Klettern am Salbitschijen

Das Schaltzentrum der Gotthardachse, Göschenen, wäre ein wenig einladender Ort, wenn es sich nicht am Ausgang eines wunderschönen kleinen Tals befände - dieses grüne Kleinod ist ein ideales Ziel für jene, die den Abgasen entfliehen und frische Luft tanken wollen! Der Aufbruch von Göschenen ist wirklich verwirrend: Man gerät unversehens in das Reich des Salbitschijen - und anderer Kletterberge wie Gandschijen, Bergseeschijen und Schijenstock.

Aus der Geschichte

Die Erstbesteigung des Salbitschijen ( 2981 m ) datiert von 1889. Sie ist das Werk von J. Gamma und E. Huber. Während der " Salbit ", wie er meist kurz und bündig genannt wird, von der Nordseite her ein wenig ausgeprägter Gipfel ist, überragt er das Göschener Tal und die Voralp mit drei mächtigen Graten. Diese wundervollen, nach Westen, Süden und Osten ausgerichteten Grate bergen den grossen Teil der Klettermöglichkeiten des ganzen Massivs. Als erster wurde 1925 der Ostgrat erklettert; die Erstbegeher umgingen die eindrückliche Bastion, die erst 1965 bezwungen wurde.

Heute ist dieser Grat - der leichteste der drei grossen Grate des Salbit - ein Klassiker. Der durch-

schnittliche Kletterer kann hier rund f 5 recht homogene Seillängen im Grad 4+/A0 aneinanderreihen!

Dann folgt der Südgrat, ein stolzes, von den drei gewaltigen Türmen Salbitzahn, Platten- und Zwillingsturm flankiertes Bollwerk. Der Südgrat bietet eine fantastische Kletterei, die Schwierigkeit liegt konstant im 4. und unteren 5. Grad, und zur Überwindung der Türme muss ein paarmal abgeseilt werden. Für den ganzen Grat braucht man fünf bis sechs Kletterstunden. Der Südgrat ist einer der bekanntesten Klassiker, der sehr viele Bergsteiger anzieht. Wie so oft in solchen Fällen wird die Tour im allgemeinen unterschätzt, und viele Bewerber geben auf, bevor sie den Salbitzahn erreichen, oder kehren erst spät in der Nacht zurück. Die Erstbegehung des Südgrats datiert von 1935. Sie wurde in einem einzigen Tag durch Otto und Alfred Amstad zusammen mit Guido Masetto unternommen.

Nach den zwei bereits erwähnten Graten bleibt noch der Westgrat übrig, der schönste, schwierigste und unzugänglichste. 1948 wurde er erstmals in seiner ganzen Länge begangen: Die Seilschaft Louis Henchoz, Betty und Ernest Favre brauchte dreieinhalb Tage, um das für jene Zeit aussergewöhnliche Unternehmen erfolgreich zu beenden. Der Salbit-Westgrat setzt sich zusammen aus fünf Türmen, die durch tiefe Scharten voneinander getrennt sind, und der 15 Meter hohen Gipfelnadel. Der Grat ist äusserst lang und stellte die Erstbegeher vor bedeutende technische Probleme ( künstliche Kletterei, heikle Abseilstellen, Pendelquergänge usw. ); die

Abendliche Ankunft auf der Salbithütte, die als Ausgangspunkt für die meisten Touren auf den im Hintergrund noch sichtbaren Salbitschijen-Gipfel dient.

einzelnen Türme konnten nur nach einer sorgfältigen Prüfung der natürlichen Schwachstellen überwunden werden.

Auf der Nordwestseite des Westgrats fällt das steile Horefelli-Couloir ab. Durch dieses Couloir stiegen die Kletterer auf, die die ersten Versuche an den Türmen unternahmen. Zuerst wurden nämlich die einzelnen Türme angegangen. So glückte die Erstbegehung von Turm 1 bereits 1923! Bei der Erstbegehung des Westgrats 1948 stiegen die drei Kletterer durch das Horefelli-Couloir auf und biwakierten am Fuss von Turm 1 auf der Südseite des Grats. Seit 1968 steht hier das Salbit-Biwak, das zweifelsohne der beste Ausgangspunkt für die lange Tour ist.

Nach den Graten verlagerte sich das Interesse der Kletterer logischerweise auf die Wände. Auslöser war Max Niedermann, der 1956 die Südostwand des Zwillingsturms erschloss. Bald kam einer der aktivsten Zentralschweizer Kletterer, Kurt Grüter, zusammen mit F. Villiger in diese Gegend und ging den wunderbaren Ostpfeiler des gleichen Zwillingsturms an. Der von ihnen 1959 eröffnete Anstieg war für jene Zeit eine hervorragende Leistung und blieb lange eine der schönsten Klettereien an diesem Turm.

In den siebziger Jahren lag das Hauptinteresse auf den mächtigen Türmen des Westgrats. Auch hier war Kurt Grüter bei fast allen Unternehmen dabei. Und dann kamen die Bohrhaken-Jahre mit ihren zahlreichen Neutouren!

Der Salbitschijen-Südgrat

Die drei Grate und ihre Routen

Ostgrat

Der Ostgrat verlangt eine knappe Stunde Zustieg von der Salbithütte1 und ist ideal für den durchschnittlichen Gänger, der rund 15 Seillängen in regelmässigem Tempo klettern kann. Einige Seillängen sind wenig abgesichert und können Unerfahrenen gewisse Routenfindungs-Probleme aufgeben. Abgesehen davon handelt es sich um eine sehr schöne Kletterei, die eine ausgezeichnete Einführung in das Gebiet des Salbitschijen bietet.

Man nehme für den Ostgrat ein Sortiment Klemmkeile und Friends ( bis zur Nr. 3 ) mit und vergesse auch nicht, genügend Bandschlingen einzupacken: Es handelt sich um eine Gratkletterei!

Der Abstieg vom Salbit-Hauptgipfel kann sehr heikel sein, wenn das Schneefeld hart ist. Besonders zu beachten ist zudem, auf dem gleichen Schneefeld, bis in den Sommer hinein die Einbruchgefahr in den darunter fliessenden Bach in der Mitte des Abstiegscouloirs; hier haben sich in den letzten Jahren tragische Unfälle ereignet! Man halte sich beim Abstieg unbedingt an die - von oben gesehen - rechte Begrenzung des Couloirs! Für den Abstieg benötigt man feste Schuhe, und ein leichter Pickel erweist unter Umständen gute Dienste. Für die Kletterei rechnet man vier bis fünf Stunden.

Südgrat

Der grosse Klassiker am Salbitschijen! Übrigens auch zu Recht, denn die Kletterei ist wirklich traumhaft schön. Diese Tour begeistert sicherlich auch starke Kletterer, die an moderne Routen gewöhnt sind. Die einzelnen Passagen sind luftig, die Kletterei spielt sich in den Wänden ab und ist nie ermüdend. Der Fels ist von makelloser Qualität, und die Ausblicke auf den Westgrat sind bemer-

.'In derzeit vom 2. Juni bis 4. Oktober 1998 ist die Salbithütte- mit Ausnahme der Wochenenden, an denen ca. 20 Schlafplätze zu Verfügung stehen - infolge Umbauarbeiten grösstenteils nicht benutzbar. Vorgängige Anmeldung beim Hüttenwart Hans Berger ist unbedingt erforderlich, Telefon Hütte 041/885 14 31, Tel. P 041/887 00 60

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Prächtige Granitkletterei im oberen Teil des Sport- und Wettkampfklettern Salbitschijen- Westgrat: Blick von Turm 3 auf Turm 2 Foto: Robert Bosch

kenswert. Der Salbitschijen-Südgrat ist eine jener Touren, bei denen man wirklich ein tiefes Gefühl von Freiheit empfindet. Die Kletterei ist von elegantem und grosszügigem Charakter - ein reines Vergnügen!

Für den Südgrat braucht man solide Erfahrung im Begehen von langen Routen. Dann sollte man mit Seilmanövern vertraut sein, um nicht zuviel Zeit zu verlieren. Zusammen mit dem Zu- und Abstieg ist der Südgrat eine rechte Tagestour. Allein für die Kletterei bis zum Gipfel rechnet man etwa fünf bis sechs Stunden. Der erste Turm, der Salbitzahn, kann auch über die Route Takala ( rund zehn Seillängen im 4. und 5. Grad ) erreicht werden, aber das verlängert die ganze Tour erheblich! Die Flucht-Möglichkeiten bei einem Gewitter sind nicht ohne weiteres ersichtlich, und man sollte deshalb nur bei stabilem Wetter einsteigen.

Für den Südgrat nimmt man die gleiche Auswahl Rocks und Friends mit sowie ein 45-Meter-Seil ( zwei 20-Meter-Abseilstellen ).

Westgrat

1973, ich war junger Bergführer-Aspirant, beging ich den Salbitschijen-Westgrat zusammen mit meinem Seilpartner Thomas Gross. Damals war diese Tour eine echte Herausforderung, bei der eine Biwaknacht kaum vermieden werden konnte. Einzelnen Seilschaften gelang die Tour in einem Tag, aber meistens umgingen sie die Schwierigkeiten des Turms 2 über ein schmales Band auf der Nordseite. Die Abseilpisten existierten noch nicht, und deshalb erforderte die Tour grosses Engagement. Tom und ich benötigten zwei Tage für die Begehung. Ein gewaltiges Gewitter nagelte uns unter dem Gipfel von Turm 4 fest und zwang uns zu einem Biwak auf einem sehr bescheidenen Absatz!

Diese Zeiten sind längst vergangen - inzwischen hat der Westgrat viel von seinem abenteuerlichen Charakter eingebüsst. Geblieben ist aber die einzigartige, fantastische Kletterei!

Sport- und Wettkampfklettern e il a.

Der beste Ausgangspunkt für den Westgrat ist das Salbit-Biwak ( 2402 m ) fünf Minuten unterhalb von Turm 1. Man kann den Einstieg auch von der Salbithütte aus erreichen, muss aber in diesem Fall bis zum Fuss des Grats eineinhalb bis zwei Stunden rechnen. Dieser Zustieg verläuft durch eine wunderschöne, wilde Landschaft, enthält aber auch einige heikle Passagen bei der Querung des Mittwald-couloirs! Im Sommer 1997 wurde ein Teil der hier angebrachten Drahtseilsicherungen offenbar durch ein Gewitter, das heftigen Steinschlag auslöste, weggerissen. Dieser Zustieg ist dennoch sehr praktisch, wenn man in der Salbithütte übernachten und an den Westgrat-Türmen klettern will. Der Hüttenwart Haus Berger, ein grosser Kenner « seines » Massivs, gibt gern Auskunft über den Zustand des Pfads.

Im Lauf der Jahre wurde der Westgrat viel besser abgesichert; inzwischen säumen viele Bohrhaken die Route. Trotzdem darf diese lange Tour keinesfalls unterschätzt werden. Wie am Südgrat geben auch hier viele Seilschaften nach dem ersten oder zweiten Turm auf, wahrscheinlich weil sie die Zeit und die Kondition, die man für eine so lange Kletterei ( 35 Seillängen !) braucht, unterschätzen. Die Schwierigkeit ist anhaltend, und man muss den 6. Grad obligatorisch klettern. Der ganze Grat ist stark den Gewittern ausgesetzt, und man sollte deshalb unbedingt zuvor die verschiedenen Fluchtmöglichkeiten zwischen den einzelnen Türmen studieren.

Man nimmt ein Sortiment Rocks und Friends bis zur Nr. 3 sowie genügend Bandschlingen oder Seilschlingen und zwei 50-Meter-Seile mit.

Routen an den Türmen

Turm 2 Bleiben wir einen Moment beim Westgrat, und betrachten wir seine grossartigen Kletterwände von nahe. Mit Abstand der eindrücklichste ist - wegen seiner isolierten Stellung und seiner Höhe - Turm 2. Er weist eine ganze Reihe von Routen auf, von denen eine schöner als die andere ist. Am meisten wird heute die Route Hammerbruch begangen. Sie wurde 1979 von D. Andres, Z. Nägeli und A. Klinkert eröffnet und zählt ein Dutzend Seillängen, die kürzlich saniert wurden - für den Geschmack der Locals wurde dabei zuviel getan. Tatsächlich sind die Bohrhaken, die nun neben den mit Friends absicherbaren Rissen stecken, diskutabel.

Hammerbruch bleibt dennoch eine wunderbare Kletterei. Alles stimmt: die Ambiance, die vielfältige Kletterei und die Qualität des Felsens. Auf der ganzen Länge der Route wackelt kein einziger Griff! Ein Sortiment Friends bis zur Nr. 3 reicht vollkommen. Schwierigkeit 6+ oblig., Abstieg über die bestens eingerichtete Abseilpiste.

Unmittelbar links davon zieht sich die ebenfalls lohnende KGB, eine Route der Remy-Brüder, hoch. Sie ist allerdings härter: Die Schwierigkeit der rund zehn Seillängen liegt meist im oberen 7. Grad, die Kletterei ist teilweise psychisch anspruchsvoll. Man sollte auch gewohnt sein, selber Klemmkeile zu legen. Am Ende der Route kann man auf die Abseilpiste der Route Hammerbruch wechseln.

Noch anspruchsvoller ist Iron Man von J. Heindl und M. Schwitter. Die Route befindet sich rechts von Hammerbruch und schlängelt sich spektakulär durch die überhängenden Zonen von Turm 2 hoch. Sie weist offene Risse auf und verlangt athletische Kletterei, für die man den 7. Grad obligatorisch beherrschen muss. Für die kühn abgesicherte, psychisch und physisch extrem anspruchsvolle Route nimmt man ein komplettes Sortiment Friends ( auch die Nr. 4 ) und Rocks mit.

Turm 4

Wenn wir den Zustieg um 20 Minuten verlängern, erreichen wir Turm 4 und stossen hier auf eine weitere Perle: die 1979 durch K. Winkler und Ch. Röthlisberger eröffnete Route Härzbaragge. Die kürzlich sanierte Route führt auf den spitzesten Westgrat-Turm. Die Steilheit und die intelligent angebrachte Absicherung ergeben eine anspruchsvolle Kletterei. Der Fels ist herrlich! Man sollte nicht zu früh in die erste Seillänge einsteigen: Ein geschlossener Riss ( 7+ ), in dem ein Wasserrinnsal läuft, könnte einem die Freude vergällen. Abstieg über die eingerichtete Abseilpiste. Für die Kletterei nimmt man Rocks und Friends mit.

Zwillingsturm

Die Routen in der Südwand des Zwillingsturms haben alle ihren eigenen Charakter und ihre Besonderheit. Drei Anstiege stechen aber wegen der Qualität ihrer Kletterei aus der Vielzahl von lohnenden Routen heraus: die Südostwand ( Nieder-mann-Anderrüthi ), der Villiger-Pfeiler und Jimmy von C. und Y. Remy.

Die Niedermann-Route folgt einer begeisternden Linie, die den Charakter der Wand am besten ausnützt. Sie ist die historische Route am Zwillingsturm und datiert von 1956! Sie bietet ganz verschiedene Kletterstellen, vom Kamin bis zur gutgriffigen Platte. 1992 wurde sie hervorragend saniert. 14 Seillängen, 5 oblig., Rocks und Friends bis Nr. 3.

Der beste Abstieg vom Zwillingsturm verläuft über eine Abseilpiste entlang der Route Jimmy. Diese Abseilpiste ( sie erreicht im unteren Teil Clock and Stock ) ist mit gut sichtbaren, grossen und einzementierten Ringen ausgerüstet.

Der Südostpfeiler, der allgemein Villiger-Pfeiler genannt wird, folgt einer grossartigen Riss- und Verschneidungs-Linie von bestechender Eleganz. Die Kletterei bewegt sich im oberen 6. und unteren 7. Grad mit einer Siebnerseillänge; sie wurde kürzlich neu eingerichtet, aber ein paar Friends und Rocks können dennoch nützlich sein. Die Sicherungsmittel können bestens angebracht werden.

Jimmy bietet Kletterei moderner Art: Die Route folgt abenteuerlichen Risssystemen, die nicht immer weiterführen; der Kletterer muss dann oft einen Sporn über eine Platte oder eine steile Wand umgehen. Die Schwierigkeiten im 7. Grad sind anhaltend und die Kletterei ist ziemlich anstrengend ( ein paar athletische Dülferstellen ). Die Route ist recht gut abgesichert, zusätzliche Rocks und Friends sind aber notwendig.

Ausblick

Dieser kurze Streifzug durch das Massiv des Salbitschijen soll dazu anregen, ein besonders lohnendes Klettergebiet erstmals zu erkunden oder neu zu entdecken. Übrigens finden auch jene, denen die

genannten Routen zu anspruchsvoll oder die Zustiege zu lang sind, im Gebiet des Salbitschijen sehr lohnende Kletterziele in der Nähe der Hütte. Da ist z.B. das Gebiet der Gemschiplanggen und der benachbarten Wände; sie bieten vielfältige Klettereien von zwei bis acht Seillängen. Hans Berger, der Hüttenwart der Salbithütte, ist einer der aktivsten Erschliesser des Massivs, der viele der alten Routen neu einrichtet. Die Sanierung wird fortgesetzt und soll das Gebiet rund um den Salbit grundlegend erneuern. Die Routen werden auf intelligente Art saniert, dort, wo Klemmkeile gesetzt werden können, wird der Fels geschont ( einzig die Route Hammerbruch wurde bei der Sanierung durchgehend mit Bohrhaken abgesichert ).

Blick vom Weg Salbithütte-Salbitbiwak, kurz vor Erreichen des Biwaks

;it, Medizin, tettungswesen

Sicurezza, medicina, soccorso in montagna

Sécurité, médecine, sauvetage

Im nachstehenden Bericht werden die Leistungen des SAC im alpinen Rettungswesen vorgestellt. Die Zahlen basieren auf den Ein-satzrapporten der Rettungschefs in den 97 SAC-Rettungsstationen im schweizerischen Alpenraum ( ohne den Kanton Wallis ) und im Jura. Es handelt sich dabei um Einsätze, an denen Rettungsmänner des SAC beteiligt waren oder die Einsatzleitung innehatten.

Die Rettungseinsätze im Kanton Wallis werden in dieser Statistik nicht ausgewiesen, da in dieser Region eine eigene kantonale Rettungsorganisation unterhalten wird.

Aufgaben und Aktivitäten im SA C-Rettungswesen Immer wieder geraten Leute in unwegsamem und oft unzugänglichem Gelände in Bergnot. Damit diese Personen gerettet werden können, bildet der SAC Bergretter aus ( Bergführer, erfahrene SAC-Bergsteiger, Lawinenhundeführer, Ärzte ). Wenn immer möglich wird der Einsatz mit einem Hubschrauber ausgeführt oder unterstützt. Bei schlechtem Wetter leisten die SAC-Retter jedoch auch terrestrisch, d.h. ohne Helikopterunterstützung effiziente Hilfe.

Das Jahr 1997: Zahlen und Vergleiche Aktionen 1997 führten SAC-Rettungsleute 367 Rettungsaktionen mit 486 in Not geratenen Personen durch. Dies bedeutet eine Zunahme von 15 % gegenüber dem Vorjahr und dürfte auf die teilweise ungünstigen Schnee-und Wetterverhältnisse im Hochsommer zurückzuführen sein. Im langjährigen Mittel liegen die Zahlen jedoch immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt ( vgl. Grafik 1 ) Unfallentwicklung Ähnlich wie in den Vorjahren kamen die SAC-Rettungsleute in 72% aller Ereignisse bei den klassischen Bergnotfällen Wandern, Hochtouren, Klettern, Tourenskifahren, Varianten-Skifahren, Delta- und Gleitschirmfliegen zum Einsatz. 28% aller geborgenen Personen übten 1997 eine bergsportfremde Tätigkeit aus, d.h. es handelte sich um Verkehrs-, Ski-pisten-, Arbeits-, Jagd-, Flug- oder sonstige Sportunfälle.

Diese Zahlen entsprechen dem langjährigen Mittel. Sie zeigen, dass der SAC ein knappes Drittel aller Einsätze im öffentlichen Interesse ausführt und somit eine Aufgabe der Kantone - in deren Zuständigkeitsbe-reich das Rettungswesen liegt - erfüllt.

Grafik 1:

Anzahl Beteiligte und Rettungseinsätze 1992-1997 Grafik 2:

Anteil bergsportfremde Notfälle 1992-1997 Vorgehen und Aufwand 1997 erfolgten die SAC-Rettungs-einsätze zu 29% rein terrestrisch und zu 71 % in Zusammenarbeit mit einer Luftrettungsorganisation. Insgesamt leisteten SAC-Rettungsleute 12 203 Einsatzstunden ( 1996: 7 517 ), wovon über 70% für Suchaktionen aufgebracht werden mussten. Dies ist eine deutliche Zunahme gegenüber dem Vorjahr, was darauf schliessen lässt, dass vermehrt grosse Einsätze stattgefunden haben.

Nationalität der Betroffenen Bei der Nationalität der 486 geretteten Personen zeichnet sich keine grosse Verschiebung ab. Seit Jahren sind die Zahlen etwa gleich geblieben. Der Anteil « Übrige Nationen » stieg infolge einer grösseren Zahl be-troffener Personen aus den USA und aus der Slowakischen Republik.

400 350 300 250 200 150 100 50 0 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 Grafik 3:

SAC-Rettungen 1995-1997 Nationalität der Beteiligten 1995 I 1996 II 1997 i.1.

Übrige CH NL GB 11996 1997 Jan. Feb. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt.

Art und Zahl der Einsätze An 43% der Einsätze waren SAC-Retter mit einer Spezialausbildung beteiligt ( Long-Line, Gleitschirmka-belrettung, Windenrettung, Lawinenhundeführer usw. ).

Die Zahl der Einsätze ist in den Sommermonaten deutlich höher ( vgl. Grafik 4 ). Die zeitliche Verschiebung in den Spätsommer hinein ist im Jahresvergleich gut ersichtlich.

Typische Rettungsaktivitäten Fallbeispiel 1: Spaltensturz Ein Skitourengänger fällt auf einem zerrissenen Gletscher in eine Gletscherspalte. Nach der Alarmierung über den Hüttenwart wird umgehend die Rettung in Gang gesetzt. Mittels eines Dreibeins und des « Spaltencontainers », der unverzüglich mit dem Helikopter auf den Unfallplatz geflogen wird, kann ein Retter zum Verunfallten abgeseilt werden. Der Verletzte ist ansprechbar und in relativ guter Verfassung. Die am Dreibein installierte Seilwinde erlaubt es, den am Klettergurt einge- Grafik 4:

Nach Monaten aufgeglie-derte Einsatzzahlen klinkten Patienten zu bergen und mit dem Helikopter ins Spital zu überführen. Entscheidend für den guten Ausgang der Aktion ist hier die rasche Alarmierung.

Fallbeispiel 2: Evakuation einer Höhlenforscherin:

Eine junge Frau stürzt in einer Höhle ca. 10 m tief und zieht sich Thoraxverletzungen zu. Unter der Leitung von Spéléo-Secours arbeiten sich Rettungsleute zur Verunfallten vor und können Erste Hilfe leisten. Die Evakuation erweist sich jedoch als sehr schwierig, da sich der Unfall tief im Berg ereignet hat und der Zugang für die Retter und das Material äusserst kompliziert ist. Die Aktion dauert mehr als zwei Tage und ist sowohl für die Verletzte als auch für die Retter sehr strapaziös.

Fallbeispiel 3: Helikopterrettung mit SAC-Spezialisten Eine Hüttenwartin meldet am frühen Morgen Lichtsignale an einem bekannten Berg ( 3700 m ). Der zuständige Rettungschef nimmt über Funk Kontakt mit einem Bergführer auf, der sich im Gebiet befindet. Dieser bestätigt, dass eine Gruppe von fünf Bergsteigern auf einem ausgesetzten Grat ausharrt und 100 m unter ihnen ein lebloser Körper liegt. Der Bergführer kann die Gruppe sichern und einen Lagebericht abgeben. Bei Tagesanbruch werden die fünf Überlebenden von der Rega mit einer Windenaktion aus ihrer misslichen Lage befreit. Der ( tödlich ) Verunfallte wird ebenfalls mit einer heiklen Windenaktion von einem SAC-Retter geborgen. Die Gruppe ist nicht angeseilt und bei Neuschnee unterwegs gewesen. Beim Versuch, ein Couloir zu queren, ist der erste Alpinist ausgerutscht und zu Tode gestürzt.

Fallbeispiel 4: Kombinierter Luft-IBo-deneinsatz Zwei Eisfallkletterer sind im oberen Routendrittel blockiert. Einer der Bergsteiger muss ca. 60-70 m ins Seil gestürzt sein. Beide sind an einer Eisschraube gesichert und nach dem Sturz aktionsunfähig. Eine Heliko-pter-Windenrettung muss wegen stürmischer Winde abgebrochen werden. Zwei Retter werden an den Ausstieg der Eiswand geflogen, von wo sie zu den Verletzten abseilen. Wegen der einbrechenden Nacht muss Beleuchtungsmaterial installiert und das Gebiet ausgeleuchtet werden. Nach mehrmaligem Abseilen erreichen die Retter mit den Verletzten den Wandfuss, wo die medizinische Versorgung erfolgt. Der Abtransport mittels Gebirgstrage und Seilwinde über einen Fluss gestaltet sich sehr schwierig. Beide Bergsteiger überleben den Unfall.

Kommentar Trotz leichter Zunahme ein « Normaljahr » 1997 hat die Anzahl der SAC-Ret-tungsaktionen um ca. 15% und diejenige der geretteten oder geborgenen Personen um 13% zugenommen. Obwohl eine Zunahme der Einsätze und der beteiligten Personen festzustellen ist, kann nicht von einem ausserordentlichen Jahr gesprochen werden. Im langjährigen Mittel liegen die Werte eher unter dem Durchschnitt. Zudem ist zu berücksichtigen, dass bis 1994 noch die Werte des Kantons Wallis in der SAC-Statistik enthalten waren.

Q.

Nov.

Dez.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen Wie in den Vorjahren ereigneten sich auch 1997 die meisten Bergnotfälle beim Bergwandern. Als besondere Gefahrenquelle er- weist sich hier immer wieder die Querung von Schneefeldern ( auf einem Firnfeld im Tödigebiet ).

SAC-Arbeit im öffentlichen Interesse Der Anteil an bergsportfremden Notfällen ( Skipisten-, Verkehrs-, Ar-beits- und Flugunfälle ), bei denen Rettungsspezialisten zugezogen werden mussten, ist über die Jahre gesehen konstant geblieben, macht aber immer noch einen erheblichen Prozentsatz aus. Der SAC leistet somit einen beträchtlichen Teil seiner Rettungsarbeit im öffentlichen Interesse. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch die konstant tiefe Zahl der geretteten oder verunfallten SAC-Mitglieder, diese liegt seit Jahren bei 8%.

Gute Zusammenarbeit Die partnerschaftliche Zusammenarbeit des SAC mit den Flugrettungsorganisationen ( REGA, AIR-GLACIERS, AIR ZERMATT ) und den Skipisten-Ret-tungsdiensten ist gut. Im schwierigen Gelände und vor allem im Hochgebirge müssen SAC-Rettungsspeziali-sten in die Helikopterteams integriert werden. Nur die Interessen des Verunfallten sind bei den Einsätzen zu berücksichtigen und die geeigneten Massnahmen im gegenseitigen Einverständnis zu ergreifen.

Effizienteres Alarmierungssystem Durch die Einführung des schweizerischen Notruf netzes auf dem E- Kanal ( 161.300 MHz ) hat sich die Art der Alarmierung geändert. Mit kleinen Funkgeräten kann direkt und ohne Zeitverzögerung mit der Rega oder der Rettungsorganisation des Kantons Wallis Kontakt aufgenommen und Hilfe angefordert werden. Bereits gelangten zahlreiche Notrufe auf diese Art an die Einsatzzentrale der Rega.

Zusammenfassende Schlussfolgerungen Die Analyse der Rettungsarbeit 1992 bis 1997 zeigt, dass es für Rettungsaktionen bei schlechtem Wetter, Suchaktionen in bewaldetem Gebiet, Aktionen im Hochgebirge, Lawi-nen- und Gletscherspaltenunfälle und für die Bergung von Gleitschirm-

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