L. E. Iselin : Walliser Ortsnamen und Walliser Urkunden

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Der gelehrte Verfasser bespricht zunächst an der Hand seiner neuen Untersuchungen eine Gruppe von Ortsbenennungen: Morgia, Morges, Mörel, Merjelen, Märje, Merien, die er bereits im „ Anzeiger für schweizerische Geschichte ", n. F. VII, pag. 37 ff., besprochen hatte. Die Gruppe „ hat darum besonderes Interesse, weil sie sich über das ganze Gebiet des Kantons Wallis erstreckt, also über die französischen und über die jetzt deutschsprechenden Teile desselben und somit — ins Gewicht fällt bei der Frage der Besiedelung des Wallis. Dies um so eher, da gleiche oder verwandte Ortsbenennungen sich auch in der Waadt und in Savoyen zeigen ". So der Verfasser, mit dem ich hierin völlig einig gehe. Ebenso, wenn er sagt: „ Freilich ist es meines Erachtens sehr gewagt, diese Ortsnamen mit weichem vierten Radikal einfach neben die Gruppe Murg, Murgen und andere mit hartem vierten Radikal zu stellen und einmal auf keltisches morg = klar, rein, das andere Mal auf althochdeutsches mur zu verweisen, das gerade das Gegenteil bedeuten würde, nämlich sumpfig, wie das Geographische Lexikon der Schweiz III, 435 und 492, tut. " Eben weil solche unhaltbare Deutungen auch in moderne Fachwerke eindringen und von diesen wieder in die populäre Reiseliteratur ihren Weg finden werden, möchte ich nachdrücklich immer wieder darauf aufmerksam machen, daß es für die alpine Toponomasie nur einen Weg zum Heil gibt, und dies ist der, durch genaues Zurückgehen auf die ältesten erreichbaren Formen und peinliches Berücksichtigen der linguistischen Gesetze jeden Namen und jede Namengruppe quellenmäßig und kritisch zu behandeln und Hypothesen oder vorläufige Deutungen — denn ohne solche kommen wir einstweilen, und vielleicht noch für lange, nicht aus — stets als solche zu bezeichnen. So handelt Pfarrer Iselin und so handelt auch der Altmeister dieses Fachs, Dr. Jos. Leop. Brandstetter, der kürzlich in so artiger und so origineller Weise seine neueste Studie: Der Ortsname Zimikon, seinen Gönnern, sowie den Freunden der Ortsnamenkunde zur Erinnerung an seinen achtzigsten Geburtstag, 2. April 1910, gewidmet hat. Ich benütze gerne die Gelegenheit, dem trefflichen Veteranen den Dank und die besten Wünsche des S.A.C., dem solche Arbeiten ebenfalls dienen, darzubringen. Die kleine Abhandlung von Pfarrer Iselin geht mit dem Unterzeichneten an verschiedenen Stellen ins Gericht; da aber mein Angreifer in der Hauptsache recht hat und meine Irrtümer durch Hinweise auf neues, mir damals nicht zugängliches Material berichtigt, so bin ich ihm zu Dank verpflichtet und will hier ohne weitere Umschweife die für uns wichtigen und mir glaubhaften Resultate darlegen, zu denen Herr Iselin gekommen ist. Die genannten Orte haben als einheitlichen Grundcharakter die Bedeutung einer tief eingeschnittenen Schlucht, eines Tobeis — bei Märjelenalp und -see ist nicht ausgeschlossen, daß einst die Grafen von Mörel hier Eigentum besessen haben — und kommen in diesem Sinne mit den auf reindeutschem Gebiet reichlich vorhandenen Ortsbenennungen Tobe], Schlucht ( Schluch ), Graben, Chi ( Kin ) überein. Zweitens bespricht Herr Iselin die Namen Lichbritter und Lichbiel und bestätigt durch neue Beispiele die Deutung auf glatte Felsplatten und Hügel, die auf einer Seite eine glatte Felswand zeigen. Drittens wird die Deutung von Ejen auf „ Au, Sumpf, Insel " auch für die Ejenalp im hintersten Saastal aufrecht erhalten, obschon Herr Iselin keine urkundliche Form kennt, weil Engelhardt ( Monte Rosa, pag. 53 ) bezeugt, sie werde in Diplomen mit diesem Namen aufgeführt. Ich traue Engelhardts Diplomatik herzlich wenig, aber es mag ja sein, daß die Ejenalp von der Eje unten an der Visp ihren Namen hat, wo jetzt die Kühe der wasserarmen Alp zur Tränke gehen. Viertens Balf.rin und Baien nebst Schräjen, Bussen, Eisten und Werren. Balfrin, alte Form Balferin, ist sicherlich nicht = Baienfirn, sondern hat seinen Namen von einer 1503 bezeugten Alp dieses Namens oberhalb Eisten. Der Name selbst wird vermutungsweise auf romanisch balafredum = ahd. berecfrit = mhd. bervrit im Sinne von Eckturm, Bollwerk gedeutet und als jedenfalls romanischem Sprachgebiet entstammend angesehen. Baien, in dessen Nähe 1340 ein „ sreienden BeckeSchräjenbach erwähnt wird ( deutsche Flurnamen sind in. der Gegend schon 1311 ziemlich häufig, was auf 1/î Jahrhundert mindestens dauernde germanische Besiedlung deutet ), ist ebenfalls deutsch, aber vielleicht doch Lehnwort aus romanischem canale, Wassergraben. Dazu stimmt, daß früher neben Baien oder an Stelle desselben ein Ort Niederrussen existiert haben muß, was zu rus oder runs = Rinnsal, Bergrutsch gehört. Auch Berisal ( mundartliche Form Persal ) an der Simplonstraße und Bresal bei Gressoney - St. Jean werden, wohl mit Recht, als verdeutscht aus ml. presalia — Einfang, Bifang in Anspruch genommen. Die Ortsnamendeutung und die Besiedlungsgeschichte des Oberwallis ist auch durch diesen Beitrag noch nicht völlig erledigt, aber daß wir damit ihrer Lösung um einen guten Schritt näher gekommen sind, soll gerne anerkannt werden.Redaktion.

Saas-Pee und Umgebung, Exkursionskarte. Maßstab 1 35,000, Kurven und Relieftöne. Geograph. artist. Anstalt Kümmerly & Frey, Bern 1909.

Exkursionskarte von Grindelwald und Umgebung. Maßstab 1: 25,000. Herausgegeben vom Kur- und Verkehrsverein Grindelwald. Preis: auf Kartenleinen Fr. 3. Geograph.artist. Anstalt Kümmerly & Frey, Bern ( unter Mitarbeit von G. Straßer, Pfarrer in Grindelwald ). Dazu:

Exkursionskarte von Dorf Grindelwald und Umgebung. Herausgegeben vom Kur- und Verkehrsverein Grindelwald. Maßstab 1: 25,000, Kurven und Relieftöne. Preis 20 Cts. Geograph.artist. Anstalt Kümmerly & Frey, Bern ( unter Mitarbeit von G. Straßer, Pfarrer in Grindelwald ).

Es scheint, der Lauf der Welt zu sein, daß dasjenige, was unsereins in langjähriger stiller Arbeit für die Hebung und die Wohlfahrt von Hochgebirgszentren — so oder ähnlich nannten wir es, wenn wir überhaupt für unsere Liebe einen Namen brauchten; jetzt heißt es pompös Sommer- oder gar Sommer- und Winterkurort — mit viel Aufwand an Zeit und ohne nennenswerten materiellen Gewinn getan hat, jetzt von einer auf unsern Schultern stehenden und wesentlich nur von den Verkehrsinteressen und der Fremdenindustrie dienenden Geschäftstätigkeit überholt ist und — in allen Ehren — von andern ausgenützt wird, denen wir volens nolens dienen müssen.

So wird der Vertrieb der neuen Karte von Saas-Fee, welcher auf der Rückseite neben der üblichen Landschafts- und Hotelreklame ( nur die Hotels Lagger !) auch eine Liste der Besteigungen, Bergpässe, Ausflüge und Spaziergänge aufgedruckt ist, nebst den Titeln der über Saas-Fee erschienenen Werke ( Dr. Dübi, Saas-Fee und Umgebung; Noëlle Roger, Saas-Fee et la vallée de la Viège de Saas; Monod, les vallées de Zermatt et de Saas ), dem ohnehin mäßigen Absatz meines Führers, der ebenfalls eine Karte in 1: 50,000 enthält, nicht gerade förderlich sein. Denn der große Haufe der Sommerfrischler, der genau genommen für seine aus der Ebene und der Stadt mitgebrachten Moden und Torheiten mehr Interesse hat als für Land und Leute des Gebirgsdorfes, kann nun an Hand dieser Karte und der vorhandenen Reklameliteratur seine Spaziergänge und Ausflüge nach den auf der Karte rot markierten Linien ( vielleicht werden sie es bald auch in der Natur sein ) machen und die vorgeschilderte Aussicht mit der vorgeschriebenen Begeisterung genießen, um dann zu den Fleischtöpfen seines Hotels zurückzukehren. Und mehr braucht er ja nicht. Abgesehen aber von diesen meinen höchst eigennützigen Bedenken ( „ Herr, ich bin nicht besser, denn meine Väter waren " ), kann ich nicht umhin, die neue Karte in künstlerischer Hinsicht als eine erfreuliche Erscheinung zu bezeichnen. Seit der S.A.C. aufgehört hat, aus eigener Kraft und aus eigenen Mitteln die schweizerische Kartographie durch Herausgabe von Eeliefkarten zu fördern, muß er dafür dankbar sein, wenn seinen Mitgliedern solche Karten wie die letztes Jahr angezeigte Exkursionskarte von Reichenbach-Kiental-Kandertal und die heute vorliegende von Saas-Fee und Umgebung durch die Initiative anderer zugänglich gemacht werden, und er muß es mit in den Kauf nehmen, daß die Farbenwirkung des Reliefs und gelegentlich auch der Verlauf der Kurven durch die aufdringlichen roten Wege empfindlich gestört wird. Wie viel schöner und wohl auch verständlicher wirkt dagegen, trotz ihrer etwas dunkeln Farben, die von R. Leuzinger 1881 bearbeitete Reliefkarte des Saas- und Monte Moro-Gebietes, welche dem Band XXVI dieses Jahrbuchs beigegeben ist. Vom Standpunkt des Bergsteigers ist es zu begrüßen, daß auf der neuen Karte Saas-Fee nicht nur die Spazierwege vollständig eingetragen sind, sondern auch die Routen zur Mischabelhütte des A.A.C.Z. ( das Eigentum hätte füglich auch auf der Karte etwas mehr hervorgehoben werden dürfen ), zum Mischabeljoch, Alphubeljoch, auf den Egginer und über den Grat auf das Mittaghorn auf der linken Talseite und auf der rechten die Routen zum Hotel Weißmies, auf den Zwischbergenpaß und von dort auf das Weißmies, auf den Portjengrat ( sowohl die Nord- als die Südseite ) und auf den Antronapaß. Vermißt habe ich die Eintragung der Routen über den Riedpasie führt von Saas-Fee über den Hannig und den Mellig, die Seng-fluh und das Gemshorn, von Saas-Grund über Imseng und den Bieder-gletscher —, auf das Feejoch, von dem aus das Allalinhorn am leichtesten zu ersteigen ist, auf das Sonnighorn und Almagellerhorn, eine Gratwanderung, die neben der Überschreitung des Portjengrates und des Mittaghorn-Egginergrates nicht zu markieren inkonsequent ist. Auch verstehe ich nicht, warum die von Saas-Fee über Galen und Plattje ( das Hotel daselbst ist auf der Karte eingetragen ) dem Ostabhang des Mittaghorns und Egginer entlang führende Linie nur bis auf den Grat des Hinterallalin geführt ist und nicht weiter quer über den Hohlaubgletscher und bei Punkt 3150 vorbei auf den Allalingletscher zum Anschluß an die Allalinpaßroute, welche ihrerseits auch nur vom Hotel Mattmark bis zum Aeußer-Turm am Südrand des Allalingletschers eingetragen ist. Und doch ist gerade dies einer der schönsten Glelscherspaziergänge in der Umgebung von Saas-Fee, zudem der gegebene Zugang von Fee zum Rimpfischhorn und Allalinpaß. Auch die gebräuchlichste Route auf das Mittaghorn von der Ostseite ist übersehen. Beim Mittelpaß ( auf dem Umschlag Sonnighornpaß genannt ) hätte die Abstiegslinie auf der italienischen Seite nicht direkt da eingetragen werden sollen, wo man von der Saaserseite heraufkommt, sie liegt etwa 100 m. höher und südlicher. Auch der Übergang über die Portje, auf dem Umschlag ganz unsinnig Portjenhornpaß genannt, ist nicht am rechten Ort eingetragen. Auf diese und ähnliche Fehler im Siegfr. habe ich schon in meinem 1902 erschienenen Führer auf- Tnerksam gemacht, der also auch neben der neuen Karte noch mit Ehren bestehen kann.

Ähnlich wie der Referent wird vielleicht auch Rev. W. A. B. Coolidge nicht sonderlich erbaut sein über die Konkurrenz, welche der Kur- und Verkehrsverein Grindelwald und der Gletscherpfarrer seinem illustrierten Führer von Grindelwald, von welchem eine revidierte Ausgabe von 1906 mir vorliegt, mit der neuen Karte machen. Immerhin ist die Gefahr des Verdrängtwerdens hier nicht so groß, denn Coolidges Führer samt Karte, die im Maßstab 1: 50,000 ein größeres Gebiet, namentlich nach Süden zu, umspannt, als dies die neue Karte tut, kostet nur 2 Fr. und beschreibt die Spaziergänge und Ausflüge, die auf der neuen Karte mit Linien eingetragen sind, mit Worten. Vom graphischen Standpunkte aus ist die neue Karte zu loben. Ihre Farbgebung ist diskret, die Wege sind nicht in dicken roten Linien eingezeichnet, wie das in den üblichen Verkehrsvereinskarten verkehrterweise üblich ist, sondern wie im Siegfr. schwarz. Die Nomenklatur im Tal und auf den untern Abhängen des Gebirgs ist reicher als im Siegfr., aber die Karte bleibt wegen des verdoppelten Maßstabs doch gut leserlich. Im Hochgebirge sind aber nicht mehr Details zu finden als im Siegfr., und die Vergrößerung hat in der Felszeichnung nur zur Vergröberung geführt. Im ganzen genommen, wird diese neue Karte als Wegleitung bei kleineren Besteigungen und Ausflügen in der Gegend von Grindelwald und als Übersichtskarte bei Gebirgstouren in einem Umkreise, der nördlich bis zum Schwarzhorn, südlich bis zum Fieschergrat, westlich bis zum Mönch und östlich bis zum Lauteraarjoch reicht, gute Dienste leisten.

Nur Reklameliteratur, aber mit dieser Einschränkung preiswürdig, ist das mit einer G. St. gezeichneten Umschlagzeichnung verzierte Heftchen, das sich „ Grindelwald " nennt und innen eine Dorfkarte von Grindelwald in 1: 25,000, außen eine Übersichtskarte des Berner Oberlandes in 1: 250,000 enthält, nebst Hotel Verzeichnis und Liste der Attractions im Sommer- und Winterbetrieb.

Dem letztern ausschließlich dient merkwürdigerweise das „ fröhliche Murmeltier am Schweiz. Ski-Bennen in Grindelwald 1910u, eine Sammlung fröhlich sein wollender Lieder, als deren Sänger ich den Gletscherpfarrer vermute. Fröhlich sind die Zeichnungen dazu von G. Straßer; namentlich der Munk auf dem Titelbild hat etwas „ Aufgewecktes ", das ihm in Anbetracht der ihn umgebenden Winterlandschaft Ehre macht.

Redaktion.

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