Himalaya-Chronik 1967

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

VON G.O. DYHRENFURTH, RINGGENBERG ( BE )

Mit 1 Bild ( Ï04 ) Der Bann, der 1965 gegen bergsteigerische Expeditionen ausgesprochen wurde und 1966/1967 zu ganz flauen Himalaya-Jahren stempelte, beginnt sich zu lockern. Um so wichtiger ist es, in unserer kleinen Chronik auf dem laufenden zu bleiben.

1. Durch Bhutan machte Peter Steele im Frühjahr 1967 eine Reise mit Frau und zwei kleinen Kindern ( 31/2 und 1 jährig ), zu medizinischen Studien ohne bergsteigerische Ambitionen. In dem noch immer wenig bekannten Hochgebirge dieses kleinen Königreiches ist bisher nur ein einziger grosser Gipfel bestiegen worden: Chomolhari ( 7315 m ), durch F. Spencer Chapman mit dem Sherpa Pasang Dawa Lama, am 21. Mai 1937, was neuerdings grundlos angezweifelt wurde. Diese schöne britische Leistung ist wohldokumentiert.

Quellen: BW 1964/65, S. 89-114; 1966/67 S. 91-119. B. C. Olschak: Sikkim ( Zürich 1965 ). AJ 315, p. 264-272.«Alpinismus»6/68,S.50/51.AAJ1968p.217/218.

Kangchendzönga-Geblet 2. Berichtigung zur Chronik 1964: Kabru Dome ( 6600 m ) wurde seinerzeit als erstmalig erstiegen gemeldet. Jetzt hat sich herausgestellt, dass die indische Mannschaft unter B. Biswas 1964 nur einen Vorgipfel ( 6555 m ) erreicht hat.

Quelle: HJ Newsletter 25. Februar 1968.

3. Der im SE des Koktang Peak gelegene « Frey Peak » ( etwa 5944 m ) -benannt nach dem jungen Schweizer Georg Frey, der dort 1951 tödlich verunglückte - wurde im September 1967 von zwei Sherpa-Instruktoren des Bergsteiger-Instituts Darjiling mit neun Kursteilnehmern bestiegen.

Quelle: « Alpinismus » 6/68, S. 36.

Everest-Gebiet 4. Die chinesische Tätigkeit auf der Nordseite des Mount Everest ( « Jolmo Lungma » ) ist ein merkwürdiges Kapitel. Da bergsteigerische Erfolge in den Jahren 1966 und 1967 offenbar fehlten, berichtet « China Features » ( Peking ) in offiziellen Rundschreiben, gezeichnet von Ke Hsueh, über « China's all-round Scientific Expedition to the Himalaya ». Danach hätten mehr als hundert chinesische Gelehrte auf fast 30 Studiengebieten epochale Entdeckungen gemacht, « ein glänzendes Ergebnis der unbesiegbaren Lehren von ,Führer'Mao Tse-tung und der grossen proletarischen Kulturrevolution ». Die jugendliche, noch jetzt anhaltende Hebung des Himalaya ist allerdings schon seit Jahrzehnten in zahlreichen Arbeiten westlicher Geologen behandelt worden 1, kann also nicht gut als neue chinesische Entdeckung gefeiert werden. Auch die Behauptung, dass die Topographen der « imperialistischen Länder » sich vergeblich bemüht hätten, das Everest-Gebiet zu vermessen, ist unmöglich ernst zu nehmen; aber falls die neuen chinesischen Karten uns zugänglich gemacht werden sollten, werden wir sie sehr gern mit unseren z.T. stereophotogrammetrischen Everest-Karten vergleichen.

Die stark angezweifelte chinesische Everest-Besteigung 1960 von N ( durch Wang Fu-chu, Chu-Ying-hua und Gonpa ) wird nur kurz erwähnt, aber Ke Hsueh sagt von diesem Unternehmen: « Diese Forschungen wurden stark behindert durch die revisionistische Linie bei der Arbeit, charakterisiert durch sklavisches Wesen, Drückebergerei und Nichtstun, betrieben von einer kleinen Gruppe äusserst kapitalistischer Reisender unter der Führung von Chinas Chruschtschow und seinen Agenten in den wissenschaftlichen und technologischen Kreisen ». Ohne bei diesen innerpolitischen Differenzen in Rotchina irgendwie Partei zu ergreifen, stellen wir bloss fest, dass es bei der heissumstrittenen chinesischen Everest-Expedition 1960 anscheinend gar nicht geklappt hat. Die Erreichung des Everest-Gipfels am 25. Mai 1960 um 1 Uhr nachts wird damit noch unglaubwürdiger als schon bisher.

Die chinesischen Expeditionen von März bis August 1966 und von August bis Dezember 1967 waren grossenteils dem Studium der Sonnenstrahlung gewidmet, wobei kaum viel Neues herauszubringen sein dürfte. Das Hauptlager, bis zu dem ein für Jeeps fahrbares Strässchen gebaut worden war, stand nahe dem Zungenende des Rongphu-Gletschers, nicht weit von der Stelle, wo die Briten seinerzeit ihr Basislager hatten. Ausserdem wurden vier Beobachtungsstationen eingerichtet, Camp 3 und 4 auf dem Ost-Rongphu-Gletscher, in dessen oberem Becken, bei etwa 6400 Meter, die Chinesen ganz unverkennbar Aufnahmen gemacht haben. Der Firnhang unter dem Chang La oder Nordsattel ( nach Neuvermessung 6990 m Meereshöhe ) ist nach Ke Hsueh « durchschnittlich 55° steil und in einer fast senkrechten Eiswand endend », was übertrieben ist. Die westlichen Bergsteiger hätten diesen Steilhang als « utterly unclimbable », d.h. als völlig unersteigbar, betrachtet. In Wahrheit ist es jedoch die klassische Normalroute - etwas lawinengefährlich, aber seit 1921 von etwa fünfzehn Expeditionen immer wieder begangen, oft beschrieben und viel photographiert. Man sollte meinen, dass solche Falschmeldungen nur völlig ahnungslosen Chinesen vorgesetzt werden können. Weit gefehlt! Auch westliche Nachrichtenagenturen und angesehene Zeitungen verbreiten diese « Heldentaten chinesischer Everest-Forscher » unbesehen und ohne ein Wort der Kritik in der ganzen « kapitalistischen Welt »!

1 Siehe z.B. O. Dyhrenfurth: Himalaya —unsere Expedition 1930 ( Berlin 1931 ).

Auf der Hochebene des Nordsattels, wo seit 47 Jahren schon viele « Imperialisten » gelagert haben, entstand also die chinesische Station 5. Weiter nach « China Features »: «... Bourgeois-Auto-ritäten haben nachdrücklich erklärt, dass es für den Menschen unmöglich sei, in Höhen über 6000 Metern auch nur wenige Tage zu arbeiten, aber die chinesischen Wissenschaftler arbeiteten eine volle Woche in den Stationen 4 und 5 » ( etwa 6400 m und 7000 m Meereshöhe ). Denn « wir haben eine rote Sonne in unseren Herzen, die uns Wärme und Stärke gibt. Viel Aufhebens machte die amerikanische Presse von einer amerikanischen Bergsteigermannschaft, die 1963 auf der Südseite eine Höhe von 5700 Meter ( sie !) erreichte und nur höchst bescheidene Ergebnisse hatte ». ( Gemeint ist die « Amerikanische Mount-Everest-Expedition 1963 », der bekanntlich drei Besteigungen des Everest-Hauptgipfels ( 8848 m ) und die erste Überschreitung des Berges ( W-SE ) gelungen sind. « Dagegen haben die chinesischen Wissenschaftler unschätzbare Daten über Sonnenstrahlung gesammelt, die alles, was die Amerikaner gemacht haben, weit hinter sich lassen. » Diese völlig irreale, fanatische und mehr als ungeschickte Propaganda für den « Chairman und Religionsgründer » Mao Tse-tung ist ein interessantes Phänomen. Ausserdem wissen wir jetzt amtlich, dass die Chinesen 1966/1967 nur bis zum Nordsattel ( 6990 m ) gekommen sind.

Quellen: « China Features » ( Peking 1968 ): « China's all-round scientific expeditions to the Himalayas » ( 6 S. ) und « Studying solar radiation an the earth's pinnacle » ( 4 S. ). « Alpinismus » 6/68, S. 33; 7/68, S. 44.

5. Die Arbeiten des « Forschungsunternehmens Nepal Himalaya » im Everest-Gebiet sind zu einem gewissen, allerdings noch nicht endgültigen Abschluss gekommen Im Oktober 1967 erschien in München die 5. Lieferung des gewichtigen Werkes « Khumbu Himal » Bd. 1,448 S. Es enthält 34 wissenschaftliche Arbeiten: 7 botanische, 19 zoologische, 2 meteorologische, 1 medizinische, 2 geographische, 3 kartographische und 3 Kartenbeilagen. Bergsteiger seien besonders hingewiesen auf: Erwin Schneider, Begleitworte zur Karte Khumbu Himal I und zur Namensgebung ( S. 430-446 ).

6. Im NNW von Kathmandu, nur rund 70 km von der Hauptstadt entfernt, liegt der Ganesh Himal, dessen höchster Gipfel ( 7406 m ) im Oktober 1955 von einer französisch-schweizerischen Expedition unter Leitung von Raymond Lambert erstiegen wurde. Ende Mai 1967 machten Helmut Scharschinger ( München ), Bergführer Peter Lammerer ( Thundorf bei Bad Kissingen ) und der Schweizer Jacques Geering ( Zürich ) mit vier Sherpa eine Exkursion über Nawakot auf die Südseite der Ganesh-Gruppe. Dort bestiegen die beiden Deutschen mit einem Sherpa ( Namgyal ) am 9. Juni einen kleinen Sechstausender, den sie « Charim Kokero»Eislocke ) benannten, nach dem Höhenmesser etwa 6050 Meter. Maximalstelle war eine 6 Meter hohe, leicht überhängende Eiswand, die zwei Stunden kostete. Leider widersprechen sich die verschiedenen Kammverlaufskizzen der Schweizer, Japaner und Deutschen so stark, dass die Topographie des Ganesh Himal- mit mehreren unbetretenen Siebentausendern - noch immer ziemlich unbestimmt ist. Das erklärt sich aus der Nähe der tibetischen Grenze. Kyirong am oberen Trisuli River soll stark von rotchinesischem Militär besetzt sein.

Quellen: Korrespondenz H. Scharschinger, P. Lammerer, G. Hauser.

7. Lamjung Himal, auf der Westseite des Marsyandi River, bildet die südöstliche Fortsetzung der Annapurna-Gruppe.Von Annapurna II ( 7937 m ) senkt sich der Kamm gegen SE zu einem nicht kotierten Sattel ( etwa 6500 m ), um dann zum breiten Lamjung Kailas ( 6985 m ) zu steigen. Ende April und erste Hälfte Mai 1967 war im Lamjung-Gebiet eine deutsche Kleinexpedition tätig: Helmut Scharschinger und Peter Lammerer mit dem Sherpa Tsering Tarke, für kurze Zeit auch noch Erwin Thanner, der als Lehrer ( « Entwicklungshelfer » ) in Kathmandu arbeitete.Von dem subtropischen Pokhara ( 900 m ) mit seinem kleinen Flugplatz ging es durch das Madi Khola nach dem letzten Dorf Siklis ( etwa 2000 m ) und weiter zum Namun Bhanjyang. Dieser unvergletscherte Pass, der in das Marsyandi-Tal hinüberführt, ist 18976 ft. = 5785 Meter kotiert, in Wahrheit aber nur etwa 4600 Meter hoch, wie mit Überraschung festgestellt wurde. Am l.Mai bestiegen sie nördlich des Passes den Bhanjyang Peak ( etwa 5200 m ), wahrscheinlich eine Erstersteigung.

Dann setzten sie den Lamjung Kailas auf ihr Programm. Thanner, dessen kleiner Urlaub zu Ende war, musste nach Kathmandu zurückkehren. Die anderen drei schoben zwei Hochlager vor: Camp I ( 4300 m ) im obersten Becken des Madi Khola, Camp 2 ( 5000 m ) im eisschlag- und lawinengefährdeten Gletscherkessel, wo das Zelt zurückblieb. Nach einem Schlechtwettertag, der nur der Erkundung eines Couloirs diente, nahmen sie am 9. Mai den Aufstieg über die felsdurchsetzte Flanke rechts des gefährlichen Couloirs mit Steigeisen in Angriff und gelangten zur Lamjung-Scharte ( etwa 5400 m ) zwischen dem Lamjung Kailas und den Lamjung-Spitzen. Am Nachmittag kamen sie noch über die steile Firnflanke nördlich des Grates und auf diesem selbst bis etwa 5800 Meter und gruben sich dort eine Schneehöhle ( Camp 3 ). Am 10. Mai versuchten sie den scharfen Ostgrat des Lamjung Kailas: links steiles Harteis, rechts Wächten. Wegen Ausrüstungs- und Nahrungsmangel mussten sie aufgeben, obwohl es höher oben leichter werden dürfte. Sie stiegen als zur Lamjung-Scharte ab, wo ihnen wieder eine Schneehöhle als Lager 4 ( 5400 m ) diente.

Am nächsten Tage holten sie sich einen Trostpreis, indem sie durch einen unschwierigen Gletscherbruch auf die Östliche Lamjung-Spitze stiegen, wo der Lufft-Höhenmesser nur 5850 Meter zeigte. Als Höhe ist also etwa 5900 bis 5950 Meter einzusetzen. Die Westliche Lamjung-Spitze wurde auf der Deutschen Nepal-Expedition 1955 von H. Steinmetz und J. Wellenkamp erstmals erstiegen und auf 6200 Meter geschätzt. Das ist anscheinend zu hoch gegriffen, denn die beiden Lamjung-Spitzen sind ziemlich genau gleich hoch, also 5900 Meter + 50 Meter.

Quellen: Schriftliche Berichte und Photos von H. Scharschinger und P. Lammerer.

8. Im NW und N des Dhaulagiri Himal war von Oktober 1967 bis Januar 1968 die « Vierte Niederländische Himalaya-Expedition » tätig. Teilnehmer: H. Baron Bentinck, J.F. de Beaufort, J. Driessen, C. F. Dufour, M. C. van Mourik-Broekman und J. R. Wouters. Im Mukut Himal wurde ein Gipfel von 6050 Metern mit zwei Sherpa erstmalig erstiegen. Das bereits zur tibetischen Sedi-ment-Serie gehörige Gebiet lieferte geologisch und topographisch wichtige Ergebnisse.

Quellen: « Alpinismus » 2/68, S. 38; Besprechung mit dem jungen Geologen C. F. Dufour.

Ost-Garhwal 9. Im Mai 1967 war eine indische Mannschaft in Kumaon tätig. Als ein wenig besuchtes Gebiet hatte das St. Stephen's College der Universität Delhi den Pithoragar-Distrikt nahe der Westgrenze von Nepal ausgewählt. Die Teilnehmer waren: Suman Dubey, S. Bagshi, B. Merchant, A. Chakravarty, Major B. Sandhu und B. Singh, mit drei Sherpa. Standquartier wurde das kleine, nur im Sommer bewohnte Dorf Ralam ( 3648 m ). Von dort aus wanderten sie über den kleinen zerrissenen Shun-kalpa Gal ( Gal = Gletscher ) zu dem grossen Kalabaland Gal, der in seiner ganzen Länge begangen wurde. Westlich des Chiring We ( 6559 m ) wurde der namenlose P. 6105 Meter erstmals bestiegen. Dann bildete man zwei Gruppen: die eine ging über den Yangchar Gal zum Ralam-Pass ( 5630 m ), die andere bestieg den Shivu Peak, der zwar nur 5255 Meter hoch ist, aber gute Aussicht bietet. Verlockend sind Chaudhara ( 6510 m ) und Rairamba ( 6537 m ), zwei noch unerstiegene stattliche Sechs- tausender in der NW-Fortsetzung der berühmten Panch-Chuli-Gruppe ( 6904 m ). Dafür fehlte jetzt aber die Zeit, so dass die bergsteigerischen Ergebnisse dieser Exkursion bescheiden blieben. Quellen: Schriftlicher Bericht von K. K. Guha und « Alpinismus » 6/68, S. 36; AAJ 1968, p. 212/213.

10. Der noch unbestiegene Hardeol ( 7151 m ) über dem Milam-Gletscher war im Herbst 1967 das Ziel einer Expedition der « Himalayan Association Calcutta » unter Ch. Mitra. Sie wurden jedoch bei etwa 6550 Meter durch starken Schneefall, Sturm und Lawinen zum Rückzug genötigt. Also wird dieser schöne Siebentausender jetzt wohl einen Vorzugsplatz im indischen Programm einnehmen.

Quellen: H. C. Newsletter 25, p. 5. « Alpinismus » 6/68, S. 36.

11. Wie die indische Presse berichtet, erstieg eine Mannschaft der Universität Bombay unter Prof. A. R. Chambekar im Mai 1967 zwei kleine Sechstausender ( 6059 m und 6187 m ) am Iklualari Gal, einem östlichen Zufluss des Milam-Gletschers in Kumaon. Einer dieser beiden Gipfel dürfte bereits von der polnischen Expedition 1939 betreten worden sein.

12. Eine von Mrs. S. Guha organisierte indische Frauenexpedition hatte den Ronti ( 6063 m ) als Ziel, nördlich des bekannteren Nanda Ghunti. Den Gipfel erreichte Miss S. Mitra mit dem Sherpa Phutar Tenzing am 28. Oktober 1967. Es war eine Zweitersteigung, denn P. Aufschnaiter und G. Hampson waren schon 1955 auf diesem « kleinen »Berg gewesen.

Quelle: C. Newsletter 25, p.4. AAJ 1968, p.216/217.

West-Garhwal 13. Chaukhamba ( 7138 m ), der früher nach dem berühmten Wallfahrtsort Badrinath genannt wurde, ist am 13. Juni 1952 von Lucien George ( Paris ) und Victor Russenberger ( einem in Paris lebenden Schweizer ) erstmals erstiegen worden. Am 17. Oktober 1959 machten indische Bergsteiger unter dem Fliegerkommandanten S. N. Goyal die zweite Besteigung. Im Juni 1967 war Chaukhamba das Ziel einer 14köpfigen Mannschaft der « National Defence Academy » unter Major S. Cheema. Wie gemeldet wurde, haben nur der 18 Jahre alte Kadett S. Cheema und zwei Sherpa am 15. Juni den Gipfel erreicht. Hoffentlich kann diese Wiederholung eines grossen und ziemlich gefährlichen Berges photographisch belegt werden. Und wer waren die beiden Sherpa, die den indischen Jüngling « begleitet » oder geführt haben? Ausserdem meldet die Expedition 1967 noch die Ersteigung eines namenlosen Gipfels von 6720 Metern in diesem Gebiet. Nähere Daten fehlen bisher.

Quellen: Berichte von K. Guha; « Alpinismus » 6/68, S. 36.

14. Das « Gangotri Glacier Exploration Committee », dessen Präsident K. K. Guha ist, hatte eine Expedition zum Kedarnath Parbat ( 6940 m ) organisiert, der allerdings bereits 1947 von der Schweizer Expedition A. Sutter, A. Roch, R. Dittert, A. Graven ( und Frau Lohner ) erstmals erstiegen worden ist. Die bergsteigerischen Teilnehmer der neuen indischen Gangotri-Expedition waren: A. Sen als Leiter, P. Chakravarty, B. Sarkar, A. Bose, S. Mukherjee, K. Das und K. Guha. Von Gaumukh ( 3892 m ) an der Quelle des Bhagirathi River ging es über den untersten Gangotri-Gletscher zum Kirti Bamak, auf dem das vorgeschobene Basislager ( 5030 m ) errichtet wurde. Es folgten Camp 1 ( 5715 m ) und Camp 2 ( 6280 m ) in der NW-Flanke des Kedarnath Dome. Am 30. September starteten Sen, Das, H. Ramnath ( ein Instruktor am « Nehru Institute of Mountaineering » in Uttarkashi ) und drei Sherpa bei Schönwetter in Lager 2. Über mehrere Firnbuckel erreichten sie um 16.30 Uhr die Kuppe des Kedarnath Dome ( 6831 m ), eines nordöstlichen Vorgipfels des Kedarnath Parbat ( 6940 m ). Am 3. Oktober wurde Camp 3 ( 6645 m ) erstellt, in der Absicht, auch noch den Hauptgipfel des Massivs zu besuchen, in Wiederholung der schweizerischen Besteigung, aber von der anderen Seite. Dazu kam es jedoch nicht, denn das Wetter schlug um, so dass man schleunigst absteigen musste.

Auch wissenschaftlich wurde gearbeitet: botanisch von D. Naithani mit drei Assistenten, geologisch von A. P. Tewari. Das Zungenende des Gangotri-Gletschers ist gegenüber dem Stand von 1935 stark zurückgegangen.

Quellen: Bericht K. Guha; « Alpinismus » 6/68, S. 36.AAJ 1968, p. 216.

15. Jogin III ( 6116 m ), südlich des Wallfahrtsorts Gangotri, wurde am 4. Juni 1967 von einer kleinen indischen Gruppe unter Dr. G. R. Patwardhan bestiegen. Die andern Teilnehmer waren: Miss K. Mehta, Miss Lakpa Sherpani, B. Sundaranand und zwei Sherpa ( Pasang und Nima ). Alle erreichten den Gipfel.

Quelle: H. C. Newsletter 25, p. 3.

16. Bhagirathi ( 6512 m ) wurde 1967 zweimal vergeblich angegangen, im Juni von einer Mannschaft der Universität Bombay unter R. G. Desai, im November von einem Frauenkurs des Berg-steiger-Instituts Uttarkashi.

Quelle: « Alpinismus » 6/68, S. 36.

17. Ein Fortgeschrittenenkurs von Poona unter Prof. Gole wandte sich dem Sudarshan Parbat ( 6507 m ) zu, nördlich von Gaumukh, nahe dem Zungenende des Gangotri-Gletschers. Ob zwei kleine Vorgipfel ( 6002 m und 6166 m ) bestiegen wurden, wie zuerst gemeldet wurde, ist nicht ganz sicher. Der Hauptgipfel blieb bestimmt unberührt.

Quellen: C. Newsletter 25, p. 3; « Alpinismus » 6/68, S. 36.

18. Eine zwölfköpfige Mannschaft der « Mountain Lovers Association » ( West-Bengalen ) unter N. Böse wurde von dem schönen, noch unbestiegenen Srikanta ( 6132 m ) im WSW von Gangotri abgewiesen. Die ungewöhnlich steile Gipfelpyramide ist nur etwas für moderne Kletterer. Auch an einem anderen namenlosen Sechstausender in der Nähe mussten sie aufgeben.

Quellen: « Alpinismus » 6/68, S. 36. AAJ 1968, p. 211.

Himachal Pradesh ( Panjab ) 19. Eine indisch-japanische Frauenexpedition unter Miss N. Patel, die im Mai 1967 einen « Kailas » ( 5656 m ) in den Chamba Hills bestieg, verlor dabei einen Sherpa durch Lawinenunfall.

Quellen: Indische Pressemeldungen.

20. Der immer wieder fälschlich « Leo Pargial » geschriebene Riwo Pargyul ( 6790 m ) ist ein stattlicher zweigipfeliger Berg im oberen Kinnaur-Distrikt, auf der Nordseite des Satlej. Die Erstersteigung gelang 1933 dem bekannten Tibetologen Marco Pallis und Dr. Charles Warren. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen wiederholte eine Mannschaft der indischen Militär-Akademie Dehra Dun unter Captain D. K. Khullar die Besteigung im Juni 1967.

Quelle: H. C. Newsletter 25, p. 3. AAJ 1968, p. 213/214.

Papsura ( 6451 m ) in Kulu war das Ziel der « 1967 British/Parbati Expedition » unter der Leitung von Robert Pettigrew. Die anderen Teilnehmer waren: J. E. Ashburner, C. J. Henty, G. Hill, J. Payne und C. Pritchard, mit den Hochträgern Ladakhi Wangyal und Sherpa Pasang Lakpa. Mitte Mai wurde das Basislager ( 4267 m ) bei der Vereinigung des East Tos Glacier mit seinem Zufluss, dem Papsura Glacier, errichtet. Infolge einer Schlechtwetterperiode konnte erst am 30. Mai ein Angriff durch das Ostcouloir der Südflanke angesetzt werden, wobei man den Grat bei etwa 6100 Metern erreichte. Der Zugang zum Gipfel war jedoch durch einen mächtigen überhängenden Eisturm gesperrt. Beim Rückzug kam es mittags zu einem bösen Unfall: Die Dreierseilschaft Pettigrew verlor den Stand ( Steinschlag ?) und rutschte gegen 500 Meter in hohem Tempo hinunter. Diese unfreiwillige Abfahrt endete jäh im Bergschrund, wobei Pettigrew eine Verrenkung des linken Hüft-gelenks erlitt. Ihn bis zum Sturmlager ( 5180 m ) auf improvisierter Tragbahre hinunterzubringen war schwer genug. Dann eilten Ashburner und Pasang nach Manali, um eine Mannschaft für den weiteren Abtransport von Pettigrew zu mobilisieren, was auch prompt gelang. Inzwischen machten Hill und Pritchard am 3. Juni die Erstersteigung des Papsura durch das Westcouloir der Südflanke und über den langen Gipfelgrat. Durch den plötzlichen Einbruch von Schlechtwetter wurde der Abstieg ziemlich gefährlich. Pettigrews Transport begann sieben Tage nach dem Unfall und dauerte acht Tage.

Quelle: AAJ 1968, p. 214/215.

22. Kinnaur Kailas ( 6474 m ) wurde von Scouts unter Major A. B. Jungalwalla angegangen, aber wegen schlechten Wetters aufgegeben.

Quelle: H. C. Newsletter 25, p. 3.

23. Ein Angriff auf Mukar Beh ( 6069 ) durch W. Stainger und Miss K. Kirby mit drei Hochträgern scheiterte wegen schlechter Verhältnisse.

Quelle: C. Newsletter 25, p.4.

24. Im obersten Solang Naia ( früher Nullah geschrieben ), auf dem Wege zum Beas-Kund-Pass ( 4996 m ), kamen im Oktober 1967 drei Bergsteiger um: der Australier Geoffrey Leonard Hill, der Inder Suresh Kumar und Sherpa Pemba. Als sie nicht nach Manali zurückkehrten, wurde nach den Verschollenen gesucht. Zwei Instruktoren des « Himachal Mountaineering Institute Manali » und ein Gurkha fanden im November bei etwa 4725 Metern das unter Schnee begrabene Zelt mit den drei Toten. Wie es zu diesem Unglück kam, ist nicht ganz klar, denn Lawinengefahr besteht dort nicht. Anscheinend sind die drei, die in ihrer vollen Ausrüstung lagen, bewusstlos geworden und erstickt -also Sauerstoffmangel durch den Kocher und ungenügende Ventilation in dem zugeschneiten Zelt. Das ist eine ernste Warnung, besonders für alle, die in Schneehöhlen mit einem gutschliessenden Vorhang übernachten.

Quellen: Korrespondenz K. Guha; H. C. Newsletter 25, p.4.

Die britische Karakorum-Expedition zum Malubiting ( 7453 m ) und der gescheiterte deutsche Ansturm aus dem Rupal-Tal auf den Nanga Parbat kommen erst in der Chronik 1968 an die Reihe.

14 Die Alpen - 1968 - Les Alpes209

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