Im Notfall auf Empfang Alarmieren in den Bergen

Solange wir uns im Mobilfunknetz befinden, ist Alarmieren ein Kinderspiel. Aber auch ausserhalb davon gibt es zahlreiche Möglichkeiten dazu. Von ganz herkömmlichen Methoden über Satelliten- und Funksysteme bis hin zu Apps in Ad-hoc-Netzwerken. Eine Systemübersicht.

In den letzten Jahren ist Bergsteigen zum Breitensport geworden. Die Unfallzahlen in den meisten Bergsportaktivitäten, vor allem jene der Schwerst- und Tödlichverletzten, sind aber nicht entsprechend mitgewachsen, sondern erstaunlich konstant geblieben. Dafür werden verschiedene Ursachen diskutiert, die rasche Alarmierung der Rettungskräfte mittels Mobiltelefon dürfte neben der besseren Ausbildung dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Im Alltag sind wir es gewohnt, mit dem Handy jederzeit über das Mobilfunknetz kommunizieren zu können. Im alpinen Gelände kann man sich darauf aber nicht immer verlassen, und es sind Alternativen für den Fall gefragt, wenn das Display «Kein Netz» anzeigt.

So wie vor dem Handyzeitalter

Hat man in so einem Falll kein alternatives technisches Kommunikationsmittel dabei, befindet man sich vermutlich in einer prekären Situation – so wie es vor dem Handyzeitalter üblich war. Wie ernst die Lage dann ist, hängt vom Notfall und von den Begleitumständen ab: Auf dem beliebten Wanderweg in Sichtweite der Hütte wird selbst bei einer schweren Verletzung des Freundes rasch jemand zu finden sein. Zu zweit unterwegs auf der einsamen und abgelegenen Skihochtour kann dagegen bereits eine Bagatellverletzung zum Desaster führen. Es lohnt sich also, solche Szenarien vorher im Kopf durchzuspielen (Tipps siehe Kasten). Ist man regelmässig an Orten unterwegs, wo kein Netz vorhanden ist, gilt es, dies in der Planung und in der Risikobeurteilung zu berücksichtigen und sich die Punkte zu merken, an denen das Handy ein Signal empfängt. Die Netzbetreiber stellen oft rudimentäre Netzabdeckungskarten zur Verfügung, zum Beispiel: https://scmplc.begasoft.ch/plcapp/pages/gis/netzabdeckung.jsf.

Satellitenkommunikation

In der Schweiz wird in erster Linie die Rega-Alarmnummer 1414 gewählt, wobei die Rega empfiehlt, wenn möglich über die Rega-App zu alarmieren. Im nahezu gesamten Alpenraum kann im Notfall zudem der Euro-Notruf 112 gewählt werden (Notrufnummern siehe Kasten).

Nun gibt es noch einige technische Alternativen zum klassischen Mobiltelefon, die es auch ohne Handynetz ermöglichen, Hilfe anzufordern. Die Technik der Wahl ist heute die Kommunikation via Satellitensystem.

Vor wenigen Jahren noch James Bond & Co. vorbehalten, sind einige dieser Systeme inzwischen derart günstig und alpintauglich, dass zum Beispiel immer mehr Bergführerinnen und Bergführer sie standardmässig dabeihaben. Für viele praktisch, weil nahezu ähnlich zu bedienen wie das gewohnte Handy, sind Satellitenmobiltelefone: Mit ihnen kann man – je nach verwendetem Satellitennetz – von nahezu überall aus eine beliebige Telefonnummer wählen, und man kann zurückgerufen werden. Das Absetzen eines gezielten Notrufs ist damit möglich, sobald eine «Sicht zum Satelliten» besteht und sich das Telefon einwählen kann.

Kein gesprochenes Wort, aber Daten wie SMS oder Mail können mit sogenannten Satellitenmessengern gesendet und empfangen werden. Diese Messenger sind nochmals kleiner, leichter und günstiger als ein Satellitenmobiltelefon.

Ebenso gibt es eine Funktion, mit der Personen, die über den entsprechenden Link verfügen, die Position des Messengers auf Google Maps mitverfolgen können. Vor allem seitdem Garmin inReach übernommen und das inReach-Mini auf den Markt gebracht hat, haben viele Bergsteigende vom Satellitentelefon zu diesem Messenger gewechselt. Man kann das Gerät so konfigurieren, dass die Rega direkt und ohne zeitliche Verzögerung alarmiert wird (siehe Kasten S. 49). Wertvoll ist auch, dass nach dem Absetzen eines Notrufs auf diesem Weg der aktuelle Standort übermittelt wird. Achtung: Ohne Sicht auf den entsprechenden Satelliten ist auch hier keine Kommunikation möglich.

Rega-Funk ein Schweizer Plus

Trotz der Konkurrenz durch die Satellitensysteme beneiden alle die Schweiz wegen ihres Rega-Funknetzes, dank dem man mit einem Funkgerät direkt mit der Rega-Einsatzzentrale Kontakt aufnehmen kann. Vor allem unter Bergführerinnen und Bergführern in Gebieten ohne Mobilfunkabdeckung ist dieses System verbreitet. In allen anderen Alpenländern gibt es leider keine eigene Notfall-Funkfrequenz für Bergsteigende.

Für die Kommunikation innerhalb einer Gruppe setzen sich die kleinen und kostengünstigen PMR-Funkgeräte (Private Mobile Radio) immer stärker durch - sie verfügen aber nur über eine sehr beschränkte Reichweite von maximal fünf Kilometern. Beim winterlichen Freeriden haben sich diese Geräte bereits für die gruppeninterne Kommunikation etabliert, je nach Verbreitung und Szenario kann dieses System bei jeder alpinen Notsituation hilfreich sein. Etwa wenn in einem Notfall ein Gruppenmitglied zu einem Punkt aufsteigt, wo Mobilfunkempfang besteht, dort einen Notruf absetzt und gleichzeitig mit dem Unfallort via Funk kommunizieren kann.

{f:if(condition: label, then: label, else: header} Alarmierung ohne Mobilfunknetz

Standortwechsel > Mobilfunknetz

Durch einen Standortwechsel, meistens durch das Aufsteigen auf einen Bergrücken oder an eine Stelle mit Sicht auf ein Skigebiet bzw. eine Ortschaft, gelangt man evtl. in den Bereich einer Mobilfunk-Netzabdeckung und kann einen Notruf absetzen.

So verbessern Sie den Mobilfunkempfang:

höher gelegenen/hindernisfreien Ort aufsuchen

Akku sparen, indem man ein Headset verwendet, ruhig stehen und Telefon nach optimaler Empfangsposition ausrichten und dann ruhig halten

Akku muss stark genug sein, sonst evtl. an einen mobilen Akkupack hängen

andere elektronische Geräte ausschalten und Telefon evtl. aus- und einschalten

versuchen, per SMS einen Notruf abzusetzen

Hilfe holen

Jemand der Gruppe soll zu Fuss bzw. mit den Ski aufbrechen, um bei der nächsten Hütte oder Ortschaft Hilfe zu suchen. Faktoren wie Wetterverhältnisse, Grösse und Können der Gruppe, Topografie des Unfallgeländes usw. spielen dabei eine entscheidende Rolle und müssen entsprechend bewertet werden, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

Vorab informieren

Dies wird in der heutigen Zeit gerne etwas vernachlässigt, ist aber noch immer eine sehr gute Idee: Anderen Menschen Bescheid geben, welche Tour man vorhat und bis wann mit einer Rückkehr zu rechnen ist. So kann auch ein Notruf abgesetzt werden, wenn die Tourengänger/innen selbst keine Möglichkeit dazu haben: nämlich durch die Personen, die im Tal bzw. in der Hütte auf die Bergsteigenden warten.

Dafür gibt es inzwischen auch entsprechende Apps: Man trägt ein, was man vorhat bzw. wo man hingeht, und definiert eine Alarmierungsuhrzeit, zu der diese Informationen jemandem gemailt bzw. gesimst werden.

Alpines Notsignal

Wem fällt sofort ein, wie dieses gute alte Signal geht? Das weiss eigentlich niemand und hat nicht nur früher kaum etwas gebracht, sondern ist auch heute höchstens eine nette Tradition. (Das Problem: Sobald sie irgendwo am Berg den Lichtkegel einer Stirnlampe sehen, alarmieren besorgte Mitmenschen sofort die Rettungskette …) Der Vollständigkeit halber: Man macht während einer Minute (streng genommen 50 Sekunden) alle zehn Sekunden, also sechsmal pro Minute, mit optischen und/oder akustischen Signalen auf sich aufmerksam. Dann folgt eine Minute Pause, darauf folgt wieder sechsmal pro Minute Pfeifen, Rufen, Winken, Blitzen oder Leuchten.

Ad-hoc-Netzwerke

Wie beim PMR-Funk hängen die Möglichkeiten auch hier von der Verbreitung der Systeme ab, das heisst davon, wie viele Bergsteiger/innen in einer Geländekammer zur Verfügung stehen, um ein solches Netzwerk aufzubauen. Das Ganze läuft über Apps (zum Beispiel Uepaa!), die auf den Mobiltelefonen installiert und aktiv sind. Über verschiedene Frequenzen wie WLAN, Bluetooth oder UTMS/G3 bauen die Geräte dann ein eigenes Netzwerk auf, über das kommuniziert werden kann, meist mittels Textnachrichten. Momentan sind diese Netzwerke noch kaum verbreitet, aber in Zukunft eventuell eine Option. Das Interessante daran: Die Notrufmeldung wird so lange von Smartphone zu Smartphone weitergereicht, bis das erste Gerät mit einem Mobilfunknetzempfang gefunden wird.

Notrufnummern und Apps

Die wichtigsten Telefonnummern im Notfall sind:

– Rega: 1414 (im Wallis 144)

– Euro-Notruf: 112

– Österreich: 140

– Italien: 118

– Soccorso Alpino Aosta 800 319 319

– Frankreich: 15

– Gendarmerie Chamonix: +33 (0)4 50 53 16 89

– Rega im Ausland +41 333 333 333

– Rega-Daten für die Konfigurierung der Satellitengeräte: 076 601 14 14 / alarm(at)rega.ch

App:

– Rega-App: Die Rega empfiehlt, wenn möglich über die Rega-App zu alarmieren, weil dabei automatisch die Koordinaten des Alarmierenden an die Rega-Einsatzzentrale übermittelt werden. Für Gönnerinnen und Gönner stehen weitere Funktionen zur Verfügung, wie etwa das Teilen von Positionsdaten mit Verwandten und Freunden.

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