GPS und Skitourenkarten reichen nicht

Wer eine Skitour in Angriff nimmt, muss sich mit den Verhältnissen auseinandergesetzt haben. Die richtige Route im Gelände kann nur wählen, wer sich am Vorabend schon über mögliche Gefahrenstellen Gedanken gemacht hat.

Es ist verlockend: Statt in mühseliger Kleinarbeit die Skitour einzuzeichnen, statt Hangneigungen auf der 25 000er-Karte zu messen, statt sich über das Lawinenbulletin und die Anriss- und Auslaufgebiete möglicher Schneebretter Gedanken zu machen und statt Alternativen und Varianten zu planen, hockt man vor den Computer und lädt sich die gewünschte Skitour als Track aufs GPS. So einfach geht das heute. Und so gefährlich ist es auch. «Die meisten Unglücke in den Bergen haben ihren Ursprung am Vorabend», sagt Ueli Mosimann, der Vertreter des SAC in der Fachgruppe Sicherheit im Bergsport. Grund sei, dass man sich vorgängig zu wenig mit einer geplanten Tour auseinandersetzt. Zentral etwa seien die Fragen: Wie sind die Verhältnisse vor Ort? Wie ist die Schneedecke aufgebaut? Wo sind die Gefahrenstellen? Diese Antworten liefert ein heruntergeladener Track nicht, und auch die Routen in der Skitourenkarte sind lediglich als ungefähre Angaben zu verstehen.

Vorfreude bringt Sicherheit

Das Kartenstudium am Vorabend verbessert die Orientierung im Gelände und damit letztlich die sichere Routenwahl. Das Studium des Lawinenbulletins und evtl. sogar ein Anruf bei einer nahe gelegenen Hütte liefern essenzielle Informationen. Potenziell lawinengefährliche Hänge und andere Gefahrenstellen werden dann vor Ort rascher erkannt, weil man sich gedanklich mit der Tour auseinandergesetzt hat. Das weckt nebenbei gesagt auch die Vorfreude. Nur wer sich seriös vorbereitet hat, ist dann auf der Tour auch in der Lage, die Route den Verhältnissen anzupassen. Denn entscheidend für die Beurteilung der Gefahren sind die Verhältnisse im Gelände. Egal wohin das GPS zeigt.

Wer also problemlos und unfallfrei durch den Winter kommen will, muss sich auf seine Tour vorbereiten und sich die entscheidenden Gedanken gemacht haben. Die Zeit, die gespart wird, wenn man die Abkürzung übers GPS wählt, kann im Gelände fatale Folgen haben. Das GPS ist in Bezug auf die Orientierung ein sinnvolles und sehr nützliches Instrument. Lawinenunfälle, die im Winter häufigste Unfallursache, lassen sich damit aber nicht verhindern.

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