Länta – der «andere» Horizont Klettern und Wandern abseits breiter Pfade

Länta, zuhinterst im Valsertal, ist ein Kleinod für Bergbegeisterte jeder Art. Ob für Spaziergänger, Wanderer, Biker, Jäger, Älpler, Bergler, Strahler, Hochtourengänger, Kletterer - die Länta, das urchige Hochtal, hat allen etwas zu bieten.

Jahre später im November. Wieder am Zervreilahorn. Der Schatten hat uns plötzlich eingeholt. Aber noch haben wir Wärme gespeichert und machen weiter. Ein steiler Riss, den man oft selbst absichern kann, führt weiter nach oben. Crash! Scheppernd fliege ich mit der umgehängten Bohrmaschine durch die Lüfte und hänge zwei Stockwerke tiefer. Glück gehabt, es ist nichts passiert. Ich kämpfe mich nochmals hoch und finde den vorhin fehlenden Griff, der weiterhilft. Wiederum entschädigt ein wunderschöner Standplatz die Mühe. Mein Partner zeigt unmissverständlich mit dem Daumen nach unten – und so fixieren wir noch ein paar Seile, um dann in die Dämmerung hineinzutauchen.

Tags darauf keuchen wir in der Dunkelheit hoch, die Jümars eingehängt und hoch zum Umkehrpunkt. Die nächste Länge bietet unglaubliche Kletterei an Rissen, Schuppen und Leisten, wobei man zwischendurch auch mal seine Fusstechnik anwenden darf. « Unsere » Wand wird immer kompakter, die Fragezeichen häufen sich, das Adrenalin geht zur Neige. Kein Zurück! Ich lasse mich weiterpushen. Die Kletterei ist steil, technisch sehr anspruchsvoll, ab und zu zieren ein paar Flechten die Felsoberfläche. Dazu macht sich eine gewisse Müdigkeit breit, und die Frage nach dem Warum ist nicht mehr weit. Aber dann seilen wir auf der Nordseite 10 m ab und nehmen die letzte Seillänge vom Nordostgrat zum Gipfel.

Es ist, als ob man in den Tiefkühler einsteigt. Über eine zum Teil verschneite und wassereisüberzogene Länge mogeln wir uns in den Kletterfinken hoch. Und dann stehen wir oben. Welch ein Gefühl! Die 30 cm Schnee und die tiefe Temperatur lassen uns jedoch ziemlich schnell absteigen. In nur zwei Tagen haben wir in dieser gewaltigen Natur bei teilweise fast winterlichen Bedingungen eine echt tolle Linie gemacht. Das ist Salz im Alltag! 

 

{f:if(condition: label, then: label, else: header} Länta-Informationen

Anreise/Unterkünfte

Anreise: Bei Ilanz vom Vorderrheintal ins Valsertal abzweigen und bis Vals-Zervreila weiter. Dies ist auch mit Zug und Postauto möglich, www.sbb.ch. Von Zervreila bis Chappeli mit dem Auto oder mit dem Zervreila-Shuttle bis zur Canalbrücke. Ab Chappeli absolutes Fahrverbot.

Unterkunft: in der gemütlichen Läntahütte SAC, Tel. 081 935 17 13, www.laenta.ch, oder im Clubhotel Zervreila mit dem berühmten Heidelbeerkuchen, Tel. 081 935 11 66, www.zervreila.ch.

Jede Art von Unterkünften in Vals, Tel. 081 920 70 70, www.vals.ch. Wildes Campieren ist auf dem ganzen Gemeindegebiet von Vals strikte untersagt.

Höhenlage/Klettersaison/Zustieg

Die Klettergebiete befinden sich zwischen 1900 und 2900 m, Exposition vorwiegend sonnig von SE über S bis SW. Klettersaison von Anfang Juni bis Ende Oktober.

Wenn noch Schnee liegt, in den Sektoren Obere und Untere Bastion besonders das Grasband oberhalb der Sektoren beachten. Lawinengefahr! Das gilt auch für den Sektor „El Condor“. Früher zugänglich sind in der Regel die Sektoren „Sendero“ und „Raja roja“ sowie die SE-Seite des Zervreilahorns. Gutes Schuhwerk, mindestens Trekkingschuhe, für alle Zustiege empfohlen. Die Zustiege verlaufen über Alpweiden, steile Grasrampen und Schrofengelände mit z.T. leichten Kletterstellen. Vorsicht bei allen Zustiegen bei Nässe oder Schnee!

Charakter/Ausrüstung/Führer/Topos

Alpines Klettergebiet, wo man die Route selber finden und Keile und Friends setzen muss. Die Absicherung steht unter dem Motto «So wenig wie möglich, so viel wie nötig». Friend- und Klemmkeilsortiment zwingend, dazu zwei 50-m-Seile für die Mehrseillängenrouten.

Die Klettergärten hingegen sind komplett mit Bohrhaken ausgerüstet. Ausführliche Infos und Topos finden sich im Internet unter www.laenta.ch. Topos und Fotos liegen auch auf der Läntahütte SAC und im Verkehrsbüro Vals zur Einsicht auf.

Klettergebiete/Sektoren

Untere und Obere Bastion: zwischen Ochsenstafel und Lampertsch Alp auf der orografisch linken Talseite. Kurze und gefällige Klettereien in der Unteren Bastion, technische Klettereien mit nach oben abnehmenden Schwierigkeiten in der Oberen Bastion.

Raja roja: zwischen Lampertsch Alp und Läntahütte, orografisch linke Talseite, abwechslungsreiches Klettergebiet

Sendero: ebenfalls zwischen Lampertsch Alp und Läntahütte, mit z.T. sehr spezieller Kletterei

El Condor: zwischen Ochsenstafel und Lampertsch Alp, sehr abwechslungsreich, einige kurze Routen, diverse Genuss- und anspruchsvolle Mehrseillängen

Zervreilahorn: für genussorientierte Alpinkletterer ist der NE-Grat ein Muss, für ambitionierte empfiehlt sich « Nanouk »

Boulder- und Top-Rope-Blöcke: zwischen Lampertsch Alp und Läntahütte, nicht zu übersehen. Von ersten Kontakten bis hin zu Hard-Moves; 20 Min. von Läntahütte entfernt

Edelweiss: idealer Ausbildungsklettergarten mit gut abgesicherten Routen vom 3. bis 7. Schwierigkeitsgrad UIAA. Zwei 3-Seillängen-Routen; 10 Min. von Läntahütte entfernt.

JO-Weg: saniert, 4-Seillängen-Route, speziell für Junge, um erstmals Mehrseillängenluft zu schnuppern, 3 bis 5+A0; 10 Min. von Läntahütte entfernt

Hirmastei: kleiner Kletterfelsen mit 5 Routen, 3 bis 6+; 10 Min. von der Hütte entfernt Kletterwand: direkt an der S-Seite der Läntahütte, ideal für erste Abseilmanöver

Gspaltne Stei: kleiner Übungsfelsen mit verschiedenen Routen, 3. bis 7. Schwierigkeitsgrad UIAA; Möglichkeit, um Seilbähnli über Valserrhein zu spannen

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