Klettern und junge Talente.

Heutzutage werden an internationalen Wettkämpfen Routen bis zum (französischen) 8. Grad geklettert. Nur eine Hand voll Kletterer verfügt über die technischen Fähigkeiten, um den Anforderungen solcher Routen zu genügen.

Wie komplex Wettkampf routen sind, ist nur schwer vorstellbar. Die Bewertung hängt von den Formen, der Vielfalt und der Anordnung der Griffe ab. Die jungen Talente unserer Nationalmannschaft, darunter Roman Felix und Cedric Lachat, Erster und Zweiter des Jugend-Alunioren-Europacups 1999, sind mit einem Bewegungssinn ausgestattet, der ihnen erlaubt, Schwierigkeiten des (französischen) 8. Grades in einer künstlichen Wand oder im Fels mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit zu überwinden.

Sind die besten Leistungen der Kletterer auf Grund einer besonderen Begabung zu erklären oder sind sie einzig eine Sache des Trainings? Wenn man Roman oder Cedric beim Klettern beobachtet, stellt man eine Abfolge von Gleichgewichtsabstim-mung und Dynamik fest. Dabei muss der Kletterer stets die ökonomischste Art der Fortbewegung im Voraus erkennen und anschliessend umsetzen können. Dies erfordert eine besonders ausgebildete Muskulatur der oberen Extremitäten und eine äusserst feine Koordination der Bewegungen. Unsere jungen Talente legen eine grosse Spontaneität an den Tag und klettern mit erstaunlicher Leichtigkeit mehrere Routen im 8. Grad (8a/8a+) «on sight». Mit fantasievollen und verblüffenden Zügen scheinen sie der Schwerkraft ein Schnippchen zu schlagen. Das Zusammenspiel der Muskeln ist harmonisch. In den unglaublichsten Stellungen können sie sich immer wieder entspannen, um anschliessend sofort wieder in Bewegungsabfolgen überzugehen, die sowohl eine maximale Streckung des Daniel Winkler, 14 Jahre alt, Mitglied der Nationalmannschaft, beim Planen der nächsten Züge von Morpho Imperator, 7 c+, Doubs, Frankreich Körpers als auch extreme andere Positionen verlangen.

Die erworbenen hohen technischen Fähigkeiten zeigen eine rasche Entwicklung der jungen Kletterer. Man kann nur davon träumen, in wenigen Jahren ein solches Niveau zu erreichen. Seit er 15 ist, zeigt Cedric Leistungen, die besser sind als jene seiner älteren Rivalen auf europäischer Ebene. Roman, mit 16 der Nationalmannschaft beigetreten, erreichte kürzlich Rang 8 an der Welt-cupprüfung in Chamonix.

Das Geheimnis für den Erfolg? Ein gewisses Talent, intensives Training zu einem idealen Zeitpunkt der Entwicklung und der physiologischen Reife, gute Motivation und ständige Ermutigung.

Heute stehen junge, viel versprechende Talente in der Nationalmannschaft, die, so hoffen wir, die Chance haben werden, an den prestigeträchtigsten Wettkämpfen - Masters in Serre-Chevalier, Arco, Xtrême Games - oder an zukünftigen Olympischen Spielen teilzunehmen. In der Zwischenzeit bereitet sich jeder mit Klettern in den schönsten Klettergebieten der Schweiz und anderswo auf Wettkämpfe und Weltmeisterschaften vor.

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