«Man ist in einem anderen Modus»

Ralph Näf, Bergführer und Veranstalter des Eiger ­Ultra Trail, über Alpinisten, Athleten und die Frage, ob man als Wettkämpfer beides sein muss.

Bald geht die Rennsaison wieder los. Wie steht es eigentlich um das alpine Know-how der Teilnehmer?

Unterschiedlich. Man sieht zum grossen Teil jene, die auch sonst selbstständig in den Bergen unterwegs sind. Aber auch die anderen. Ich habe an der PDG schon Teams gesehen, deren Mitglieder offensichtlich «nur» Athleten waren und nicht auch Bergsteiger.

Ist das problematisch?

Man muss ja jeweils die Zwischenzeiten einhalten, sonst wird man rausgenommen, doch Selbstüberschätzung ist in den Bergen stets eine der grössten Gefahren. Man darf nicht vergessen, dass es in solcher alpiner Umgebung auch immer die üblichen Risikofaktoren hinsichtlich Wetter und Verhältnissen gibt. Im Verlaufe des Rennens muss jeder Teilnehmer selbst mit Kälte und Wind umgehen und fähig sein, in schwierigen Schneeverhältnissen Ski zu fahren.

Aber man kann schon ein bisschen den Kopf abstellen. Hand aufs Herz: Welcher PDG-Teilnehmer macht sich während des Rennens selbst Gedanken zur Lawinengefahr?

Man ist tatsächlich in einem anderen Modus. Als einmal ein Rennen abgebrochen wurde, fragte ich mich zunächst, weshalb. Erst da fiel mir auf, dass während des Rennens eine ganze Menge Neuschnee gefallen und die Lawinengefahr angestiegen war. Wäre ich selbstständig unterwegs gewesen, hätte ich das natürlich schon früher bemerkt.

Ist es für Sie als Bergführer nicht fast diskreditierend, auf präparierten Pisten unterwegs zu sein?

Überhaupt nicht. Ich habe ja genug Tage im Jahr, an denen ich mit dem Kompass im White-out auf einem Gletscher stehe und den Weg finden muss. Da ist eine ausgesteckte Rennstrecke eine angenehme Abwechslung.

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