Kunst an der Staumauer

an der Staumauer

Mit einer symbolischen Darstellung des Rückzugs von General Suworow und seiner Armee hat der Künstler Martin Vaiar die Panixer Staumauer in ein monumentales Gemälde verwandelt. Damit verfügt Pigniu/Panix in Europa sicher über die interessanteste Staumauer.

In der kleinen Berggemeinde Pigniu/ Panix im bündnerischen Vorderrheintal wurde vor 10 Jahren hinten im grossen Talkessel eine Staumauer gebaut. Seit kurzem zeigt sich die nüchterne Mauer dem Wanderer von einer ganz anderen Seite. Schon bei den ersten Kehren nach Pigniu Richtung Stausee erblickt man weisse und schwarze Quadrate. Dann blitzen plötzlich ein riesiger leuchtendblauer Turm zwischen den Tannen hervor, dahinter Bauern aus einem Schachspiel, liegend, stehend. Beim Weiterwandern verschwindet das Bild. Doch dann tauchen Köpfe auf, ein ganzes Heer, mit riesigen Mützen auf dem Kopf, überragt von ebenso vielen spitzen Bajonetten. Und dann sieht man sie: Von rechts nach links marschieren russische Soldaten in einer langen Kolonne über die Staumauer auf den Turm zu. Die Staumauer ist nicht mehr präsent, sie ist zur Geschichte geworden.

Traum verwirklicht Der vorgesehene Werkbeginn im März 1999 musste dann wegen des Schach als Grundidee Als Idee für das monumentale Gemälde diente Martin Vaiar Schach, das in Russland populäre Spiel mit kriegerischem Einschlag: Vor genau 200 Jahren marschierte der russische General Alexander Wassiljewitsch Suworow auf dem Rückzug vor den Franzosen mit seiner Armee von Elm nach Pigniu über den Panixerpass. Der geschwächten Armee setzten die beschwerliche Strecke und der früh gefallene Schnee derart zu, dass sie Die Soldaten sind 12 m gross.

Wie ein Schwärm riesiger Heuschrecken marschiert ein Teil der russischen Soldaten über die Staumauer, angeführt von General Suworow, dem wankenden Turm.

stark dezimiert in Pigniu eintraf, wo sie das ganze Dorf plünderte.

Auf der Staumauer wird Suworow als wankender blauer Turm dargestellt - dieser russische General, der mit seiner Armee von den damaligen Machthabern wie auf einem Kriegs-schachfeld hin- und hergeschoben worden war. Seine gefallenen Solda- ten erhalten durch die Schach-Bauern-figuren ein Denkmal: In schier endloser Reihe ziehen die überlebenden russischen Soldaten über die Mauer. Für Martin Vaiar ist eines wichtig: « Mit der Kunst soll man zu den Leu- Am 3. Juli 1999 erhielten die russischen Soldaten ihre weissen Hosen. Allein dafür musste Vaiar 27 Mal über die Mauer abseilen.

ten gehen, nicht umgekehrt. Ein Bild ohne Betrachter ist bedeutungslos. Meine Kunst soll den Einzelnen zum Denken anregen. Sie ist ein Prozess, der im Künstler beginnt und über das Medium Bild im Betrachter etwas auslöst. Kunst darf und soll auch vergänglich sein. » Patricia Fontana, Castrisch a 4 Alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen

Feedback