Menschen am Berg Geschichten vom Leben ganz oben

«In hundert Jahren wird ein Grosssteil der Gletscher verschwunden sein», wird der ETH-Glaziologe Martin Funk zitiert. Und die Autorin ergänzt: «Die Alpen, die wir kennen, gibt es dann nicht mehr. Sie werden nicht nur anders aussehen, sie werden sich auch anders verhalten und wir uns anders in ihnen bewegen. Das Eis schützt den Berg, es hält ihn zusammen, wie eine Art Kitt, und dieser Kitt löst sich auf. Die Klimaerwärmung legt den Berg frei, Stück für Stück, sie setzt die Bergwände der Witterung aus, taut Böden auf und lässt die Permafrostgrenze steigen.» Die Geschichten vom Leben ganz oben schreibt Melanie Mühl, geboren 1976, in knapper, schlichter Form. Sie porträtiert Menschen, die freiwillig oder schicksalsbedingt in aussergewöhnlichen Verhältnissen zu leben verstehen, die wissen, wo sie hingehören. Verantwortung für die Sicherheit anderer zu übernehmen, die Freiheit festgelegter Grenzen zu schätzen, auf nichts als die eigene Stimme zu hören oder von Tieren gebraucht zu werden macht Sinn. Melanie Mühl versteht es, mit reduzierter Sprache eine Fülle von Stimmungen zu schaffen: sich in das Leben eines Bären einfühlen zu können, bei der Bergbauernfamilie mit am Tisch zu sitzen.

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