Führer wird Filmer wird Maler Er war Bergführer, dann hat es ihm gereicht

K-Soul Cherix ist ein leidenschaftlicher Mensch. Er war Bergführer, Mikrotechniker und Filmer, jetzt widmet er sich einer Kunst, die das Licht in Bewegung setzt.

Es war nicht Pierre-Etienne Cherix’ Traum, Künstler zu werden, denn seine Sache sind die Berge, die hat er im Blut. Er ist mit ihnen verbunden, wie es unzertrennliche Paare sind, da reichen auch wacklige Steine und Schlagwetterexplosionen nicht aus, um die brutale Verbindung zu sprengen. Doch jetzt nennt er sich K-Soul, sein Blick hypnotisiert und überträgt seine Überzeugung. Er rollt sich eine Zigarette und gesteht: «Als Kind hat mich die Ungerechtigkeit verrückt gemacht. Ich wollte den Planeten in die Luft jagen.» Angesichts dessen führte ihn sein Vater André hinauf bis zum Refuge des Dents du Midi, weit weg von der Stadt. «Ich verbrachte mehrere Sommer dort. Ich entdeckte eine Welt, wo die Ungerechtigkeit nicht vorkam. Warum? Weil der Mensch dort oben noch gar nicht angekommen war. Deshalb bin ich ja auch Bergführer geworden. Es war eine Art philosophische Suche.»

 

Zurück zu den Wurzeln

Von seinem Leben als Bergführer sind nur noch Bruchstücke übrig geblieben. Man versteht, dass er mehrmals ins Herz des geheimnisvollen Kirgisistans reiste und zwei Filme mitbrachte: L’écho du Tien-Shan, in dem er die Welt der Berg­steiger in Kirgisistan nach dem Zusammenbruch der Sowjet­union zeigt, und Le défi du Khan-Tengri, eine filmische Reflexion über den Wettkampf. K-Soul hat daneben noch einige andere Dokumentarfilme gemacht. Aber davon spricht er nicht, die Auszeichnungen und Preise, die er am Internationalen Festival des Alpinen Films (FIFAD) in Les Diablerets bekommen hat, erwähnt er nicht. Die Titel bedeuten ihm nichts.

Für ihn hat sich die Unruhe der Stadt in seinen Bergen, seinem Garten Eden, breitgemacht. «Heute haben einige Alpinisten keine Ethik mehr. Sie klettern mit der Stoppuhr. Wenn du die Expeditionen am Everest siehst, da kommt dir doch das Kotzen», sagt er, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Also ging K-Soul, das Kind aus Fenalet, zurück zur Wurzel, in die Bergwelt, die ihn inspiriert. Er nahm die Schreinerei unweit des noblen Villars, aber weit von dessen Mentalität entfernt, wieder in Betrieb und hat sie zu neuem Leben erweckt.

Nach Andorra in den Pyrenäen und Barcelona in Spanien baute der Künstler hier, im Herzen des Chablais, ein weiteres kreatives Labor auf. Um seinen «kosmischen Garten» zu pflegen, wie er erklärt, habe er den «sozialen Tod» in Kauf genommen. Er hat sich der Armut verschrieben und arbeitet sorgfältig und hartnäckig an seiner Vision. Einer seiner Freunde sagt: «Für ihn gibt es keine Möglichkeit, sich davonzustehlen.»

 

Kunst und Berge, der gleiche Kampf

Wenn K-Soul das Kapitel «Berge» abgeschlossen hat, dann nur, um sich vollständig der Kunst zu widmen, «denn sie ist die Pforte zum Leben». Sein Vorgehen sei das eines «Alchemisten auf der Suche nach dem Wissen, um zur Freiheit zu gelangen». Er hat die holokinetische Kunst zu seiner neuen spirituellen Sache gemacht. «Es ist eine kontinuierliche Fortsetzung: Ich versuche, das Mysterium auszuleuchten, das sich hinter den Bergen versteckt.» Er sieht darin eine starke Verbindung zu seinem gelernten Beruf als Bergführer: den Sinn des Opfers. «So wie es der Führer in Kauf nehmen muss, für seinen Kunden zu sterben, so muss es der Künstler akzeptieren, für die Menschheit zu sterben.» Egal ob Kunst oder Berg, es ist der gleiche Kampf: Es geht für ihn darum, seine Ängste in den Griff zu bekommen, seine Grenzen kennenzulernen, ohne je zu bluffen.

Für K-Soul gibt es keinen Zufall. Irgendwo im Verborgenen regelt eine sehr präzise Mathematik die Natur, ihre Verwandlungen und ihre Farben. Dieses Rätsel will er durchdringen, mit den «Gemälden aus 400 000 Bildern, die in ständiger Bewegung sind». Er malt nicht mit dem Licht, sondern durch das Licht. Als Leinwand dient ihm der Bildschirm, sein Werkzeug ist eine Art elektronischer Pinsel. Und er strebt Grosses an: «Andere Künstler haben das schon vor mir versucht: Kandinsky, Klee, Mondrian», sind die grossen Namen, die er nennt. «Aber ihnen fehlte die Technologie. Denn bei der holokinetischen Kunst sei es wie beim Alpinismus: Ob man in eine Nordwand einsteigt oder sich auf die Kunst einlässt, man braucht die richtige Ausrüstung.» In beiden Sparten gebe es kein Nullrisiko. Aber «wer nichts wagt, der gewinnt auch nichts», sagt er.

Praktische Infos

Galerie der holokinetischen Kunst in Montreux und im Labor Jardin cosmique in Bex, www.jardincosmique.com

Blick auf die Malerei der Zukunft

Die Holokinetik ist eine Synthese aus Kunst, Wissenschaft und neuen Technologien. Sie verbindet traditionelle Bildtechniken und moderne elektronische Mittel. Der Pionier dieser Kunst, der Venezolaner Ruben Nunez, realisierte 1974 ein poetisches Hologramm, das im Unterschied zu Kirchenfenstern aus Glas über eine interne Lichtquelle verfügte. K-Soul ist heute der Einzige, der diese Kunst des 21. Jahrhunderts ausübt. Er findet seine Inspiration in der Natur, indem er Phänomene oder Lichtspiele beobachtet. Dann folgt das Schreiben eines Gedichts, das er Schritt für Schritt in eine Farben- und Computersprache übersetzt, bevor er mit einem elektronischen Pinsel und einer berührungsempfindlichen Palette hinter das eigentliche Malen geht. Die holokinetischen Projektionen entstehen aus der Überlagerung von Tausenden von Farbschleiern. Sie werden anschliessend in einem Film von einigen Minuten Dauer zusammengefasst und während einer endgültigen Dauer von bis zu vier Stunden abgespielt. K-Soul ist es auch gelungen, seine Kunst ins Innere von Quarzkristallen zu verlegen, und hat so die ersten leuchtenden und lebenden Schmuckstücke erfunden.

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