Jassen, singen und tanzen im Clubheim Rosmarie Broger, 56, Sektion Kamor, Bauernfrau und Abwartin

Mit den Frauen der Freien Riege Meistersrüti gehen wir jeden Winter drei Tage ins Clubheim der Sektion Kamor in Wildhaus. Tagsüber wandern wir oder schlitteln und fahren Bob oder Ski. Letztes Jahr haben wir draussen eine grosse Schneebar gebaut und darauf angestossen, dass ich zum ersten Mal Grossmutter geworden bin. Abends haben wir eine Tischbombe gezündet, gesungen, getanzt und gespielt. Es ist immer lustig in Wildhaus, wir werden dort ein bisschen zu «Gofen».

Das Clubheim ist der Grund, weshalb ich überhaupt im SAC bin. Ein früherer Chef war Hüttenwart, und dank ihm konnten wir die Hütte buchen, ohne Mitglied zu sein. Als er vor vier Jahren gestorben ist, haben sie uns gesagt, jemand müsse beitreten, sonst könnten wir nicht mehr gehen.

Aufgewachsen bin ich in Sargans als Bauerntochter. Ich wollte immer einen Bauern heiraten. Mit 18 war ich in einer Stelle als Haushalthilfe in Meistersrüti. Da habe ich den Broger Josef von der Schützenmatt kennengelernt. Fünf Jahre später haben wir geheiratet. Vorher habe ich auf dem Custerhof in Rheineck noch die Bäuerinnenschule besucht und dann im Altersheim Rheineck in der Hauswirtschaft gearbeitet. Als ich hierherkam, hatte ich schon etwas Bedenken wegen der Leute. Der Innerrhoder ist schon ein spezieller Menschenschlag. Damals gab es noch lange kein Frauenstimmrecht, und viele fanden, eine Frau gehöre an den Herd. Das hat seither gebessert, und ich hatte selber nie Probleme. Ich kann auf die Leute zugehen, bin gesellig und habe es gerne lustig. Aber ich spreche ein Dialektgemisch. Manchmal höre ich immer noch, ich sei eben keine «Öserigi».

Unter den Frauen von der Bäuerinnenschule haben wir einen schönen Zusammenhalt. Alle vier Jahre machen wir einen Ausflug. Wir waren schon in Wien oder fuhren mit dem Schiff auf dem Rhein nach Amsterdam. Einmal besuchten wir eine der Frauen, die jetzt in Dänemark einen Bauernhof hat.

Ein Land, das ich gern noch einmal besuchen würde, ist Kanada. Wir kennen dort eine ausgewanderte Bauernfamilie. Aber es gibt auch in der Schweiz noch viel Schönes zu sehen.

Einmal die Woche jasse ich mit drei Frauen, und einmal pro Monat gehe ich an Preisjassen. Da spielt man zu zweit, Schieber und Coiffeur. Ich bin schon mehr als einmal mit einem Coop-Gutschein vom «Café Fässler» nach Hause gekommen. Jassen ist eine Leidenschaft von mir.

Wir haben 27 Stück Vieh, Braunvieh ohne Hörner. Ich packe überall mit an, wo es einen braucht. Früher habe ich im Stall auch beim Melken geholfen, jetzt vor allem beim Füttern, Misten und Milchgeschirrwaschen. Am Mittwochnachmittag und am Samstag bin ich Schulabwartin in Meistersrüti. In den Sommerferien putzen wir das ganze Schulhaus.

Im Sommer geht das Jungvieh z Alp, die Kleineren auf den oberen Kamor, die tragenden Rinder auf den unteren. Wenn man die Tiere dort sömmert, kann man, statt nur zu zahlen, auch Frondienst leisten. Blacken spritzen, Steine auflesen, zäunen – solche Sachen. Ich bin wahnsinnig gern in den Bergen und in der Natur. Am meisten gehen wir in den Alpstein, jetzt aber auch mehr in die Flumserberge, wo meine ältere Tochter einen Bauern geheiratet hat.

Die Schützenmatt ist ein Pachtbetrieb, der dem Bezirk Gonten gehört. Wir haben ihn von meinen Schwiegereltern übernommen. Wie es weitergeht, ist ungewiss. Von unseren zwei Buben wollte keiner in die Landwirtschaft. Eigentlich ist der Betrieb mit elf Hektaren heute zu klein, um darauf zu existieren. Ich kann mir vorstellen, dass es mir gar nicht leichtfiele, wenn wir weggehen müssten.

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