Knackige Traversen, Granitzacken und Podestplätze

Dicke Haut, Nerven wie Drahtseile und Raffinesse: Einigen Schweizer Spitzenkletterern gelang diesen Sommer wieder Aussergewöhnliches. Ein Überblick, ohne Gewähr auf Vollständigkeit.

Schwere Routen Im April zog Fred Moix1, Walliser Fotograf und Boulderer, Pompon Léon ( 8b+ bloc/8 c trav ) in La Balmaz. Er hat damit dem Boulderklassiker Joyeux Léon ( 8b/8b+ trav ) elf neue Züge angefügt. Joyeux Léon war von Fred Nicole 1992 etabliert worden und galt damals als die schwerste BoulderTraverse weltweit. Ebenfalls im April hat sich Pirmin Bertle2 ( 24 ) in Charmey eine 9a geholt. Er kreierte eine Ausstiegsvariante zu Rapport de Force ( 8bdie überhängenden 25 Meter nannte er Force du Rapport ( 9a ). In Topform knackte er Anfang August auch noch Cabane au Canada ( 9a ) in Rawyl. Hohe Wände Eine Reise in den Süden hat sich im Mai für Nina Caprez3 und Cédric Lachat4 gelohnt. Die beiden kletterten nacheinander rotpunkt Hotel Supramonte ( 8b, 10 SL ), Lachat am 18. und Caprez am 21.. " " .Mai. Quasi als Trainingstour gelang Stephan Siegrist5 zusammen mit dem jungen Bergführer Daniel Arnold6 am 21.. " " .Juni eine Erstbegehung an den Granitzacken von Chamonix. Die Route Bärenstier am Mont Blanc du Tacul ( 4248 m ) ist 850 Meter lang. Vorgeschlagen ist M6/Wi4+. Fast zeitgleich war Ueli Steck7 zusammen mit dem US-Amerikaner Alex Honnold dabei, den Nose-Speed-Rekord am El Cap ( USA ) zu knacken. Bei der letzten Trainingswiederholung der Route schafften sie es in 3 Stunden 45 Minuten, der Rekord steht bei 2 Stunden 43 Minuten. Im Versuch danach rutschte Steck aber aus und stürzte 25 Meter tief, zum Glück trug er nur kleinere Blessuren davon. Das Duo gab das Projekt deshalb auf, dafür gelang ihnen einige Tage später die freie Begehung von Free Rider ( 5.12d, 35 SL ). In Ueli Stecks Fussstapfen scheint Daniel Arnold6 zu treten. Er ist zur Vorbereitung auf seine Patagonienexpedition am 1.Juli in 1 Stunde 35 Minuten solo über den Westgrat auf den Salbit gesprintet. Ein wenig nachgeholfen hat er bei einer heiklen Plattenpassage, bei der er sich an einer eingehängten Expressschlinge hochzog. Eine normale Begehung der 34 bis 35 Seillängen ( je nach Topo ) dauert übrigens 10 bis 14 Stunden. Im August gelangen dann gleich zwei spektakuläre Erstbegehungen im Ausland. Stephan Siegrist5, Daniel Arnold6 und Thomas Senf8 haben die erste Winterbesteigung des Torre Egger ( 2685 m ) in Patagonien realisiert. Eigentlich hatten sich die drei Profialpinisten bis Mitte September Zeit genommen. Eine Schönwetterphase nur zwei Tage nach ihrer Ankunft in El Chaltén eröffnete die erste Chance. Noch mit Jetlag kletterte das Trio praktisch ohne Pause drei Tage und zwei Nächte im Alpinstil durch und stand schon am 3.August auf dem Gipfel. Wie die drei die restlichen, « freien » sechs Wochen verbrachten, war bis Redaktionsschluss noch unbekannt. Viel leichter, aber bestechend schön. Einen Granitturm namens Grundtvigs Kirken in Ostgrönland haben sich der Sörenberger Roger Schäli9, der Südtiroler Simon Gietl und der Österreicher Daniel Kopp zusammen mit dem Fotografen Thomas Ulrich vorgenommen. Und auch sie waren viel schneller als geplant: Sie benötigten gerade mal vier Tage – und rund 250 Kilogramm Klettermaterial –, um sich durch die mehrheitlich steile Wand- und Risskletterei zu arbeiten. Am 6.August standen sie zuoberst. Das « Aufräumen » der Route dauerte dann nochmals einen Tag. Für Nachahmer: Die Route führt über 40 Seillängen und 1325 Meter auf den Gipfel, die Kletterschwierigkeit liegt um 7a+. Übrigens: Bohrhaken stecken nur in den Ständen, der Rest ist selber abzusichern. Harte Wettkämpfe Am Lead-Open in Briançon/Serre Chevalier ( F ) Ende Juli haben Cédric Lachat4 und Alexandra Eyer10 erstmals in der laufenden Wettkampfsaison internationale Spitzenplätze erreicht. Lachat siegte, Eyer wurde Zweite. Lachat hatte seine Topwettkampfform bereits im Juli mit einem zweiten Platz am Boulder-Wettkampf in Sheffield ( GB ) und einem Sieg im Bouldern beim Rock Master World Championship Pre-event in Arco ( It ) demonstriert.

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