Mit besserer Ausbildung ist man immer sicherer unterwegs

Ein Bergsteiger organisiert für seine Arbeitskollegen einen Büroausflug. Auf einer Schneeschuhtour will er ihnen etwas bieten, das sie nicht jeden Tag erleben. Was nach einer netten Idee tönt und bestimmt den ­Zusammenhalt im Team fördern würde, kann im ­Fiasko enden. Passiert auf der Tour ein Lawinenunfall, kann der Bergsteiger überdies noch wegen fahrlässiger ­Tötung oder schwerer Körperverletzung angeklagt ­werden. Denn vor dem Gesetz kann er als «faktischer Führer» gelten, weil er über deutlich mehr Erfahrung in den Bergen verfügt und die Bürokollegen ihm vertraut und seine Weisungen befolgt haben (S. 44).

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Auf keinen Fall sollte man aus Angst vor juristischen Konsequenzen auf Aus- und Weiterbildung verzichten.

Aus diesem Beispiel zu folgern, als ausgebildetem ­SAC-Tourenleiter drohe einem bei jeder privat unternommenen Tour automatisch das gleiche Schicksal, ist aber falsch. Wenn zwei ungefähr gleich gute Berg­steiger oft zusammen unterwegs sind, ihre Touren ­gemeinsam planen und auch die Entscheidungen gemeinsam ­treffen, dürfte es keinen «faktischen Führer» geben. Daran ändert sich auch nichts, wenn einer von ihnen den Tourenleiterkurs besucht und besteht. Nach einem Unfall sind die Umstände im konkreten ­Einzelfall ­entscheidend.

Auf keinen Fall sollte man aus Angst vor juristischen Konsequenzen auf Aus- und Weiterbildung verzichten. Denn unabhängig davon, wie Richter im Extremfall ­urteilen können, ist man mit besserer Ausbildung immer sicherer unterwegs. Und die Ausbildung wissen auch die Richter zu würdigen. Es ist deshalb nicht ­ratsam, seine Kenntnisse künstlich auf Sparflamme zu halten. Wer mit Unerfahrenen eine Tour unternimmt, ohne über das nötige Können und Wissen zu verfügen, verletzt die Sorgfaltspflicht – und dürfte damit die ­Voraussetzung für eine Verurteilung wegen eines Fahrlässigkeits­delikts erfüllen.

Wichtig ist aber auch – um auf das anfangs erwähnte Beispiel zurückzukommen: Jeder Bergsteiger muss ­gewissenhaft entscheiden, welche Tour er zusammen mit welchen weniger erfahrenen Bergkameraden ­begehen will.