J. v. Doblhoff: Von der Simplonbahn

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Die Skizze des auch durch andere Publikationen über Handels- und Verkehrsstraßen bekannten Wiener Publizisten bietet für die Alpen manches Interessante, ist überhaupt eine aus einer umfangreichen Literatur zusammengetragene und durch geistreiche Bemerkungen anregende Schrift. Immerhin muß ich mein Lob mit einigen Einschränkungen versehen. Text und Zitate sind oft recht ungenau und darum schwer zu kontrollieren. Schreibfehler und Versehen häufig. Auf einige Fehler, welche die Alpenstraßen betreffen, will ich ausdrücklich aufmerksam machen, damit man meinen Tadel verstehe.Von Hannibal heißt es z.B.: „ Über den jetzigen Kleinen St. Bernhard soll Hannibal mit seinen Elefanten gezogen sein; er kam von Massilia längs der Rhone in das Aostatal; doch darf man sich dabei keine Saumstraße vorstellen, denn die Wasserläufe bildeten die Richtschnur der Pferde, welche vom Talboden direkt zu den Sätteln aufstiegen, ohne Umwege zu machen. " Das ist nun, soweit es verständlich ist, falsch. Nicht besser ist der Bericht über den Bau der Teufels-brttcke, von der es heißt, sie sei an Stelle der von den Longobarden erbauten „ stäubenden Brücke " getreten. Das ist heller Unsinn. Die „ stäubende Brücke " war eine in Ketten am rechten Ufer der Reuß aufgehängte hölzerne Galerie außen an den Felsen, durch welche später das Urnerloch gebrochen wurde. In der Longobardenzeit, wenn es eine solche für das Urserental überhaupt gegeben hat, war die Schöllenenschlucht unpassierbar. Vom Septimer heißt es, er fehle „ auffallenderweise ' ' in der Tabula Peutingeriana. Mit vollem Recht fehlt er, denn über den Septimer führte keine Römerstraße. Der Pflasterweg ist im Mittelalter angelegt und sicher zu datieren. Von dem Itinerarium Antonini bringt v. Doblhoff die kuriose Meldung ( angeblich nach Bavier, „ Straßen der Schweiz ", pag. 8 ), das Exemplar der Berner Stadtbibliothek trage die Jahreszahl 393. Der von mir befragte Bibliothekar erklärte, er wäre froh, ein solches Altertum und Unikum zu besitzen, es sei aber leider nicht der Fall. Von Cäsar wird behauptet, er habe 57 v. Chr. das halbe Wallis wegen der Pässe besetzt und die römisch-pönninische Heerstraße auf von den Urbewohnern längst begangenen Pfaden gegründet. Die fahrbare Straße der Salassier ( siesoll nach v. Doblhoff der Mont Cenis gewesen sein. Der Bernhardin soll im Altertum Mons Aquila geheißen haben, was eine Verwechslung mit dem Mons Avium, Vogelberg, des Mittelalters ist. Auch was über Chamouny und die Ableitung von Campus munitus von Doblhoff vorgebracht wird, ist falsch. Man hat den Eindruck, er bilde sich ein. Chamonix habe irgend etwas mit dem Aostatal und dem Großen St. Bernhard zu tun. Ich könnte diese kritischen Bemerkungen mehr als verdoppeln, ohne die Fundgrube von Fehlern zu erschöpfen, aber als Warnung für allzu autoritätsgläubige Leser werden die gebrachten genügen. Dabei will ich es dem Verfasser nicht besonders übelnehmen, daß er meinen Namen zweimal falsch und jedesmal anders zitiert, zitiert er doch im gleichen Paragraphen einen „ Th. v. Mommsen ".

Die kleine Broschüre über die Simplonbahn ist weniger flüchtig, da der Verfasser sich hier an technische Berichte und feste Zahlen halten konnte und sich mit der Geschichte des Simplonbahn- und Tunnelbaus vertraut zeigt. Immerhin gibt es auch hier Versehen und Druckfehler; so heißt der Vorsteher des schweizerischen Eisenbahndepartements bei Doblhoff Zemper, und daß der deutsche Kaiser der Eröffnung des Tunnels am 1. Mai 1906 beiwohnen werde, war uns neu. Bis dieses Jahrbuch herauskommt, werden wir es ja wissen.Redaktion.

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