Klettersteig Jegihorn, 3206 m. Der Höchstgelegene in den Westalpen

Der Höchstgelegene in den Westalpen

Klettersteig Jegihorn, 3206 m

Durch die südorientierten Felswände des Jegigrates und des Jegihorns führt ein Klettersteig in mittlerem Schwierigkeitsgrad. Markenzeichen ist nebst den bestens gesicherten Kletterpassagen das eindrückliche Panorama auf die Viertausender des Saastales. Die Bezeichnung « Panorama-Klettersteig Weissmies– Jegihorn » trägt er zu Recht.

Das grossartige Wander-, Kletter- und Hochtourengebiet Weissmies wurde im Jahr 2000 mit dem Klettersteig Jegihorn noch attraktiver. Dieser « Eisenweg » ist vom Kreuzboden, 2400 m, oder von den Weissmieshütten SAC, 2726 m, in gut einer Stunde über den markierten Weg erreichbar. Wichtig ist, dass die beim Einstieg, 2800 m, angebrachten Informationstafeln gelesen und beherzigt werden.

Hangeltraverse als Schlüsselstelle Zuerst führt der Steig über leichtes, grasdurchsetztes Gelände, wo Anfänger das Umhängen der Sicherheitskarabiner ins fixe Drahtseil üben können. Unmittelbar danach folgt eine sehr steile Rinne, die mit Eisenstiften ausgerüstet ist. Über die nächsten Eisenbügel und drei Leitern sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefordert, um das breite, etwas flachere Felsband zu erreichen. Hier hängen sich gute Kletterer nur im Stahlseil ein, um auf dem ausgezeichneten, rauen Gneis zu klettern. Über eine weit vom Felsen abstehende Leiter, hoch und ausgesetzt, erreicht man querend den Grat auf 3150 m. Nach zwei Stunden erblickt man hier die Berner Alpen. Der Abstieg in die Lücke, 3098 m, erfolgt über Eisenstifte, Bügel, Seilgeländer, eine weitere Leiter und eine rassige Hangeltraverse. Nach dieser Schlüsselstelle gehts dann gipfelwärts, anfänglich über mächtige, übereinander geschichtete Steinblöcke, dann senkrecht über eine ausgesetzte Gratkante. Hier ist man froh, dass die Füsse auf Eisenbügeln sicheren Tritt fassen, denn der Tiefblick ist gewaltig. Noch sind einige Felsbänder zu meistern, bis man auf dem 3206 m hohen Jegihorn – « Jegihoru » im heimischen Dialekt – steht.

Viele Wege führen aufs Jegihorn Bergwanderer erreichen das Jegihorn über den steilen Bergweg. Gute Kletterer können sich an die steile und sehr schwierige Südwand wagen. Das Jegihorn mit seinen verschiedenen Aufstiegen für Könner und Kenner ist ein idea-

Der Zustieg zum Jegihorn-Klettersteig ist gut ausge-schildert.

Blick auf das Jegihorn, 3206 m, links, in der Mitte die Lücke, 3098 m, und rechts der Grat. Der Einstieg ist etwas rechts der Bildmitte.

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ler Trainings- und Erlebnisdreitausen-der. Auf dem Gipfel bestaunen alle die Bergwelt: im Südosten das mächtige Dreigestirn Weissmies, Lagginhorn und Fletschhorn und im Westen die Gipfel der Mischabel mit Täschhorn und Dom als höchste Erhebungen.

Ein Klettersteig-Begeher ist am Einstieg, ein anderer ist bereits im Direktaufstieg durch die Südwand zum Grat, 3150 m. Tiefblick auf die Weissmieshütten und Weitblick zur Mischabelgruppe. Unten im Tal Saas Fee Anfänger können nach dem Einstieg das Umhängen der Sicherheits-karabiner in das fixe Stahlseil noch üben, bevor es zünftig steil wird.

Die Informationstafeln am Einstieg sind nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Beherzigen!

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Dabei steigt die Erinnerung an die Überlieferung auf, nach der die alten Saaser die zackige Gebirgskette, die ihnen die Abendsonne raubte, geringschätzig als « Mischtgabla » ( Mistgabel ) bezeichneten. Später, als die Faszination dieses verteufelten Bergmassivs scharenweise gut betuchte Touristen in ihr unwirtliches Tal lockte und ein einträgliches Leben ermöglichte, verdrängte ein nunmehr gewandeltes Bergbewusstsein den ländlichen Namen. Aus der abfälli-gen « Mistgabel » erwuchs die elegante, exotisch klingende Bezeichnung « Mischabel ». Wir begeben uns auf den markierten Abstieg. Vorerst heisst es, über Blöcke balancierend in ein enges Couloir zu steigen, dann führt ein Weglein in zahl-

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Lu dw ig W eh Über die vierte Leiter, die vom Felsen absteht, erreicht man den Grat, 3150 m.

Je höher man steigt, desto mehr weitet sich die Aussicht. Hinten links der Jegiturm, 3368 m, rechts das Lagginhorn, 4010 m Abstieg vom Grat, 3150 m, in die Lücke, 3098 m DIE ALPEN 9/2004

reichen Zickzackkehren ins « Tälli », 2725 m, hinunter. Von hier dem Bach folgend erreicht man bald Kreuzboden mit seiner Seilbahnstation, oder man kann gemütlich zurück zu den Weissmieshütten queren.

Immer gut gesichert – auch wenn man gut steht Vom Grat aus kann der weitere Verlauf des Klettersteigs aufs Jegihorn verfolgt werden. Der Klettersteig Weissmies–Jegi-horn ist eine Hochgebirgstour, die bis auf 3206 m führt. Wegen der Länge der Tour ist eine gute Kondition unerlässlich.

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Praktische Informationen Ausgangspunkt des Klettersteiges ist die Mittelstation « Kreuzboden », 2400 m, der Bergbahnen Saas Grund-Hohsaas oder die Weissmieshütten SAC, 2726 m. Zustieg zum Klettersteigbeginn auf 2800 m.

Zeitbedarf: 1 Std. bis zum Einstieg; 2 Std. für Einstieg–Grat, 3150 m; 3 / 4 Std.

für Grat–Lücke, 3098 m; 3 / 4 Std. für

Lücke–Jegihorn, 3206 m; 1 1 / 2 Std. für Abstieg nach Kreuzboden. Gesamtbe-darf ca. 6 bis 7 Std.

Schwierigkeit: mittel bis schwierig. 5 Leitern,. " " .400 Haken, Tritte, Griffe, 1000 m durchgehendes Stahlseil.

Anforderung: gute Kondition, Trittsicherheit, schwindelfrei. Für Steig-Neu-linge nur in Begleitung eines Bergführers.

Ausrüstung: Helm, Klettergurt, Klettersteigset mit 2 Laufkarabinern, gute Schuhe, warme Kleider, Mütze, dünnere Lederhandschuhe, Verpflegung. Die Klettersteigausrüstung kann bei Zurbriggen Sport in Saas Grund gemietet werden, Tel. 027 957 14 4O. Weitere Infos unter www.klettersteig.ch, www.weiss-mies.ch, www.bergbahnen-hohsaas.ch a

Ludwig Weh, Visp Das Stahlseil als Nabelschnur, dazu Eisenbügel und Leitern. Sie weisen den Weg über Steilstufen, Bänder, Grate und durch Kamine.

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