«Grundsätzlich wollen wir keine banale Architektur» 150 Jahre Hüttenbau in den Alpen – Teil 3

Wichtig für SAC-Hütten ist, dass sie funktional, zuverlässig sowie vielfältig sind und – den Vorstellungen der Bauherren, also der Sektionen, entsprechen. Im Gespräch mit den ALPEN macht Daniel Suter, Ressortleiter Hütten, auch klar, dass SAC-Hütten trotz dem Einsatz modernster Architektur nie Alpenhotels werden sollen.

Ich denke nicht. Jeder Bau in der Gebirgslandschaft, auch die Hütten von Jakob Eschenmoser, stellt einen Eingriff in die Natur dar. Dieser Eindruck wird durch die exponierte Lage der Hütten häufig noch verstärkt. Die Lage selber wiederum ergibt sich aber primär aus Überlegungen zur Sicherheit und aus der Suche nach einem geeigneten Ausgangspunkt für Touren. Wichtig bleibt aber auch heute, dass der architektonische Eingriff in die Landschaft mit der nötigen Sensibilität erfolgt. Nicht zu vergessen gilt es auch, dass die Erscheinung einer Hütte auch von der Organisation und Gestaltung im Innern abhängt. Selber erfahre ich immer wieder, wie die im Durchschnitt helleren und wärmeren Räume in den neuen Hütten positiv wahrgenommen werden.

 

Nein, das muss nicht sein. Ein gutes Architekturprojekt zeichnet sich auch durch Kostenbewusstsein aus.

 

Eines ist für mich klar: Die SAC-Hütten sollen nie bis zu Berggasthäusern oder Alpenhotels ausgebaut werden. Wir sind aber an einem Punkt angelangt, wo wir uns alle überlegen müssen, wie unsere Hütten in Zukunft aussehen sollen. Dazu gehört auch, dass wir prüfen, ob wir uns noch dem Leitbild entsprechend verhalten. Die Hütten, die wir heute bauen, sind jedoch das Resultat langjähriger Bau- und Betriebserfahrung sowie der Rückmeldungen der Gäste.

 

Damit meine ich alle Betroffenen, insbesondere die Sektionen. Sie sind die Bauherren und sollen gemäss dem neuen Hüttenreglement die Verantwortung übernehmen. Der Zentralverband möchte nur unterstützend zur Seite stehen.

 

Ich denke schon. Wir erhalten gute Rückmeldungen. Die Sektionen sind froh, wenn sie auf professionelle Beratung zurückgreifen können. Denn die meisten Personen in den Sektionen werden nur einmal mit einem Hütten-neubau konfrontiert.

 

Die Gefahr besteht natürlich. Unser Bestreben geht aber dahin, dass die Sektionen noch mehr Verantwortung übernehmen.

 

Davon bin ich überzeugt. Wettbewerbe geben auch Personen, die sich nicht im Alltag mit Architektur beschäftigen, einen Einblick, welche verschiedenen Lösungen es im funktionalen und gestalterischen Bereich gibt. Spannend für alle ist natürlich, wie der Spielraum, den die Wegleitung zum Hüttenbau offenlässt, ausgenützt wird. Dass dabei wirklich unterschiedlichste Ideen realisiert werden können, erkennt man am besten an den Hütten selbst.

 

Ein Vorteil ist auch, dass man weniger «Pflästerlipolitik» betreibt. So flickt man weniger einfach gerade das Nötigste, sondern überlegt sich gründlicher, was sich zusammenfassen lässt und dadurch zu einer längerfristigen Lösung führt. Ein weiterer Punkt ist, dass bei Wettbewerben von Anfang an alle Betroffenen involviert sind, beispielsweise auch die Vertreter des Landschaftschutzes. Eines der meistbeachteten Projekte dieses Jahr ist die neue Monte-Rosa-Hütte.

 

Die Hütte stellt ein herausragendes Projekt dar, das hohe architektonische Ansprüche und Nachhaltigkeit verbindet. Es kann aber nicht als Massstab dienen, da es ohne die finanzielle Unterstützung der ETH Zürich und der Sponsoren nicht realisierbar gewesen wäre. Sicher beispielhaft ist die Energieversorgung, wobei man hier nicht vergessen sollte, dass man auf viele gute Beispiele, etwa die Keschhütte, zurückgreifen konnte.

Monte-Rosa-Hütte: eine Berghütte der Zukunft

Die neue Monte-Rosa-Hütte ist ein Projekt von SAC und ETH. Erste Ideen entstanden im Sommer 2003. Von ETH-Studenten wurde sodann in enger Zusammenarbeit mit dem SAC ein eigenwilliger, ökologisch-energetisch zukunftsweisender Bau projektiert. Dem SAC werden Bauprozess und Betrieb wichtige Erfahrungen für zukünftige Hüttenbauten ermöglichen. Im August 2008 erfolgte die Grundsteinlegung, und bis zum Wintereinbruch wurde das Fundament erstellt. Dank Elementbauweise wurde die Hütte diesen Sommer in sehr kurzer Zeit gebaut. Finanziert wird sie zu einem Drittel durch den SAC und zu zwei Dritteln durch die ETH und ihre Gönner und Sponsoren. Mit voraussichtlich 6,4 Millionen Franken wird die Monte-Rosa-Hütte die bislang teuerste vom SAC mitfinanzierte Hütte sein. Die Eröffnungsfeiern finden Ende September 2009 und Juni 2010 statt. Für Gäste wird die Hütte jedoch erst ab Mitte März 2010 geöffnet sein. Die neue Hütte verfügt über 120 Plätze. In der alten Hütte läuft bis Mitte September 2009 der Normalbetrieb. Anschliessend ist nur noch der Winterraum offen. Nähere Informationen: www.neuemonterosahuette.ch

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