Inszenierter Alptraum

Demonstration moderner Bergrettungsmöglichkeiten Zum Abschluss des Internationalen Kongresses für Gebirgsmedizin in Interlaken führten die SAC-Rettungsstationen von Lauterbrunnen und Grindelwald zusammen mit der Air-Glaciers und der Rega eine grosse Rettungsdemonstration durch. Die zahlreichen Bergunfälle dieses Sommers rückten die Arbeit der Bergretter ins Rampenlicht - der Besucherauf-marsch in Lauterbrunnen war entsprechend gross.

Lehrreiche Unfallszenarien Beim Landeanflug kollidiert ein Gleitschirmflieger mit einem Kabel der Schilthornbahn, der Schirm verheddert sich am Seil, und der Pilot hängt in den Gurten. Bergführer Hansruedi Gertsch, der Leiter des Bergsteigerzentrums Grindelwald, nähert sich mit dem Rollgliss dem Verunfallten, sichert diesen, löst ihn vom Gleitschirm und seilt ihn zur Hundertschaft staunender Zuschauer ab. Wenig später wird der Alptraum vieler Gondelbahnbenutzer inszeniert. Die Grossraumkabine bleibt auf ihrer Fahrt nach Gimmelwald wegen eines technischen Defekts stehen. Weil ein Gewitter aufzieht und die Nacht hereinbricht, erfolgt die Evakuation mit dem Helikopter. Am Seil des Lama-Helis schwebend werden die Statisten in einer Blitzaktion auf den sicheren Boden geflogen. Das Szenario wird immer dramatischer: Auf einem Felsband liegt ein verletzter Alpinist. Die Air-Glaciers fliegt einen Arzt an die Unfallstelle und birgt den Verunfallten mit dem Rettungssack und der Aussenwinde an der Alouette III. Eine noch heiklere Situation lösen die Retter mit der Long-Line-Technik - am 130 Meter langen Seil unter dem Heli hängend holen sie eine Seilschaft aus der Mürrenflue.

Verzicht auf Windeneinsatz Dass die Rega ihren vorgesehenen Windeneinsatz an diesem Tag nicht demonstrieren konnte, hatte seinen Grund im tragischen Unglücksfall vom 3O. Juli 1997 in Leysin. Bis die Unfallursache geklärt ist, darf die elektrische Winde nicht benutzt werden. « Was nicht heisst, dass wir untätig am Boden bleiben », meint der anwesende Arzt Johannes Walther, haupt- beruflich als Anästhesist am Regionalspital Thun tätig und in der Freizeit bei der Rega im Einsatz. Gerettet werde zur Zeit mit dem Fixseil an der Lastenklinke. Wann wieder mit der Winde geflogen werden könne sei noch unklar - man sei intensiv am Suchen von Lösungen, was bedeute, dass entweder ein anderes Produkt beschafft oder aber die bestehende Winde entsprechend modifiziert werde.

.Ï Q Vielseitiger Nutzen Solche Demonstrationen seien für ihn sehr wertvoll, brächten sie doch neben dem Training auch wichtige Kontakte zu den Fluggesellschaften und den Kollegen der benachbarten Rettungsstationen, betont der Grindelwaldner Rettungschef Kurt Amacher nach erfolgreichem Abschluss der Veranstaltung bei einem wärmenden Kaffee. Dabei weist er auf die gute Zusammenarbeit mit der Ret- Verfahren für Spaltenrettung ( Rettungsübung Lauter-brunnen/Grindelwald ) Kollision eines Gleitschirmfliegers mit einem Kabel der Schilthornbahn ( Rettungsübung Lauter-brunnen/ Grindelwald ) tungsstation Lauterbrunnen hin, deren Chef Urs Schäfer für einen Grossteil der Demonstration verantwortlich zeichnet. Ihr wohnten ebenfalls einige prominente SAC-Vertreter

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