Kein Traumjob – aber ein Jobtraum Die SAC-Hüttenwarte drücken die Schulbank

Ein Beruf, unzählige Aufgaben, grosse Verantwortung, aber immer eigener Herr und Meister: Wer als Gastgeber einer SAC-Hütte auf eine Ausbildung als Hüttenwart zurückgreifen kann, hat mehr davon.

Die rund 360 000 Gäste, die im Jahr 2009 auf einer der 153 SAC-Hütten übernachtet haben, wissen genau, was sie von ihren Gastgebern erwarten. Das beweist eine Umfrage auf der Hollandiahütte: Neben einer guten Küche, freundlichen Umgangsformen und einem Service fast rund um die Uhr sind auch technische Fähigkeiten, alpinistisches Flair und meteorologisches Verständnis gefragt. Keine leichte Aufgabe. Die neue Hüttenwartin hinter der Theke über der Lötschenlücke, Katrin Müller aus Biberist, setzt sogar noch einen drauf: « Psychologisches Geschick braucht es ebenso », meint die 38-jährige ehemalige Bäckerin bestimmt. Die Schwierigkeit dabei liege auf der Hand: « Was breit gefächert daherkommt, muss auch in der Tiefe stimmen. » Wer nicht rundherum sattelfest sei, habe auf einer Hütte ein schweres Leben.

Dass der Beruf eines Hüttenwarts oder einer Hüttenwartin zuweilen auch glorifiziert und idealisiert wird, weiss auch Bruno Lüthi, beim SAC für das Hüttenmarketing verantwortlich: « Wir sind zwar bei der Ausbildung der Hüttengastgeber froh um das Wissen und die Fähigkeiten von Berufsleuten aus verschiedenen Richtungen. Bei den ersten beiden Ausbildungskursen haben wir aber auch merken müssen, dass sich nicht alle Kursteilnehmer der Tragweite der Verantwortung und der Belastung auf einer Hütte bewusst waren. » Um den « Sinn für die Realität » bei den Ausbildungswilligen zu stärken sowie spätere Enttäuschungen und ein « böses Erwachen » zu verhindern, wird ein möglichst vor Kursbeginn zu absolvierendes obligatorisches Praktikum gefordert. So erhalten die Interessierten Gelegenheit, als Hüttenhilfen wertvolle Erfahrungen zu sammeln und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Dieser praktische Ausbildungsteil sei ein wesentliches Element und Voraussetzung für die neuartige Ausbildung.

Mit der Lancierung einer berufsbegleitenden Ausbildungseinheit für angehende Hüttenwarte ist dem SAC vor zwei Jahren eine bedeutende Weichenstellung gelungen. Zwar sei der Besuch des Lehrgangs noch nicht bei allen Ausschreibungen für Hüttenwartstellen als Voraussetzung deklariert. « Wünschbar ist sie aber allemal », erklärt Lüthi, ohne den SAC-Sektionen als Hütteneigentümerinnen und Partnerinnen zu viel vorschreiben zu wollen.

Es sei aber wohl eine Frage der Zeit, bis Hüttenwartstellen nur noch an ausgebildete Hüttenwirte oder solche, die sich für den Ausbildungskurs verpflichten, vergeben würden. Die Tatsache, dass die neu geschaffene Ausbildung ein wichtiger Schritt für die Qualitätssicherung auf den SAC-Hütten ist, sei auf allen Ebenen unbestritten. 360 000 Übernachtungen und geschätzt weit über eine halbe Million Tagesgäste pro Jahr seien Herausforderung und Verpflichtung zugleich.

Die in fünf Module zu drei Tagen gegliederte berufsbegleitende Hüttenwartausbildung umfasst alle für einen Gastgeber wichtigen Bereiche wie Betriebswirtschaft, Personalführung, Administration, Marketing und Recht. Aber auch hüttentechnische, meteorologische und medizinische Kenntnisse sind wichtig, genauso wie Erfahrung bei der « Personalführung unter erschwerten Bedingungen ». Bei allen Ausbildungsbereichen spiele der Praxisbezug eine wichtige Rolle, heisst es bei den Kursverantwortlichen. Eines der Module findet denn auch in einer SAC-Hütte statt. So soll auch den Kursteilnehmenden des Ausbildungslehrgangs 2011 – er beginnt Mitte März und endet Mitte Oktober – eine echte Perspektive geboten werden.

Hüttenwartausbildung: spezielle Situation im Kanton Wallis

 Wer im Kanton Wallis eine Berghütte führen möchte, muss gemäss geltendem Gesetz entweder über eine anerkannte Berufsbildung respektive Berufserfahrung im Gastgewerbe verfügen oder aber die kantonale Fähigkeitsprüfung bestehen. Der deutschsprachige Hüttenwartkurs deckt die Inhalte des Prüfungsstoffs nur zu einem Teil ab und wird vom Kanton Wallis nicht als Prüfungsvorbereitungskurs anerkannt. Darum hat die Trägerschaft des Hüttenwartkurses, bestehend aus SAC und der Hüttenwartsvereinigung Schweizer Hütten, darauf verzichtet, einen Kurs in französischer Sprache anzubieten. Hüttenspezifische Module werden im Kanton Wallis über die Weiterbildungsplattform ritzyinfo.ch angeboten, deren Kurse von Hüttenwarten und deren Angestellte kostenlos besucht werden können.

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