Geschichten aus den Bergen

Früh am Morgen, die Sonne ist noch nicht aufgegangen, doch sie sind schon seit einer Stunde unterwegs: eine Seilschaft auf dem Weg zu ihrem Gipfel. Noch sind sie etwas müde, noch ist es kalt, doch jeder freut sich auf den grossen Tag. Und jeder freut sich auf etwas anderes. Der eine will die sportliche Leistung, will spüren, wie das Herz klopft, erleben, wie er mit Kraft und Technik die Schwierigkeiten der Route meistert. Der andere hofft auf das erste Sonnenlicht, fantastische Fotos von magischen Momenten. Dem Dritten geht es um die Kameradschaft, das gemeinsame Erlebnis, den Weisswein danach.

Jeder hat manchmal etwas Mühe. Der eine wäre gerne schneller gegangen, der andere hätte lieber eine Pause mehr eingelegt. Doch sie kennen sich, finden einen Schritt, der für jeden der richtige ist, und kommen gut voran.

Am Abend – der Gipfel erreicht, der Abstieg bewältigt – fährt jeder nach Hause. Und jeder hat eine andere Ge­schichte zu erzählen. Was am Berg gilt, ist im Leben meist nicht anders. Wir leben alle in derselben Welt. Und erzählen alle eine andere Geschichte. Diesen Geschichten nachzugehen und sie zu erzählen, ist meine Aufgabe als Journalist. Seit dem Januar für diese Zeitschrift – und damit für Sie.

Ich hoffe, Sie finden auch in dieser Ausgabe Geschichten von den Bergen, die sie ansprechen. Auf Seite 26 erklärt Geologe Christian Schlüchter, was ihm von den schmelzenden Gletschern freigegebene Baumstämme über das Klima der Vergangenheit verraten. Mit Ski, Seil und Pickel geht es auf Seite 40 auf die wilde Seite des Pigne d’Arolla. Auf Seite 46 können Sie mit einem Team der Patrouille des Glaciers mitfiebern – natürlich ohne selber frieren und schwitzen zu müssen. Ganz ohne Bergausrüstung, dafür mit Lavendelduft in der Nase ziehen wir auf Seite 52 durch den Frühling der ­Provence.

Geschichten von den Bergen, aus ganz verschiedenen Blickwinkeln: Das möchten wir Ihnen bieten. Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Blättern, Schauen und Lesen. Wenn Sie nach der Lektüre um ein paar Geschichten reicher sind, haben wir unser Ziel erreicht.

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