Frühlingssaison an den Bergen von Nepal und Tibet. Ueli Steck solo auf Cholatse und Tawoche

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Ueli Steck solo auf Cholatse und Tawoche

Frühlingssaison an den Bergen von Nepal und Tibet

Die Frühlingssaison 2005 an den Bergen des Himalaya war geprägt durch unstabiles Wetter und den Menschenauflauf am Everest. In der Nähe des höchsten Berges der Welt gelangen dem Schweizer Ueli Steck zwei Solobesteigungen an Sechstausendern. 1

Einmal mehr kam es am Everest zu einem Menschenauflauf: 101 Gruppen waren am höchsten Berg der Welt unterwegs, wovon nur rund die Hälfte Erfolg hatte. 306 Männer und Frauen erreichten den Gipfel. Die Wetterbedingungen waren in diesem Frühling ausgesprochen unstabil und in grosser Höhe durch starke Winde geprägt, die erst gegen Ende der Saison nachliessen. So erreichten viele Bergsteiger den Gipfel ungewöhnlich spät, nämlich in den letzten Mai- und den ersten Junitagen.

Fünfzehn Mal Everest

Am 14. Mai 2005 gelang dem Franzosen Didier Delsalle die erste Helikopterlandung auf dem Everest: Er setzte mit einem Ecureuil auf dem 8850 m hohen Gipfel auf, stieg aus und hielt sich über zwei Minuten ausserhalb des Helikopters auf, bevor er sicher nach Lukla zurück-flog. Aussergewöhnlich eine andere Leistung: Apa Sherpa, der 43-jährige Familienvater aus dem Khumbu, bestieg zum fünfzehnten Mal den Everest. Dazu meinte er lakonisch, er gehe zum Everest, weil er diesen lukrativen Job gut beherrsche. Ein anderer Sherpa, Pem Dorje, heiratete auf dem Gipfel Moni Mulepati, die erste Nepalesin auf dem Everest, die nicht aus dem Volk der Sherpas stammt. An anderen Bergen war es ruhiger. Der Amerikaner Ed Viesturs komplet- 1 Der Artikel basiert auf einer Zusammenfassung der Ereignisse der Winter- und Frühlingssaison von Elizabeth Hawley, Kathmandu.

In der Cholatse-Nordwand: Ueli Stecks Rucksack, sein Freund und Helfer Die 1500 m hohe Nordwand des Cholatse mit der anlässlich der Solodurchsteigung von Ueli Steck verfolgten Aufstiegslinie. Biwak auf ca. 6000 m Fotos: Ueli Steck tierte mit der Annapurna seine Achttau-sender-Sammlung – bemerkenswert daran, dass er sie alle ohne Sauerstoff bestiegen hat. Gleich tat es ihm Alan Hinkes, dessen Cho-Oyu-Besteigung von 1990 allerdings ein Makel anhaftet: Als er auf dem Gipfelplateau anlangte, war es neblig, sodass er sich nicht sicher war, ob er wirklich den höchsten Punkt erreicht hatte. Der Brite will allerdings als Leiter einer kommerziellen Expedition an den Berg zurück, in der Hoffnung, dannzumal den nebelfreien Gipfel erreichen zu können. Tragisch ist der Tod von Christian Kuntner, einem bescheidenen Italiener, an der Annapurna, mit deren Gipfel er seine Achttausender-Sammlung ebenfalls vervollständigt hätte, der nun durch eine Eislawine schwerste innere Verletzungen erlitt, an denen er starb.

Erfolgreicher « Khumbu-Express »

Die hervorragendsten Leistungen dieser Frühlingssaison gelangen zweifelsohne dem Schweizer Ueli Steck: Im Rahmen seiner Kleinstexpedition « Khumbu- Express » 2 versuchte der 29-Jährige, die Durchsteigung der Nordwand des Cholatse, der wegen seiner Höhe unter 6500 m Höhe als Trekkingpeak gilt, der Ostwand des Tawoche und der Nordostwand der Ama Dablam im Everest-Gebiet aneinander zu hängen. Die Solodurchsteigun-gen an Cholatse und Tawoche – und damit überhaupt die ersten Solobesteigungen dieser zwei formschönen Berge – verliefen erfolgreich, an der Ama Dablam, dem letzten der angegangenen Gipfel, musste er hingegen wegen gefährlicher Verhältnisse auf 5900 m umkehren.

Sensationelles Solo am Cholatse

Am Tawoche, 6505 m, wählte Ueli Steck eine Eislinie im linken Teil der Ostwand – 1500 m hoch, Eissteilheit von 50 bis 60°, einige senkrechte Seillängen, M5 –, die er in der extrem schnellen Zeit von viereinhalb Stunden in der Nacht vom 24. auf den 25. April durchkletterte, um dann über den gleichen Weg wieder abzusteigen und pünktlich zum Morgenessen im Basislager zu sein. Sensationell war aber vor allem seine Besteigung des Cholatse, 6440 m, zehn Tage vorher: Dessen 1500 m hohe Nordwand – Eis senkrecht, Fels 5. Grad, M6 – durchstieg er mit einem Minimum an Material am 14./15. April mit einem Biwak auf ca. 6000 m. Beim Abstieg über die Südseite legte er ein weiteres Biwak ein. Mit dieser Expedition hat der junge Extreme endgültig bewiesen, dass er zurzeit zu den führenden Bergsteigern in Fels und Eis zählt. a Christine Kopp, Muri/BE und Galbiate/I 2 Für einen ausführlichen Bericht siehe www.mountain-dreams.ch Am Tawoche, 6505 m, wählte Ueli Steck für die Solodurchsteigung eine Eislinie im linken Teil der Ostwand ( ungefährer Routenverlauf ).

Ueli Steck im untern Wandteil der Cholatse-Nordwand. Das Foto wurde im Anschluss an die Solodurchsteigung gemacht.

Foto: Romolo Nottaris

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