Kurzmeldungen

Capanna Basòdino CAS Neue Hüttenwarte sind Marzia und Dario Martinoli, 6781 Bedretto, Tel. 091 869 18 54 oder 079 643 49 46

Cabane des Diablerets Auf Grund verschiedener Diebstähle während der vergangenen Winter bleibt die Cabane des Diablerets ab sofort in der Wintersaison – von Mitte Oktober bis Mitte Juni – zugesperrt. Die Schlüssel können gegen ein Depot von 30 Franken bei den Talstationen der Seilbahn Glacier 3000 ( col du Pillon und Reusch ), bei der Mittelstation und beim Restaurant du Col-du-Pillon abgeholt werden. Nach 10 Jahren grossen Einsatzes hat Bertrand Lador sein Amt als Hüttenwart aufgegeben. Sein Nachfolger ist noch nicht bestimmt. a

Ein Solo-Kletterer in den Fünfzigerjahren. Mit dem Namen Comici sind sowohl die Dolomiten als auch eine lange Tradition der Alleingänge verbunden. Die Nordwestwand der Civetta – während Jahrzehnten unter den besten Kletterern gefürchtet. Heute, mehr als siebzig Jahre nach der Erstbegehung, können ihre Wiederholungen an den Fingern einer Hand abgezählt werden.

Die grosse Mauer der Comici-Route in der Nordwand der Grossen Zinne auf einem Bild aus den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts Die Grosse Zinne. Ihre Nordwand hat Generationen von Kletterern fasziniert. Rechts die Route, die Emilio Comici und die Brüder Dimai am 13. und 14. August 1933 eröffneten, links die Route von Hasse, Brandler, Lehne und Löw aus dem Jahr 1958 Foto: eg Fo to s:

Ar chi v Dominiq ue Ro ulin Blick auf die Gipfel des Puca-Punta-Massivs, ca. 5600 m d_44_51.qxd 09.02.2004 11:28 Uhr Seite 44

T E X T François Bonnet, La Chaux-de-Fonds

F O T O S Collin/François Bonnet, La Chaux-de-Fonds

ergsteiger und Kletterer, die in Peru ihrem Hobby frönen wollen, müssen sich an gewaltige Dimensionen gewöhnen: Peru ist 30-mal so gross wie die Schweiz. Es erstreckt sich von der Pazifikküste über die Anden bis ins Amazonasbecken und umfasst 30 Klimatypen. Und an Bergen fehlts wahrlich nicht. Neben der bekannten Cordillera Blanca warten auf die Alpinisten 18 weitere Cordilleras mit nicht weniger als 3044 Gletschern.

Abseits ausgetretener Pfade

Angesichts dieser Zahlen fällt die Wahl schwer. Einig sind wir uns in einem Kriterium: Wir wollen unbedingt die Massen meiden. Ein Basislager, in dem sich die Leute auf den Füssen herumstehen und man sozusagen Schlange stehen muss, bis man den Gipfel besteigen darf, ist nichts für uns. Besteigen wollen wir einen eindrücklichen Berg, so richtig abgelegen und wenig besucht. Die Wahl fällt auf einen Gipfel in der Cordillera Vilcanota, östlich der Laguna Sibinacocha,. " " .6049 m hoch: den Nevado Montura, auch Nevado Yayamari genannt. Er liegt weit genug vom Auzangate, 6395 m, entfernt, dem Mittelpunkt des grossen Trekking- und Kletterrummels, ist wunderschön und hat eine völlig vergletscherte Westflanke. Das ist unser Ziel.

B

Cordillera Vilcanota

Foto: François Bonnet d_44_51.qxd 09.02.2004 11:28 Uhr Seite 45

FÜR DEN SKITOURENFAHRER, BERGSTEIGER UND -WANDERER

Östlich von Tinki. Die Felder werden bis auf 4200 m bebaut; noch höher beginnt der Lebensraum von Schafen und Alpakas.

Fo to: Fr ançois Bonnet Fo to: Fr ançois Bonnet d_44_51.qxd 09.02.2004 11:28 Uhr Seite 46 DIE ALPEN 2/2004

Cuzco und Machu Picchu

Anfang Juli landen wir in Lima und machen uns auf den Weg nach Cuzco, dem Hauptziel der meisten Peru-reisenden und gleichzeitig Ausgangspunkt für einen Besuch der grössten Touristenattraktion, des Machu Picchu. In Cuzco interessieren uns nicht nur die Museen, Kirchen, Klöster und Inkastätten, sondern auch die Meereshöhe, denn die 3300 m machen die Stadt zum idealen Akklimatisationsort. Nach drei Tagen Sightseeing unternehmen wir eine erste Trainingstour:Wir wandern in vier Tagen auf einem alten Inkaweg nach Machu Picchu. Einen 4200 m hohen Pass überqueren wir im Neuschnee – es ist ja Winter auf der Südhalbkugel.

Die ehemalige Inkastadt erreicht man nicht nur zu Fuss, sondern auch per Zug und Bus. Entsprechend gross sind Rummel und Kommerz, trotz des kürzlich eingeführten Eintrittspreises von 50 US$. Doch auch wir kommen nicht an einem Besuch an diesem magischen Ort vorbei. Die Lage inmitten wilder Gipfel, des endlosen Grüns des Dschungels und hoch über dem schäumenden Urubamba ist einfach einmalig. Zurück in Cuzco organisieren wir die Pferde, die unser Material und unsere Lebensmittel auf der zweiwöchigen Unternehmung tragen sollen, und machen uns mit einem zuverlässigen Führer im Minibus auf den Weg nach Tinki, 3800 m, dem Ausgangspunkt unserer Tour.

Grossartige Landschaften, eisige Nächte

An einem wolkenfreien Morgen brechen wir endlich auf. Es ist der erste schöne Tag nach zwei Wochen unwirtlichem Wetter. Unser Führer Apollinar hat die Götter der Inkas angerufen und ist offensichtlich erhört worden.. " " .Mit von der Partie ist Inti, die Sonne – zumindest vorläufig.

Der bescheidene Weiler Tinki auf einer Höhe von 3800 m Fo to: Fr ançois Bonnet Blick auf die ausgedehnte Ebene der Pampas östlich von Tinki Tinki ist der Ausgangspunkt für die Touren ins Auzangate-Massiv. d_44_51.qxd 09.02.2004 11:28 Uhr Seite 47 DIE ALPEN 2/2004

FÜR DEN SKITOURENFAHRER, BERGSTEIGER UND -WANDERER

Wir steigen auf breiten Wegen langsam und stufenweise in die Höhe. Links und rechts wird noch Landwirtschaft betrieben. Auf kleinen Parzellen wachsen Kartoffeln und Getreide. Gegen 4200 m verschwinden aber auch die Kartoffelpflanzungen und machen der wilden Natur Platz. Kein Baum mehr. Selbst der Eukalyptus, der in Peru sonst überall anzutreffen ist und über eine sagenhafte Anpassungsfähigkeit verfügt, kommt nicht über 4000 m hinaus.

Je näher wir dem Auzangate kommen, desto mehr ziehen uns die Gipfel in Bann. Die Gruppe mit Nevados Colque Cruz, 5960 m, Collpa Ananta, 6110 m, und Cal-langate macht sich majestätisch und spektakulär bemerkbar. Nach einer relativ kurzen Tagesetappe von vier Stunden Marschzeit schlagen wir das erste Lager in der Nähe des Weilers Calachaca auf 4300 m auf. Da wir uns noch auf der Route zum Auzangate befinden, stehen ein paar andere Zelte herum, die uns aber nicht stören, da genügend Platz vorhanden ist. Und welche Überraschung erwartet uns: Ein kleines Becken mit warmem Thermal-wasser lädt zum Eintauchen ein! Am nächsten Tag erreicht die Schönheit des Hochgebirges ihren Höhepunkt. Wir steigen Richtung Südwest auf, zwischen dem Auzangate und den bereits erwähnten Gipfeln, zu denen sich im Osten bald die beeindruckende Massigkeit des Nevado Pico Tres, 6093 m, gesellt. Unser Führer hat ein Lager bei den Lagunas Ticllacocha auf 4800 m vorgesehen. Aber der Neuschnee der letzten Wochen zwingt uns, in Jampa, einem tiefer gelegenen Platz,zu campieren,wo unsere Pferde noch etwas zum Fressen finden.

Erinnerungen an Leukerbad oder Les Diablerets

In Jampa lassen wir die Route zum Auzangate rechts liegen. Erneut sind wir gezwungen, wegen des Schnees einen anderen Lagerort zu suchen. So machen wir am Fuss des Passes Condor Tuco, auf ungefähr 4900 m, in einem wunderschönen Amphitheater Halt. Dieser Lagerplatz lässt Erinnerungen an Leukerbad oder Les Diablerets aufsteigen. Am folgenden Tag geniessen wir nach einem eineinhalbstündigen Aufstieg im Pass Condor Tuco, ca. 5250 m, unter einem perfekt blauen Himmel zum ersten Mal den Blick auf « unseren » Berg, den Nevado Montura. Er ist allerdings noch weit entfernt. Später kommen wir auf eine weite Ebene, wo uns Hunderte von Alpakas und Schafen erwarten, die bis zum Horizont verstreut sind. Auf den schneefreien, mageren Flecken suchen sie nach Futter. Plötzlich, während wir weiter Richtung Südost absteigen, taucht vor uns das

Blick vom Pass Condor Tuco, ca. 5250 m, auf den Nevado Comercocha, 5550 m Fotos: François Bonnet d_44_51.qxd 09.02.2004 11:28 Uhr Seite 48 DIE ALPEN 2/2004

knallige, fast surreale Blau der Laguna Sibinacocha auf. Der See ist berühmt für seine Form – 15 km lang und 2 km breit –, seine Lage auf 4850 m und die bis zu 2 kg schweren Forellen, von denen selbstverständlich eine am Abend in unserer Pfanne brutzelt.

Fast ein Pferd verloren

Grosser Schreck an unserem fünften Tag, auf dem Weg zur Laguna Jasjana – auch als Laguna Ccasccana bezeichnet – östlich der Laguna Sibinacocha: Während wir auf einem mitunter schlechten Weg aufsteigen, rutscht eines unserer Pferde auf einem Stück gefrorenen Bodens aus, verliert das Gleichgewicht, stürzt und gleitet den Hang hinunter. Es droht mit Sack und Pack in den See zu stürzen. Aber nein, nachdem es sich zwei oder drei Mal überschlagen hat, wird es von weichem Schnee gebremst und bleibt schliesslich stecken. Nach kurzer Zeit steht es auf, ohne sichtbare Irritation. Allerdings hat sich einer der Ballen, den es auf dem Rücken getragen hat, selbstständig gemacht und ist 50 Meter weiter gerollt. Das übrige Gepäck ist unversehrt. Das Pferd selber ist nicht verletzt und hat nur ein paar oberflächliche Kratzer. Die beiden Pferdetreiber führen es zurück auf den Pfad, binden die verlorene Ladung wieder auf und weiter gehts.

Schliesslich erreichen wir das Basislager. Wir richten uns am Rand des grossen Sumpfes ein, der sich nördlich der Laguna Jasjana erstreckt. Ein Wermutstropfen: das Wetter ist nicht mehr so schön wie am Vortag. Über uns, auf 5000 m, stehen ein paar schäbige Lehmhütten mit Strohdach, bewohnt von Hirten, die ein höchst bescheidenes Leben fristen und sich von einer Handvoll Reis, ein paar Kartoffeln, etwas Mais und Alpakafleisch ernähren, das sie auf einem Feuer aus Alpakadung kochen.

Nebel und ein Zwischenfall

Der zwei Kilometer breite Sumpf, der uns vom Fuss des Nevado Montura trennt, zwingt uns dazu, ein vorgeschobenes Basislager in den ersten Hängen des Berges, den wir über den Nordwestgrat angehen wollen, einzurichten. Der Südgrat, über den der Zugang vielleicht direkter wäre, hat an seinem Fuss einen Bergschrund, der unter Umständen problematisch sein könnte. Wir richten also unser Lager im Schnee auf ca. 5150 m ein. Sobald die Zelte aufgestellt sind, brechen drei von uns auf, um im weichen Gletscher so hoch hinauf wie möglich eine Spur zu legen, damit der Aufstieg am nächsten Tag einfacher wird.

Die Nacht ist warm,zu warm.. " " .Um drei Uhr morgens ist der Himmel bedeckt, die Temperatur immer noch hoch. Wir machen uns trotzdem auf den Weg. Im Pass stellen wir fest, dass das, was wir uns als Grat vorgestellt haben, eine ziemlich breite Flanke ist mit diversen Rippen, die sich mehr oder weniger parallel zum Gipfel hinziehen.

Blick auf den beeindruckenden Nevado Pico Tres, 6093 m d_44_51.qxd 09.02.2004 11:28 Uhr Seite 49 DIE ALPEN 2/2004

FÜR DEN SKITOURENFAHRER, BERGSTEIGER UND -WANDERER

Wir bleiben am Rand dieser Flanke und steigen weiter auf, und zwar von da ab auf angenehm hartem Schnee. Zwischendurch reissen die Wolken auf und ermöglichen uns grossartige Ausblicke. Aber die Sicht wird immer schlechter, bis sie unter dem Gipfel praktisch null ist. Wir bewegen uns in einem Nebel, der zum Schneiden dick ist. Glücklich erreichen wir den Gipfel und sind gleichzeitig enttäuscht, dass wir die erhoffte Aussicht nicht geniessen können. Wir warten auf eine Lücke in den Wolken – vergeblich...

Als wir den unteren Rand des Gletschers, nur wenige Minuten vor der sicheren Moräne, erreicht haben, verschwindet Colin in einer deutlich sichtbaren Gletscherspalte, die er eben überschreiten wollte. Dem dahinter angeseilten Asun gelingt es, ihn zu halten, aber er hängt ungefähr 10 Meter über dem Boden frei in der Luft. Zum Glück ist er nicht verletzt und für einen Aufstieg am Seil ausgerüstet. Nachdem ihm Christophe einen Seilstrang zugeworfen hat, um ihm mit einem Flaschenzug zu helfen, steigt er hoch. Noch einmal gut gegangenein Zwischenfall, aber kein Unfall. Wir sind froh, dass wir bald wieder sicheren Boden unter den Füssen haben.

Endlose Pampas und die Südwestwand des Auzangate

Wir kehren auf dem gleichen Weg zurück, wie wir gekommen sind. Allerdings ordnet der Führer im Hinblick auf den gefährlichen Zwischenfall mit dem Pferd an, die Laguna Sibinacocha an ihrem Südende zu umrunden. Eine Nacht verbringen wir in der Nähe des Postens Yanarumipunco,eines grauen und düsteren Ortes,wo ein Beamter Wache hält – wofür weiss kein Mensch – und der froh ist, mit uns ein paar Worte wechseln zu können. Weiter gehts durch ein Gebiet grossartiger Pampa, das

Die Nordwestflanke des Auzangate: grossartige Umgebung, von mehreren kleinen Seen durchsetzt Foto: François Bonnet Fo to: Fr ançois Bonnet d_44_51.qxd 09.02.2004 11:28 Uhr Seite 50 DIE ALPEN 2/2004

Praktische Informationen

Beste Jahreszeit: Die für Wander- und Klettertouren in den Bergen am besten geeignete Jahreszeit ist der Monat Juli, mitten im Winter der südlichen Hemisphäre, denn er ist der trockenste, sonnen-scheinreichste und am wenigsten windige Monat.

Karten: Cartes IGN Peru 1:100 000, Ocogate und Corani. Sind an Ort und Stelle nicht aufzutreiben, deshalb zu Hause in spezialisierten Geschäften kaufen. Die Karten sind ziemlich zuverlässig, trotz einiger unübersehbarer Fehler und kaum je einer Überarbeitung bei Neuausgabe.

Sprachen: Spanischkenntnisse sind nicht unbedingt erforderlich, wenn man Englisch kann, aber äusserst wertvoll und manchmal unabdingbar, wenn man mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt kommen will. In den Bergen sprechen die Einheimischen Quechua oder Aymara.

bevorzugte Weidegebiet von Alpakas und Schafen. Am anderen Tag passieren wir die Hacienda Chillca, 4300 m, wo wir in den Hängen des Cerro Huajchanu Kartoffelfelder auf einer Höhe von fast 4400 m entdecken,vermut-lich ein Weltrekord. Von da führt uns ein langer Aufstieg zum Pass Cerro Auzangate auf 5000 m. Die Hängegletscher der Westflanke des Auzangate springen uns ins Auge. Nach einer letzten ziemlich langen Etappe erreichen wir Tinki, den Ausgangsort – unsere Reise ist zu Ende. a

Aus dem Französischen von Emanuel Balsiger, Hettiswil

In der endlosen Pampa südwestlich der Laguna Sibinacocha Der schöne Südostgrat des Japu Punta, 5852 m, Nachbar « unseres » Nevado Montura Foto: Colin Bonnet Foto: François Bonnet Ein zwei Kilometer breiter Sumpf trennt das Basislager, ca. 4950 m, vom Nevado Montura, 6049 m Foto: Colin Bonnet Am nördlichen Ende der Laguna Sibinacocha. Im Hintergrund der Nevado Chumpe, 6106 m d_44_51.qxd 09.02.2004 11:28 Uhr Seite 51 DIE ALPEN 2/2004

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