Gemeinschaft verbindend

Samstagmorgen. Treffpunkt Bahnhof. Das Wetter: super. Unser Ziel: der Ochsen im Gantrischgebiet. Wir, das sind 15 Personen. Die SAC-Tourenleiterin Karin, und Tourenleiter Micael. Er war zwei Tage vorher schon auf dem Berg, um die Verhältnisse auszukundschaften. Ehrenamtlich. Fahrt im Mietbus. Einige kennen sich schon, andere werden sich kennenlernen. Am selben Tag pilgern Zehntausende hinauf nach Wengen, dort ist der Weltcupzirkus, Atome in der Masse. Wir dagegen ziehen eine eigene Spur: dem Ochsen entgegen, via den Sattel in die steile Südflanke. Skidepot. Ganz zum Schluss in der ausgesetzten Passage wird es für einige psychisch schwierig. Doch gemeinsam sind wir stärker als allein, am Schluss stehen alle auf dem Gipfel. Nach der Abfahrt sind wir zusammengewachsen, nur für einen Moment zwar, aber wir nehmen ein Erlebnis mit, das uns als Gemeinschaft verbindet. Auch in Zukunft.

Donnerstagmorgen. Treffpunkt Bahnhof. Das Wetter: unten grau, oben blau. Unser Ziel: Überschreitung der Schrattenfluh, vom Kemmeriboden aus. Wir, das sind Irina und ich. Wir haben uns am Ochsen kennengelernt, haben beschlossen, eine Gemeinschaft zu gründen für gemeinsame Touren. Aufstieg unter dem Böli, am Schibengütsch vorbei. Wir spuren durch die verschneite Karstlandschaft. Auf den Hengst verzichten wir, zu viel Betrieb dort oben. Abfahrt durch leichten Bruchharst bis zur Alpbeiz im Schlund. Jetzt die Frage: Wann fährt der Bus ab Sörenberg? Da haben wir aber nicht mit denen gerechnet, die am langen Holztisch in der Sonne sitzen. Die zwei haben Platz in ihrem PW. Sie sind so freundlich, uns nach Langnau mitzunehmen. Im Gespräch entdecken wir: Es gibt gemeinsame Bekannte im SAC, man ist regelmässig zusammen in den Bergen. Wieder ist es diese Berggemeinschaft, die uns verbindet und Probleme auf elegante Art löst.

Überall wird über Vereinsamung und Atomisierung der Gesellschaft geklagt. Uns kann das nicht passieren. Wir gehen gemeinsam in die Berge, das verbindet.

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