrund dieser Zielsetzung ging der Auftrag zum Erstellen eines Forschungsberichtes über die Sicherungsmittel in Kletterrouten und von Klettersteigen an den DAV-Sicherheitskreis.

3 Herausgegeben vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit, ausgearbeitet in dessen Auftrag durch den Sicherheitskreis des DAV unter der Leitung von Pit Schubert.

* Diese inhaltliche Zusammenfassung des ersten Teiles des Forschungsberichtes Mehr Sicherheit im Bergsport wurde publiziert in Deutscher Alpenverein Mitteilungen/Jugend am Berg, 47. Jg., Heft 6/95 ( Dezember ). Wir danken dem DAV und dem Autor für die Abdruckbewilligung und das Bildmaterial.

Jugend-Infos,Berichte,Aktivitäten Im Felsriss hält sich die Feuchtigkeit aufgrund der Kapillarwirkung viel länger als ausserhalb, zum Beispiel an der Öse; deshalb ist im Felsriss - von aussen nicht erkennbar - die Korrosion am grössten.

Sicherungsmittel und Sanierung von Kletterrouten In diesem Zusammenhang werden empfehlenswerte Sicherungsmittel aufgezeigt und ausführliche Hinweise für das Sanieren von Kletterrouten gegeben. Es ist nicht damit getan, einen alten Normalhaken gegen einen neuen Bohrhaken wenige Zentimeter darüber oder darunter auszutauschen. In der Regel stecken zu viele Normalhaken, insbesondere an Standplätzen ( weil man einem Stift nicht « trauen » kann ). So reicht es in der Regel, wie sich nach dem Sanieren einer ganzen Reihe von Routen gezeigt hat, wenn die Zahl der zu setzenden Bohrhaken nur etwa die Hälfte der alten Haken beträgt ( den Rest kann man meist mit mobilen Sicherungsmitteln, z.B. Klemmkeilen absichern ). Eine weitere wichtige Erkenntnis brachte die Forschungsarbeit zutage: Man muss die Route vor dem Sanieren klettern, um zu erkennen - im wahrsten Sinn des Wortes zu spüren - wie viele Haken nötig sind und wo diese hin müssen. Beim Abseilen von oben « spürt » man dies nicht Verhalten von Bohrhaken unter vielfacher Sturzbelastung Die Normen für die Prüfung von Bohrhaken sehen nur eine Einmalbe-lastung vor ( Querzug, radiale Belastung wie durch Sturz am senkrech- ten Fels, mind. 25 kN, ca. 2500 kp, und Längszug, axiale Belastung wie bei Sturz unter Dächern, mind. 15 kN, ca. 1500 kp ). Bohrhaken aber werden durch Sportkletterstürze vielfach belastet, wenn auch nicht in der obengenannten Grössenordnung. Deshalb wurden auch Belastungsversuche durchgeführt ( sog. Schwellbela-stungsversuche ) mit 7 kN, ca. 700 kp, was einem üblichen Sportklettersturz von etwa 7,5 m entspricht. Dabei kamen interessante Ergebnisse zutage ( nicht alle normgerechten Haken halten dieser Belastung stand ). Natürlich kann man darüber streiten, ob ein Bohrhaken in einer alpinen Kletterroute wirklich 10000 mal durch einen 7,5 Meter hohen Sturz belastet wird. Bei Sportkletterrrouten in Klettergärten und Klettergebieten sowie an künstlichen Kletteranlagen ist dies jedoch vorstellbar.

Einfluss von Felsart und Ösen-formen Zu diesem Thema finden sich Hinweise zum Setzen von Bohrhaken im Sandstein. Sandstein kann sehr unterschiedliche Festigkeit aufweisen. So gibt es sehr festen Sandstein, der sich mit Kalk vergleichen läßt, und es gibt sehr weichen Sandstein wie der im Eibsandsteingebirge.

Weiter folgen Angaben über günstige Ösenformen von Haken. Bei bestimmten Formen hängt sich der Karabiner leicht von selbst aus ( genügend Unfälle wurden inzwischen Dieser Haken steckte horizontal im Fels; am tiefsten Punkt der Öse hielt sich immer der letzte Wassertropfen, deshalb an dieser Stelle die dünne Öse, der Rest ist regelrecht weggero-stet ( zu erkennen an der kreisrunden Bohrung ).

bekannt, einige sind aufgeführt ), und bei Topropehaken ist nicht jede Form empfehlenswert. Auch die scharfen Kanten von « Hängern » ( vielfach selbstgemacht und nicht einmal ent-gratet ) schaden dem Karabiner und können bei Sturz auch den Kletterer verletzen. Über Ketten und Kettenglieder werden ebenfalls Angaben gemacht.

Ersetzen alter Bohrhaken Manch ein Bohrhaken muss wieder aus dem Fels entfernt werden, weil zu alt ( nicht normgerecht, Rost ) oder falsch gesetzt. Die entsprechenden Möglichkeiten werden aufgeführt und erläutert. Sie sind alle recht mühsam.

Auch alte Stichtbohrhaken ( 6 mm Durchmesser ), die sich etwa zwei Jahrzehnte im Fels befanden, wurden an Ort und Stelle in Sturzzugrichtung belastet. Sie halten noch auffallend viel. Doch Achtung: Die ermittelten Werte streuen sehr, ein Stichtbohrhaken kann an einer Stelle sehr viel, an anderer Stelle sehr wenig halten. Die Felsoberfläche im Bereich der Öse ( mehr oder weniger ausgebrochen ) ist ausschlaggebend.

Spezielle Bohrhaken für rasches Anbringen und Entfernen Die Bergwacht/Bergrettung benötigt schnell anzubringende Verankerungen. Ein Vorschlag, der auf Kurt Schwendener, den ehemaligen Leiter der Bergrettung in Grindelwald zurückgeht, wird vorgestellt ( bisher gute Erfahrungen, nicht im Handel, Sonderanfertigung).5 Sinnvolle Hakenabstände Es folgen Hinweise zum zweckmässigen Hakenabstand im Einstiegsbereich ( Gefahr eines « grounders » ) und darüber, wie dieses Abstandspro-blem an künstlichen Kletterwänden gelöst ist.

Das Problem der Wartung Weiter sind Überlegungen zur Wartung von Sicherungsmitteln ( Haken ) in Kletterrouten aufgeführt. Kurz gesagt: Die Bohrhaken müssen so konzipiert und so gesetzt sein, dass eine Wartung überflüssig ist ( da bei der Vielzahl von Haken eine Wartung nicht möglich ist ).

Installierung künstlicher Kletteranlagen Teil 1 -«Sicherungsmittel in Kletterrouten » schliesst mit einem Abschnitt über kostengünstige Installierung künstlicher Kletteranlagen. Anhand von Beispielen werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt und beschrieben.

Pit Schubert, D-München Bedeutung und Bezugsquelle Der Forschungsbericht Mehr Sicherheit beim Bergsport gehört für Sektionen und Bergführervereinigun-gen, die Klettergärten, Klettersteige oder entsprechend versicherte Hüttenaufstiege und Bergwege betreuen, Einrichter und Erstbegeher von Routen usw. zur Pflichtlektüre. Zum einen, weil er die Gefahrenherde ( und gleichzeitig auch die Fragwürdigkeit einzelner gerichtlicher Entscheidungen im Anschluss an daraus sich ergebende Unfälle ) aufzeigt, zum andern, weil er klarmacht, welche Kriterien beim Anbringen oder Ersetzen von fixen Sicherungsmnitteln zu berücksichtigen sind.

In einem speziellen Beitrag wird in einem späteren Heft noch auf das Vorgehen beim Sanieren von Kletter- gärten mit Klebanker ( der einzig wirklich sicheren und dauerhaften Methode ) eingetreten werden. Der Forschungsbericht Mehr Sicherheit beim Bergsport kann -unter Beilage eines adressierten Rückantwortcouverts im Format A4 - bis 5 Spreizung des im Fels sitzenden Bohrhaken-endes mit einer durch ein Loch in der Längsachse des Bohrhakens führenden Schraube statt durch einen einzuschlagenden Stift. Die Schraube wird eingedreht, wodurch sie im Bohrhaken nach vorne dringt und damit das Bohrhakenende spreizt ( verklemmt ). Durch Lösen der Schraube kann die Spreizung rückgängig gemacht und der Bohrhaken wieder entfernt werden. ( Anm. der Red. ) Vor allem in sog. « klassischen » Routen steckt noch enorm viel Schrott. Dabei wären hier gute Standplätze und Zwischensicherungen noch fast wichtiger.

Ende Juni 1996 ( nur ) schriftlich über die SAC-Geschäftsstelle ( Helvetiaplatz 4, Postfach, 3000 Bern 6 ) bestellt werden. Da erst danach die Sammelbestellung beim DAV vorgenommen werden kann, werden die Berichte im Laufe des Herbstes 1996 an die Interessenten zum Preis ( Porto inkl. ) von Fr. 25. gegen Rechnung verschickt. Die Red.33 da die Sturzhöhen - wenn etwas passiert - im allgemeinen rasch gross sind und zudem noch eher die Gefahr des Aufschiagens besteht.

ïport- und [Wettkampf klettern

[Arrampicata libera |e di competizione

Escalade libreCompétition

gelingt gut: Elie Chevieux, Simon Wandeler und Iva Hartmann qualifizieren sich für das Halbfinal. Anna Tina Schultz verpasst durch einen taktischen Fehler nur knapp die Qualifikation. Yves Philipona hat eine Begrenzungslinie übertreten und wird vom Schiedsrichter gestoppt, und Anne Grey klettert im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Die Halbfinals Bedingt durch die organisatorischen Mängel treffen wir am Abend jeder für sich - dank interner Absprache im Gegensatz zu anderen Teams jedoch rechtzeitig - in der Zenith-Halle ein, so dass sich Elie, Simon und Iva gut aufwärmen können.

Elie Chevieux Im Wettkampf klettert Elie nicht ganz so konzentriert wie auch schon, was aber nach einer derart langen Saison mehr als verständlich ist. Es reicht für die Finalqualifikation - und das ist das einzige was zählt!

Simon Wandeler Im Gegensatz zu den Weltcups von Frankfurt und Aix-Ies-Bains steckt sich Simon das Ziel etwas realistischer: Es gilt, so viele Kletterer als möglich in diesem hochklassigen Feld hinter sich zu lassen. Von den 26 Halbfinalisten kommen - vom Leistungsniveau her -fast die Hälfte als Finalteilnehmer in Frage. Simon klettert gut, und die gemachten Fortschritte sind deutlich zu erkennen.

Iva Hartmann Der « kleine Star » dieses Abend ist Iva, die in der Halbfinalroute « Top » klettert. Bei den Damen haben einige, die sonst regelmässig in den Finals vertreten sind, erhebliche Probleme mit der Route und scheiden aus. Wie auch in anderen Sportarten haben eben Welt- oder Europameisterschaften eigene Gesetze. Iva hingegen findet überall die optimalen Bewegungsabfolgen, nützt taktisch klug jeden Ruhepunkt aus und klettert Zug für Zug höher. Als sie am Ausstieg doch etwas Mühe bekundet, da sie ihn bei der Routenbesichtigung nicht angeschaut hat, steigen Puls und Lautstärke unserer Anfeuerungs-rufe - und Iva hat das Finale dieser Europameisterschaft erreicht! Das konsequente Training und die Vorbereitung zahlen sich damit aus. Müde aber zufrieden treffen wir um Mitternacht im Hotel ein. Als Couch ist man da 19 Stunden auf den Beinen und das unter dauernder Anspannung -für alle ein langer und harter Tag.

m Europameisterschaften 34 1996 im Sportklettern

Sensationeller 6. Rang für die Schweizerin Iva Hartmann Geprägt wurden die vom 26. bis 28. Januar 1996 in Paris stattfindenden Europameisterschaften von mehreren Aspekten:

- Aus sportlicher Sicht gilt es einerseits auf das spannende und hochklassige Herrenfinale, anderseits auch auf das Ausscheiden vieler Favoritinnen im Damenwettbewerb hinzuweisen, das jungen Sportlerinnen wie Iva Hartmann und der Slowenin Maja Sustar Gelegenheit bot, ihre Chance zu nutzen.

- Im organisatorischen Bereich gab es wohl selten an einem Wettkampf so viele Mängel zu verzeichnen. Mit denen hatten sich dann vor allem die Sportler und ihre Betreuer auseinanderzusetzen.

Ein Überblick über die drei Wettkampftage gibt ein Stimmungsbild vom Ablauf der diesjährigen Europameisterschaften.

Die Viertelfinals Nach einer infolge Fehlinformation mühsamen Unterkunftsuche und einer ersten Übernachtung in Paris, beginnen Freitagmorgen die Aus-scheidungsrunden. Diese finden praktisch am anderen Ende der Stadt statt, weil die eigentliche Wettkampfhalle ( « Zenith » ) aus finanziellen Gründen nur für den Freitagabend und das Wochenende gemietet werden konnte. Nach einer beinahe zweistündigen Busfahrt im Rushhour-Ver-kehr treffen wir am Wettkampfort ein. Der Wettkampfablauf steht zwar fest, ist aber in der vorgelegten Form nicht akzeptabel und wird schliesslich auf Intervention der Coaches geändert. Erfreulicherweise steckt unser junges Schweizer Team die alles anderen als optimalen Bedingungen weg und ist sehr motiviert. Alle konzentrieren sich auf den Wettkampf. Das Samstag, Finaltag Herren Als Nummer 4 der Weltrangliste und auf Grund seiner 8b+ On-sight-Begehung gehört Elie Chevieux zu den Favoriten - eine zusätzliche nervliche Belastung. In der Route hat Elie von Beginn weg Schwierigkeiten, seinen Rhythmus zu finden, und steht weiter oben noch auf einen ( unglücklich plazierten ) Bohrhaken. Regle-mentskonform wird er, trotz aller Proteste, auf Grund der anschliessenden Prüfung der Videoaufnahmen, vom 4. auf den 7. Platz zurückgestuft. Diese Entscheidung zu akzeptieren ist für ihn sicher nicht leicht, und es ist dann Aufgabe des Teamchefs, bzw. der Teamchefin, nach allen Seiten mässi-gend und beruhigend Einfluss zu nehmen. Spielregeln sind eben Spielregeln, auch wenn sie manchmal nicht ohne weiteres verständlich sind.

Sieger und damit Europameister wird Arnaud Petit, der wie so oft durch seinen enormen Willen und seine Ausdauerfähigkeiten auffällt. Zweiter wird sein Bruder François vor dem Drittplazierten François Lombard. Der amtierende Weltmeister François Legrand wird letzter der Finalrunde - für ihn eine grosse Enttäuschung.

Die Französin Liv Sansoz, Europameisterin 1996 Die Schweizerin wa Hartmann, die an den Europameisterschaften in Paris den sensationellen 6. Platz erreichte.

Sonntag, Finaltag Damen Am Finaltag kumulieren sich sozusagen sämtliche organisatorischen Missstände und Fehlinformationen. Offensichtlich existieren die unterschiedlichsten Zeitprogramme, und trotz zusätzlicher Erkundigungen erhalten wir völlig falsche Angaben, so dass Iva zu spät in die Isolation kommt. Wir sind zwar nicht die einzigen, denen dies passiert, aber in einer solchen Situation ist das kaum ein Trost. Ein Coach steckt dann rasch einmal in einer schwierigen « Sandwich-stellung » zwischen Organisation, Jury und Sportler. Aber Iva reagiert sehr professionell, und vielleicht hat sie die Aufregung sogar etwas abgelenkt und ihr damit die Nervosität vor ihrer ersten Finalteilnahme bei einem Damenwettbewerb genommen. In der Isolation hören wir die Geschehnisse vorne an der Wand mit, und nachdem die gleichaltrige Slowenin, die sich ebenfalls überraschend für den Final qualifiziert hatte, nach wenigen Klettermetern stürzt, ist die Taktik klar: Unten aufpassen! Iva beginnt gut und rettet sich mit enormem Willen und Kampfgeist über die problematische Stelle. Das Publikum und selbst die Routenbauer feuern sie lautstark an. Mir verschlägt es die Sprache und ich freue mich nur zu sehen, wie diese kleine zierliche Person dort an der Wand die Leute durch ihre Art zu klettern, begeistert. Siegerin wird schliesslich Liv Sansoz vor Laurence Guyon und den ex-aequo Drittplazierten Venera Tcherechneva und Stéphanie Bodet. Aber das ist für uns Nebensache geworden, wir freuen uns einfach über die Leistung von Iva.

Gabriele Madiener, Teamchefin Equipe Suisse Rangliste Europameisterschaften Paris Herren 1. Arnaud Petit, FRA 2. François Petit, FRA 3. François Lombard, FRA 7. Elie Chevieux, SUI 21. Simon Wandeler, SUI 45. Yves Philipona, SUI Damen 1. Liv Sansoz, FRA 2. Laurence Guyon, FRA 3. ex aequo: Stéphanie Bodet, FRA Venera Tcherechneva, RUS 6. Iva Hartmann, SUI 2O. Anna Tina Schultz, SUI 33. Anne Grey, SUI

Datumsänderung Jugend-Europacup-Wettkampf

Aus organisatorischen Gründen wird der in den ALPEN ( 2/96, S.32 ) für den 27/28. April 1996 in Bern ( Magnet ) angekündigte 1. Wettkampf des Jugend- und Junioren-Europacups 1996 auf den 28729. September 1996 verschoben.

Der Jugend- und Junioren-Europa-cup umfasst sechs in der nachstehenden Reihenfolge stattfindenden Wettkämpfe: Dortmund ( Deutschland ), Ravenna ( Italien ), Pyrenäen ( Spanien ), Kranji ( Slowenien ), Bern-Niederwangen, Prag ( Tschechien ).

Gem. Mtlg.

ilpine Geschichte, [ultur, Erzählungen

ïtoria, cultura, letteratura alpina

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stützt wird, steht weiten Teilen des Berggebietes eine Verbrachung und Wiederbewaldung bevor. Diese Entwicklung hat in Ramosch eingesetzt. In der Ausstellung werden drei Entwicklungsmöglichkeiten vorgestellt:

- Grossflächige Verbrachung und kleinflächige Intensivierung - Intensiver Tourismus als neue Chance -Weiterbewirtschaftung mit Direktzahlungen für Landschaftspflege und sanftem Tourismus Wer das Museum besucht, kann im Rahmen einer Umfrage ( und eines Wettbewerbs ) eine persönliche Bewertung der verschiedenen Landschaftsveränderungen vornehmen.

Einblick in die Forschungstätigkeit des WSL « Ramosch » ist ein Beispiel aus der Tätigkeit der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft ( WSL ), die in einem zweiten Ausstellungsteil vorgestellt wird.

Das multidisziplinäre Institut mit fast 300 Beschäftigten in Birmensdorf sowie in den Aussenstellen Bellinzona und Lausanne hat sechs Forschungsschwerpunkte: Waldökologie, Waldnutzung, Landschaftsökologie, Umweltbeobachtung, Schneedecke und Naturgefahren. Die beiden letzten Themen betreut vor allem das allgemein bekannte Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung Weiss-fluhjoch/Davos ( SLF ), das auch zur WSL gehört.

Die Ausstellung gibt einen Überblick über die vielseitige Tätigkeit des Forschungsinstitutes WSL, die hier mit einigen Stichworten angedeutet werden soll:

- Früherkennung von Umweltproblemen

™ Welche Landschaft 36 wollen wir?

Ausstellung im Schweizerischen Alpinen Museum in Bern « Man muss die Natur nur machen lassen... » ist eine verbreitete Meinung zum Natur- und Landschaftsschutz. Die neue Ausstellung im Schweizerischen Alpinen Museum stellt am Fallbeispiel Ramosch im Unterengadin zur Diskussion, was für eine Berglandschaft erwünscht ist: Eine vielfältige Kulturlandschaft? Mehr Wald? Eine intensive Neunutzung?

Provokativ formuliert die Ausstellung: « Wir werden nicht umhin kommen, die Natur vom Sockel, auf den wir sie gestellt haben, wieder in unsere gesellschaftliche Wirklichkeit zu holen, denn Natur ist nicht einfach etwas Gegebenes. » Entwicklung einer Kulturlandschaft in Vergangenheit und Zukunft Die Entwicklung der Kulturlandschaft in Ramosch kann bildlich nachvollzogen werden: auf einer simulierten « Ansichtskarte », in den letzten 8000 Jahren, seit dem Erscheinen des Menschen, in verschiedenen Stadien bis heute und mit drei Szenarios auch für die Zukunft. Man erkennt, was die Vielfalt der Kulturlandschaft ausmacht.

Wenn die Berglandwirtschaft nicht wie bisher vom Staat kräftig unter- Thema und Daten der Ausstellung Thema: « Wald, Schnee und Landschaft: Aus der Tätigkeit eines Forschungsinstitutes. Fallbeispiel Ramosch - welche Landschaft wollen wir ?» Ort: Schweizerisches Alpines Museum ( Helvetiaplatz 4, Bern ) Dauer: 6. März bis 27. Mai 1996 Öffnungszeiten: Mo 14-17 Uhr, Di bis So 10-12 und 14-17 Uhr ( ab 2. Mai Di bis So zusätzlich 12-14 Uhr ); an allen Feiertagen geöffnet - Ökosystem Wald: Zustand, Nut-zungsplanung, Belastbarkeit - Ablauf der Naturereignisse ( Lawinen, Murgänge, Hochwasser usw. ) sowie deren Risiken und Scha-denausmasse erkennen; entwickeln von umweltschonenden Schutzmassnahmen - Ozonschäden, Wirkungen des steigenden Kohledioxidgehalts auf Klima und Vegetation - Internationale Zusammenarbeit, z.B. im Bereich Gebirgsökosysteme der Alpen Das Institut WSL bemüht sich, Antworten auf die Fragen der Öffentlichkeit zu vermitteln. Dies geschieht auch durch verschiedene Informationsblätter und Berichte, z.B. die periodisch erscheinenden Argumente aus der Forschung. Auf Anfrage können ausserdem Landschaftsdatenbank und geografische Informationssysteme der WSL für die verschiedenen Regionen der Schweiz konsultiert werden.

Gem. Mtlg. SAMBild links zeigt die heutige Landschaft Ramosch. So wie im - simulierten - Bild rechts könnte künftig die Landschaft Ramosch aussehen, wenn die Landwirtschaft nicht mehr unterstüzt wird und auch keine bezahlten Landschaftspflege-trupps eingesetzt werden.

6. Bergwelt Dia-Treff

Nachdem der Dia-Treff zuerst in Interlaken und in den folgenden Jahren jeweils in Zürich stattgefunden hatte, wurde der 6. Bergwelt Dia-Treff am 13./14. Januar im malerischen Städtchen Feldkirch ( Vorarlberg/A ) durchgeführt. Der Dia-Treff bietet mit seiner internationalen Auswahl an Referenten stets wieder interessante Einblicke in die unterschiedlichsten alpinen und bergsportlichen Bereiche.

Breites Themenspektrum Prof. Dr. Christian Smekal, Alt-Prä-sident des ÖAV, begrüsste am Samstagmorgen die Teilnehmer. Anschliessend überbrachte Dr. Fritz März die Grüsse der UIAA ( die wiederum das Patronat übernommen hatte ), wobei er vor allem auf den zunehmend sich entwickelnden Konflikt zwischen Naturschutz und Naturnutz hinwies, der dazu führt, dass die Ausübung der Natursportarten im Voralpen- und Alpenraum mehr und mehr von Verboten und Sperrungen bedroht wird. Zum Inhalt des Treffens übergehend konnte Moderator Horst Höfler eine Reihe kompetenter Referenten ankünden, die mit Wort und Bild « Bergsteigen weltweit » zu vermitteln verstanden. Von der Antarktis bis Grönland, von Südamerika bis Alaska, von Borneo bis Norwegen reichten die Vortragsthemen, die durch zwei populärwissenschaftliche Beiträge ergänzt wurden: Der eine befasste sich mit dem bereits traditionellen, noch von Pietro Segantini initiierten medizinischen Thema, diesmal mit der Höhenmedizin ( Dr. Ulf Gieseler ), der andere bot unter dem Titel « Die coole Seite der Alpen » eine anschauliche Darstellung der Permafrost-Pro-blematik durch den Schweizer Gletscherforscher Dr. Daniel Vonder Mühll. Weitere Referenten waren der Berner Markus Itten ( « Antarktis » ), die Bergeller Bergführerin Renata Rossi ( « Una donna, una valle, una storia » ) und der Bündner Ruedi Hornberger ( « Gipfel in den Wolken » ). Gestalterische, bildästhetische wie projektions-technische Höhepunkte waren einmal mehr die perfekten Vorträge von Peter Rohrmoser ( « Dschungelfieber in Borneo » ) und von Bruno Baumann ( « Mustang » ).

Relativ kleines Echo Der Bergwelt Dia-Treff hat sich inzwischen ein treues Stammpublikum erworben, das sich vorwiegend aus deutschen, österreichischen und schweizerischen Besuchern zusammensetzt. In Anbetracht der Möglichkeiten eines solchen Treffens und seiner vorwiegend qualitativ hochstehenden Vorträge, müssten sich eigentlich sehr viele Bergfreunde angesprochen fühlen. Wohl kaum an einer anderen Veranstaltung im deutschsprachigen Raum hat man nämlich Gelegenheit, an einem einzigen Wochenende sowohl zahlreichen grossen aktiven Alpinisten unserer Zeit als auch Bergsteiger-Persönlich-

Berichtigung zu Buchvernissage « Operation 4000 »

Im ALPEN-Heft 2/96 ( S. 56 ) sind Bild und Legende verwechselt worden. Auf dem in der betreffenden Ausgabe veröffentlichten Bild sind rechts Divisionär Hansruedi Sollberger und links der Kommandant der Zentralen Gebirgskampfschule, Oberst i Gst Sergio Romaneschi zu sehen.

Nebenstehend wird nun die Aufnahme, mit Div Hansruedi Sollberger ( links ) und dem Autor des Buches Operation 4000, Heinz Leuzinger publiziert.

Wir bitten unsere Leser, dieses Versehen zu entschuldigen.

Die Red.

keiten begegnen zu können, die alpine Geschichte geschrieben haben. Die generell ungezwungene Atmosphäre erlaubt es jederzeit, sei es in den Pausen zwischen den Vorträgen oder beim Essen, persönliche Kontakte zu knüpfen. Die Teilnahme an diesem jeweils am zweiten Januarwochenende stattfindenden Anlass ist somit allen sehr zu empfehlen, das Bergwelt Dia-Treff hat eindeutig ein breiteres Echo verdient.

Albert Schmidt, Sissach37

Bergfilmfestival « Citta di Trento » mit Bergbuchausstellung

Dieses 44. Bergfilmfestival wird vom 28. April bis 4, Mai 1996 in Trient ( Italien ) stattfinden. Zusätzlich wird vom 26. April bis 12. Mai eine Internationale Bergbuchausstellung ( die 1O. ) durchgeführt. Vorgestellt werden hier die Neuerscheinungen der Jahre 1995/96, die sich mit dem Gebirge, seiner natürlichen Umwelt, den hier lebenden Menschen, dem Bergsport in allen seinen Formen usw. befassen. Daneben wird das Programm noch durch weitere Attraktionen rund um das Bergbuch bereichert. Ort der Ausstellung ist erstmals der Palazzo Geremia, das schönste Renaissancebau-werk in der Altstadt von Trient.

Auskünfte: Tel.0039/461-98 61 20 und-23 81 78 Gem. Mtlg. Alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen 38

Persönlichkeiten aus der Geschichte des Alpinismus: James Eccles ( 1840-1913 )

James Eccles war ein typischer Exponent der Viktorianischen Epoche: Er war ein kultivierter Aristokrat und lebte in guten Verhältnissen. Abgesehen vom Alpinismus galt sein Interesse der Wissenschaft, insbesondere der Geologie, einem Gebiet, in dem er sich als sehr kompetent erwies. Eccles führte zahlreiche Erstbesteigungen und für seine Zeit schwierige Begehungen durch; besonders intensiv erkundete er die Südflanke des Montblanc. Zudem unternahm er eine Reise in die Rocky Mountains.

James Eccles begann im Alter von zwanzig Jahren mit dem Bergsteigen und wurde 1874 Mitglied des Alpine Club. Oft reiste er mit Leslie Stephen oder seinem Schwager, dem berühmten Maler Gabriel Loppe, in die Berge. Die Alpen besuchte er alljährlich, und dies während vierzig aufeinanderfolgenden Jahren. Er besuchte die Ostalpen, das Berner Oberland, das Wallis, das Dauphiné - doch sein bevorzugtes Gebiet war in erster Linie die Südseite des Montblanc. Seine zahlreichen, manchmal sehr weit vorangetriebenen Erkundungen der Flanke zwischen Brouillard- und Peu-terey-Grat machten ihn zu einem ihrer besten Kenner. Von 1867 an war Michel Payot sein ständiger Führer. Eine tiefe, unvergängliche Freundschaft verband - wie es in jener Zeit oft üblich war - den Führer und seinen Gast. 1871 gelang James Eccles, geführt von Michel Payot und dessen Bruder Alphonse, die Erstbesteigung der Aiguille du Plan. Diese Kletterei war nicht schwierig, doch sie spricht für den Pioniergeist von James Eccles: Zu jener Zeit schien er der einzige zu sein, der sich so stark für die Aiguilles de Chamonix interessierte.

Allerdings sollte noch einige Zeit bis zur Ankunft von Mummery verstreichen; erst dann begann ein starkes Wetteifern um die Eroberung der Aiguilles de Chamonix; damit kehrte man sich endgültig von den hohen Gipfeln ab.

Eccles führte zahlreiche grosse Unternehmungen durch, wie etwa eine Zweitbesteigung des Matter- horns ( von Breuil aus ) oder die Erstbesteigung von Aiguille du Tacul und Dôme de Rochefort sowie die Winterbegehung des Wetterhorns.

Abenteuer und Missgeschicke in Amerika 1878 hielt sich Eccles in Amerika auf. Er reiste zusammen mit Doktor Haydon mehrere Monate lang durch die Rocky Mountains. Unter anderen bestieg er den Wind River Peak und den Fremont's Peak; er traversierte die Grosvente Range durch den Canyon des Hobbach River und vervollständigte seine Erkundungen mit einer Begehung des Snake River bis nach Yellowstone. Während der ganzen Reise sammelte er geologische Informationen, um seine Kenntnisse zu erweitern.

Während dieser Erkundungsreise in die Rockies lernte Eccles die unzähligen Qualitäten seines Führers Michel Payot schätzen: Der äusserst begabte Payot wusste ebenso gut mit Maultieren und Pferden wie mit der Axt umzugehen. Diese Reise sollte dem Führer aus Chamonix allerdings in sehr schlechter Erinnerung bleiben: Die Touristen reisten in zwei unabhängigen Gruppen durch eine von einem Indianerkrieg erschütterte Gegend. Als die Gruppe von Eccles Michel Payot war von 1867 an der ständige Bergführer von James Eccles.

Eine Seilschaft in der Nähe des Eccles-Couloirs auf dem Peuterey-Grat ( Anfang dieses Jahrhunderts ) schliesslich wieder auf diejenige von Payot traf, stellte sich heraus, dass letztere ihrer ganzen Ausrüstung und aller Kleider beraubt worden war! Michel Payot war sich sehr wohl bewusst, dass sein Schädel nur knapp dem Skalpieren entgangen war; diese Episode sollte er sein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen.

Brouillard und Peuterey 1877 konnte James Eccles bereits ein eindrückliches Palmarès vorzeigen; seine Bekanntheit erlangte er allerdings nicht durch die darin aufgeführten Touren. Zu jener Zeit gab es erst zwei Routen auf der Südseite des Montblanc: jene des Dôme de Miage, lang und ohne besondere Schwierigkeiten, sowie die Brenva-Route, die 1865 als eine der ganz grossen Leistungen in der Geschichte des Alpinismus eröffnet worden war. Zwischen diesen beiden Anstiegen erstreckte sich die ganze Südwand des Montblanc mit zwei noch völlig unberührten Becken: Brouillard und Frêney. Eccles nahm die gewaltige Herausforderung an.

Im Juli 1875 unternahm er mit Michel Payot und zwei Trägern eine sehr mutige Erkundungstour. Sie stiegen bis zum höchsten Punkt des Brouillard-Gletschers auf. Hier blieben sie zwei Tage, um die grosse Mauer, die über ihnen aufragte, zu studieren. Einen Augenblick lang erlagen sie beinahe der Versuchung, jene Tour anzugehen, die vierzig Jahre später als Brouillard-Grat in die Alpingeschichte eingehen sollte. Sie verzichteten aber angesichts der Steine, die auf die den Zustieg zum Grat vermittelnden Hänge niederprasselten, darauf. Nachdem sie dieses Projekt aufgegeben hatten, querten sie unter der Innominata-Flanke durch und entschieden sich, sehr beeindruckt von der Steilheit der Wand, zum Abstieg zurück ins Tal. Im folgenden Herbst entdeckte Eccles im Schaufenster eines Geschäftes in London eine aus einer sehr interessanten Perspektive aufgenommene Photographie der Montblanc-Südflanke. Er studierte das Bild mit grosser Sorgfalt und fand eine mögliche Lösung für eine Durchsteigung der Wand.

Eccles kehrte bald zum Montblanc zurück; seine Besteigungsversuche wurden jedoch durch anhaltend schlechtes Wetter vereitelt. 1877 war Eccles wieder am Montblanc anzutreffen; nach ein paar bei schrecklichem Wetter ausgeführten Besteigungen gelang es ihm, von einem benachbarten Gipfel weiter südlich mit einem Fernrohr die begehrte Route einzusehen. Zusammen mit Payot studierte er das Projekt während Stunden und stellte schliesslich einen Angriffsplan auf. Zahlreiche Hindernisse mussten überwunden werden - darunter der Brouillard- Gletscher und seine Verbindung mit dem oberen Frêney-Plateau. Doch Eccles hatte das Glück, Michel Payot als Bergführer an seiner Seite zu wissen; Payot war für seine Fähigkeiten in Schnee und Eis bekannt. Seine Begabung erwies sich auf den stark zerrissenen Gletschern als ausserordentlich - stets gelang es ihm, dem überaus sicheren Führer, den richtigen Durchgang zwischen Spalten und Séracs zu finden. Sein Führerbuch zeugt von einer grossen Karriere, die völlig unfallfrei verlief.

Am 3O. Juli 1877 steigen James Eccles, Michel und Alphonse Payot über den schwierigen Brouillard-Glet-scher auf und errichten in der Nähe des heute genannten, kleinen Übergangs ein Biwak. Sie brechen um drei Uhr morgens auf und steigen zuerst über einen heiklen Hang in Richtung des oberen Frêney-Plateaus ab. Die drei Alpinisten durchqueren die Gletscherbucht und steigen in ein steiles Couloir in der Fa Minie des Grates ein, der später zum Peuterey-Grat werden sollte. Es ist sechs Uhr morgens, das Couloir ist vereist. Die Payot-Brüder hacken während fünf Stunden Stufen! Als die Bergsteiger auf dem Grat oberhalb des Pilier d' Angle aussteigen, befinden sie sich auf einer derart schmalen Schneide, dass der Vorsteiger nicht abgelöst werden kann. Alphonse Payot, der sich hier an der Spitze befindet, muss weitere zweieinhalb Stunden Stufen schlagen. Der letzte Hang, der zum Mont Blanc de Courmayeur führte, ist etwa gleich steil wie jener der Brenva, und der Séracriegel, den die Seilschaft von A.W. Moore während ihrer Begehung des Brenva-Sporns 1865 überwinden musste, um den Col de la Brenva zu erreichen, ist hier - was für die Bergsteiger von Vorteil ist - durch Gipfelwächten versperrt.

Die Wächte muss bald den kräftigen Hieben von Michel Payots ( Alpenstock ) weichen, und die drei Männer erreichen gegen Mittag des 31. Juli den Gipfel des Mont Blanc de Courmayeur. Um siebzehn Uhr sind sie zurück in Chamonix.

Diese Besteigung, die erste Route in der Südflanke des Montblanc, ging als wichtiges Datum in die Alpingeschichte ein. Heute ist sie nur noch von historischem Interesse, da der Anstieg leider eine ziemlich komplizierte Linienführung mit Umwegen aufweist. Die Originalroute wurde nur noch einmal begangen, und zwar von S. L. Courtauld, G.I. Finch und G. Oliver mit Adolf und Alfred Aufdenblatten am 7. und 8. August 1921.

Die erste Durchsteigung der Südflanke des Montblanc beweist einerseits die Meisterschaft von James Eccles, gereicht aber gleichzeitig auch den Führern Michel und Alphonse Payot, die hier ihren Mut und ihre Geschicklichkeit bewiesen, zu grosser Ehre. In der Folge lud Eccles seinen Führer wiederholt nach Schottland ein, wo man gemeinsam zur Auer-hahn-Jagd aufbrach. Das Gebiet der Naturgeschichte faszinierte Michel Payot gleichermassen wie James Eccles.

Dominique Roulin, La Croix-de-Rozon GE ( üc a 39 Die majestätische Mont-blanc-Südflanke: In der Bildmitte sieht man den Brouillard-Gletscher; im Hintergrund rechts hebt sich der Peuterey-Grat vom Himmel ab. James Eccles und die Gebrüder Payot nützten während ihrer Erstdurchsteigung 1877 die schwachen Stellen dieser Wand optimal aus.

I Leben und Freizeit im Berggebiet l Vita e tempo libero in montagna l Vie et loisirs en montagne Jürg Alean, EglisauZu guter Letzt werden wir doch noch verregnet: 40 Beim kurzen Gang von der Seilbahn bis zur Endstation « Wasserauen » der Appenzellerbahn schüttet es wie aus Kübeln. Mit einem sintflutartigen Platzregen führt uns Petrus somit ganz zum Schluss vor Augen, was er uns während fünf prächtiger Sommertage erspart hat - uns, das sind neunzehn Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Zürcher Unterland, mein Lehrerkollege Walter sowie meine Wenigkeit. Während wir im gemütlichen Bahn-waggon heimwärts schaukeln, ergibt sich Gelegenheit zur Rückschau.

Walter und ich sind uns einig: Als Biologie- und Geographielehrer unterrichten wir eigentlich oft am « falschen » Ort: Geologie und Morphologie, Ökologie und tierische sowie pflanzliche Artenvielfalt finden ja nicht im Klassenzimmer statt, sondern in der freien Natur. Dass wir das Alpsteingebiet für eine Woche zur Schulstube machen konnten, dabei unsere gemeinsame Klasse ein wenig mit unserer Begeisterung anzustecken vermochten und auch selber voneinander lernen konnten, all das machte diese Arbeitswoche zu einer ausgesprochen gelungenen Unternehmung.

Sie begann an einem Sonntagnachmittag im Juli. Zuvor hatten wir unsere Schülerinnen und Schüler in die Geologie der Alpen ( Geographieunterricht ) und in die Ökologie, die Vielfalt alpiner Blütenpflanzen und in die Grundzüge der tierischen Ver-haltenskunde ( Biologie ) eingeführt. Die Kenntnisse sollten anschliessend in der freien Natur gefestigt und erweitert werden. Das persönliche Erleben, das praktische Begreifen und, wenn irgend möglich, auch die Freude an der bewussten Auseinandersetzung mit Naturphänomenen sollten im Vordergrund stehen.

In einer Art zwanglosem Tagebuch möchte ich den Wochenablauf skizzieren, und zwar in der Hoffnung, die folgenden Zeilen mögen der einen oder anderen Lehrerkollegin, diesem oder jenem Naturfreund und Gruppenleiter als Anregung dienen, sich die geologische und biologische Vielfalt des kleinen Säntisgebirges in ähnlicher Art zunutze zu machen.

Seealp-Säntis-Altmann-Hoher Kasten mit eingezeichneter Exkursionsroute. Kartenausschnitt LK 1:50000 Säntis. Reproduziert mit Bewilligung des Bundesamtes für Landestopographie vom 19.9.1995.

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Mit einer Gymnasialklasse im Alpstein

Das Säntisgebiet als « Klassenzimmer »

Sonntag - im Zeichen der Sterne

Um 18.40 Uhr verabschiedet uns der Kabinenwart der Seilbahn auf dem Gipfel des Hohen Kasten. Im Restaurant ist man auf den Ansturm der hungrigen Gruppe Jugendlicher vorbereitet und empfängt uns zum währschaften Nachtessen. Das herrliche Wetter lässt eine sternklare Nacht erwarten. Als begeisterter Amateurastronom lasse ich es mir nicht nehmen, meine Begleiterinnen und Begleiter auf einen ordentlichen « Weltraumspaziergang » vorzubereiten, auch wenn die Himmelskunde in den folgenden Tagen eher eine Nebenbeschäftigung sein wird. Nach dem prachtvollen Sonnenuntergang bleibt gerade noch Zeit für eine Kurzinstruktion im Gebrauch der mitgebrachten Hilfsmittel. Das zti dieser Zeit menschenleere Restaurant wird kurz zum geräumigen Theoriesaal. Wir lernen, die zuvor 743 240

selbst gebastelte, drehbare Sternkarte so einzustellen, dass sie genau den Himmelsausschnitt zeigt, der sich uns heute nach Dämmerungsende darbieten wird.

In warme Jacken verpackt suchen wir dann auf der Gipfelterrasse ohne Störung durch Strassenlampen und anderes Fremdlicht und hoch über der mittelländischen Dunstschicht nach Sternbildern und Planeten. Einigen von uns sind Herkules und Schwan, Schütze und Steinbock, Venus und Jupiter zwar aus der Literatur, kaum aber aus der eigenen Anschauung bekannt.

Als besondere Aufgabe müssen die Schülergruppen zwei unscheinbare Sterne in den Konstellationen Leier und Cepheus suchen. Die jeweiligen Hel-ligkeiten sind anhand von Vergleichssternen möglichst genau abzuschätzen. An den folgenden Abenden sollen die Beobachtungen wiederholt werden. Beide Sterne sind sogenannte « veränderliche » ( für Kenner: Beta Lyrae und Delta Cephei ), deren Leuchtkraft innerhalb weniger Tage merklich schwankt. Ob man dies in den folgenden Nächten wird bemerken können?

Dann findet der angekündigte Weltraumspaziergang statt: Von einem Objekt zum anderen « führe » ich die mit Feldstechern ausgerüstete Gruppe von den Jupitermonden ( unsere kosmische Nachbarschaft ) über einige Doppelsterne und Sternhaufen ( bereits ein paar Lichtjahre weit entfernt ) bis hin zu Galaxien im tiefen Weltraum, deren Licht einige Millionen Jahre bis zu uns unterwegs gewesen ist.

Damit ist die Brücke zur Geologie geschlagen: Jahrmillionen blicken wir zurück in die Geschichte des Universums, und Jahrmillionen alt sind die Gesteine, über die wir in den nächsten Tagen marschieren und klettern werden.

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Montag - geologische und biologische Wanderung mit Überraschungen

Von Nachtruhe konnte im Massenlager eher nicht die Rede sein. Es wird Zeit, dass wir die Jungmannschaft auch körperlich ermüden! Ein strahlend klarer Tag schafft gute Voraussetzungen dazu. Morgen-

240 233 Leben und Freizeit im Berggebiet

essen mit Ausblick über Sankt Galler RheintaL Vorarlberg, Bodensee und Süddeutschland. Anschliessend geographische Rundschau vom Gipfel: Den Horizont entlang, sozusagen zwischen Himmel und Erde, über Mutschen und Altmann, Lisengrat und Säntis wird unsere Expedition führen ( vgl. nebenstehende Abb. 1 ), und manch einer und manch eine machen sich wohl Gedanken darüber, wie das mit dem nicht ganz leichten Rucksack zu bewerkstelligen sein wird.

Auf dem Hohen Kasten beginnt der geologische Wanderweg, der über die Stauberen zur Saxerlücke führt. Der dazu passende Führer Geologischer Wanderweg Hoher Kasten-Saxerlücke von Hans Heierli und die vorbildlich gestalteten Schaubilder, auf Tafeln an markanten Orten angebracht, dienen interessierten Wanderern zur geologischen Weiterbildung. Wir berücksichtigen einige dieser Stationen, wenn auch nicht alle, denn wir wollen uns vermehrt auch auf selbständige Beobachtungen konzentrieren und die Rätsel der Gesteine mit eigenen, wenn auch bescheidenen Mitteln zu entschlüsseln versuchen. Anlässlich eines ersten längeren Marschhaltes zeichnen wir die prachtvolle Aufwölbung der Kalk-und Mergelschichten an der Stauberen ( vgl. Abb. 2, S.44 ). Beim Skizzieren der Formationen finden wir die nötige Ruhe, um den Verlauf der kreidezeitlichen Sedimentgesteine zu verfolgen. Bald wird offenkundig, dass die unterschiedlichen Festigkeiten des Gesteins das Landschaftsbild ganz entscheidend prägen: Der widerstandsfähigere Schrattenkalk bildet die zum Klettern einladenden, hellen Steilwände, während die weniger charakterfesten, mergeligen Drusbergschichten der Erosion geringeren Widerstand entgegensetzen, schneller zerfallen und vielerorts Gleithorizonte bilden, über die nacheiszeitliche Bergstürze ins Rheintal niedergefahren sind.

Auch Walter, unser Biologe, kommt nicht zu kurz: Er freut sich an der Beobachtung, dass sich der Wechsel der Geologie auch in der Vielfalt des Pflanzenkleides niederschlägt: Zwischen Hohem Kasten und Stauberen verlief unsere Route weitgehend über die Drusbergschichten mit viel eingelagertem Mergel. Dieser ist sowohl wasserundurchlässiger als auch in seiner Mineralzusammenset-zung vielfältiger als Kalk. Die Folge: eine artenreichere Flora und dichterer Erlenbestand als im Wegabschnitt südwestlich der Stauberen, der zunächst über längere Strecken auf monotonem Schrattenkalk verläuft. Hier wird es, was die Blumen anbelangt, eher eintönig. Dafür kommen mehr Legföhren auf, genauso wie es nach Lehrbuch auch sein sollte.

Pflanzenbestimmen und floristische Artenkenntnis sind nicht jedermanns Sache. Walter lässt deshalb seiner didaktischen Phantasie auch ausserhalb

des Schulzimmers erfrischend freien Lauf: In Kleingruppen werden wir an einigen Haltepunkten beauftragt, je fünf Blumen ( darunter auch eine Reihe von Orchideen ) oder fünf Holzpflanzen ( hier in der Kampfzone nahe der Baumgrenze auch in verkrüppelten Formen ) mit Hilfe der mitgebrachten Taschenbücher zu bestimmen. Jede Gruppe spezialisiert sich also auf ein überschaubares Thema ( vgl. Abb. 3, S.44 ). Walter überprüft dann kurz, ob es alle richtig gemacht haben. Dann werden wir neu zusammengewürfelt, so dass in jeder neuen Gruppe lauter Spezialisten für verschiedene Pflanzenarten zusammenkommen, die sich nun reihum gegenseitig unterrichten. In der Fachliteratur nennt sich dies « Gruppenunterricht nach der Puzzle-Methode ». Der Sinn des Ganzen: Durch die Notwendigkeit, eigenes Wissen weitergeben zu müssen, lernt jede Schülerin und jeder Schüler mit grösserer Verbindlichkeit, die Aufmerksamkeit ist

besser, die Beschäftigung mit dem Thema intensiver als beim tausendmal erduldeten passiven Zuhören während des Lehrervortrages.

Auf dem Programm des heutigen Tages steht auch eine sogenannte « Überraschung ». Während des Marsches werden etliche Theorien über deren Natur entwickelt. Kurz vor dem Passieren des Hochhus führe ich die Gruppe abseits touristischer Trampelpfade in den steilen Hang oberhalb der Alp Alpeel. Rund hundert Meter unterhalb des Passes, genau beim oberen Ende einer markanten Felsrippe, wird das Geheimnis in Form einer Höhle gelüftet ( Koordinaten: 751.540/253.420 ). Die Alpeelhöhle wurde - Knochenfunde belegen es -zumindest periodisch von Höhlenbären, wahrscheinlich auch von steinzeitlichen Jägern aufgesucht. Der leicht ansteigende Gang führt rund 70 Meter tief ins Berginnere und birgt einige, wenn auch wenig spektakuläre, Tropfsteine. Weil bei nassem Wetter auch Schafe die Höhle frequentieren, Abb.1 Blick vom Hohen Kasten auf den Alpstein. Unsere fünftägige Wanderung führt über den Grat links ( geologischer Wanderweg Hoher Kasten-Saxerlücke ) zur Bollenwees am Fälensee ( nicht sichtbar, hinter dem gut erkennbaren Sämtisersee ). Am zweiten und dritten Tag überschreiten wir den Grat in der hinteren Bildmitte bis zum Säntis ( zwei grosse Schneefelder ). Nach einem Arbeitstag auf dem Säntisgipfel erfolgt der Abstieg zur Ebenalp ( Grat ganz rechts ).

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4 wird das kleine speleologische Intermezzo durch markante Düfte bereichert.

Die Frage nach der Entstehung der Höhle führt uns zur Thematik des Karstes. Weitere, besonders eindrückliche Beispiele für unterirdische Entwässerung sind der Sämtisersee ( ich habe eine Vergleichsaufnahme dabei, die den wechselnden Wasserstand belegt ) sowie der Fälensee, der ebenfalls keine oberirdische Entwässerung besitzt.

Bevor wir dort ankommen, ereignet sich allerdings noch ein kleiner Zwischenfall: Bei einem weiteren botanischen Zwischenhalt oberhalb der Saxerlücke enteilt ein schlecht plazierter Rucksack und kugelt in Windeseile viele hundert Meter die steilen Saxer Heuberge hinunter. Eine Bergung scheint zunächst aussichtslos, doch finde ich den abtrünnigen Ausrüstungsgegenstand schliesslich mit dem Feldstecher. Für den leidgeprüften Lehrer Leben und Freizeit im Berggebiet 4 folgt deshalb ein Umweg via Saxerlücke und Ness-lenhütte und die heikle Begehung stutziger Grashalden. Walter bleibt auf dem Grat und weist mich durch Handzeichen von oben her zum Ablage-rungsort ein, während der Grossteil der Gruppe bereits dem warmen Nachtessen und der ersehnten Dusche im Berggasthaus Bollenwees zustrebt.

Wir beschliessen den Tag mit ein paar freundlichen Hinweisen zur Handhabung von Rucksäcken in steilem Gelände sowie einigen astronomischen Beobachtungen.

Dienstag - Murmeltiere und Gipfelfreuden

Den beschwerlichen Wiederaufstieg zur Saxerlücke schieben wir vorderhand noch etwas hinaus. Dafür stürzen sich zunächst mutige junge Männer zum frühmorgendlichen Bad in den eisig kalten Fälensee ( vgl. Abb. 6, S.47 ).

Später zeigt uns Walter, dass Heidelbeeren ( an sich dem basischen Kalk abhold, weil mehr dem saureren Gestein zugetan ) auch im Stiefelwald hinter dem Gasthaus Bollenwees gedeihen. Sie bringen dieses biologische Kunststück dadurch fertig, dass sie den durch Kiefernadeln gesäuerten Boden besetzen. Nach reichlichem Frühstück setzt sich die Abb. 3 Pflanzenbestimmen kurz vor dem Erreichen der Saxer Lücke. Da wir uns hier auf mergeligem Untergrund befinden ( Drusbergschichten ), ist die Artenvielfalt grosser als auf dem Wegabschnitt südwestlich der Stauberen ( Schrattenkalk ).

Kolonne schliesslich bergwärts in Bewegung. Aul der Saxerlücke stellen wir uns vor, welche Urgewalten hier am Werk gewesen sein müssen, sind doch an dieser Stelle am sogenannten Sax-Schwendi-Bruch die nordöstlichen Faltenzüge des Alpsteins um einige hundert Meter gegenüber den südwestlicheren verschoben worden. Die Querver-setzung von Bergketten ist offensichtlich und führte unter anderem zur Bildung des Fälensees.

Auf Roslenalp wird es Zeit fürs Mittagessen. Auch die Murmeltiere haben anscheinend Hunger. Auf der gegenüberliegenden Talseite fressen sie sich vor der wuchtigen Kulisse der Kreuzberge den Speck für den Winter an.

Im vorausgehenden Biologieunterricht haben einige Schülergruppen Kurzvorträge zu wichtigen Tieren des Alpsteingebietes vorbereitet. Die Gruppe « Murmeltiere » kann nun direkt vor dem quicklebendigen Anschauungs-«Objekt » referieren - und was das beste daran ist: Die Tiere kooperieren, indem sie genau diejenigen Verhaltensmuster an den Tag legen, die von den Vortragenden beschrieben werden.

Gepäckdepot auf dem Mutschensattel. Freiwillige besteigen als kleine Extratour den Mutschen-gipfel. Das ist zunächst lediglich etwa die Hälfte der Klasse. Allerdings drängt die Gruppendynamik schliesslich doch alle auf den Gipfel, von dem wir nun einen herrlichen Tiefblick auf Kreuzberge ( vgl. Abb. 7, S.47 ) und Rheintal geniessen. Das Wetter Abb. 2 Die prachtvolle Aufwölbung der Schrattenkalkschichten ist bei der Stauberen besonders gut erkennbar. Der rechte Faltenschenkel ist genau hinter den drei Dohlen auf der Schautafel, der Faltenschenkel links taucht am linken Bildrand gegen das St.. " " .Galler Rheintal ab.

scheint derart stabil, dass man sich über einen allfälligen Umschwung keinerlei Gedanken macht.

Die anschliessende Wanderung über den breiten Rücken des Chreialpfirst in Richtung Altmann ist landschaftlicher Hochgenuss: Die bequeme Wegspur führt durch ein wahres Blumenmeer. Zu diesem Zeitpunkt gibt es alles zu sehen: die letzten Soldanellen, die am Rand alter Schneefelder ihre Köpfchen durch den Schnee drücken, vereinzelt noch Kochsche Enziane, daneben aber auch bereits hochsommerliche Männertreu und die vielfältigen Steinbrech. Vorbei geht es auch an mehreren prachtvollen Dolinen. Die auffälligen, kraterähnlichen Vertiefungen in der sanften Hochebene fordern unsere Erklärungsversuche heraus ( verstürzte Höhlen, Lösungswirkung des Regenwassers und Schmelzwassers von Schneeresten ).

Auf Hochebenen ist die Erosion naheliegenderweise langsamer als in steilen Flanken. Deshalb ist hier Kalk aufgeschlossen, der schon verhältnismässig lange der Verwitterung ausgesetzt gewesen ist. Die Folge: In der Umgebung der Dolinen finden wir Kalkplatten, deren Muscheltrümmer besonders schön durch die Korrosion von Wasser herauspräpariert worden sind.

Ankunft bei der Zwinglipasshütte SAC. Freundlich empfängt uns spätnachmittags Frau Kessibucher, die eigens wegen uns zusammen mit einem Gehilfen aus Wildhaus aufgestiegen ist. Auf der gemütlichen Terrasse können wir Gesehenes und Erfahrenes aufarbeiten und besprechen. Es bleibt aber auch reichlich Zeit für einen ordentlichen Jass, bis uns die Abendkühle schliesslich in die warme Stube zurücktreibt.

Mittwoch - Gesteine und Steinböcke

Für einmal ist der Himmel frühmorgens etwas verhangen. Da der Höhenmesser über Nacht etwas « gestiegen » ist, entspricht dies einem leichten « Fallen » des Barometers. Gewisse Bedenken haben einige Schülerinnen und Schüler allerdings weniger wegen des Wetters als angesichts des bevorstehenden Aufstiegs zum Altmannsattel. Immerhin sind für manche von ihnen ausgedehnte Gebirgsmärsche samt Vollpackung nicht gerade an der Tagesordnung.

Zwischen Zwinglipass und Altmannsattel überquert der Berggänger zunächst eine Antiklinale ( Faltenaufwölbung ), dann eine Synklinale ( Falten-trog ). Auf kurzer Distanz folgen deshalb mehrmals die gleichen Gesteinsserien, allerdings jedesmal in umgekehrter Reihenfolge. Besonders fallen dabei die rostig verwitternden Sandsteine der mittleren Kreide auf, der sogenannte « Gault ».

Geologische Wanderungen durch das Säntisgebiet lassen spektakuläre Wechsel von Sediment- zu Kristallingesteinen vermissen. Dafür sind die vorlie-

Abb. 4 Zwar nahe am Weg, aber im abschüssigen Hang gegen das St. Galler Rheintal gedeihen prächtige Feuerlilien ( im Hintergrund Kreuzberge ).

Leben und Freizeit im Berggebiet c a Abb. 5 Zweistündig belichtete Langzeitaufnahme von Bollenwees in Richtung Altmann. Die scheinbare Bewegung der Sterne ( Erdrotation !) bewirkt auf dem Film Strichspuren. Man erkennt.

« enden Kalk-, Mergel- und Sandsteinschichten markant genug, so dass wir die wichtigsten von ihnen, z.B. den hellen Schrattenkalk, die grauen Drusbergschichten und natürlich den rostigen Gault, leicht wiedererkennen. Für Anfänger ist die durch Faltungen und Überschiebungen geprägte Tektonik ohnehin schon ziemlich kompliziert.

Gleich zu Beginn des Anstieges gegen den Altmannsattel, und nur wenige hundert Meter von der Zwinglipasshütte entfernt, hat die Natur ein geologisches Bilderbuch in Form von Schratten-kalkbänken für uns aufgeschlagen: Millionen von Austernschalen und Turmschnecken sind zu sehen ( vgl. Abb. 8, 9 und 10, S.48; Koordinaten 746.600/ 233.400 ), manche von ihnen dekorativ gefüllt mit Kalzitkristallisationen.

Wir kraxeln über wahre Molluskenfriedhöfe. Spektakulär sind aber auch die tiefen Karren, Rinnen, die das Regen- und Schmelzwasser in den löslichen Kalk hineingefressen hat. Solches lädt zu spontanen Kletterpartien ein: Schülerinnen und dass Sterne durchaus verschiedene Farben haben, und zwar in Tönen von bläulich über weiss nach gelb. Die punktierten Linien stammen von blinkenden Positionslichtern der Flugzeuge.

Schüler « begreifen » das Gestein. Die Geologie-stunde im Klassenzimmer mit einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissenen Handstücken könnte für diesen handfesten Kontakt mit der Natur nur einen höchst mangelhaften Ersatz bieten. Ein grösseres Schneefeld ist zu überwinden. Mit der Aussicht, bald Steinböcken zu begegnen, locken wir ein paar müde Gewordene bergwärts. Und tatsächlich, sobald wir den Altmannsattel erreichen, kommt von der Gegenseite her ein Rudel der prächtigen Tiere am Ort unserer Mittagsrast an. Sofort regt sich bei einigen Schülern der fotografische Jagdinstinkt, und ich muss dafür sorgen, dass man sich im ausgesetzten Gelände nicht in Gefahr begibt. Derweil bleibt es nicht bei den Steinböcken: Schneehühner machen sich durch ihr lautstarkes Treiben bemerkbar, doch erschwert es ihre vorzügliche Tarnung zunächst, sie auch zu sehen. Dem astronomisch geschulten Auge verraten sie sich aber schliesslich doch durch ihre roten Augenpartien.

Den Altmanngipfel - ein paar Berggewohnte unter uns hätten ihn auf dem Vorbeiweg gerne « mitgenommen » - lassen wir angesichts der Wet-tereintrübung rechts liegen. Tiefblick zum Rotstem- Abb.e Morgenstimmung am Fälensee. Er hat keinen oberirdischen Abfluss. Da der Zufluss von Regen- und Schmelzwasser ungleich-massiger erfolgt als die unterirdische Entwässerung, schwankt der Seespiegel im Verlauf der Jahreszeiten um mehrere Meter.

pass: Und da sollen wir hinunter? Tatsächlich sieht es von oben bedenklich aus. Lässt man sich aber Zeit, bieten die gut verankerten Stahlseile und Tritthilfen einer diszipliniert gehenden Gruppe genügend Sicherheit für den Abstieg.

Nach einer Pause am Rotsteinpass folgt der eigentlich noch ausgesetztere Teil des heutigen Marschtages, nämlich der Aufstieg über den Lisengrat zum Säntisgipfel. Bevor es allzu heikel wird, zeigt uns Walter noch die prächtigsten Exemplare von Schweizer Mannsschild. Er kennt die genaue Position der schönsten Polster von so mancher früheren Biologie-Alpenexkursion. Bald folgen die schwierigeren Stellen des Höhenweges - für die einen eine ebenso genussvolle wie abwechslungsreiche Kletterei auf Graten und durch enge Scharten, für die anderen eine ungewohnte Mutprobe über tiefem Abgrund ( vgl. Abb. 12, S.49 ). Ein paar vorsichtigere Naturen beruhigt es, wenn sie unmittelbar hinter mir hergehen können, und wenn ich sie auf den einen oder anderen Tritt aufmerksam

Abb. 7 Aufstieg von der Roslenalp zum Mutschensattel. Die markanten Kreuzberge sind herauserodierte Schenkel einer steilen Antiklinale, deren südöstlicher Schenkel durch die rheintalseitige Erosion bereits vollständig abgetragen wurde.

mache, derweil Walter ebenso aufmerksam und mit Sorgfalt die Aufgabe des « Schlusslichtes » übernimmt.

Besonders freut es den Leithammel, als er vernimmt, wie ein Schüler seinem etwas schwächeren Kameraden eine Last abnimmt, ohne darum gebeten worden zu sein. Überhaupt ist die Stimmung ausgezeichnet, die gegenseitigen Hilfestellungen beweisen das ebenso wie gutgemeinte Aufmunterungen während des schweisstreibenden Aufstiegs. « Ich hätte nie gedacht, dass ich hier hinaufkomme », meint eine Schülerin zuoberst. Auch das Erleben der eigenen Leistungsfähigkeit ist selbstverständlich ein wichtiger Teil unseres « Alpsteintrek-kings ».

Ankunft auf dem Säntis eben zum rechten Zeitpunkt: In den Kalbersäntis, den wir vor einer halben Stunde überschritten haben, schlagen die ersten Blitze ein! Noch ist das Übernachten auch im Gipfelhotel möglich ( nach dessen Umbau werden

Leben und Freizeit im Berggebiet

das Massenlager und wahrscheinlich auch die Gästezimmer aufgehoben; übernachten wird man allerdings auch weiterhin können, nämlich - ausser im Winter - im Berggasthaus hinter dem Säntisgipfel, dem sogenannten « Alten Säntis » ). Der Gruppe steht also ein gutes Massenlager samt Dusche zur Verfügung ( Wasser sparen - es kommt mit der Seilbahn hoch !).

Vor dem Schlafengehen wagen sich einige Unentwegte trotz Wolkenfetzen und steifem Wind ins Freie und wiederholen die Helligkeitsschätzun-gen an unseren beiden veränderlichen Sternen. Tatsächlich hat sich etwas getan, und anderntags werweissen wir über die Ursache dieser Helligkeits-schwankungen. Mehrere Hypothesen werden vorgebracht, darunter auch solche, die der Wahrheit

Abb.8 Am Zwinglipass bitte ich Walter, in einem Karrenfeld in ein Loch hinunterzusteigen, um als Grössenmass-stab zu dienen.

Abb. 10 Schrattenkalk am Zwinglipass: In den bis zu zehn Zentimeter grossen Turmschnecken und Austernschalen ( wie hier im Bild ) blieben bei der Sedimentation manchmal Hohlräume frei. Im Verlaufe der Gebirgsbildung flössen mineralhaltige Wasser durch diese hindurch. Daraus kristallisierte weisser Kalzit, der in diesem Fall die Miniatur-Kri-stalldruse beinahe wieder aufgefüllt hat.

Abb. 9 Karrenfelder am Südostfuss des Altmann laden zu kleinen Kletterpartien ein. Überdeutlich wird hier die korrodierende Wirkung von Regenwasser, das den Schrattenkalk im Lauf der Jahrhunderte aufzulösen vermag.

recht nahe kommen ( Beta Lyrae: zwei Sterne umkreisen sich, und der eine verdeckt für jeweils kurze Zeit den anderen; Delta Cephei: dieser Rie-senstern ist instabil und pulsiert - im Verlauf der Kontraktionsphase ist er heller als während der Expansionsphase ).

Donnerstag - ein Tag auf dem Gipfel

Das habe ich mir schon immer gewünscht: einen ganzen Tag lang auf dem Säntisgipfel zu verbringen. Ob die Jungen das langweilig finden werden? Da an allen anderen Tagen ordentliche Marsch-

und Tragleistungen zu erbringen sind, erachten wir einen « Erholungstag » auf dem Säntis für gerechtfertigt, zumal wir auch ortsgebunden ein reichhaltiges Programm anbieten können.

Das aufklarende Wetter findet uns bald auf dem Gipfel. Doch statt sich mit der Aussicht auf fernere Bergkulissen zu begnügen, erspäht Walter sogleich ein grosses Rudel Steinböcke, das unterhalb des Gletscherchens « Gross Schnee » mit einem Sonnenbad beschäftigt ist. Also: Bergschuhe anziehen und hinuntersteigen! Das Schauspiel der prachtvollen Böcke, der Geissen und das Treiben der Jungtiere fasziniert unsere Schar, und der Biologielehrer freut sich insgeheim, wie lange die Ausdauer beim Beobachten der wenig scheuen Tiere anhält.

Zurück zum Rendezvous auf dem Gipfel, wo wir nun in die Unterwelt des Säntis eintauchen wollen. Pünktlich um 14.00 Uhr werden wir an einer unscheinbaren Tür im Treppenhaus von Herrn Lehnher in Empfang genommen. Er wird uns in den nächsten eineinhalb Stunden das Innere der PTT-Fernmeldestation und insbesondere die Wetterstation vorführen.

Wie andere Angestellte versieht Herr Lehnher den Dienst als Wetterwart « nur » im Nebenamt, doch interessiert uns dieser Aspekt im Anschluss an den Unterrichtsabschnitt « Klima und Wetter » natürlich besonders. Herr Lehnher weiss uns nicht nur über seine Messinstrumente, Wolkenbeobach-tungen und anderen Pflichten hervorragend Auskunft zu geben, er findet auch mit allerlei kuriosen Geschichten über die Launen des Wetters oder das Verhalten der Touristen grossen Anklang.

Sein grösster Erfolg ist aber zweifellos das Blitz-zählgerät, das beim eben jetzt anrückenden Gewitter Anzahl und Entfernung der Blitze registriert. Die Information wird gleich vor Ort verwertet: Ein Techniker kommt, um sich zu erkundigen, ob die Notstromdiesel anzuwerfen seien. Dass die Fern-sehübertragungen während der angelaufenen Fuss-ball-Weltmeisterschaft auf keinen Fall auch nur für wenige Sekunden ausfallen dürfen, leuchtet den Schülerinnen und Schülern selbstverständlich ein.

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Freitag - Abstieg und Diamantenfieber

Heute ist eine frühe Tagwache notwendig, die Zeiten sind knapp bemessen. Vor dem Frühstück wird gepackt. Wir mogeln ein wenig: Mit Ausnahme der unbedingt notwendigen Ausrüstung verfrachten meine Eltern den Grossteil des Gepäckes mittels Säntisbahn, Auto und Anhänger nach Wasserauen. So können wir für einmal unbeschwert vom anhänglichen Rucksack den Marsch Richtung Ebenalp in Angriff nehmen.

Abb. 12 Traverse über den Lisengrat vom Rotsteinpass zum Säntis. Dieser Abschnitt war der heikelste unserer Bergwanderung und erforderte diszipliniert langsames Gehen.

Abb. 11 Die Steinböcke des Alpsteins sind an den Anblick neugieriger Wanderer gewöhnt. Allenfalls wehren sich stämmige Böcke sogar gegen aufdringliche Annäherungsversuche.

Leben und Freizeit im Berggebiet Abb. 13 Mineraliensuche beim Oehr-lisattel. In den geologisch ältesten Formationen des

Wiederum etwas delikat, aber dennoch unproblematisch gestaltet sich der durch ein Stahlseil gesicherte Übergang vom Fels auf den zweiten, kleinen Säntisgletscher, den « Blau Schnee ». Günstige Temperaturen haben ihn gut gangbar gemacht, so dass wir zügig vorankommen. Mit uns sind auch wiederum Steinböcke unterwegs.

Die Wetterlage hat nun definitiv umgestellt. Am Oehrlisattel regnet es kurz, wird aber bald wieder schöner, so dass wir uns unbehelligt von Niederschlägen dem letzten geologischen Höhepunkt unserer Unternehmung widmen können, den Oehrlidiamanten. Dass die auf dem Programm angesagte Diamantensuche tatsächlich stattfinden sollte, wollten zuvor nicht alle glauben. Zwar handelt es sich bei diesen mineralogischen Raritäten « nur » um kleine Bergkristalle, die sich aber durch eine besondere kurzprismatische Form und wasserklare Transparenz auszeichnen.

Nachdem die ersten Funde getätigt werden, stellt sich sofort das Sammelfieber ein. Oehrlidiamanten braucht man nicht mit Hammer und Meissel abzubauen ( man sollte dies auch nicht tun, da dies der Kanton Appenzell anscheinend untersagt ). Sie liegen nämlich auch im tonig-dunkelgrauen Mergel-sand lose im Bachbett ( Koordinaten 745.500/ 236.600; vgl. obenstehende Abb. 13 ).

Alpsteins kommen hier wasserklare Quarzkristalle, die sogenannten « Oehrlidiamanten », vor.

Die aufmerksamsten « Prospektorinnen » und « Strahler » werden bald mit Exemplaren bis Zenti-metergrösse belohnt. Zwei Schülern macht dies so viel Eindruck, dass sie mit ihren Eltern später während der Sommerferien an den Fundort zurückkehren und auch auf weitere und besonders schöne Exemplare stossen.

Weil mein Rucksack heute zu leicht ist, packe ich noch eine von Walter gefundene Platte mit prächtigen Austern ein, die ich als Souvenir an unsere Arbeitswoche an der Kantonsschule zur Schau stellen will. Bei der Gegensteigung zum Schäfler bereue ich das zwar, doch zum Auspacken und Liegenlassen habe ich sie bereits zu weit getragen.

Fast bedauern wir, dass wir zum Schluss unsere Schar auf dem angenehmen Bergweg zwischen prachtvollen Alpenrosenbüschen etwas drängen müssen. Die Eile lohnt sich aber. Wir erreichen die Ebenalp-Seilbahn gleichzeitig mit dem nun definitiv einsetzenden Regen.

Rückblick

Unsere Schülerinnen und Schüler haben wir für ihren guten Einsatz und ihre Kameradschaft schon auf dem Säntis ausgiebig mit Lob bedacht, und auch für uns war es eine wirklich gelungene Arbeitswoche.

Den meisten kam es vor, als hätten wir Ferien im Gebirge verbracht. Doch genauer betrachtet,

Abb. 14 Dieser rund acht Millimeter grosse ist noch auf dem Muttergestein, dem Oehrlimergel, aufgewachsen. Typisch ist die kurzprismatische, gedrungene Form, die solche Kristalle von den eher langprismatischen zentralalpinen Quarzen unterscheidet.

haben wir nicht nur manches erlebt, sondern auch viel miteinander und voneinander gelernt und uns dabei besser kennengelernt. Mit Sternen und Steinen, Fossilien und Mineralien, Tieren und Pflanzen kamen wir in einen weitaus unmittelbareren Kontakt, als er im Schulalltag zu realisieren ist. Gezielte Vorbereitung und die konkrete Aufgabenstellung an Schülergruppen ermöglichten es uns, auch « im Feld » zielgerichtet zu arbeiten. Die tägliche Dislokation ( mit Ausnahme des Säntis-Gipfeltages ) verlieh der Unternehmung einen abwechslungsreichen, sti-mulierenden Charakter. Dennoch blieben die Marschleistungen und das Gewicht der Rucksäcke noch tragbar.

Andererseits hätte unser Programm bei anhaltendem Regen wenig Ausweichmöglichkeiten geboten. Wären wir aber aus Angst vor dem Regenwetter zu Hause geblieben, hätten wir nicht fünf sonnige Sommertage im Alpstein erleben können. Das Risiko hat sich somit gelohnt.

Nützliche Adressen Berggasthaus Hoher Kasten ( Massenlager; Zimmer ), Tel. 071/88 13 22 Berggasthaus Bollenwees ( Massenlager; Zimmer; Duschen ), Farn. Manser, Tel. 071/88 11 70; wenn keine Antwort Tel. 071 / 88 16 20 Abb. 15 Dieser etwa fünf Millimeter messende « Oehrlidiamant » wurde lose im Verwitterungsschutt liegend gefunden.

e < Zwinglipasshütte SAC, Farn. Kessibucher, Tel. nur in Wildhaus: 074/ 72802 Berggasthaus Säntis ( « Alter Säntis » ), Tel. 071/88 11 60 ( im Winter geschlossen ) Tel. 071/88 14 11 ( privat ) Gasthaus Säntisgipfel ( Seilbahnstation ), Tel. 071/58 16 46 Telecom PTT, Schochgasse 6, Postfach, 9001 St. Gallen, Tel. 071/ 212121 ( Reservation Besichtigungen der Sendeanlagen und Wetterstation )

Literatur

Heierli, Hans:

Der geologische Wanderweg Hoher Kasten-Stauberen- Saxerlücke mit einer Einführung in die geologischen Grundlagen. Fehr'sche Buchhandlung, St. Gallen 1972 Geologischer Führer der Schweiz, Exkursionen 30e und 30g. Verlag Wepf, Basel 1967 Labhart, Toni P.:

Geologie der Schweiz. Ott Verlag, Thun 1992 Landeskarte 1:25 000, Blatt 1115 Säntis Landeskarte 1: 50 000, Blatt 237 Appenzell

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Die Ausübung ihres Berufes ist nur denjenigen Bergführern gestattet, die im Besitz eines für das laufende Jahr gültigen SAC-Diploms sind.

Für 1996 sind die Bergführer mit gültigem SAC-Diplom auf untenstehender Liste aufgeführt. Die Bergführer mit gültigem kantonalem Patent finden sich in den kantonalen Führerverzeich- Aargau Bucheli Martin, 5620 Bremgarten Haltmeier Jürg, 5200 Brugg Rutz Peter, 5015 Erlinsbach Siegrist Hanspeter, 5112 Thalheim Appenzell Fitzi Hans, 9100 Herisau Forster Gottfried, 9100 Herisau Fuster Beda, 9050 Appenzell I Keimer Heiner, 9107 Urnäsch f Schawalder Herbert, 9057 Weissbad' Schoop Hampi, 9107 Urnäsch Steininger Werner, 9056 Gais Basel Esch Hanspeter, 4448 Läufelfingen Holdener Werner, 4132 Muttenz Meyer Jürg, 4054 Basel Wassermann Emanuel, 4051 Basel Zurfluh Hansruedi, 4123 Allschwil Bern Hoedle Georg, 3812 Wilderswil Orler René, 3700 Spiez Rohrer Martin, 2742 Perrefitte Wicky Michael, 3098 Köniz ( Be ): Zuberbühler Walter, 3638 Blumenstein Fribourg Colliard Yvan, 1619 Les Paccots Dupré Christian, 1630 Bulle Pilloud Jean-Jacques, 1618 Châtel-St-Denis Romagnoli Pierre-Alain, 1712 Tafers Studemann François, 1637 Charmey Winkler Jean-Bernard, 1752 Villars-sur- Gläne Genf Böckli René, 1205 Genève Carrard Xavier, 1232 Confignon Gex Roméo, 1202 Genève Hug Christian, 1201 Genève Lozeron Jean-Louis, 1203 Genève Muller Alexandre, 1253 Vandœuvres Piola Michel, 1257 Croix-de-Rozon Roch André, 1211 Conches Roulin Dominique, 1255 Croix-de-Rozon Schaffter Stéphane, 1255 Veyrier Glarus Hauser Pankraz, 8753 Mollis Pfenninger Thomas, 8777 Diesbach

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