Iva-Schnaps gegen Blödigkeit und Blähungen

In den warmen Monaten schiessen sie aus dem Boden und blühen im Wald und auf Wiesen: Wildpflanzen. Gesammelt werden sie nur noch selten. Früher haben die Alpenbewohner die Pflanzen genutzt, um böse Geister zu vertreiben, als Hausmittelchen gegen zahlreiche Gebrechen oder als Zutat für Getränke.

Früher nannte man sie Kräuterhexen: Frauen, die verschiedenste Wildpflanzen sammelten, um sie als Heilmittel oder zur Vertreibung von bösen Gestalten einzusetzen.

So glaubte man, das Alpenleinkraut mache Kobolden und Dämonen den Garaus. Hahnenfussgewächse sollten Geisteskrankheiten heilen, und das Nagelkraut gegen Blasenentzündung helfen.

Doch alpine Kräuter ergänzten im Alltag auch die Familienkost der Bergbevölkerung. Ein Beispiel ist das «Chörblichruut», ein Kerbelkraut. Dieses gedeiht besonders gut in den Voralpen und kommt im Gebirge bis auf 1900 Meter über Meer vor. Am sankt-gallischen Grabserberg zwischen Alviergebiet und Churfirsten produzieren Familien daraus seit vielen Jahren das nach Anis schmeckende «Chörbliwasser». Das ist eine destillierte, alkoholfreie, milchig-trübe Flüssigkeit, die man trinkt oder äusserlich als Allerweltsheilmittel anwendet. Auch aus Alpenpflanzen hergestellte alkoholische Getränke sind verbreitet – zum Beispiel der Iva-Schnaps im Engadin.

Geheimrezept für Iva-Schnaps

Iva ist der rätoromanische Name für die Moschus-Schafgarbe, die Hauptzutat des Kräuterlikörs. Sie wächst vor allem auf Felsschutt in der Nähe von Gletschern zwischen 1700 und 3200 Metern. Sogar der Berner Naturgelehrte Albrecht von Haller berichtete im 18. Jahrhundert über die medizinische Wirkung der Iva-Pflanze: Die Bergbewohner würden die Essenz gegen Blödigkeit, Unverdaulichkeit, Blähungen und Bauchschmerzen nutzen. Doch auch als alkoholisches Getränk ist der Schnaps seit spätestens 1782 bekannt. Damals berichtete ein Bündner Pfarrer, dass «im Engadin seit vielen Jahren ein geistiger, angenehmer Likör aus dieser Pflanze zubereitet wird».

Heute, erzählt ein Einheimischer aus dem Oberengadin, gönnten sich vor allem Jäger während der Jagd ein Gläschen Iva-Schnaps. Er weiss auch zu berichten, dass Iva-Schnaps am feinsten wird, wenn die Schafgarben zwischen vier und fünf Uhr nachmittags entlang von Steinblöcken verlesen werden. «Dann sind sie am süssesten», sagt er. Viel mehr möchte er jedoch nicht verraten, denn im Oberengadin besitzt jede Familie noch immer ihr eigenes Geheimrezept.

Zutaten:

1 Liter reiner Alkohol (98%)

4 Handvoll Schafgarbenblätter und -blüten

Zuckersirup (1:1 Wasser und Zucker)

Feedback