Kultursommer Greina 2004. Kunst auf hoher Ebene

Kunst auf hoher Ebene

Kultursommer Greina 2004

112 Künstlerinnen, Künstler und Gruppen meldeten sich auf die Ausschreibung für die Ausstellung im Rahmen des Kultursommers Greina 2004. Die Jury wählte 26 Projekte aus und verlieh der Horgener Künstlerin Ursula Bachmann für « Landart-Performance Greina » den ersten Preis.

Kultursommer Greina war eine Einladung der SAC-Sektion Piz Terri an die Kulturschaffenden, sich mit der Greina im Rahmen einer Kunstausstellung auseinander zu setzen. Die im Freien ausgestellten Kunstwerke fanden grosse Beachtung, waren doch im vergangenen Sommer mehrere Tausend Leute in dieser einmaligen Berglandschaft unterwegs. Freie Themenwahl Thematisch hatten die Künstlerinnen und Künstler freie Hand, mussten sich aber im weitesten Sinne mit der Gebirgs-und Naturlandschaft Greina befassen, « als ein Reagieren und Intervenieren im Gespräch mit der Greinalandschaft », wie die Jury es formulierte. Eine der Voraussetzungen für die Zulassung war die Rücksichtnahme auf die sensible alpine Landschaft. So waren bleibende Eingriffe im Gelände nicht erlaubt. Wert wurde auch auf umweltfreundlichen Transport gelegt. Der Ideenreichtum und die Qualität der eingereichten Projekte übertraf alle Erwartungen. Die Vernissage der 26 ausgewählten Projekte fand am 26./27. Juni 2004 statt. Ab diesem Zeitpunkt war dann die Ausstellung ein Ort der Begegnung und der Auseinandersetzung mit der Greina. Gleichzeitig konnten die Greina-Besucher für den Publikumspreis votieren, der neben den Jurypreisen vergeben wurde.

Das aus 239 Aluminiumteilen bestehende « Strahlenfeld » von Barbara Jäggi Ursula Bachmann begrenzt sich mit ihrer « Landart Performance » auf das Elementare und entspricht so der archaischen Landschaft der Greina. Alle Besucher der Ausstellung gaben ihre Stimme ab. Die meisten erhielt Kari Jollers « Antennenkreis ».

Fo to s:

Leo Con dr au DIE ALPEN 11/2004 Mit einem Rucksackträger und einem Hüftgurt verwandelt Rudolf Steiner den solitären Felsblock zum tonnenschweren Rucksack – dem « Back Pack ». Die « Grabung Greina » stiftet mit ihrem Strassenbauzelt geistige Verwirrung. Symbolisch wollen Christoph Lang und Stephan Meylan auf die bedrohte Umwelt hinweisen.

Preisträger Kultursommer Greina 2004: v.l.: Luis Coray, Spezialpreis, Rudolf Steiner, 3. Preis, Ursula Bachmann, 1. Preis, Christoph Lang und Stephan Meylan ( Gruppe « Value » ), 2. Preis, Kari Joller, Publikumspreis « Utopia » – Mirko Baselgia lässt das Boot über den Abgrund hängen, moosbewachsen, als Teil der Natur – ohne See.

DIE ALPEN 11/2004

Die Kunstausstellung An den Gedanken « Kunst auf der Greina » musste man sich zuerst gewöhnen. Dies erging nicht nur den Organisatoren so, sondern auch vielen Leuten, die sich mit dem Thema bzw. einer Wanderung über die Greina befassten. Nicht die Frage « Braucht eine solche Landschaft noch etwas mehr als sich selbst ?» war dabei entscheidend, sondern der Dialog mit der Landschaft, das Sich-Befassen mit ihrer Geschichte, die Auseinandersetzung mit ihrer Zukunft. Wie das Boot, eine Installation von Mirko Baselgia, das vor der Hütte stand, moosbewachsen, als sei es schon lange hier, warte auf den See, der nicht gekommen ist. Oder das Ruck-sackgestell, an einen riesigen Stein angeschraubt, bei dem man sich überlegte, ob man mit diesem Sack davonlaufen könnte. Christoph Lang und Stephan Meylan hatten ein Strassenbauzelt im Hochtal aufgeschlagen. Wer dabei vor-beimarschierte, fragte sich unwillkürlich, ob man trotz allem am See arbeite. Ein leiser Schreck, der sich erst beim genauen Hinsehen legte, als sich das Ar-beitszelt als Installation entpuppte. In weiteren Arbeiten wurde der Mythos Greina heraufbeschworen, auf das Grenzgebiet Nord-Süd hingewiesen, wurden die Sinne angesprochen – man konnte hören, spüren und sehen. Ge-stellt wurde auch die Frage nach der Be-

Das « Zauberkissen » der Gruppe « die Filiale » Jacinta Candinas « Spurensiche-rung » auf bemalten, verwitterten Holzplatten

deutung, die die Kunst durch eine Landschaft erhält oder umgekehrt. Man konnte Künstler bei ihrer Arbeit miterleben, ihren Vorführungen beiwohnen. Und bei einigen Arbeiten war sogar der Hüttenwart mit einbezogen worden. Und schliesslich begegnete man auch der ersten Steinfrau in der Gegend.

Die Preisträger Unter dem Vorsitz der Trimmiserin Ida Bänziger hatte die Jury die 26 Kunstwerke, die Installationen, temporären Objekte und Aktionen im Greinagebiet besucht und bewertet. Den ersten Preis verlieh sie an die Horgener Künstlerin Ursula Bachmann für « Landart-Perfor-mance Greina ». Der zweite Preis ging an Christoph Lang und Stephan Meylan mit « Greina Grabung », und im dritten Rang war Rudolf Steiner mit « Back Pack » klassiert. Der Publikumspreis wurde dem Luzerner Kari Joller für seinen « Antennenkreis » zugesprochen. Luis Coray holte sich den Spezialpreis mit « Festacoller », einer Hirtenstockperfor-mance nahe der Terrihütte.

Das Kulturevent Ende August Das als Rahmenveranstaltung von der Fundaziun da cultura Val Lumnezia in Vrin organisierte Kulturevent wurde vom weltbekannten Perkussionisten Fritz Hauser mit einem fulminanten Konzert eröffnet. Ebenso spannend war der anschliessende Vortrag des einheimischen Architekten und ETH-Assistenz-professors Gion A. Caminada zu « Landschaft und Mensch ». Als Quintessenz seiner Ausführungen zur Identität von peripheren Gebieten führte er aus, dass ein Überleben in Berggebieten nur gewährleistet sei, wenn Eigenständigkeit und Autonomie im Alltag lebbar würden. Die « fassbare Schönheit » dieser und anderer Bergtäler müsse in eine verträgliche Regional- und Landschaftspolitik mit einem Neben- und Miteinander von gemeinschaftsfördernder Planung eingebunden sein. Seine Ausführungen wurden dann anderntags mit einer Führung durch Vrin untermauert, insbesondere auch mit dem Besuch der Casa dals morts bei der Kirche.

Nach dem kalten und verregneten Aufstieg zur Terrihütte gings dort vor allem mit Literatur und Musik weiter. Der rätoromanische Schriftsteller Leo Tuor, begleitet von Flurin Caviezel am Akkordeon, las in Romanisch und Deutsch aus seinem Werk « Giacumbert Nau ». Anschliessend gaben die beiden Schauspieler Gian Rupf und Rene Schnoz eine szenische Lesung der « Bergfahrt » von Ludwig Hohl. 1 Abgerundet wurde dieses festliche Wochenende mit einem festlichen Gelage in der Terrihütte, das einem Gourmetrestaurant alle Ehre gemacht hätte. a

Leo Condrau, Ennetbaden 1 Vgl. ALPEN 8/2004, « Erster alpiner Literaturtag in Richisau » Fo to s:

Leo Con dr au DIE ALPEN 11/2004

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen

Sicurezza, medicina, soccorso in montagna

Sécurité, médecine, sauvetage

Bei einem Höhenlungenödem muss neben der Abgabe von Sauerstoff und Medikamenten sofort in tiefere Lagen abgestiegen werden. Lager im Himalaya Fo to: z vg

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