M13: Dead Bear Walking Konzept Bär wird dem Raubtier nicht gerecht

Der Bär M13 ist tot. Am Morgen des 19. Februar wurde er erschossen. Nekrolog auf ein verfressenes Grossraubtier, das gemäss Konzept Bär hätte umerzogen werden sollen.

Der Schweizer Bär M13 ist Mitte Februar erwacht und hat sein Winterquartier verlassen. Gleich am ersten Wochenende hat er erneut bewiesen, dass er keine Scheu vor den Menschen mehr hat. Er ist auf ein Mädchen getroffen und hat die Jugendliche gehörig erschreckt. Auch konnte er nicht vom Honig lassen. Er hat Bienenstöcke ausgeräumt, Schüsse der Wildhüter beeindruckten ihn nicht, wie Hannes Jenny vom Amt für Jagd und Fischerei (AJF) des Kantons Graubünden auf Anfrage sagte. Damit war endgültig klar: «M13 hat keinen Respekt mehr vor den Menschen.» Am Morgen des 19. Februar wurde M13 erschossen, wie es das Konzept Bär des Bundesamts für Umwelt BAFU vorsieht.

Ein Bär auf Hochtour

Blicken wir zurück: Letzten Sommer hat der Bär grosse Distanzen zurückgelegt, wie die GPS-Aufzeichnungen des AJF zeigen. Er war unterhalb der Sassalb unterwegs, machte einen Abstecher zum Lago Bianco und querte dabei die Siedlungsgebiete im Val Poschiavo, wobei er bei einem Schulhaus Bienenhäuser plünderte. Am spektakulärsten war seine Hochtour am 10. und 11. August. Die Route führte vom Puschlav hinauf zu den Gletschern des Berninagebiets über die Fuorcla da la Sella und hinab ins Val Roseg, «wo er den Tag seelenruhig hinter dem gleichnamigen Restaurant verbrachte», wie Daniel Godli, Bergführer und zuständiger Wildhüter, erzählte. Danach sei M13 via Pontresina in Richtung Livigno weitergezogen. Zum potenziellen Risikobären wurde er letzten Herbst mit dem Einbruch in ein Haus, wo er die Vorräte plünderte.

Zu schnell für das Konzept

Laut dem Konzept Bär des BAFU beginnt die Information der Bevölkerung, sobald ein Bär aufgetaucht ist. Im Val Poschiavo hatten diese Bemühungen denn auch einen gewissen Erfolg. Nach anfänglichem Widerstand gegen das Grossraubtier hatte man sich zusammengerauft. Erschiessen wollte den Bären niemand, gab der Gemeindepräsident von Poschiavo der «Südostschweiz» zu Protokoll. So weitergehen könne es aber auch nicht. Die Präsenz eines Grossraubtiers schafft in einer stark besiedelten Region Probleme. Im Tal gibt es mehr als 1000 Maiensässe. Wie sollen die in nützlicher Frist bärensicher gemacht werden? Lösungen wurden lediglich für die Bienenstöcke gefunden. All diese Massnahmen hätten im Verlauf dieses Sommers umgesetzt werden müssen. Für den Bären M13 war das zu spät.

Amtlich verordnete Umerziehung

Schon letzten Sommer wurde versucht, dem Bären die Scheu vor den Menschen wieder anzuerziehen. «Der Bär wird systematisch nach einem vorher bestimmten Umerziehungsplan vergrämt», ist im Konzept Bär nachzulesen. Was auf dem Papier einfach tönt, ist in der Realität alles andere als banal. Denn Bären sind schlau. «Er kannte die Geräusche der Fahrzeuge der Wildhüter», sagte Georg Brosi, Vorsteher des AJF. Hörte M13 eines, nahm er Reiss­aus. Brosi machte denn auch keinen Hehl daraus, dass er die Vergrämungsaktionen nicht für sehr hilfreich hält.

A fat bear is a dead bear

Das Konzept Bär steht seit dem Abschuss von M13 in der Kritik. Bernd Schildger, Direktor des Tierparks Dählhölzli in Bern, sagte: «Es wäre sinnvoll, wenn man sich über das Konzept Gedanken machen würde.» Im Unterschied zu anderen Ländern mit grösseren Bärenpopulationen würden die Massnahmen in der Schweiz vom BAFU verordnet. «Die Bevölkerung muss eingebunden sein, sie darf nicht einfach Befehlsempfänger sein.» Die Verantwortlichen vor Ort müssten die volle Kompetenz haben, «den Bären so lange mit Gummischrot zu traktieren, bis er genug hat von den Menschen». In den USA und Kanada gilt die Regel: «A fat bear is a dead bear.» Übersetzt: Hat ein Bär sich an die Futtertöpfe der Menschen gewöhnt, ist er tot.

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