Il San Gottardo. «Leib, Herz, Ader, Hirn» - ein Foto - und Videoporträt

18 europäische Fotografinnen und Fotografen1 richteten den Sucher ihrer Foto- und Videokameras auf das bekannteste und auch bedeutungsvollste Gebirgsmassiv der Schweiz. Entstanden sind unterschiedliche Ansichten und Interpretationen vom Gotthard, der einem menschlichen Körper mit Leib, Herz, Ader und Hirn vergleichbar untersucht wurde. Im Schweizerischen Alpinen Museum, Bern, sind die vier ursprünglichen Einzelteile2 nun als Gesamtpräsentation der Öffentlichkeit zugänglich.

Für Julius Cäsar, aber auch auf der im 16. Jahrhundert veröffentlichten Schweizer Karte von Aegidius Tschudi (1505-1578), war der Gotthard - als «summae alpes» - höchster Berg der Alpen. Heute ist er der erratische, unverrückbare Block zwischen der Wärme des Südens und der Kälte des Nordens; ein Berg, der keiner ist, trägt doch keine Bergspitze seinen Namen. Der Gotthard ist Fels, Wiese, Weide, Quelle, Siedlung - kartogra-fisch definierte Wirklichkeit, ein magischer Ort, Mythos für Freiheit und Unabhängigkeit, Sinnbild für Stärke und Wehrhaftigkeit, Barriere in der Mitte der Alpen, unerschütterlich und trotzdem ein Ort des Durchgangs.

Diese Bilder und viele persönliche Einblicke standen am Anfang einer intensiven Auseinandersetzung der 18 Fotografinnen und Fotografen aus der Schweiz, Italien, Grossbritannien, Belgien und Frankreich, als sie sich diesem magischen Ort im Zentrum der Alpen näherten.

Im Teil «Gotthard als Leib» wird das Massiv in seiner historischen Bedeutung gezeigt. Die Bilder kreisen um den Mythos eines Berges, der als letztes Bollwerk zur Verteidigung der Heimat galt und als Hort schweizerischer Eigenständigkeit in Erinnerung geblieben ist.

In «Gotthard als Herz» ist das Massiv als Wasserscheide Europas thematisiert mit in Vergessenheit geratenen Orten, wegfliessendem Wasser, Licht und Schatten in der Natur, mit dem Leben der Menschen an diesem im steten Wandel begriffenen Ort, mit der Bedrohung des Ökosystems durch den Transitverkehr.

In «Gotthard als Hirn» schliesslich werden der Realität Fantasie und Utopie entgegengestellt.

Was im ersten Moment nur wenig mit einem Gebirgsmassiv gemein haben mag, ist von den 18 Fotografinnen und Fotografen zu einem vielseitigen, spannenden und hintergründigen Porträt des Gotthards verdichtet worden. Dabei wird auch die Herkunft der europäischen Fotografinnen und Fotografen deutlich: Der Brite aus Cardiff hat den Gotthard anders erlebt als der Schweizer aus dem Tessin oder die Italienerin aus Mailand. Die Ausstellung vermittelt auf diese Weise nicht nur thematische Gegensätze, sondern auch Herkunfts-gegensätze, und verweist auf die unterschiedlichen Bilder und die differenzierte Vorstellung des Gotthards.

Der viersprachige Ausstellungskatalog wird durch Texte des Historikers Georg Kreis, des Biologen Pier Luigi Zanon, des Historikers Raffaello Ceschi und des Schriftstellers Giovanni Orelli erweitert.

Informationen

Dauer: 16. Februar bis 13. August 2000

Ort: Schweizerisches Alpines Museum, Helvetiaplatz 4, Bern

Öffnungszeiten: Montag, 14 bis 17 Uhr; Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr; 1. August 2000 geschlossen

Katalog: viersprachig, 246 Seiten, farbige und schwarz-weisse Abbildungen, ISBN 88-86455-08-9. Fr. 60-

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