Kleine Objekte - grosse Wirkung Die Drei Zinnen auf Ansichtskarten, eine Ausstellung in Innsbruck

Mit der kleinen, feinen Ausstellung « Schöne Grüsse !» (3O. Mai bis 17. August 1996) wollte das Alpenvereins-Museum Innsbruck der Frage nachgehen, wie die Berggruppe der Drei Zinnen zur legendären Sehenswürdigkeit geworden ist, von der in Tausenden von Postkartengrüssen gesagt wird: « Hier ist es schön»! (1)

Lauter Ansichtskarten aus der Zeit zwischen 1900 und 1950 haben Ausstellungskurator Anton Holzer, Georg Käser vom Alpenvereins-Museum und sein Team effekt- und geschmackvoll arrangiert. Überflüssiges wurde weggelassen, Wichtiges spricht für sich selbst. Die Wandlung immer derselben Berggruppe vom Inbegriff unnahbarer Bedrohlichkeit zur gefragten Sommerfrische, zum heiss-umkämpften Bollwerk von mehrfacher nationaler Bedeutung, zum Pilgerort von Millionen bis hin zum Turngerät der extremen Kletterspezialisten, konzentriert auf eine Fläche einiger Quadratzentimeter, ist faszinierend und in seiner Art ein Kultur-ereignis.

Postkarten haben das Bergverständnis mitgeformt « Wir wollten hinter die Fassaden der Drei-Zinnen-Bilder blicken », sagte Sammler Anton Holzer zum Ziel der Ausstellung. Dieses wird in vier Schritten angestrebt:

1. Die Annäherung, der Weg zum Berg, die touristische Eroberung.

2. Die Inszenierung des Blicks mit passendem Vorder- und Hintergrund, mit Beiwerk und den entsprechenden Farben.

3. Die Geschichte der Drei Zinnen als politische, gesellschaftliche und gleichzeitig auch umkämpfte Grenze.

4. Die « leistungsorientierte Fokussierung » auf eine einzige Sicht: Die Nordwände.

Im Neben- und Nacheinander zeigen die Postkartenblicke den kulturellen Umgang des Menschen mit dem Mysterium Berg. ( Vorläufiges ) Ende dieser Entwicklung ist die ausschliessliche Ausrichtung auf die Nordansicht. Die Nordwände der Drei Zinnen - Inbegriff für Getanes und Unterlassenes, für Wünsche, Träume und Enttäuschungen, für Konkretes und Irreales - und für ein unbeschreiblich grandioses Stück Natur.

Die Botschaften, die die Ansichtskarten überbrachten, enthalten letztlich viel mehr als « Schöne Grüsse ». Sie sind Teil der Geschichte vom Blick aufs Gebirge und haben diese auch selber mitgeschrieben.

Walter Bonatti sagte einmal: « Die Berge sind das, was der Mensch aus ihnen macht. Sonst sind sie nur ein Haufen Steine. » Diese Ausstellung leuchtet manche dieser Facetten aus -und überlässt den Rest der Phantasie.

Literatur

' Zum selben Thema ist auch das Buch erschienen:

Holzer, Anton: Die Bewaffnung des Auges. Die Drei Zinnen oder Eine kleine Geschichte vom Blick auf das Gebirge. Verlag Turia+Kant, Wien 1996

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