Kammerlander, Hans (unter Mitarbeit von Walter Lücker): Bergsüchtig

Kammerlander, Hans ( unter Mitarbeit von Walter Lücker ): Bergsüchtig

Piper Verlag, München 1999, Fr. 46.

Erhard Loretan ist Den Bergen verfallen, Hans Kammerlander Bergsüchtig - diese Buchtitel der zwei Spitzenalpinisten und führenden Höhenbergsteiger können als treffende Selbst-diagnosen verstanden werden. Weniger verfallen sind die zwei Bergprofis naturgemäss Schreibtisch und Computer - so liess sich Erhard Loretan sein erstes Buch durch den Journalisten Jean Ammann schreiben, während Hans Kammerlander bei seinem zweiten, kürzlich erschienenen Buch auf die Unterstützung des Alpinjour-nalisten Walther Lücker zählen konnte. Entstanden ist ein spannender Bericht aus der Welt der höchsten Berge, über Grenzgänge, wie sie Hans Kammerlander immer wieder unternimmt ( als diese Rezension geschrieben wurde, war er an seinem 13. Achttausender, dem K2, unterwegs ). Kammerlander beschönigt seine beeindruckenden Erfahrungen und teilweise dramatischen Erlebnisse keineswegs und versetzt dem Tourismus an die hohen Himalayagipfel einige kritische Seitenhiebe. Etwas zu kurz kommen in den packenden Schilderungen das Privatleben, die Emotionen: Man hätte gerne mehr über die Beziehung zu seiner Frau erfahren; sie wird zwar häufig erwähnt, doch ihre wohl bedeutende Rolle in dieser Partnerschaft bleibt unklar, so wie der Leser auch wenig über die Freunde und das Alltagsleben daheim im Südtirol erfährt.

Christine Kopp, Unterseen Josef Biner, Zermatt, um 1890, anonym. Das Schicksal von Josef Biner verweist auf eine Schattenseite der gefährlichen Bergsteigerei. Das grosse Risiko, das viele Führer, nicht zuletzt wegen der bescheidenen kletter- und sicherungstechnischen Kenntnisse ihrer Gäste, eingingen, mussten nicht wenige von ihnen mit dem Leben bezahlen. Josef Biner stürzte am 2O. September 1894 beim Abstieg vom Zinalrothorn auf den Durandgletscher, weil das Sicherungsseil riss. Seine beiden Begleiter überlebten.

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